Menschen zum Fressen gern!

Erfolgreiche Spielkonzepte bringen oftmals abgekupferte Nachahmer mit sich, die sich an der Errungenschaft des Originals hochziehen möchten, ohne dabei zu verstehen, was das Gameplay so anziehend macht. Oft scheitert es entweder am oberflächlichen Gameplay, einem zu geringen Budget oder der einfachen Tatsache, dass mit wenig Arbeit möglichst viel Gewinn erzielt werden soll. Cannibal Cuisine erinnert stark an die "Overcooked!-Reihe" und versucht mit seiner extravaganten Prämisse seinen eigenen Schuhabdruck im Genre zu hinterlassen. Inwiefern sich das Experiment als Eigenerfahrung behaupten kann und ob uns hier eine ernsthafte Alternative zum bekannten Multiplayer-Hit bevorsteht, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.


Nur schmackhaftes Menschenfleisch kann die Götter besänftigen. © Rocket Vulture

Das grundsätzliche Gameplay von Cannibal Cuisine lässt sich mit nur wenigen Worten erklären. In einer überschaubaren Arena sammelt ihr Fleisch, Obst oder Gemüse, um unterschiedliche Gerichte zuzubereiten, die anschließend an ein totemähnliches Wesen verfüttert werden müssen. Als gebürtiger Kannibale besorgt ihr euch euer Fleisch hierbei natürlich frisch und eigenhändig, indem sich vorbeilaufende Touristen schnell mit dem Schlachtermesser, einer Bratpfanne oder einem einfachen Knüppel zur Strecke bringen lassen. Sind die Zutaten an einem Lagerfeuer erst mal ordentlich durchgebraten, kann das Totemgeschöpf mit seinem Mahl beginnen, wodurch der Zyklus von vorne beginnt. Oberflächlich betrachtet verläuft so das ganze Spiel ab und trotz einiger Ideen, die ein wenig Würze ins Geschehen bringen, ist das schiere Gameplay verständlich und braucht nur wenige Sekunden, um begriffen zu werden. Dadurch können auch Neulinge, die sich nicht regelmäßig mit dem Medium auseinandersetzen, den Multiplayer-Modus ungeachtet einiger Multitasking-Elemente vollends genießen.


Um den Prozess nicht ganz so einfach zu gestalten, sorgen einige Hindernisse dafür euch das Leben schwer zu machen. Nachdem ihr den Kampf gegen einen Touristen aufnehmt, wehren sie sich augenblicklich und können euch nach einigen Treffern für wenige Sekunden außer Gefecht setzen. Abhilfe schaffen hier spezielle Fähigkeiten, die entweder passive Funktionen besitzen, indem sie euch beispielsweise heilen, oder aktiv gegen Feinde verwendet werden können und sie unter anderem lähmen. Das Sammeln von Obst und Gemüse erweist sich hier als wesentlich harmloser und stellt nur selten ein ernsthaftes Problem dar. Arenen kommen meist mit kleinen Gimmicks daher und bauen das Prozedere der Nahrungsbeschaffung auf ein bestimmtes Tempo auf, nach dem sich das Gameplay richtet. So schwimmen in der Insel-Arena kleine Flöße auf dünnen Flüssen, die herkömmlich nicht überquert werden können und wichtige Elemente voneinander trennen. Demzufolge versteckt sich das Obst und Gemüse an kniffligen Stellen, die Timing mit den Flößen voraussetzen und einen passenden Kontrast zum Fleisch bilden, sodass sie weniger auf Action und mehr auf Geschicklichkeit setzen.


Jede Welt stellt euch vor besondere Herausforderungen. © Rocket Vulture

Selbstverständlich ist dies nur die Spitze des Eisbergs – im Verlauf des Spiels werden die Umstände stets herausfordernder und verlangen einen gewissen Rhythmus von euch ab. Der obere Bildschirmrand gibt Auskunft darüber, nach welchem Gericht sich das Totemwesen sehnt – allerdings ist jede Speise an einen Timer gebunden und muss rechtzeitig zubereitet werden. Misslingt dies, gerät das Geschöpf in Rage und verkürzt eure Zeit um kostbare Sekunden. Was zu Beginn noch relativ einfach und unproblematisch abläuft, erweist sich im Spielverlauf als hektischer Marathon, der multiple Anforderungen aufstellt. Beispielhaft hierfür ist die Einführung eines zweiten Totemwesens innerhalb einer Partie, das andere Bedürfnisse aufstellt ohne Rücksicht auf die knappe Zeitdauer zu nehmen. Dabei zeigt sich ein gewisses Problem, welches so merkwürdig wirkt, dass es tatsächlich eine bewusste Designentscheidung sein könnte. Pausiert ihr nämlich das Geschehen mithilfe der Pause-Taste, verläuft die Zeit ganz gewöhnlich weiter. Womöglich wollte man damit dem Spieler die Gelegenheit nehmen, das Spiel jedes Mal zu stoppen, um ohne Zeitdruck einen Überblick über die Arena zu bekommen. Letztendlich passt diese Idee aber nicht zum überschaubaren und einfachen Gameplay, wodurch der Pause-Taste ihre Funktion genommen wird, ohne wirklich darüber nachzudenken, ob diese Entscheidung sinnvoll ist.


Genauso unüberlegt läuft die Kampagne von Cannibal Cuisine ab. In insgesamt fünf Welten, bestehend aus vier Level und einem Boss, erlangt ihr bestimmte Punktzahlen, um weiterzukommen. Am Ende einer jeden Welt erwartet euch dabei eine Art Bosskampf, wo es gegen Wellen von Touristen geht, die in einem direkten Gefecht ausgelöscht werden müssen. Sehr viel interessanter sind hingegen die Level selbst, welche immer kniffligere Arenen bereithalten und vor allem als Einzelspieler eine angenehme Herausforderung aufweisen können. Grundsätzlich ist der Story-Modus kein schlechter Einfall und motiviert sicherlich Solospieler einige Partie zu starten, dennoch mangelt es ihm an einem ordentlichen Feinschliff, den man an jeder Ecke vermisst. Viel schlimmer ist die Tatsache, dass die Kampagne mit seinen zahlreichen Kursen gleichzeitig den mangelnden Inhalt der Multiplayer-Arenen unterstreicht. Mit nur vier Karten fallen Mehrspieler-Runden äußerst mager und abwechslungsarm aus, während der Einzelspieler viele Arenen präsentiert, diese aber für sich behält. Es ist zwar möglich auch die Kampagne gemeinsam mit Freunden zu spielen, allerdings nur im Team – ohne die Option zu besitzen, gegeneinander anzutreten.


Die "Bosskämpfe" bestehen leider aus fantasielosen Gegnerwellen. © Rocket Vulture

Das verschwendete Potenzial der Kampagne liegt hierbei immer offensichtlicher auf der Hand. Für die Entwickler wäre es absolut kein Problem gewesen, die zusätzlichen Arenen des Einzelspielers freischaltbar zu machen, um diese anschließend im herkömmlichen Multiplayer-Modus zu genießen. Damit wäre man einem weiteren Problem entgangen: Dem Fehlen von freischaltbaren Zusätzen. Sämtliche Fähigkeiten, Kostüme und Waffen stehen von Anfang an zur Verfügung, was den Wiederspielwert unheimlich senkt und Einzelspielern fast schon keinen Grund gibt, die Kampagne überhaupt abzuschließen. Die Level selbst entschädigen für diesen Aspekt keinesfalls. Manche Ideen sind nett und teilweise auch clever, jedoch basieren zu viele Kurse darauf, den Spieler warten zu lassen. Beispielhaft hierfür sind die bereits erwähnten Floß-Level, bei denen Geduld ein wichtigerer Faktor ist, als eure Fähigkeiten, mehrere Handlungen gleichzeitig auszuführen.


Sowohl der Soundtrack als auch die Grafik sind simpel gestaltet und erreichen damit unterschiedliche Ausgänge. Während die optische Präsentation bunt, knallig und angenehm für das Auge ist, fällt die Musikauswahl extrem eintönig und monoton aus. Es wäre keine allzu große Herausforderung gewesen, wenigstens die unterschiedlichen Level-Ambiente melodisch erkenntlich anzupassen. Andere Spiele, die auf Timer basieren, erhöhen je nach abgelaufener Zeit den Druck, indem der Rhythmus schneller wird und die Musik beschleunigt, wodurch der Spieler auch ohne einen Blick auf die verbleibende Zeit weiß, dass er sich beeilen muss. Selbst diese offensichtliche Chance wird nicht ergriffen, was das Gesamterlebnis noch mal merklich unrunder und ambitionsloslos macht.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Kevin Becker

Cannibal Cuisine leistet nur das absolut Mindeste, wenn es um das hektische Gameplay der "Overcooked!-Reihe" geht. Der Multiplayer-Modus besteht aus nur vier mageren Arenen, der Soundtrack bietet absolut keine Abwechslung und das Fehlen von Errungenschaften in Form von weiteren Waffen oder Kostümen senkt den Wiederspielwert ungemein. Die gut gemeinte Kampagne hätte hier den Ausgleich finden können – stattdessen verkommt sie zu einer einseitigen Erfahrung, der es an Abwechslung mangelt und wichtige Inhalte, wie weitere Arenen, ausschließlich für sich behält. Das Gameplay mag zwar durch seine leichte Verständlichkeit für einige amüsante Runden sorgen und die Grafik hebt mithilfe klarer Farben einzelne Elemente übersichtlich ab, insgesamt fühlt sich Cannibal Cuisine jedoch wie ein Knochen ohne viel Fleisch an.

Die durchschnittliche Leserwertung

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