Der 80er-Stil-Brawler, der nicht so richtig 80er ist

Bit Dragons Multiplayer-Titel Hyper Jam verspricht packende und kurze Partien auf jeder aktuellen Konsole und somit auch auf der Nintendo Switch. In diesem Arena-Brawler kämpft ihr mit bis zu vier Spielern in einem der vier Spielmodi in einer Arena, die ihr im Spielverlauf immer überblicken könnt. Dabei geht es primär in jedem Modus darum, alle Gegner zu erledigen. Die unterschiedlichen Spielmodi unterscheiden sich dabei nur grob und beeinflussen nur geringfügig das Gameplay.


Eigentlich ganz witzig: Wenn ihr führt, fokussieren sich die Computerspieler auf euch. © Bit Dragon

Mit dem beigefügten Tutorial-Level lernt ihr die nötigen Angriffstechniken, das Blocken von Angriffen, das Einsetzen von unterschiedlichen Waffen und natürlich auch die wichtige Ausweichbewegung. Diese Techniken sind ziemlich einfach zu erlernen und steuern sich soweit ganz gut. Mit den beiden Sticks könnt ihr laufen und gleichzeitig in eine andere Richtung zielen. Die Steuerung fühlt sich dabei gut an und auch das Verwenden der Waffen klappt ganz gut. Meistens braucht ihr den rechten Stick allerdings nicht, denn der spielbare Charakter bewegt sich automatisch in die Blickrichtung.


Mit zwei bis vier Spielern steigt ihr in den Ring und rüstet euch mit unterschiedlichen Waffen, die in zufälligen Zeitabständen auf undefinierten Positionen erscheinen. Die Waffenauswahl ist dabei ziemlich gering; so gibt es mit dem Katana, Hammer, Granatwerfer, Raketenwerfer und Pfeil und Bogen nur fünf unterschiedliche Waffen. Dadurch wird das Spiel von Zeit zu Zeit etwas eintönig, auch deshalb, weil nur sechs Karten zur Auswahl stehen. Doch trotz dieser Eintönigkeit kann der Titel für kurze Zeit richtig viel Spaß machen. Es gibt allerdings keine Möglichkeit, neue Arenen oder Waffen freizuschalten, auch wenn es im Spiel ein Levelsystem gibt. Durch die Levelaufstiege schaltet man nur Kostüme frei, die allerdings eher schlecht zu erkennen sind, da die Charaktere ziemlich klein auf dem Bildschirm dargestellt werden.


Wer auf kurze Partien steht, wird hier gut bedient

Lokal können an einer Konsole nicht nur bis zu vier Spieler miteinander antreten, sondern bei Bedarf auch nur ein Spieler gegen bis zu drei Bots in vier Schwierigkeitsstufen. Schon bei der Wahl des Modus gibt es eine Vielzahl an Einstellungsmöglichkeiten. So können nicht nur Vorteile und die Spieldauer modifiziert werden, man kann auch bestimmte Bewegungsarten wie die Ausweichbewegung limitieren oder sogar Modifikationen wie rutschiger Boden, gleiche Waffen für alle, Waffen können unendlich weit geworfen werden und vieles mehr vornehmen. Diese Auswahlmöglichkeiten bereichern den Spielverlauf und sorgen somit auf Wunsch für zusätzliche Abwechslung. Solltet ihr eure Einstellungen zukünftig wieder aufrufen wollen, könnt ihr diese sogar als Preset speichern.


In dieser Online-Partie hatte ich das Glück, gegen zwei Gegner antreten zu können. Sonst dürft ihr eher mit 1-gegen-1-Partien rechnen. © Bit Dragon

Sobald die spielbaren Charaktere, die sich allesamt nur im Design unterscheiden, ausgewählt wurden, startet das Match. Je nachdem, ob ihr im Team- oder Solo-Modus spielt, endet die Partie, sobald alle Gegner bezwungen wurden. Dauert die Partie zu lange, bildet sich ein immer kleiner werdender Ring, der die Spieler dazu zwingt, enger zusammenzurücken. Verlasst ihr diesen Ring, müsst ihr starken Schaden in Kauf nehmen. Sobald die Partie beendet ist, was in den seltensten Fällen länger als eine Minute dauert, werden die Punktzahlen, die ihr für Schaden oder auch Eliminierungen bekommt, addiert. Durch Punkteleisten wird dies übersichtlich visualisiert. Anschließend darf jeder Spieler eine von vier Modifikationen auswählen, beginnend mit dem Letztplatzierten. Diese Modifikationen sind recht vielseitig, so können sie entweder den Gesundheitsbalken verlängern, eure Angriffsgeschwindigkeit oder Schaden erhöhen oder auch zusätzliche Effekte wie das Einfrieren ermöglichen. Der führende Spieler erhält die verbliebende Modifikation, nachdem alle anderen gewählt haben. Hat ein Spieler übrigens das Punktelimit erreicht, muss dieser ein Match als letzter Überlebender gewinnen. Dies ist eine coole Regel, die nicht nur einmal das gesamte Spiel gedreht hat.


Hyper Jam kann nicht nur lokal, sondern auch online gespielt werden. Das Besondere am Online-Modus ist die plattformübergreifende Spielweise. Es ist aber weder ersichtlich, welche Plattformen angeboten werden, noch ist es möglich, seine privaten Online-Lobbys plattformübergreifend zu gestalten, da die Einladungen über die Freundesliste der Nintendo Switch erfolgen. Einige Partien konnte ich online ausprobieren, doch die Wartezeit bei der Suche kann fünf Minuten oder mehr betragen. Je nach Tageszeit kann es auch dazu kommen, dass man gar keine Gegner findet. Wollt ihr einen Freund mit in die Partie nehmen, ist das kein Problem, denn bis zu zwei Spieler können an der gleichen Konsole online spielen. Die Performance der Partien ist in Ordnung, die verzögerte Reaktion der Spielfigur auf die Bewegungen des Controllers sind allerdings deutlich zu spüren. Ich kann das Spiel also überwiegend für die Offline-Nutzung empfehlen und deshalb keine uneingeschränkte Kaufempfehlung für Einzelspieler aussprechen.


Grafisch ist das Spiel, welches von der Unreal Engine 4 gestemmt wird, völlig in Ordnung, selbst wenn der 80er-Neo-Stil nicht so richtig rüberkommt. Nervig sind die Kampfgeräusche und vor allem die Stimme des Ansagers, die viel zu laut ist. Immerhin kann man die Lautstärke in den Einstellungen etwas verringern. Auch der Soundtrack kann mich nicht wirklich überzeugen und passt eher weniger zum Spiel bzw. dem versprochenen 80er-Stil. Diese Kritikpunkte und auch der viel zu geringe Umfang ließen mich skeptisch werden, auch wenn das Gameplay für ziemlich spaßige Mehrspieler-Partien sorgen kann.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Ilja Rodstein

Ich bin ziemlich gespalten, denn Hyper Jam bringt auf der einen Seite ziemlich spaßige Multiplayer-Partien auf die Nintendo Switch-Konsole, die vor allem dank der vielfältigen Einstellungsmöglichkeiten im Couch-Koop-Modus großen Spaß machen können. Andererseits ist die Liste der Kritikpunkte ziemlich lang. Abgesehen vom nervigen Soundtrack fehlt es mir in diesem Spiel an Abwechslung beziehungsweise am roten Faden, der die Spieler auch auf längere Zeit motivieren soll. Man startet gefühlt immer wieder das gleiche Spiel und kann bis auf Kostüme absolut nichts freischalten. Der plattformübergreifende Online-Modus ist in der Theorie ganz gut, doch Spieler findet man nur zu den Stoßzeiten. Mit der Erfahrung im Offline-Modus sind die Online-Partien nicht zu vergleichen. Solltet ihr also Lust auf einen Arena-Brawler haben und das Spiel nur auspacken wollen, wenn Freunde und Bekannte an der Konsole sitzen, dann nur zu. Möchtet ihr das Spiel lieber allein spielen, lasst besser die Finger davon.

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