Rennspiel und Rennsportmanager in einem

Der italienische Entwickler Milestone S.r.l. ist spezialisiert auf Motorrad-Simulationen und seit dem Jahr 2017 wird auch regelmäßig die Nintendo Switch bedient. So verfügt Milestone über eine Reihe an Lizenzen, wie zum Beispiel die Lizenz der MotoGP-Klasse, der höchsten Rennklasse des Motorrad-Rennsports. So ist im Spiel MotoGP 20 die aktuelle Saison der ersten, zweiten und dritten Liga enthalten und nicht nur die originalen Strecken können befahren werden, sondern das Spiel enthält auch eine Reihe von Fahrer- und Fahrzeuglizenzen. Verfolgt ihr also die MotoGP-Klasse, werdet ihr viel Spaß mit diesem Spiel haben.


Vor dem Start der Saison könnt ihr unterschiedliche Konfigurationen eures Motorrads testen. © Milestone S.r.l.

Eine Saison-Unterstützung bedeutet selbstverständlich auch, dass man auch eine gesamte Saison spielen kann. Dies ist der wichtigste Spielmodus und er bietet euch einen gesamten Rennkalender. Dort könnt ihr eure Rennen fahren, die selbstverständlich freies Training, Qualifikation und das entscheidende Rennen beinhalten. MotoGP 20 ist aber nicht nur eine Rennspielsimulation, sondern auch ein extrem umfangreicher Karrieremanager. So könnt ihr Techniker, Manager und mehr für euer Team einstellen – diese beraten euch in euren Aufgaben. Das Spiel ist nämlich wirklich kompliziert, denn jede Kleinigkeit kann eingestellt werden. Die Reifenart, das Tankvolumen oder auch unglaublich detaillierte Sachen wie Bremssysteme, die aerodynamische Fahrweise aber auch umfangreiche Motoreinstellungen. Anfänger wie mich hat mich das Spiel erschlagen und ich bin mir sicher, dass man selbst nach einer kompletten abgeschlossenen Saison immer noch nicht das Spiel komplett verstanden hat. Tutorials gibt es hier nämlich nicht, ihr müsst euch auf die ungenauen Texte verlassen, die euch die Funktionen erklären sollen. Wünschenswert wären mehr automatische Funktionen gewesen, damit man sich zunächst auf das Wesentliche konzentrieren kann. So hätte ich mir Funktionen gewünscht, die sich zum Beispiel automatisch für die idealen Reifen, Bremsen und mehr entscheiden. Ich will erstmal in Ruhe das Rennen fahren, ohne mich durch die umfangreichen Menüs des Rennsportmanagers durchkämpfen zu müssen.


Das wohl komplizierteste Rennspiel der Welt


Auf der Strecke wird es allerdings weiterhin kompliziert. Rechts unten gibt es zusätzliche Einstellungsmöglichkeiten wie die Stufen der Motorbremse, Traktionskontrolle, Anti Wheelie oder auch Power Mapping. Ihr wisst nicht was damit wirklich gemeint ist? Ich auch nicht! Das große Problem an diesem Spiel sind die kaum vorhandenen Erklärungen, dadurch habe ich diese Auswahlmöglichkeiten nie genutzt. Zusätzlich dazu mussten diese mit dem Steuerkreuz während des Rennens angepasst werden, doch hatte ich einfach nie die Zeit das Menü zu bedienen. Womöglich habe ich deshalb große Schwierigkeiten bei den Rennen gehabt und hatte nur gegen schwach eingestellte Computerspieler eine Chance.


Im Rennen könnt ihr dann euer Wissen aus dem freien Rennen und der Qualifikation auf die Probe stellen. © Milestone S.r.l.

Auch wenn im Rennen eine eingezeichnete Idealspur existiert, die mir als Anfänger gezeigt hat wie ich zu fahren habe, fiel es mir trotzdem schwer in das Rennen reinzufinden. Die Steuerung ist ziemlich träge, was aber keinesfalls schlecht ist. Das Spiel versucht so realistisch wie möglich zu wirken und ein realistisches Rennspiel steuert sich eben nicht so einfach wie Mario Kart. Das realistische Fahrgefühl wird nicht nur durch die realistischen Strecken oder dem Fahrverhalten generiert, sondern auch durch interessante Fahrinformationen während des Rennens. So wird zwischenzeitlich zum Beispiel auch euer zeitlicher Abstand zum Fahrer vor und nach euch oder auch zum Erstplatzierten angezeigt. Weiterhin werden auch mögliche Zweikämpfe zwischen zwei Fahrern am Bildschirmrand eingeblendet. Diese Funktionen sorgen für ein authentisches Fahrvergnügen, falls ihr auf realistische Rennen steht, könnt ihr auch auf die Cockpit-Ansicht umschalten.


Als dritter Nintendo Switch-Ableger der MotoGP-Serie sieht MotoGP 20 auf der Hybridkonsole so gut wie noch nie aus. Allerdings ist es etwas falsch diesen Titel hübsch zu nennen, denn es ist immer noch eine große Pixelflut. Zumindest im TV-Modus halten sich die Pixel in Grenzen und nach einigen Rennrunden blendete mein Gehirn die Grafikschwächen aus. Mit MotoGP 20 hat man eigentlich ein neues Schadensmodell eingebaut, jedoch wird dies durch die eingeschränkte Grafik kaum auffallen. Im Handheld-Modus wird der Pixelbrei allerdings deutlich sichtbarer und somit kann ich das Spiel dort überhaupt nicht empfehlen. Doch lohnt es sich überhaupt das Spiel für die Nintendo Switch zu kaufen, wenn es im Handheld-Modus nahezu unspielbar ist und auf den anderen Konsolen um Welten besser aussieht? Nein! Ich empfehle euch das Spiel auf den anderen Konsolen zu kaufen, falls ihr die Möglichkeit dazu habt.


Ein Spiel nur für Vollblut-Rennsportfans


Fans von MotoGP 20 werden sich sicherlich über die Lizenzierung freuen, doch könnte euch womöglich auch der historische Modus reizen. In diesem spielt ihr altmodische Motorräder mit bekannten Fahrerlegenden. Andere Spieler werden sich sicherlich über die vielen Einstellungsmöglichkeiten freuen. Man kann beispielsweise einen eigenen Fahrer kreieren, welcher bei realen Teams angestellt wird. Ich bin mir allerdings sicher, dass das Spiel nicht nur MotoGP-Fans ansprechen kann, sondern generell Rennsportfans. Vieles ist ähnlich aufgemacht wie bei der Formel 1, seien es die unterschiedlichen Räder oder auch einige der 20 offiziellen Strecken.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Ilja Rodstein

MotoGP 20 spricht leider nur eine sehr kleine Zielgruppe an: Rennsport-Fans, die nicht nur das Gas- und Bremspedal betätigen und links und rechts steuern wollen, sondern sich auf umfangreiche Modifikationen stürzen möchten. Das Spiel umfasst so viele Modifikationsmöglichkeiten, dass es meiner Meinung nach zu viele sind, doch bin ich kein Vollblut-Rennsport-Fan und somit nicht die Zielgruppe. Falls euch die Einstellung der Power-Mapping-Funktion, die unterschiedlichen Reifenprofile oder auch unterschiedliche Motorkonfigurationen reizen, dann könnte euch dieses Rennspiel, welches eher einem Rennsportmanager gleicht, gefallen. Möchtet ihr nur gemütlich Rennen fahren, dann seid ihr hier falsch, denn das Spiel geht davon aus, dass ihr euch mit den ganzen Modifikationen auskennt und gibt euch somit keine Tutorials vor. Die Nintendo Switch-Version des Spiels ist optisch zumindest im TV-Modus in Ordnung, im Handheld-Modus sieht das Spiel aber so schwammig aus, dass ich euch eher empfehlen würde, das Spiel für die PlayStation 4, Xbox One oder den PC zu kaufen. Falls euch die MotoGP-Serie nichts sagt, ihr aber zum Beispiel die Formel 1-Serie liebt, dann lohnt sich vielleicht ein Blick in dieses Spiel, denn auf der Nintendo Switch gibt es bislang kein Rennspiel mit einem so großen Realismus wie in MotoGP 20.
Mein persönliches Highlight: Der Realismus ist gut getroffen worden.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 7

  • AlexWoppi

    Turmheld

    Erst wenn es irgendwann mal der Online Mehrspieler in ein MotoGP für die Switch schafft, erst dann werde ich mir einen weiteren Teil kaufen. So hingegen ist es von Jahr zu Jahr das Gleiche, besserer Umfang, etwas aufpoliertere Grafik und ein bisl mehr Realismus. Rechtfertigt keinen Kauf für mich. Trotzdem, guter Test.

  • UnbreakableAlex

    Game Boy

    Mit wieviel FPS läuft es?

  • HonLon1

    "ich bin mir sicher, dass man selbst nach einer kompletten abgeschlossenen Saison immer noch nicht das Spiel komplett verstanden hat. "
    Die F1 Spiele bieten sogar noch mehr Einstellungsmöglichkeiten :P


    "Womöglich habe ich deshalb große Schwierigkeiten bei den Rennen gehabt und hatte nur gegen schwach eingestellte Computerspieler eine Chance."
    Nein, mit dem Digikreuz hat man in meiner Erinnerung stets nur was für fortgeschrittene Fahrer. Wenn jemand MotoGP Spiele gewöhnt ist und gut ist, kommt diese Person auch ohne Digikreuz auf jedem Schwierigkeitsgrad zurecht gegen Computer.


    Das hab ich schon über einen der letzten Tests zu realistischen Racern gesagt: Man merkt, dass es in der Ntower Redaktion keine Vollblut Racer gibt. Der Test ist kurz und sagt den Interessenten Leuten lediglich, dass es das Spiel gibt. Die Tiefe über Technik und Steuerung fehlt im Test komplett. Das ist nicht abwertend gemeint, aber da merkt man halt die mangelnde Erfahrung mit solchen Spielen.


    Ein besserer Vergleich zum Vorgänger hätte aber im Bereich des Möglichen gewesen sein müssen. So kommt nicht raus, was neu ist oder eben die technische Entwicklung.


    Insgesamt freut es mich zwar, dass solche Spiele und Tests überhaupt kommen, für die Wii U hätte ich so was sicherlich gekauft, aber die Switch hängt der Konkurrenz in Hardware einfach so weit hinterher, dass es keinen Sinn macht, solche Simulationen (oder Simcades) auf der Switch zu kaufen, wenn man es auf einer anderen Plattform spielen kann.

  • Saturninus

    Turmamazone

    Mit wieviel FPS läuft es?

    Hält keine stabile 30 FPS und fällt oft herab auf unter 20 FPS. Im Vergleich zum Vorgänger (MotoGP 19) ist MotoGP 20 FPS mäßig ein massives Downgrade.


  • einhaufenpizza

    Turmritter

    @AlexWoppi aber für Erstkäufer (wie mich; Preis/Sale entscheidet) wär's was :)

  • AlexWoppi

    Turmheld

    @einhaufenpizza ok, das ne andere Abteilung. Sorry

  • UnbreakableAlex

    Game Boy

    @Saturninus


    ouch! Selbst 30 sind ein Nogo für mich. Ich brauch mindestens 60fps bei schnellen Games. Aber eigentlich auch bei langsameren Games :D angenehmer für die Augen.