Ein tierisches Abenteuer

Immer wieder wagen Spieleentwickler den Versuch, nicht nur für den Moment zu unterhalten, sondern Titel zu schaffen, die auch über einen langen Zeitraum in den Köpfen der Spieler bleiben. Genau um solch einen Titel handelt es sich bei Spirit of the North. Dank der von Island inspirierten Landschaften und einer Geschichte, die vollkommen ohne Dialoge auskommt, bekommen wir einen interessanten Titel geboten. Ob dieser auch in unserem Test überzeugen konnte, entnehmt ihr den folgenden Zeilen.


Euch erwartet eine ruhige und idyllische Reise


In Spirit of the North übernehmt ihr die Rolle eines gewöhnlichen Rotfuchses, ohne zu wissen, wieso und warum ihr das tut. In der Rolle von Gevater Fuchs durchstreift ihr eisige Höhlen, große, offene Spielwelten, die vor Farben nur so strotzen und unheimliche, fast düstere Gebiete, die augenscheinlich einer Krankheit zum Opfer gefallen sind. Wie diese Landschaften und die ominöse Krankheit zusammenhängen, müsst ihr mittels kurzer Sequenzen und Wandmalereien selbst herausfinden, denn dies stellt eine der Besonderheiten von Spirit of the North dar. Gesprächspartner sucht man im Spiel nämlich vergebens, einzig ein weiblicher Geisterfuchs taucht immer wieder auf. Dieser weist euch stets den Weg und bringt euch nach und nach sogar einige besondere Fähigkeiten bei.


Die großen und offenen Bereiche laden zum Erkunden ein. © Merge Games

So besonders diese Vorgehensweise auch ist, so nervig empfand ich sie leider auch. Zwar konnten mich die kurzen Filmsequenzen überzeugen, die Wandmalereien sind aber teils so schemenhaft und hieroglyphisch, dass deren Entzifferung für mich eher unbefriedigend war. Auch das Fehlen zusätzlicher Tiere oder Interaktionspartner stört ungemein, wenngleich es auch sehr gut zum Setting passt. Insgesamt entsteht dadurch jedoch weniger das Gefühl des allgegenwärtigen Todes, das durch die wütende Krankheit vermittelt werden soll, sondern eher eines der Leere, da man stets das Gefühl hat, dass etwas in der Welt fehlt. Daher ist Spirit of the North vor allem ein Titel für Spieler, die in diese ruhige und zugleich schöne Spielwelt abtauchen wollen und sich hierfür auch die nötige Zeit nehmen. Denn nur so kommt man wirklich in den vollen Genuss des Titels.


Die einzelnen Fähigkeiten, die ihr im laufe des Spiels erlernt, verleihen euch im Spiel unterschiedliche Interaktionsmöglichkeiten. So könnt ihr beispielsweise Energie aus Blumen gewinnen, um diese an Steinmonumente abzugeben, wodurch sich Türen öffnen. Oder ihr kehrt in euch und übernehmt selbst die Rolle eines Geisterfuches, welcher über Wasser laufen kann. Die Fähigkeiten fallen sehr abwechslungsreich aus und kamen mir in anderen Spielen auf diese Weise noch nicht unter die Augen. Gerade am Anfang fühlt sich das Lösen der Rätsel jedoch sehr repetitiv an, da man durch die noch recht eingeschränkten Möglichkeiten immer das Gleiche machen muss. Dies flacht zum Glück im Verlauf des Abenteuers immer weiter ab, sodass man gerade in den größeren Bereichen das ein oder andere Mal ins Grübeln kommen dürfte, wo und wie es denn nun weitergeht.


Der Geisterfuchs ist euer stetiger Begleiter. © Merge Games

Technisch macht Spirit of the North eine solide Figur. Gerade am TV-Bildschirm sehen die offenen, farbenfrohen Landschaften sehr schön aus, was sich positiv auf das Spielerlebnis auswirkt. Im Vergleich dazu fallen die Texturen im portablen Spielmodus etwas schwammiger aus, was einer schnellen Runden zwischendurch allerdings keinen Abbruch tut. Leider kam es in meiner Testphase immer wieder zu kleineren Bugs und Glitches, sodass ich einmal sogar zu einem Neustart gezwungen war. Dies hat meiner Motivation für den Moment einen Dämpfer verpasst, wenngleich dies auch nur eine kleine Momentaufnahme war.


Für eine gewisse Langzeitmotivation sorgen freischaltbaren Skins für euren Rotfuchs, welche diesen in neuem Glanz erstrahlen lassen. Hierfür müsst ihr tote Menschen finden, die überall im Land verborgen sind. Eure Aufgabe ist es, diese zu erlösen, indem ihr ihnen jeweils ein magisches Artefakt bringt, welches sich in der Nähe des Toten finden lässt. Dies klingt zwar im ersten Moment recht simpel, jedoch lassen sich sowohl die Menschen als auch die Gegenstände im späteren Verlauf nicht einfach im Vorbeilaufen finden, sondern ihr müsst aktiv nach ihnen suchen. Daher solltet ihr stets die Pfade abseits der vorgegebenen Wege absuchen, sofern ihr wirklich alle Geheimnisse von Spirit of the North lüften möchtet. Alles in allem könnt ihr so gut und gerne fünf bis acht Stunden mit dem Titel verbringen, wenn ihr wirklich alles gesehen haben möchtet und ihr euch auf die ruhige Atmosphäre einlassen könnt. Ich muss aber nochmals betonen, dass der Titel davon lebt, die Geschichte selbst zu erleben und verstehen zu wollen, denn das macht den großen Reiz von Spirit of the North aus.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Maik Styppa-Braun

Spirit of the North möchte ein ganz besonderes Spiel sein und schafft es auch. Von Beginn an weiß die tolle Atmosphäre zu überzeugen und die Möglichkeit, dass der Spieler die Geschichte aktiv erforschen kann, stellt eine spannende Möglichkeit dar, zugleich für Motivation als auch Ruhe zu sorgen. Leider stellt sich diese Besonderheit immer wieder als sehr anstrengend und teilweise auch nervig heraus, da einfach die gesamte Spielwelt unheimlich leer und verloren wirkt. Zumindest einige NPCs wären wünschenswert gewesen, zum Beispiel in Form von Sequenzen, wenn man neue Wandmalereien entdeckt. Nichtsdestotrotz bekommen wir spielerisch als auch technisch ein solides Gesamtwerk abgeliefert, das euch durchaus einige Stunden an die Konsole fesseln kann.
Mein persönliches Highlight: Die offenen Spielwelt und ihre Schönheit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • monkee

    Turmritter

    Ließt sich gut und ist aktuell im eShop im Angebot (16,79 €).
    Ich schlag zu und hebe es mir für einen kuschlig, kalten Wintertag auf.