Eine echte Herausforderung

Den La-Mulana-Spielen eilt ein Ruf voraus: Sie sollen schwer sein, ohne Hilfe kaum durchspielbar und nur für die größten und geduldigsten Metroidvania-Fans. Der erste Teil erschien ursprünglich bereits 2005 exklusiv in Japan für Microsoft Windows. Erst zwischen 2011 und 2014 erschienen Konsolen-Versionen für die Wii und PlayStation Vita, diesmal auch im Westen. Der Nachfolger La-Mulana 2 konnte dank einer Kickstarter-Kampagne realisiert und 2018 für den PC veröffentlicht werden. Nun wurden beide Teile für die Nintendo Switch portiert und geben motivierten Spielern damit erneut die Möglichkeit, sich daran die Zähne auszubeißen. Denn eines kann ich vorausschicken: Der Ruf ist berechtigt.


In diesem beschaulichen Dorf startet die lange Reise. Den Hot Spa werdet ihr öfter aufsuchen. © NIS America

Im ersten Teil gelangt ihr als der Archäologe Lemeza Kosugi zu den La-Mulana-Ruinen, die große Geheimnisse und Schätze beherbergen sollen, aber auch Gefahren, die zahlreichen Abenteurern vor euch das Leben gekostet haben. Ihr folgt eurem Vater, der bereits in den Ruinen ist und dort hoffentlich wohlbehalten von euch gefunden werden kann. Mehr an Story gibt euch das Spiel zunächst nicht an die Hand und auch sonst seid ihr nun ziemlich auf euch allein gestellt. Immerhin habt ihr schon mal eine Peitsche und einen Laptop bei euch. Mit Ersterer vermöbelt ihr in bester Castlevania-Manier die Monster, Letzteres ist eine coole Lösung, um im Laufe des Spiels mehr Fähigkeiten und Möglichkeiten zu bekommen. Für den Laptop könnt ihr nämlich Software erwerben, die euch bei der Erkundung der Ruinen hilft, etwa ein Textprogramm, das die alten Inschriften entziffern kann. Das Geld dafür bekommt ihr durch Monster, Truhen und zahlreiche Vasen, die ihr zerschlagen könnt. Das Waffenrepertoire vergrößert sich im Laufe des Spiels ebenfalls, sodass ihr zum Beispiel auch auf Wurfsterne oder eine Pistole zurückgreifen könnt.


Ausgehend von einem kleinen Camp mit Geschäften, das quasi als euer HUB dient, kämpft ihr euch in dem 2D-Sidescroller von Ruinenabschnitt zu Ruinenabschnitt und löst dabei Rätsel, um voranzukommen. Aufbau und Mechanik erinnern dabei sehr an das bereits erwähnte Castlevania-Franchise. Statt der Vampir-Thematik dient als Folie in La-Mulana jedoch eher Indiana Jones, dennoch können auch hier Scharen an Skeletten und Fledermäusen ins Jenseits befördert werden. Die Besonderheit der beiden La-Mulana-Titel sind im Vergleich zu anderen Metroidvania-Spielen die Rätsel bzw. der damit einhergehende Schwierigkeitsgrad. Manche von ihnen sind ziemlich offensichtlich und leicht zu lösen, zum Beispiel ein Gewicht auf einen Schalter legen, damit sich in einem anderen Raum eine Tür öffnet. Andere Rätsel erstrecken sich allerdings über ein so großes Gebiet und sind dermaßen gut verborgen, dass man für die Lösung mitunter einen Guide benötigt, will man den Controller nicht allzu oft frustriert in die Ecke feuern. Das sieht dann zum Beispiel so aus, dass zum Weiterkommen ein bestimmtes Grab geöffnet werden muss. Um es überhaupt zu offenbaren, muss mit einer bestimmten Person gesprochen werden (welche das ist, müsst ihr natürlich auch erst einmal herausfinden). Habt ihr das Grab enthüllt, muss es mittels einer bestimmten Handlung aktiviert werden (die wiederum freigespielt sein muss), wodurch ein neues Rätsel startet, für das ihr zwei bestimmte Items benötigt. Um diese zu bekommen, müssen wiederum an ganz anderen Orten jeweils eigene Rätsel und Aufgaben gelöst und dazu Items beschafft werden, und so geht es immer weiter …


Truhen, Monster, sich bewegende Plattformen und Rätsel – was will man mehr? © NIS America

Dadurch ergibt sich eine enorme „Verschachtelung“ an Aufgaben, die schnell unübersichtlich wird. Das führte dazu, dass ich schnell anfing, mir nebenbei Notizen und viele Screenshots zu machen, was ich nur jedem empfehlen kann. Aber selbst damit erschließt sich nicht immer alles von selbst, weshalb man irgendwann wohl nicht drum herumkommt, besagte Guides zu konsultieren. Ich gebe jedenfalls ganz schamlos zu, dass ich nicht nur einmal bei YouTube und in diversen Foren nach Lösungen gesucht und zum Glück gefunden habe, denn sonst hätte ich wohl frühzeitig abgebrochen. Dabei fiel mir auf, dass es anscheinend vielen so geht wie mir und es unter den La-Mulana-GeplagtenBegeisterten keine Schande, sondern eher der Normalfall ist, sich Hilfe zu suchen. Im Gegenteil, man fragt sich dort eher, warum man sich die Spiele ganz ohne Guides antun würde. (Der YouTuber Robinson Nox hat es probiert, was in 260 Spielstunden mündete. Sein Fazit dazu findet ihr hier.) Das Schöne ist, dass das Spielgefühl und Erfolgserlebnis unter dem „Spicken“ überhaupt nicht leiden, denn es gibt auch so genug auf eigene Faust zu entdecken. Also tut euch keinen Zwang an, solltet ihr ebenfalls in die Ruinen herabsteigen wollen. Das gute Gefühl nach einem selbst entdeckten und gelösten Rätsel kann aber natürlich nichts toppen.


Wie der Vater, so die Tochter


Gerade der Schwierigkeitsgrad des ersten Teils, so scheint es, sorgte für Begeisterung bei den Fans, die mittels Crowdfunding La-Mulana 2 ermöglichten. Der Nachfolger spielt fünf Jahre nach dem Debüt. Aus den Ruinen strömen erneut Monster, sodass Lemeza Kosugi wieder um Hilfe gebeten wird. Da dieser jedoch verschollen ist, macht sich seine Tochter auf den Weg, um die Ruinen und den Verbleib ihres Vaters zu ergründen. Im direkten Vergleich hatte ich das Gefühl, dass der zweite Teil den Einstieg etwas leichter macht, da hier teilweise mehr erklärt wird und man zum Beispiel ziemlich schnell eine Fast-Travel-Möglichkeit erhält. Das Gameplay und die Steuerung wirken hier etwas besser und runder, die Grafik hat sich auch verbessert, bleibt aber dem Retrostil treu. Was die Rätsel betrifft, kann man sich auch hier auf ein paar harte Nüsse gefasst machen, sodass die beiden Spiele sich insgesamt sehr ähnlich sind. Auf relevante Unterschiede möchte ich zwecks Spoilervermeidung hier nicht näher eingehen. Wer Interesse an den Spielen hat, sollte sich meiner Meinung nach Teil 1 ansehen und nicht von den Jahren, die das Spiel mittlerweile auf dem Buckel hat, abschrecken lassen. Der Nachfolger ist eine darauf aufbauende Zugabe, die ich allen ans Herz legen kann, die am ersten La-Mulana-Titel Gefallen fanden.


Abschließend bleibt mir nur noch, den gut umgesetzten Retrostil und den Soundtrack, den man auch auf Chiptune umstellen kann, zu loben, welche euch zusammen direkt in die Neunziger versetzen (solltet ihr damals schon an den Konsolen gehangen haben). Ja, es stimmt, inzwischen gibt es unglaublich viele (Indie-)Spiele, die den Pixelstil aufwärmen, aber diese beiden Titel stechen aufgrund der Detailverliebtheit durchaus aus dieser Masse heraus und fühlen sich authentisch an, nicht zuletzt, weil sie im 4:3-Format daherkommen.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Julia Kischkel-Fietz

Der Ruf der La-Mulana-Titel ist gerechtfertigt, denn leicht machen es einem diese Spiele wirklich nicht. Der Mix aus Indiana Jones und Castlevania macht trotzdem jede Menge Spaß, nicht zuletzt auch aufgrund der humorvollen Texte und dem gelungenen Retro-Charme mit passender Musik. Wer eine Herausforderung sucht, ist hier richtig, denn La-Mulana ist ein Schatz vergangener Tage, den es zu heben lohnt. Der Frustfaktor kann nichtsdestotrotz enorm hoch sein und das Gameplay repetitiv, da man allzu oft erneut durch bereits erkundete Gebiete muss. Im Vergleich zu anderen Metroidvania-Titeln kann man zudem keine Innovationen erwarten. Das Spiel ist leider nur auf Englisch spielbar, aber wer damit kein Problem hat, kann Hut und Peitsche abstauben und sich in das Abenteuer stürzen.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 2

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Als Fan von „Rick Dangerous“ auf dem Amiga 500, was offenkundig eine Inspirationsquelle für La-Mulana darstellt, habe ich den ersten Teil vor einigen Jahren auf dem PC ausprobiert, bin aber mit dem Spiel nie richtig warm geworden. Wie richtig erwähnt, gibt es inzwischen eine beinah schon inflationäre Vielzahl an mehr oder weniger gelungenen Retro-Pixel-Indie-Titeln, weshalb ich keine Motivation verspüre, es noch einmal zu versuchen.

  • Darklink666

    Turmheld

    Auch La Mulana 1&2 sind sehr gut gemachte Metroidvanias, die sich v. A. durch den Schwierigkeitsgrad abheben. Als Fan des Genres war der Kauf ein no-brainer.