Eigenwilliger Genre-Mix

Atomicrops, das am 28. Mai für die Nintendo Switch erschienen ist, wagt einen interessanten Spagat. Das Spiel des Entwicklers Raw Fury bringt nämlich zwei Genres zusammen, die ansonsten recht selten in Verbindung gebracht werden. Es kombiniert eine Landwirtschaftssimulation mit einem Rogue-like. Ihr übernehmt die Kontrolle über eine Landwirtin (oder einen Landwirt), die es sich in einer postapokalyptischen Welt zur Aufgabe gemacht hat, eine naheliegende Ortschaft mit Lebensmitteln zu versorgen. Wie nicht anders zu erwarten ist, hat die atomare Katastrophe, die das Spiel zu Beginn heimsucht, ihre Spuren hinterlassen. Das hat sowohl Vor- als auch Nachteile. Der Vorteil ist, dass das bestrahlte Gemüse rasend schnell wächst und gedeiht. Der Nachteil ist, dass die ebenfalls mutierte Fauna jegliche Scheu vor Menschen verloren hat und nachts die Felder stürmt. Neben der landwirtschaftlichen Arbeit besteht eure Hauptaufgabe daher darin, eure Kürbisse, Kartoffeln und Maiskolben gegen die anrückenden Gegnerwellen zu verteidigen.


Die nicht so nette Fauna von eurer Farm fernzuhalten, ist eure Hauptaufgabe im Spiel. © Raw Fury

Durch das verrückte Szenario und den gewagten Mix an Spielelementen hätte Atomicrops eigentlich das Potenzial, eine amüsante Geschichte zu erzählen und die eigene Welt näher zu beleuchten. Leider nutzt das Spiel dieses Potenzial in keiner Weise aus. Die Welt von Atimicrops bleibt – von der schönen Pixelgrafik einmal abgesehen – weitgehend kalt. Es gibt keine interessanten Charaktere, kein zu lösendes Mysterium und, jenseits der eigentlichen Spielaufgabe, auch keine größeren Interaktionsmöglichkeiten mit der Welt und ihren Bewohnern. Die Interaktion mit den Dorfbewohnern beschränkt sich im Wesentlichen darauf, ihnen Gegenstände abzukaufen. Dazu zählen unter anderem zufällig zusammengestellte Waffen, Spitzhacken und Reparatursets für Brücken, mit denen ihr neue Teile der Spielwelt freischalten könnt. Daneben gibt es noch die Möglichkeit, mit einigen Charakteren zu flirten, indem man ihnen eine oder mehrere Rosen schenkt. Die Rosen müsst ihr zuvor, wie euer Gemüse, anpflanzen und darauf achten, dass sie nicht gefressen werden. Die vom Spiel selbst beworbene Möglichkeit, einen Partner zu heiraten, entpuppt sich dabei aber als nur oberflächlich verpackte Spielmechanik. Kurz gesagt, bieten euch die verschiedenen möglichen Partner Boni, die ihr mit euren Rosen freischalten könnt. Das können beispielsweise zusätzliche Leben oder eine erhöhte Laufgeschwindigkeit sein.


Wenn schon die Welt nicht wirklich zu überzeugen weiß, bleibt die Frage, ob die Kombination aus Landwirtschaftssimulation und Rogue-like das Ruder herumreißen kann. Eine Runde in Atomicrops läuft ungefähr so ab: Ihr startet mit einem kleinen, auf der Karte zentral gelegenen, Feld und einer Handvoll Gemüsesamen, die ihr anpflanzen müsst. Dafür müsst ihr zunächst das Feld bestellen, dann die Samen pflanzen und es zu guter Letzt bewässern. Wenn ihr das erledigt habt, zieht ihr aus, um in der Umgebung zusätzliche Samen oder Items zu finden, die euch gegenüber euren Gegnern einen Vorteil verschaffen. Die Karte wimmelt dabei nur so von mutierten Kaninchen und wild gewordenen Stieren, die es auf euch abgesehen haben. Die Kämpfe mit den tierischen Widersachern spielen sich dabei wie ein herkömmlicher Twin-Stick-Shooter.


Wenn die Nacht einbricht, solltet ihr schnell zu euren Pflanzen zurückkehren, denn sobald die Sonne untergegangen ist, wagen sich die mutierten Vierbeiner aus der Deckung und versuchen, euch Kartoffeln und Co. vor der Nase wegzufressen. Wenn ihr die nacheinander eintreffenden Wellen an Gegnern abgewehrt habt, werdet ihr am anbrechenden Morgen von einem Hubschrauber abgeholt, der euch zurück ins Dorf bringt, in dem der bereits geschilderte Kreislauf aus Upgrades seinen Lauf nimmt. Ihr kehrt anschließend auf das Feld zurück, um noch mehr Gemüse anzupflanzen. Wie es sich für ein Rogue-like gehört, tut ihr das solange, bis ihr gestorben seid. Eure Gesamtpunktzahl, die sich nach den erledigten Gegnern und den geretteten Pflanzen richtet, gibt euch dann Auskunft darüber, wie erfolgreich eure Runde war.


Im Dorf könnt ihr euer verdientes Geld für Waffen und Werkzeuge ausgeben. © Raw Fury

Dieser Ablauf klingt zunächst nach einer spannenden Kombination verschiedener Spielmechaniken. Leider gelingt es Atomicrops aber nicht, diese zu einem stimmigen Gesamtpaket zu kombinieren. Die beiden Hauptelemente – Landwirtschaftssimulation und Twin-Stick-Gefechte – werden von anderen Genrevertretern deutlich besser umgesetzt. Da die Möglichkeiten, die eigene Farm auszubauen, sehr begrenzt sind, fehlt es an dem Motivationsfaktor, sich längerfristig mit dem Aufbau der eigenen Gemüsewirtschaft zu beschäftigen. Die Gefechte hingegen sind relativ solide, bieten aber gegenüber anderen Spielen keinen deutlichen Mehrwert.


In audiovisueller Hinsicht hinterlässt Atomicrops einen soliden Eindruck. Das Spiel profitiert vom Charme der Pixeloptik und es gelingt ihm, das Geschehen mit stimmigen Melodien und Soundeffekten zu begleiten. Die verschiedenen Areale, die ihr im Rahmen des Spiels betreten könnt, haben dazu jeweils eigene Melodien, die sich an den Themen der Abschnitte orientieren. Insgesamt hinterlässt die Gestaltung des Spiels noch den besten Eindruck.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Adis Selimi

Es ist grundsätzlich immer gut, wenn Spiele sich etwas Neues trauen. Insofern ist es den Entwicklern von Atomicrops hoch anzurechnen, dass sie sich an dieser Kombination aus Landwirtschaftssimulation und Rogue-like herangewagt haben. Das fertige Produkt kann ich als Spiel aber leider nur bedingt empfehlen. Atomicrops krankt an einer Welt, der es – jenseits der netten Optik – an Tiefe mangelt. Die beiden Hauptkomponenten des Spiels haben andere Genrevertreter, die keine Experimente gewagt haben, bereits besser umgesetzt. Atomicrops ist daher ein interessantes Experiment, das für eingefleischte Rogue-like-Fans einen Blick wert sein dürfte. Alle anderen greifen lieber zu weniger experimentierfreudigen Genrevertretern.
Mein persönliches Highlight: Die schöne Pixeloptik.

Die durchschnittliche Leserwertung

0 User haben bereits bewertet