Wer war ich nochmal und wieso folgt mir eine Killer-AI?

Stellt euch vor, ihr wacht auf und stellt zwei Dinge fest: Ihr habt keine wirkliche Ahnung, wer ihr seid und euer Körper ist bis oben hin augmentiert, sodass ihr mehr einer Maschine als einem Menschen gleicht. Erschwerend kommt hinzu, dass euch plötzlich eine KI begegnet, die sich als euer Begleiter ausgibt und die euch zumindest ein Ziel vorsetzt: Ihr sollt sie ins Feindesland bringen, um eine dortige Terroristenzelle auszulöschen. Vorher muss sie jedoch noch genügend Daten sammeln, vorzugsweise über euch und eure Vergangenheit, die es nun aufzuschlüsseln gilt. In dieser Situation findet sich Valor wieder, ein Killer, der sich in einer dystopisch-postapokalyptischen Welt auf die Suche nach seinen Erinnerungen macht und mit der Zeit beginnt, sein eigenes Handeln zu hinterfragen.


Die Welt von Resolutiion zeigt sich vielfältig und mitunter auch wirklich schön. © Deck 13

Resolutiion nimmt sich für all dies übrigens keinerlei große Erklärungszeit. Ihr werdet direkt ins Geschehen geworfen und müsst euch die Welt und auch euch selbst Stück für Stück erschließen. Dabei geht das Spiel recht geschickt vor und wirft euch immer wieder ein paar Brotkrumen zu, zum Beispiel in Form von Charakteren, die euch bereits zu kennen scheinen und euch mal mehr, mal weniger freundlich gesonnen sind. Dazu kommen einige Informationshäppchen, die ihr durch die verschiedenen Gespräche mit den Bewohnern der heruntergekommenen, in einem ganz bestimmten Stil daherkommenden Welt erhaltet. Denn bei Resolutiion handelt es sich um ein Pixel-Art-Spiel, von denen es mittlerweile eine riesige Menge auf dem Markt gibt und die sich gut und gerne auch mal wie ein Ei dem anderen gleichen. Zum Glück ist das bei Resolutiion nicht ganz so extrem der Fall, denn auch wenn der Pixel-Look teilweise frappierende Ähnlichkeiten mit Titeln wie Hyper Light Drifter aufweist, schafft es die Art und Weise, wie das düstere Setting dargestellt wird, sich immer noch genug von der Konkurrenz abzuheben. Das verschafft dem Grafikstil eine Daseinsberechtigung, die heutzutage nicht automatisch gegeben ist, wobei man deutlich sagen muss, dass das Spiel in Bewegung um einiges hübscher wirkt als auf den statischen Screenshots.


Im Allgemeinen fällt die Welt von Resolutiion recht vielseitig aus. Während am Anfang bedrückende Dunkel- und Grautöne zu dominieren scheinen, verschlägt es euch mit der Zeit in deutlich abwechslungsreichere Gebiete, wie zum Beispiel einer Wüste, einer heruntergekommenen Hafengegend sowie einem „Königreich“, das vollkommen von organischem Gewebe überzogen wurde. Doch eine gute Spielwelt steht und fällt nicht nur mit der Grafik, sondern auch mit seinen Bewohnern und auch hier haben die Macher eine gute Arbeit geleistet. Denn die einzelnen Charaktere, denen ihr begegnet, haben mitunter den Niedergang eines einstigen Imperiums miterlebt und verfolgen daher ihre eigenen Ziele und Wünsche. Dabei wirkt keiner der vielen NPCs wie eine Abziehfigur, die man an beliebigen Stellen hingeklebt hat, sondern wie ein Individuum – auch wenn das optisch eher weniger der Fall ist. Je weiter Valor in der Geschichte voranschreitet und je mehr Menschen er trifft, desto mehr erfahrt ihr über die Welt, ihre Strukturen und den täglichen Überlebenskampf ihrer Bewohner und, wie bereits erwähnt, werdet ihr des Öfteren zum Nachdenken angeregt, ob euer Tun nun das Richtige ist. Zwischendrin droht Resolutiion etwas in eine Pseudo-Tiefe abzurutschen und mit eher nichtssagenden Rhetoriken daherzukommen, doch das ist eher selten der Fall. Habt ihr euer vermeintliches Ziel nach gut zehn Stunden Spielzeit erreicht, ist das Spiel übrigens noch lange nicht vorbei. Denn letztendlich gibt es mehrere Enden, von denen eines das „richtige“ ist und noch ein wenig Laufarbeit eurerseits erfordert.


Es verschlägt euch später jedoch auch in Gebiete, die deutlich bizarrer anmuten. © Deck 13

Ich habe nun viel über die Handlung und Spielwelt erzählt und das aus gutem Grund, denn hierbei handelt es sich definitiv um die Stärken von Resolutiion. Gameplaytechnisch erwarten euch nämlich keine allzu großen Überraschungen. Das Spiel lässt sich noch am ehesten als Action-Adventure mit Metroidvania-Anleihen bezeichnen. Zu Beginn habt ihr euer Schwert als Waffe zur Verfügung, mit dem ihr eure Gegner beharken könnt. Wenn es dann doch einmal brenzlig wird, steht euch ein Sprint zur Verfügung, mit dem ihr zügig Distanz zwischen euch und euren Feinden aufbauen könnt, nur um dann wieder mit einem schnellen Angriff zuzuschlagen. Das ist auch die bevorzugte Strategie für die meisten Kämpfe außerhalb der Begegnungen mit den verschiedenen Bossgegnern, zu denen wir noch kommen. Ein kleines Detail, das aber mit deutlich mehr Tiefe daherkommt, als man anfangs denkt, ist die Tatsache, dass ihr eure Gegner verschonen könnt. Habt ihr die Lebensenergie eurer Kontrahenten gen null geprügelt, brechen diese zusammen und sind euch schutzlos ausgeliefert. Euch bleibt nun die Qual der Wahl: Gebt ihr ihnen den Gnadenstoß oder lasst ihr sie am Leben. Spielerisch wirkt sich das im ersten Moment nur insofern aus, dass verschonte Gegner nach einer Weile wieder auf die Beine kommen und euch entsprechend zusetzen – doch so wie sich Valor im Laufe der Geschichte hinterfragt, könntet ihr das in diesem Fall natürlich auch tun. Fernab der Kämpfe erhaltet ihr lm Laufe des Spiels verschiedene Fertigkeiten, die euren Zugang zur Welt Stück für Stück erweitern. So erhaltet ihr relativ früh im Spiel eine Art Granate, mit deren Hilfe ihr nicht nur Gegner verwunden, sondern auch Barrikaden aus dem Weg räumen könnt. Jede der Fertigkeiten eröffnet euch somit, ganz im Metroidvania-Stil, neue Wege, um die Welt zu erkunden. Später seid ihr außerdem noch in der Lage, einen gigantischen Wurm musikalisch zu bezirzen, damit dieser euch per Schnellreise durch die Welt trägt. Damit ihr auch niemals die Übersicht verliert, bietet euch das Spiel eine recht ausgeprägte und gut verständliche Übersichtskarte, die euch stets euer aktuelles Ziel vor Augen hält, ohne euch jedoch zu viel von eurer Umgebung zu verraten. Dadurch wird zwar der Entdeckungsdrang gefördert, belohnt wird dieser allerdings nicht immer.


Resolutiion krankt neben den etwas eintönigen Standardgefechten auch an einem etwas seltsamen Schwierigkeitsgrad. Während ich weit über die erste Hälfte des Spiels zu keinem Zeitpunkt auch nur ansatzweise Probleme mit den Gegnern hatte, stieg der Schwierigkeitsgrad in den späteren Gebieten sprunghaft an. Hier wird ein kurvenhafter Anstieg schmerzlich vermisst, was umso mehr für die Bossgegner gilt. Denn im Gegensatz zu den üblichen Gegnern erfordern diese stets eine gewisse Strategie, die es herauszufinden und mit der es zu arbeiten gilt. Während das anfangs noch das simple Ausweichen darstellt, damit euer Widersacher gegen eine Mauer rennt und umfällt, müsst ihr später mehreren Geschossen ausweichen und stets in Bewegung bleiben. Und hier lässt sich die gleiche Problematik in Sachen Schwierigkeit erkennen. Die meisten Bosse waren zwar fordernd, aber gut machbar, doch gerade die letzten unter den Oberbösewichten waren teils so frustrierend, dass ich viele Anläufe gebraucht habe, bis ich erfolgreich aus den Scharmützeln hervorgehen konnte.


Manchmal auch ziemlich frustrierend: Die Bosskämpfe. © Deck 13

Bitte versteht mich nicht falsch: Ich mag schwierige und herausfordernde Spiele, doch Resolutiion wird an manchen Stellen schlicht unfair. Das liegt mitunter auch an den nicht ganz klar definierten Hitboxen, also dem Bereich, in dem Valor von einem Projektil oder Angriff getroffen wird. Es war mir nicht immer ersichtlich, wieso mich ein Schuss nun getroffen hat, obwohl ich eigentlich deutlich sichtbar außerhalb des Projektils stand. Erschwerend kommt hinzu, dass das Spiel sich für eine kurze Zeit verlangsamt, wenn man Schaden erleidet. Das soll wahrscheinlich den Zweck haben, dass man etwas besser auf Angriffe reagieren kann, was in den normalen Gefechten auch durchaus Sinn ergibt. Wenn man sich bei einem Bosskampf jedoch teils millimetergenau bewegen muss, man getroffen wird und das Spielgeschehen kurz stockt, fällt man sehr schnell aus dem eigenen Rhythmus raus. Zumindest in meinem Fall führte das öfters dazu, dass ich unnötige Folgetreffer einstecken musste und gerade bei etwas längeren Bosskämpfen dann schnell das Nachsehen hatte.


Technisch macht Resolutiion eine gute Figur. Das Spiel schafft es die meiste Zeit, die Bildrate bei konstanten 60 FPS zu halten, wobei der Handheld-Modus gefühlt flüssiger lief als der Docked-Modus. Die Ladezeiten brauchen zwischen einzelnen Gebieten gut und gerne eine Weile, die Wartezeit hält sich jedoch immer noch im Rahmen des Ertragbaren. Mich hat es jedoch etwas verwirrt, dass sich die Knopfbelegung des Controllers anscheinend an der Xbox- oder PlayStation-Version zu orientieren scheint. Denn anstatt den A-Knopf für die meisten Aktionen zu verwenden, wird der B-Knopf gefordert. Das ist nicht weiter schlimm, hat mich aber etwas aus dem gängigen Nintendo-Trott herausgezogen. Zudem wurde ich während des Testens zweimal Opfer eines eher unschönen Bugs: Als ich in manchen Gebäuden eine Treppe hinauf- beziehungsweise hinunterging, stürzte das Spiel plötzlich ab und ich war wieder im Menü der Nintendo Switch. Ärgerlich, vor allem wenn der letzte Checkpoint schon eine Weile her ist. Musikalisch schöpft Resolutiion aus einem breiten Repertoire an Stücken, die von ruhig und melancholisch bis hin zu rockig und antreibend reichen. Hier wurde eine ziemlich gute Arbeit geleistet und es macht Spaß, dem Soundtrack zu lauschen. Für alle Fans deutscher Lokalisierungen ebenfalls ein Grund zur Freude: Das Spiel erscheint mit deutschen Texten, die auch allesamt gut geschrieben sind – man merkt hier deutlich, dass die Entwickler von Monolith of Minds aus Deutschland kommen.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Florian McHugh

Resolutiion ist ein Spiel, das vor allem mit seiner Welt und der Geschichte punkten kann, die sich Stück für Stück offenbart und sich mit gut geschriebenen Charakteren und einem ebenso gelungenen Worldbuilding hervortut. Die Jagd nach eurer Erinnerung sowie die vielen philosophischen, religiösen und existenziellen Fragen, mit denen ihr konfrontiert werdet, verleihen dem Spiel eine glaubwürdige Tiefe. Obwohl wir hier erneut ein Spiel im Pixel-Art-Stil haben, kann die Grafik durch und durch überzeugen und der Welt mit ihren unterschiedlichen Gebieten auch den letzten Touch an Glaubwürdigkeit geben. Wo Spielwelt, Handlung und der geniale Soundtrack durch die Bank weg überzeugen können, präsentieren sich die einzelnen Kämpfe eher als Standardkost. Erschwerend kommt eine teils deutliche Dissonanz in Sachen Schwierigkeitsgrad zutage, die gerade manche Bosskämpfe zu einer nervigen Angelegenheit verkommen lassen. Nichtsdestotrotz ist Resolutiion ein gutes Spiel, das deutlich mehr aus seinem Potenzial hätte schöpfen können. Wer Lust auf ein solides Action-Adventure mit Metroidvania-Elementen sowie eine gute Geschichte hat und gleichzeitig etwas Frust-Resistenz mit sich bringt, der wird hier einige Stunden an Spielspaß erleben.
Mein persönliches Highlight: Das Worldbuilding.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • Blackadder

    Turmheld

    Hyper Light Drifter war richtig gut. Hier werde ich auf einen Sale warten.

  • Ralf74

    Turmheld

    Danke für den Test.

    Zitat von Florian McHugh

    Obwohl wir hier erneut ein Spiel im Pixel-Art-Stil haben, kann die Grafik durch und durch überzeugen und der Welt mit ihren unterschiedlichen Gebieten auch den letzten Touch an Glaubwürdigkeit geben.

    Ich liebe Pixel-Art, aber die Qualität derer ist für mich in diesem Game auf extrem niedrigem Niveau. Keine Ahnung wo die überzeugen soll...