Eine rührende Geschichte

Das vom Indie-Entwickler Matías Schmied kreierte Mystery-Adventure Evan's Remains erzählt eine interaktive Geschichte, die durch knifflige Puzzles aufgelockert wird. Im Juni 2019 startete der junge Argentinier eine erfolgreiche Kickstarter-Kampagne für sein neues Projekt und bereits ein Jahr später, am 11. Juni 2020, erschien das von Phoenix Wright: Ace Attorney und Ghost Trick inspirierte Abenteuer unter anderem für Nintendo Switch.


Könnt ihr den vermissten Jungen Evan finden?


In Evan's Remains spielt ihr ein hübsches Mädchen namens Dysis, das auf eine mysteriöse Insel geschickt wurde, um den vermissten Jungen Evan zu suchen, der sich irgendwo auf der Insel befinden soll. Doch wer ist Evan überhaupt, wie und wieso ist er auf der Insel gelandet und weshalb wurde ausgerechnet Dysis geschickt, um ihn zu suchen? Wer hat den Auftrag zur Suche gegeben und welche Hintergründe hat die ganze Mission? Zu Beginn des Spiels werdet ihr lauter Fragen haben, welche jedoch im Laufe des zwei- bis dreistündigen Abenteuers gelüftet werden.


Die Rätsel sind gut gelungen und teils richtig knifflig. © Whitethorn Games

Zwar ist der größte Teil des 2D-Spiels im Visual Novel-Stil gehalten und der Fokus liegt ganz klar auf der Geschichte, die in Dialogform zwischen den Charakteren erzählt wird, doch ein nicht unwesentlicher Teil des Spiels besteht aus Puzzles, die ihr lösen müsst. Auf der Insel werdet ihr mit Dysis auf zahlreiche sogenannte "Monolithen" stoßen – Rätselparcours aus Steinplatten, die ihr durch eure Sprünge verschwinden und wieder erscheinen lassen könnt. Manche dieser Steine besitzen leuchtende Symbole, welche andere Steinplatten in einem Bereich beeinflussen: Beispielsweise könnt ihr euch an manchen Stellen von einer Steinplatte auf die andere teleportieren oder andere Steinplatten wiederum als Trampolin nutzen. Letztlich müsst ihr bei jedem Puzzleraum jene Steinplatten unsichtbar machen, die euch den Weg versperren und genau die Steine im richtigen Moment sichtbar machen, die ihr benötigt, um nach oben bzw. nach vorne zu springen, um über die jeweilige Rätselwand zu gelangen und somit das Puzzle zu meistern.


Die Puzzles sind zunächst noch recht simpel, werden aber im Laufe des Spiels richtig knifflig und könnten euch einiges Kopfzerbrechen bereiten. Doch keine Sorge: Sollten euch gewisse Rätsel zu schwer sein oder wollt ihr den Titel nur für die Geschichte spielen, so habt ihr im Menü die Möglichkeit, die Puzzles einfach zu überspringen. Leider besteht keine Möglichkeit, die interaktiven Rätsel danach nochmals zu probieren, daher solltet ihr euch gut überlegen, ob ihr von dieser Funktion Gebrauch machen wollt. Zwar haben Leute, die nur Puzzles spielen wollen, die Möglichkeit, Textdialoge vorzuspulen, doch es wäre wünschenswert gewesen, einen eigenen Modus zur Verfügung zu haben, bei dem die jeweiligen Puzzles unabhängig von der Geschichte gespielt werden können. Übrigens wiederholen sich manche der Monolithen im Laufe des Spiels – dies mag zwar zunächst nach einer spielerischen Schwäche klingen, doch dies hat durchaus seinen Grund, den ich an dieser Stelle nicht verraten kann. Generell haben alle Puzzles ihre Bedeutung für die Geschichte des Spiels und wurden nicht bloß als Lückenfüller eingebaut, was sehr lobenswert hervorzuheben ist.


Die Erzählung einer emotionalen Geschichte


Für das Spiel benötigt ihr lediglich zwei Steuerelemente: Den linken Steuerstick, um Dysis zu steuern und den A-Knopf, um zu springen bzw. um die Textboxen weiterzudrücken. Abgesehen von den Puzzles findet im Spiel keinerlei nennenswerte Gameplay-Action statt: Ihr steuert Dysis lediglich von links nach rechts die Insel entlang, wo sie immer wieder auf Clover trifft, einen Jungen, der ebenso seine eigenen Ziele auf der Insel hat. Rasch wird Clover euer Ansprechpartner beim Lüften der Geheimnisse, die sich rund um die Monolithen-Puzzles und die Insel drehen. Welche Rolle Clover wohl in der Geschichte spielen wird? Eure Aufgabe ist, dies herauszufinden!


Optisch macht Evan's Remains einen sehr schönen Eindruck. © Whitethorn Games

Die Story ist die große Stärke von Evan's Remains und es kann leicht passieren, dass ihr das Spiel in einem Rutsch durchspielt, um so rasch wie möglich das (gelungene) Ende und die Auflösung der Rätselgeschichte zu erfahren. Themen wie Freundschaft, Existenz und der Sinn des Lebens werden angeschnitten, die wahrlich zum Nachdenken anregen können. Die Geschichte ist zwar bei Weitem nicht so komplex und umfangreich wie in ähnlichen Spielen aus dem Genre, doch schafft sie es nichtsdestotrotz, den Spieler mitzureißen und vielleicht sogar die eine oder andere Träne hervorzurufen. Passend dazu wird ein atmosphärischer und sehr schöner Soundtrack geboten, der an den richtigen Stellen dafür sorgt, dass die jeweiligen Emotionen noch besser vermittelt werden. Auch die Hintergründe und der generelle optische Stil der Charaktere und Umgebungen sind sehr schön und liebevoll gestaltet worden.


Zum Abschluss will ich allerdings auch ein paar Kritikpunkte nicht unerwähnt lassen, die den guten Gesamteindruck des Spiels leider ein wenig trüben: Zwar bietet Evan's Remains eine deutsche Übersetzung, allerdings haben sich etliche Fehler eingeschlichen und teilweise ist sogar die Übermittlung wichtiger Botschaften derart lückenhaft, dass ich empfehle, das Spiel auf Englisch zu spielen. Trotzdem ist es löblich, dass trotz des geringen Budgets an eine deutsche Übersetzung gedacht wurde – wer über häufige Fehler wie beispielsweise etliche das/dass-Fehler hinwegsehen kann, wird nichtsdestotrotz froh über die Lokalisation sein. Weniger gut nachvollziehen kann ich die Entscheidung, komplett darauf zu verzichten, gelesene Dialoge nochmals aufrufen bzw. zu aus Versehen weggeklickten Dialogen springen zu können. Da das Spiel zudem eine Auto-Speicherfunktion besitzt und ihr nur über einen einzigen Spielstand verfügt, habt ihr keine Möglichkeit, Dinge nachzulesen, die ihr möglicherweise zuvor nicht genau mitbekommen habt. Optisch fällt auf, dass (zumindest beim Spielen mit deutschem Text) die Wörter stellenweise über die Textboxen herausragen und es somit hin und wieder zu unschönen Überlappungen kommt. Technisch läuft Evan's Remains größtenteils flüssig, jedoch waren vor allem bei einem bestimmten Puzzleabschnitt deutliche Framerate-Einbrüche zu spüren, welche hoffentlich bald durch einen Patch bereinigt werden.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Felix Eder

Evan's Remains ist ein Mix aus Puzzlespiel und Visual Novel, der eine kurze, aber sehr gelungene Geschichte erzählt. Die Puzzles sind herausfordernd, nett gemacht und zugleich clever in die Handlung des Spiels, das nur ganz knapp an einer Spielehit-Auszeichnung vorbeischrammt, integriert. Auch wenn die Story nicht so komplex wie bei umfangreicheren, storygetriebenen Adventures und Visual Novels ist, so schafft sie es dennoch, euch zum Nachdenken anzuregen und euch möglicherweise feuchte Augen zu bescheren. Wem Spiele wie z.B. To The Moon gefallen, kann ich empfehlen, auch dem nur 6,19 € teuren Evan's Remains eine Chance zu geben und in ein kurzes, spannendes Abenteuer einzutauchen, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt.
Mein persönliches Highlight: Die Auflösung der emotionalen Geschichte

Die durchschnittliche Leserwertung

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