Ein Brettspielklassiker neu gedacht

Bei Ubongo handelt es sich im Ursprung um ein Legespiel eines polnischen Autors, das im Jahr 2003 zuerst in Schweden veröffentlicht wurde, ehe es zwei Jahre später auch hierzulande erschien. Ausgestattet mit einer Legetafel und einigen Legeteilen, die stark an die aus Tetris bekannten Tetrominos erinnern, sollt ihr in einer vorgegebenen Zeit versuchen, möglichst viele Felder auszufüllen und dadurch Diamanten zu verdienen. Wer am Ende die meisten Steinchen sein Eigen nennt, gewinnt das Spiel. Nachdem im Jahr 2011 bereits eine Umsetzung als WiiWare erfolgte, die sich noch sehr nah am Prinzip des Brettspiels orientierte, hat sich nun der Münchener Entwickler Nementic Games den Klassiker geschnappt und eine ganz eigene Interpretation für die Nintendo Switch veröffentlicht.


Könnt ihr es schaffen, das Rätsel unter Beibehaltung der leuchtenden Legeteile zu lösen? © United Soft Media Verlag

Im Kern bleibt das Ziel des Spiels auch in dieser digitalen Form gleich: Versucht, ein bestimmtes Feld mit einer bestimmten Anzahl an vorgegebenen Teilen komplett zu füllen. Die Formen dürfen sich dabei am Ende natürlich nicht überlappen und hinzu kommt, dass die Teile nicht nur um 90 Grad gedreht, sondern sowohl horizontal als auch vertikal gespiegelt werden können. Ansonsten ist nicht viel vom klassischen Brettspiel übrig geblieben. Vielmehr erwartet euch unter anderem eine Einzelspielerkampagne, die euch mit zahlreichen Levels zu überzeugen versucht. Die Oberwelt dieses Solo-Modusses ist in diverse Areale unterteilt, die stets über je vier sogenannte Tierwächter verfügen, die wiederum eine variierende Anzahl von spielbaren Missionen bereithalten. Eine Mission steht dabei für eine Legetafel, die es auszufüllen gilt.


Das Lösen der Legerätsel erfolgt während der Kampagne unter wechselnden Bedingungen. Im klassischen Fall erhaltet ihr drei bis sechs verschiedene Teile, die es innerhalb einer vorgegebenen Zeit alle auf der Tafel unterzubringen gilt. Wenn ihr die Aufgabe rasant lösen könnt, erhaltet ihr drei Edelsteine. Braucht ihr jedoch ein wenig länger, wird euch ein Steinchen abgezogen. Und sollte der Fall eintreten, dass der Countdown ganz abläuft, bricht das Level nicht etwa abrupt ab, sondern ihr werdet beim Abschluss mit nunmehr einem Edelstein ausgezeichnet – unabhängig davon, wie lange ihr für die Lösung nach Ablauf der Zeit tatsächlich noch gebraucht habt. Da sich ein Level nach Belieben oft wiederholen lässt, war es für mich während des Tests naheliegend, dass ich eine Aufgabe, die ich nicht in der vorgegebenen Zeit lösen konnte, einfach noch einmal starte, um doch noch die maximale Anzahl an Edelsteinen rauszuholen. Und tatsächlich ist genau das auch problemlos möglich, da die Level nicht zufällig generiert werden. Immerhin hat das Münchener Entwicklerteam hier eine kleine „Falle“ eingebaut, denn die Legetafel erscheint beim erneuten Starten um 90 Grad gedreht, sodass hier stets eine kurze Neuorientierung vonnöten ist.


In der Einzelspielerkampagne gilt es Aufgaben zu lösen, um den abschließenden Test des jeweiligen Tierwächters freizuschalten. © United Soft Media Verlag

Im Verlauf der Kampagne werdet ihr darüber hinaus mit Missionen konfrontiert, die unter leicht abgewandelten Voraussetzungen vonstattengehen und auf der Oberwelt an ihrer farblichen Markierung zu erkennen sind. Bei diesen Aufgaben geht es zwar immer weiterhin darum, Legerätsel zu lösen, aber mal werden euch beispielsweise zu viele Teile zur Verfügung gestellt und ihr müsst euch daraus erst die passenden heraussuchen und mal bekommt ihr wieder eine limitierte Anzahl an Legeteilen, die allerdings auf zwei Felder verteilt werden müssen. Bei diesen Abwandlungen entfällt zudem ein zeitliches Limit, weshalb ich sie stets als eine kleine Entspannung zwischendurch angesehen habe. Schließt ihr diese Level ab, werdet ihr immer mit drei Edelsteinen ausgestattet.


Die wertvollen Steinchen sammelt ihr übrigens, um die zunächst noch verschlossenen Bosslevel freizuschalten. Für jeden Tierwächter ist dabei eine variierende Anzahl von Edelsteinen vonnöten. Ihr müsst aber nicht jedes Level spielen, geschweige denn mit dem bestmöglichen Ergebnis abschließen, um zum Endlevel gelangen zu können. Für die Bossaufgaben selbst hätte ich mir allerdings einen etwas höheren Anspruch gewünscht, denn diese bestehen erneut aus dem Lösen eines einfachen Legerätsels. Hier mag mal ein Teil mehr als bis dahin üblich verbaut werden müssen, aber ein Blick auf den Multiplayermodus offenbart einige Möglichkeiten, die auch an dieser Stelle passend gewesen wären.


Zwei bis vier Spieler können an einer Konsole in den sogenannten „Versus“-Modus starten. Die Aufgabe besteht hier darin, dass jeder zur selben Zeit versucht, je fünf Legerätsel hintereinander zu lösen, um die Runde für sich zu entscheiden. Wer als erstes aus drei Runden siegreich hervorgegangen ist, hat auch das gesamte Spiel gewonnen. Noch bevor allerdings in den Wettkampf gestartet wird, hat jeder Spieler neben der Wahl eines Tierwächters als Profilbild auch die Möglichkeit, sich den Schwierigkeitsgrad individuell einzustellen, was ich dem Spiel hoch anrechne. Der Titel wird damit seinem Anspruch als „Familienspiel“ durchaus gerecht, denn gepaart mit dem einfach zu verstehenden Spielprinzip wird hier wirklich jeder, der des Denkens fähig ist, dazu eingeladen, eine Runde mitzuspielen. Gewürzt werden die Partien zudem durch den Einsatz von Items, die sich positiv auf das eigene Spiel oder negativ auf die Gegenspieler auswirken können. Ein Wirbelwind, der alle Legeteile einmal durchmixt, sorgt beispielsweise für eine stets spaßige Rivalität.


Im Multiplayergefecht solltet ihr stets ein Auge für die umherschwirrenden Itemboxen haben – sonst wandern sie zum Gegner! © United Soft Media Verlag

Ubongo erfreut sich auf der Nintendo Switch zudem einer sauberen Umsetzung – sowohl aus technischer als auch optischer Sicht. Da der Spielename aus dem ostafrikanischen Swahili stammt (und so viel wie „Gehirn“ und „Intelligenz“ bedeutet), besitzt der Titel einen afrikanischen, safariähnlichen Look. Dieser zieht sich audiovisuell konsequent durch das komplette Spiel und wusste zumindest mir zu jeder Zeit zu gefallen. Zudem läuft das Geschehen durchgehend mit einer flüssigen und konstanten Framerate, was angesichts des eher gediegenen Spektakels wenig überraschend ist. Auch die Tastenbelegung scheint durchdacht und ist intuitiv anwendbar. So wird sich mit dem A-Knopf ein Legeteil geschnappt und auch wieder abgelegt. Die Schultertasten dienen zum Drehen in die eine oder andere Richtung, während die X- und Y-Buttons zum Spiegeln verwendet werden. Habt ihr ein Teil aufgenommen, erscheint zudem ein Raster, was ein präziseres Ablegen ermöglicht. Gleichzeitig könnt ihr zum Bewegen eines solchen Teils sowohl den Stick als auch das Steuerkreuz verwenden. Letzteres ist aber leider nur funktionstüchtig, wenn ihr bereits eine Komponente in der Hand habt. Ein merkwürdiger Zustand, ich bin mit dem Stick allerdings ohnehin besser zurechtgekommen, sodass es zu verschmerzen ist.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Chris Holletschek

Das deutsche Entwicklerteam von Nementic Games hat es geschafft, eine gelungene Neuinterpretation eines Brettspielklassikers auf die Nintendo Switch zu bringen. Dabei hält Ubongo sowohl großen Multiplayerspaß für Familie und Freunde als auch einen entspannten Einzelspielermodus bereit, der durch seinen großen Levelumfang für einige Zeit zu beschäftigen weiß. Dabei wird dem Spieler ein hoher Komfort und ein großes Maß an Wohlgefühl geboten. Das zeigt sich beispielsweise im Gameplay – ihr könnt in der Kampagne effektiv nicht verlieren – aber auch in der technischen Umsetzung, da euch keine Barrieren erwarten, die euch vor den Kopf stoßen könnten. Ja, das Spiel lässt sich nach wie vor auf die Tatsache reduzieren, dass ihr hier „nur“ einfache Legerätsel lösen sollt und euch deshalb kein großes Spektakel erwarten wird. Trotzdem bleibt es faszinierend, wie gelungen der Spagat zwischen rasantem Spielspaß im Multiplayer und gemütlichem Gameplay im Solomodus erscheint.

Awards

Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 1

  • Pogopuschel

    Turmritter

    Danke für den Test!
    Habe mir zusätzlich auch noch den Trailer auf der Nintendo-Homepage angesehen und das Spiel zu meiner Wunschliste hinzugefügt.
    Wenn ich mal spontan besonders Lust bekomme oder es gerade im Sale sein sollte, werde ich wahrscheinlich mal zuschlagen. Spiele auf meiner Switch immer wieder relativ viel Picross. Da könnte mir in Zukunft zur Abwechslung auch Ubongo mal sehr gut gefallen.