Ein Mix aus Super Smash Bros., Mega Man und Custom Robo

Megabyte Punch ist ein Mix aus Action-Platformer und Beat 'em up, der bereits 2013 erstmals auf der Spieleplattform Steam veröffentlicht wurde. Nintendo-Fans dürfen sich freuen, dass das actiongeladene Abenteuer vom Entwickler und Publisher Team Reptile nun auch den Weg auf Nintendos Hybridkonsole gefunden hat und unter anderem mit einer 4 Spieler-Splitscreen-Unterstützung sowie amiibo-Support punkten kann.


Stark von Super Smash Bros. inspiriert


In diesem außergewöhnlichen Beat 'em up-Abenteuer schlüpft ihr in die Rolle einer frei individualisierbaren Roboterrasse namens Megac, die in dem kleinem Dorf Ventu zu Hause sind. Ihr habt die Aufgabe, eure Heimat vor dem finsteren Valk-Imperium und dem gefürchteten Khoteps zu beschützen, welche es auf den wertvollen Heartcore abgesehen haben, das Herzstück der digitalen Welt. Beim Starten des Spiels könnt ihr zwischen "Adventure Mode" und "Fight Mode" auswählen: Es ist empfehlenswert, zunächst mit dem Adventure Mode zu starten, da dort einerseits die wichtigsten Spielmechaniken erlernt werden und zudem die zahlreichen Roboterteile und Waffen freigeschalten werden können, die schlussendlich auch für den Fight Mode nützlich sind.


Im Adventure Mode kämpft ihr euch durch sechs verschiedene Welten mit jeweils 3 Level und einem Bosskampf. © Team Reptile

Das Spielprinzip in Megabyte Punch lautet, Gegner so oft zu attackieren, bis diese fest genug aus der Stage oder aus der Umgebung gefegt und somit besiegt werden können. Auch das Moveset ist ganz im Stile von Super Smash Bros. gehalten: In der Luft könnt ihr in alle vier Richtungen mit jeweils unterschiedlichen Standard-Angriffen attackieren und könnt auch eine neutrale Luft-Attacke einsetzen. Am Boden könnt ihr zwischen einer Sprintattacke, einer Standard-Attacke nach unten, einer Standard-Attacke nach oben sowie einer neutralen Attacke wählen.


Zudem gibt es individuell gestaltbare Spezial-Attacken zur Seite, nach oben, nach unten und einen neutralen Spezial-Angriff. Mit der rechten Schultertaste könnt ihr einen Schild einsetzen, der jedoch mit starken Angriffen durchbrochen werden kann – am besten eignet sich hierfür eine spezielle "Schildbrech-Attacke", die mit der linken Schultertaste ausgeführt werden kann. Jeder Megac ist standardmäßig neben einem Wandsprung auch mit einem Doppelsprung ausgerüstet – eure Sprungfähigkeiten könnt ihr im Laufe des Spiels durch Ausrüstungsgegenstände noch weiter verbessern. Die Steuerung funktioniert prima und als Controller eignen sich sowohl zwei Joy Con, ein quergehaltener Joy Con, der Nintendo Switch Pro Controller oder ganz klassisch der GameCube-Controller.


Euer Dorf Ventu dient als Oberwelt für den Adventure Mode, in welcher ihr mit anderen Megacs reden, Häuser besuchen sowie Türen zu den insgesamt sechs Welten aufsuchen könnt. In jeder Welt kämpft ihr euch durch jeweils 3 Platforming-Level, um euch anschließend dem Welten-Boss entgegenzustellen, der, ähnlich wie in Mega Man, jeweils eine eigene Spezialwaffe parat hat, welche ihr im Anschluss erlangen könnt. Pro Level habt ihr 3 Leben zur Verfügung – habt ihr alle 3 Leben verloren und seid noch nicht beim jeweiligen Welten-Boss angelangt, müsst ihr wieder von eurem Haus in der Oberwelt beginnen und daraufhin erneut Level 1 der jeweiligen Welt aufsuchen.


Der Splitscreen-Modus wurde im Großen und Ganzen sehr gut umgesetzt. © Team Reptile

Der Aufbau der Level selbst ist vergleichbar mit jenem der Abenteuer-Modi aus Super Smash Bros. Melee und Brawl: Ihr müsst euch durch Areale voller Gegner kämpfen und habt im Laufe des Abenteuers die Freiheit, verschiedene kleine Wege einschlagen zu können, die ein nicht-lineares Spielgefühl erzeugen. Gegner könnt ihr besiegen, indem ihr ihnen so viel Schaden zufügt, bis sie schlussendlich aus dem Bildschirm gefegt werden. Je stärker ein Gegner ist, desto öfter müsst ihr ihn treffen, um ihn besiegen zu können. Umgekehrt können Gegner auch euch selbst ein Leben abziehen und je mehr Schaden ihr erhaltet, desto schwieriger könnt ihr euch bei gegnerischen Attacken am Boden halten.


Im Adventure Mode könnt ihr zudem viele Teile eurer Umgebung wie beispielsweise Wände, den Boden oder Objekte zerstören, entweder durch eure eigenen Waffen oder indem ihr Gegner in die Objekte schleudert. Durch diese Form der Interaktion können sich neue Wege offenbaren, die zuvor verborgen waren. Jedes Level dauert ein paar Minuten und bietet einige versteckte Geheimnisse, die ihr auffinden könnt. Zu den sammelbaren Items zählen beispielsweise neue Waffen oder Farben, mit denen ihr euren Charakter individuell gestalten könnt.


Sehr schön ist die Tatsache, dass der Abenteuermodus sowohl alleine als auch im Mehrspielermodus via geteiltem Bildschirm mit bis zu 4 Spielern erlebt werden kann. Spielt ihr mit mehreren Spielern, so reicht es, wenn einer von euch das Ziel erreicht, um gemeinsam zum nächsten Level voranzuschreiten. Zudem werden euch stellenweise Teleportmöglichkeiten angeboten, um euch zu einem Kampf des anderen Spielers warpen zu können. Immer wieder werdet ihr auf Passagen treffen, die einem Miniboss-Kampf ähneln und bei denen Gegner zwingend besiegt werden müssen, um im Level voranschreiten zu können. Bei den großen Bosskämpfen am Ende einer jeden Welt gibt es im Mehrspielermodus, anders als bei den normalen Level, keinen geteilten Bildschirm, da sich das Kampfgeschehen in einem definierten Bereich abspielt und ein großer Bildschirm ausreichend ist.


Allerlei Individualisierungsmöglichkeiten


Jeder Gegner hinterlässt sogenannte Bits, welche ihr sammeln könnt, um sie als Währung in eurem Heimatdorf für unterschiedliche Dinge wie neue Parts oder Fähigkeiten für euren Roboterkörper ausgeben zu können. Dass ihr nicht alle 100, sondern alle 64 Bits ein neues Leben bekommt, ist ein nettes Detail am Rande. Merkwürdigerweise zählen gesammelte Extraleben nur für das jeweilige Level, in welchem ihr euch gerade befindet und können nicht in das jeweils nächste Level mitgenommen werden, wodurch das Erlangen von Extraleben an Bedeutung verliert – möglicherweise handelt es sich hierbei um einen ungewollten Bug, der noch via Patch behoben wird, schließlich ist diese Eigenheit in der Steam-Version nicht gegeben. Beispielsweise werdet ihr in der Nintendo Switch-Version kurz vor dem Final Boss 128 Bits sammeln, welche 2 Extraleben entsprechen, nur um diese direkt beim Betreten der Final Boss-Tür wieder zu verlieren. Auch verliert ihr in Version 1.0.0 nach jedem einzelnen Level alle gesammelten Ausrüstungsteile und Waffen, sofern ihr diese nicht direkt ausgerüstet habt, was sehr schade ist. Erst wenn ihr aus der jeweiligen Welt ganz herausgeht, habt ihr im Heiminventar wieder Zugriff auf die gesammelten Roboterteile.


Jeder Megac kann frei individualisiert und für den jeweils nächsten Bosskampf aufgerüstet werden. © Team Reptile

Im Dorf Ventu habt ihr euer eigenes Haus, in welchem ihr euren Megac nach Belieben umgestalten und sogar mit amiibo-Figuren exklusive Farbkostüme freischalten könnt. Jede beliebige amiibo-Figur ist mit dem Spiel kompatibel, die freischaltbaren Farben sind jedoch vollkommen zufällig und es macht absolut keinen Unterschied, welche Figur ihr einscannt. Im Dorfshop könnt ihr mit euren gesammelten Bits Roboterteile wie beispielsweise Armteile, Hüftteile, Schulterteile, Beinteile oder Kopfteile kaufen, die eure Fähigkeiten verändern können – das Prinzip ähnelt stark jenem der Custom Robo-Reihe. Die meisten Megacteile sind in den verschiedenen Welten verstreut – insgesamt gibt es 150 verschiedene Teile zu entdecken, die jedoch zum Teil gleiche Funktionen haben. Das Dorf Ventu dient als schöne Oberwelt für das Spiel, jedoch dauert es nur wenige Minuten und ihr habt alle Ecken des Dorfes gesehen und mit allen Megacs gesprochen. Ein größeres Dorf beziehungsweise eine größere Oberwelt mit mehr Interaktionsmöglichkeiten wäre sehr wünschenswert gewesen.


Der Gestaltung eures Megacs und somit eures Movesets sind kaum Grenzen gesetzt: Ihr könnt beispielsweise euren linken Arm in einen Bohrer verwandeln und den rechten Arm mit Missiles ausstatten. Für die Spezial Oben-Attacke könnt ihr wiederum einen Helm ausrüsten, der euch die Fähigkeit verleiht, empor zu fliegen und euch somit leichter wieder auf die Stage retten zu können. Auch Abwehr- und Angriffs-Stärkungen sind eine Möglichkeit, euren Megac konkurrenzfähiger zu machen. Praktischerweise könnt ihr einzelne Moveset- und Farb-Kombinationen als Sets abspeichern, sodass ihr schnell zwischen gewünschten Megacs wechseln könnt. Im Mehrspielermodus wird beim Ausrüsten der Roboterteile für jeden einzelnen Mitspieler das Ausrüstungsmenü über den gesamten geteilten Bildschirm angezeigt, sodass die anderen Spieler so lange warten müssen, bis der jeweils andere Mitspieler alle gewünschten Teile ausgewählt hat. Dies ist ein kleiner Kritikpunkt, der etwas nervig sowie zeitaufwendig sein kann, und eleganter hätte gelöst werden können.


1vs1-Kämpfe auf der Schlachtfeld-Stage machen ähnlich viel Spaß wie in Super Smash Bros. © Team Reptile

Neben dem relativ kurzen Adventure Mode gibt es den Fight Mode, welcher den Fokus rein auf das Kämpfen legt. Ihr habt die Wahl, entweder im Turniermodus gegen CPUs anzutreten und euch nach mehreren aufeinanderfolgenden Kämpfen neue Ausrüstung zu erkämpfen oder im Versus-Modus euch direkt mit menschlichen Spielern zu duellieren. Der Versus-Modus ist der deutlich unterhaltsamere Modus, denn nur hier könnt ihr mit bis zu drei Freunden spielen. Euch stehen über 20 Stages zur Auswahl, die zum Teil ebenfalls jenen von Super Smash Bros. sehr ähneln – sowohl eine Variante des Schlachtfelds als auch eine Variante der Letzten Station aus Nintendos Allstar-Prügler sind auswählbar. Um die jeweiligen Gegner aus der Stage zu fegen, kann das aus Smash Bros. bekannte "Edge-Guarding" sehr nützlich sein. Beispielsweise könnt ihr Luftattacken beim gegnerischen Rettungsversuch im richtigen Moment einsetzen, um die Gegner nicht seitlich auf die Stage zurückkommen zu lassen. Ihr könnt übrigens auch die Anzahl der Leben und die Zeit individuell und nach eurem Geschmack einstellen. Ein Wermutstropfen ist der fehlende Online-Modus, der sich eigentlich gerade für diesen Modus sehr angeboten hätte.


Eine der ganz großen Stärken des Spiels ist definitiv die Musik. Zum Teil erinnern die modernen und zugleich nostalgisch klingenden Electro-Klänge an Mega Man-Musik, ein anderer Track scheint wiederum stark an das Level 1-Thema von Ghosts 'n Goblins angelehnt zu sein. Sowohl die Level- und Welten-Songs als auch die Boss-Melodien sind verdammt gut gelungen und zum actiongeladenen Spielgeschehen fetzig und eingängig komponiert worden. Der Grafikstil ist ein Mix aus Pixel-Art und zugleich modernen Texturen, die das Spiel frisch wirken lassen. Jede Welt ist thematisch unterschiedlich gestaltet, jedoch wären mehr Levelelemente und generell mehr Abwechslung, was das Leveldesign angeht, wünschenswert gewesen – der Platforming-Aspekt des Spiels ist meiner Ansicht nach ein wenig zu kurz gekommen. Auch hätte ich mir etwas mehr Herausforderung gewünscht – schön fordernde Passagen gibt es im Adventure Mode lediglich in der letzten Welt sowie in einem Bonuslevel. Technisch präsentiert sich Megabyte Punch sehr solide und Framerateeinbrüche sind mir kaum aufgefallen. Allerdings gab es im Laufe meiner ungefähr 10 Spielstunden drei Spielabbrüche, die sich leider durch ein abruptes, automatisches Beenden der Software bemerkbar machten. Das Beat 'em up-Adventure bietet übrigens leider keine deutsche Textsprache, lediglich Englisch wird unterstützt.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Felix Eder

Megabyte Punch ist ein gelungener Genre-Mix, der besonders im Mehrspielermodus viele unterhaltsame Stunden bescheren kann. Die Individualisierungsmöglichkeiten sorgen für einiges an Abwechslung und die Angriffsoptionen sowie Spielmechaniken werden vor allem Super Smash Bros.-Fans sofort vertraut sein. Löblicherweise kann der Adventure Mode sowohl alleine als auch mit bis zu vier Spielern bestritten werden und euch wird obendrein eine kleine, aber nette Geschichte geboten. Insgesamt hätte ich mir allerdings gewünscht, dass die im Ansatz nette Oberwelt noch größer und die Level in den sechs Welten noch abwechslungsreicher gestaltet worden wären. Der Versus-Modus kann lokal durchaus begeistern, jedoch ist etwas schade, dass kein Online-Modus eingebaut wurde, denn dieser hätte sich für Megabyte Punch sehr angeboten.
Mein persönliches Highlight: Der lokale Mehrspielermodus und der tolle Soundtrack

Awards

Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Tomaru

    M&M - Minish Mage

    Die USK ist genauso wie alle anderen einfach nur auf Aufmerksamkeit geil, ist doch wahr... :x