Endlich eine Arbeit, die Spaß macht

Eines der bekanntesten Couch-Koop-Spiele der letzten Jahre ist ohne Frage die von Ghost Town Games entwickelte, zweiteilige Overcooked!-Serie. Darin verbringt ihr mit bis zu vier Spielern sehr stressige Minuten in der Küche und da muss Teamwork einfach stimmen, damit positive Ergebnisse erreicht werden. Beim gleichen Publisher, Team17, veröffentlichte nun das SMG Studio den Titel Moving Out, der ebenfalls auf ein chaotisches Spielprinzip mit bis zu vier Spielern setzt. Da meiner Meinung nach Overcooked! der wohl beste Couch-Koop-Titel ist, komme ich nicht umhin, Moving Out damit zu vergleichen.


Auf der Farm müsst ihr euch auf viel Chaos einstellen. © Team17

In Moving Out verkörpert ihr einen Mitarbeiter eines Umzugsunternehmens und müsst hauptsächlich Gegenstände in ein Umzugswagen verladen. Das einzige was euch dabei einschränkt, ist die Zeit, denn je schneller ihr alle Objekte verräumt habt, desto höher ist die Chance, eine begehrte Goldmedaille zu erhalten. Schafft ihr es nicht in der vorgegebenen Zeit, müsst ihr euch mit Silber oder Bronze zufriedengeben. Und selbst das natürlich nur, sofern ihr nicht zu langsam seid, denn in diesem Fall müsst ihr das Level wiederholen. Doch keine Sorge, die Zeiten, die für die Bronzemedaille benötigt werden, sind relativ human gesetzt, sodass auch nach vielen Problemen meist mit einer Bronzemedaille abschließt.


Die Schwierigkeit im Spiel besteht darin, die durchschnittlich 15-20 Objekte so schnell wie möglich in den Wagen zu verräumen. Manchmal sind innerhalb des Levels Hindernisse platziert, auf die ihr achten müsst, sobald ihr ein Objekt in der Hand haltet. Um Gegenstände aufzunehmen, ist es erforderlich, die Schultertaste zu drücken und diese auch durchgängig zu halten, was eigentlich ganz gut von der Hand geht. Schwierig wird es mitunter auch direkt am Umzugswagen, denn dann geht es darum, die Objekte irgendwie zu stapeln. So macht es beispielsweise Sinn, die großen Objekte weiter hinten zu platzieren und am Eingang die eher leichteren Kisten zu stapeln. Ansonsten hilft euch die Wurftaste, um die einzelnen Pakete zu stapeln. Es ist bei Moving Out übrigens egal, was ihr alles kaputt macht, denn die Versicherung des Umzugsunternehmens zeigt sich sehr großzügig und zahlt alle entstandenen Schäden.


Auch Büros müssen ausgeräumt werden, doch in diesem spuckt es und ein Geist wandert durch die Gänge. © Team17

Nach dem Spielstart können alle Mitspieler ihren eigenen Charakter zusammensetzen. Die Auswahl beinhaltet dabei einige sehr kuriose Gestalten, denn wo sonst könnt ihr ein Spiegelei als spielbaren Charakter auswählen? Im weiteren Spielverlauf schaltet ihr immer weitere Figuren frei, sodass die Auswahl stetig wächst. Jeden Umzugshelfer kommt mit unterschiedlichen Kopfbedeckungen und Farben daher und jede Figur kann optional sogar in einem Rollstuhl sitzen. Sobald die Charaktere ausgewählt wurden, durchlauft ihr beim ersten Start ein relativ kurzes und gut gemachtes Tutorial, bei dem jeder Spieler die Steuerung kennenlernt. Sobald das Tutorial absolviert wurde, landet ihr auf der interaktiven Weltkarte. Auf dieser könnt ihr euren Umzugswagen steuern und ihn durch die weite Welt manövrieren. Auf der Weltkarte, die wie eine Stadt aufgebaut ist, fahren andere Autos, die mit eurem Vehikel umgestoßen werden können. Auch wenn es in der Spielwelt keine Geheimnisse zu entdecken gibt, macht es einfach Spaß, sinnlos durch die Gegend zu fahren und Autos umherfliegen zu lassen. Solltet ihr allerdings keine Lust haben, die einzelnen Level zu suchen, könnt ihr durch diese auch mit den Schultertasten scrollen.


Alleine kommt ihr nur bedingt voran – helft euch gegenseitig!


Die Level sind zwar sehr abwechslungsreich gestaltet, doch gerade die ersten Level fallen recht generisch aus. Doch je weiter ihr im Spiel vorankommt, umso verrückter werden die einzelnen Level. Eines, welches mir beispielsweise in Erinnerung geblieben ist, ist der Umzug eines Bauernhofes. Da müssen dann eben Tiere in den Umzugswagen geladen werden, die allerdings ziemlich frech sind und auf keinen Fall in den Wagen steigen wollen. So müsst ihr nicht nur die Tiere, die vor euch weglaufen, einfangen, sondern diese auch in den Umzugswagen bringen und den Ausgang mit Heuballen verschließen, da die Vierbeiner ansonsten schnell Reißaus nehmen. Jedes Level kommt mit einer einzigartigen Idee daher, die dem Ganzen einen ganz individuellen Touch gibt, doch diese Individualität macht sich erst im späteren Spielverlauf bemerkbar. Zudem sind auch die kurzen, witzigen Dialoge positiv zu vermerken, die vor und nach den einzelnen Leveln das Geschehen kommentieren.


Es macht Spaß, durch die Oberwelt zu fahren. © Team17

Drückt ihr während des Spielgeschehens auf die X-Taste, werden alle Gegenstände, die ihr in den Umzugswagen räumen müsst, für eine kurze Zeit mit einem kleinen Pop-Up-Symbol versehen. Spielt ihr mit zwei oder mehr Spielern, erscheinen einige schwere Gegenstände, die nur von zwei Personen gleichzeitig getragen werden können. Dies erfordert somit Teamwork und damit auch Absprache zwischen den Umzugshelfern, wobei die meisten Gegenstände auch von nur einem Spieler getragen werden können. Etwas mehr Variation bringen einige mittelschwere Gegenstände mit sich, die entweder von einer Person langsam oder von zwei Personen im schnellen Schritt getragen werden können.


Was ich allerdings bei diesem Spiel vermisse, ist der chaotische Couch-Koop-Charakter wie es bei bei Overcooked! öfters der Fall war. Entweder tragen die Spieler jeder für sich einzelne Umzugspakete, oder zwei Spieler tragen zusammen einen schwerern Gegenstand und führen dabei die gleichen Bewegungen aus. Ich hätte mir mehr kooperatives Gameplay gewünscht - um einmal ein Beispiel zu nennen: Das Level ist zweigeteilt und beide Spieler können sich nur in jeweils eigenen Zonen bewegen und müssen sich die verschiedenen Umzugskisten herüber reichen. Dies würde somit die Kooperation zwischen den beiden Spielern fördern und für wesentlich mehr Chaos sorgen. Eines muss allerdings gesagt werden: Moving Out macht allein wesentlich weniger Spaß als zu zweit. Spielt man das Spiel allein, fallen die schweren Objekte weg, die normalerweise von zwei Spielern getragen werden müssen und somit würde ich allen vom Kauf abraten, die den Titel ohne einen Mitspieler erleben möchten.


Alle Level durchgespielt? Kein Problem, da gibt es noch mehr!


Moving Out bemüht sich darum, einen großen Wiederspielwert zu generieren. So sind in jedem Level drei unterschiedliche Bonusaufgaben versteckt, die euch erst offenbart werden, sobald das Level das erste Mal abgeschlossen wurde. „Zerschlage keine Fenster“, „Werde von keinem Auto angefahren“, „Tiere müssen draußen bleiben“, die Missionen fallen sehr unterschiedlich aus und manchmal sind diese sogar wie ein Rätsel formuliert wie zum Beispiel die Mission „Mache einige Brieffreunde“. Mich persönlich haben die Aufträge weniger interessiert, doch gibt es sicherlich Spieler, die so etwas zu schätzen wissen.


Holt eure Freunde ins Boot, denn Moving Out macht nur mit mindestens zwei Spielern so richtig Spaß. © Team17

Ist euch das Spiel zu schwer, existiert ein Unterstützer Modus, bei welchem ihr die Schwierigkeit des Spiels herabsetzen könnt. Dabei könnt ihr sogar frei wählen, ob ihr beispielsweise die Zeitlimits großzügiger gestalten möchtet oder das Stapeln der Objekte im Umzugswagen nicht mehr erforderlich ist. Ihr könnt auch generell die Schwierigkeit herabsetzen oder es wird euch auch die Möglichkeit geboten, schwierige Level zu überspringen. Es gibt sogar eine spezielle Funktion für Legastheniker, also für Leute mit eingeschränkter Lesefähigkeit, die den Menütext deutlich lesbarer gestaltet. Diese ganzen Funktionen und auch der Möglichkeit, alle Charaktere in den Rollstuhl zu setzen, möchte man das Spiel zugänglicher gestalten und für alle Spielergruppen ansprechbar machen.


Moving Out ist nur lokal im Mehrspieler an einem Bildschirm spielbar, es gibt keine Unterstützung des lokalen Modus zwischen mehreren Nintendo Switch-Konsolen und auch von einer Online-Funktionalität fehlt jede Spur. Dies ist etwas schade, denn das gesamte Spiel fällt meiner Meinung nach viel zu klein aus. Wenn sich mehrere Spieler gemeinsam in den Umzgsstress stürzen und auseinander laufen, zoomt das Bild komplett raus, sodass man kaum mehr etwas erkennen kann. Die Level sind zu groß und die Objekte wiederum zu klein geraten. Dies macht das Spiel somit auch im Tisch-Modus der Nintendo Switch komplett unspielbar. Wünschenswert wäre beispielsweise ein dynamischer Split-Screenmodus, der nur in den geteilten Bildschirm schaltet, wenn sich beide Spieler voneinander entfernen. So gestaltet sich das Spielen als ziemlich anstrengend für die Augen, denn auch die Kantenglättung der einzelnen Objekte ist zumindest auf der Nintendo Switch nicht gut genug und sorgt dafür, dass die Objekte für das Auge verschwimmen und man seinen Charakter nicht zwischen zwei Stühlen wiederfindet. Dies ist ein wirklich sehr ausschlaggebender Kritikpunkt, der gegen das Spiel spricht, da so nicht nur den Spielspaß zerstört wird, sondern auch die Langzeitmotivation des Spiels darunter leidet.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Ilja Rodstein

Die Umzugssimulation Moving Out ist definitiv kein Spiel für Einzelspieler, sondern sollte mindestens zu zweit gespielt werden. Zusammen versucht ihr einen Umzug durchzuführen und eine bestimmte Anzahl von Gegenständen in einem Umzugswagen zu platzieren. Durch die unterschiedlichen Objekte, die euch natürlich im Weg stehen, gestaltet sich dieses Unterfangen allerdings nicht immer einfach und somit müsst ihr auf die Hilfe eurer Mitspieler zählen. Das abwechslungsreiche Leveldesign und die tolle Aufmachung sind eine der größten Stärken des Spiels. Habt ihr alle Level durchgespielt, ist das Spiel noch lange nicht vorbei, denn ihr müsst euch noch darum bemühen, alle Zusatzaufgaben zu erfüllen. Das größte Problem an Moving Out sind allerdings die viel zu groß geratenen Spielwelten, die auf einen viel zu kleinen Bildschirm treffen. Spielt ihr mit mehreren Spielern, ist schwer zu erkennen, ob ihr gerade einen Stuhl oder doch den Fernseher in der Hand haltet. Dies sorgt nicht nur für müde Augen, sondern auch für verwirrende Spielabläufe.
Mein persönliches Highlight: Spiegelei als Charakter, wie kommt man auf sowas?

Awards

Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 5

  • Rei

    Turmheld

    Auf den Test kann man wegen fehlenden Rechten nicht zugreifen.

  • arminius73

    Turmbaron

    Auf den Test kann man sagen fehlenden Rechten nicht zugreifen.

    Embargo bis morgen? :ugly:


    Würde den Test auch gerne lesen, vllt schnappe ich mir dann doch kurzfristig die Retail.

  • Ilja Rodstein

    Redakteur

    @Rei @arminius73 sorry, jetzt gehts

  • play my life away

    Turmritter

    Das Fazit unterstreiche ich so. Ich würde das Spiel gerne alleine spielen, habe nach der Demo allerdings auch direkt gemerkt, dass es als Einzelspieler nicht geeignet ist. Natürlich weiß ich, dass das Spiel nicht darauf ausgelegt ist, aber schade finde ich es trotzdem.

  • hobbit2k

    Turmritter

    Die Demo war ganz spaßig und es fällt wohl zum Glück nicht so schwer aus. Bei Overcooked 2 hab ich da Probleme manche Levels freizuspielen aufgrund der nötigen Sterne. Das ist ärgerlich da ich es mit den Kids eben zum fun spielen will.