Der Sommer ist da!

Während hierzulande so langsam der Sommer wieder einkehrt und wir uns bei angenehmen Temperaturen das ein oder andere Kaltgetränk gönnen, habe ich mich auch virtuell mit Summer in Mara in sommerliche Gefilde gewagt. Ob die interessante Mischung aus Abenteuer- und Farming-Spiel auch mit den großen Titeln des Genres mithalten kann, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.


Ein Spiel für die ruhigen Momente!


Euer Abenteuer beginnt damit, dass ihr als kleines Mädchen namens Koa aufgrund eines Schiffsunglücks im Meer umhertreibt und schließlich bei eurer Ziehmutter Yaya Haku landet. Diese entstammt einem fischähnlichen Volk, behütet euch jedoch von Beginn an wie ihre eigene Tochter. Zusammen mit Ihr befindet ihr euch auf einer sonst unbewohnten Insel inmitten des Ozeans und lebt von dem, was euch umgibt. Hierbei steht die Spielwelt Qü und das dazugehörige Meer Mara jederzeit im Mittelpunkt, da Yaya euch immer wieder erklärt, wie wichtig die Natur um euch herum ist und das man dieser auch etwas zurückgeben, das heißt, sie pflegen und wertschätzen muss, wenn man etwas von ihr nimmt. Als eines Tages eure Mutter nicht mehr aufzufinden ist, beginnt euer großes Abenteuer, denn zuvor hat Koa ihre Heimatinsel noch nie verlassen. Hierbei werdet ihr nicht nur einmal überrascht und die Geschichte nimmt eine spannende Wendung, worauf ich aufgrund von Spoilern jedoch nicht näher eingehen möchte.


Die gezeichneten Sequenzen sehen klasse aus! © Chibig

Das gesamte Spielerlebnis lässt sich als eine angenehme Mischung aus Abenteuerspiel bezeichnen, welches mit landwirtschaftlichen, handwerklichen und mechanischen Elementen gepaart wurde. Doch was genau heißt das? Im Kern des Spiels ist es eure Aufgabe, die gesamte Spielwelt Qü zu erkunden. Diese Welt erschließt sich euch im Verlauf der Geschichte immer mehr und zeigt ganz unterschiedliche Facetten. Könnt ihr euch anfangs nur auf eurer Heimatinsel bewegen, stehen im späteren Verlauf weitere Insellandschaften zum Erkunden bereit und sogar Tauchgänge im Meer werden euch mit der richtigen Ausrüstung ermöglicht. Oftmals wird hierbei ein Vergleich mit The Legend of Zelda: The Wind Waker gezogen, da man auch dort mittels fahrbarem Untersatz das gesamte Meer erkundet. Auch ich konnte aufgrund des riesigen Ozeans, der vielen kleinen Inseln, der Weltkarte, etlichen Tauchgängen und eben durch das steuerbare Boot Parallelen entdecken, die nicht von der Hand zu weisen sind.


Der Unterschied zwischen den beiden Spielen liegt jedoch darin, dass ihr mit Koa nicht die Inseln vor dem Bösen rettet, sondern Felder anlegt, Gemüse anbaut, eure Tiere versorgt und Erze sammelt. Der Grund hierfür liegt zum einen in Koa selbst. Durch Nahrungsmittel bleibt nicht nur ihre Ausdauer in einem positiven Bereich, sondern auch ihr Hunger muss stetig gestillt werden. Beides ist dringend notwendig, um sie vor einer möglichen Ohnmacht zu bewahren. Der andere Grund des Anbaus sind die Bewohner der einzelnen Inseln, welche mit allerlei Bitten an euch herantreten, die erfüllt werden müssen. Mal sollt ihr eine bestimmte Gemüsesorte anpflanzen und mal eine bestimmte Blume ausgraben. Um wirklich allen Bitten nachzukommen, müsst ihr daher nicht nur euer Geschick in der Landwirtschaft beweisen, sondern auch euer Werkzeug beherrschen und ab und an auch gänzlich neue Gegenstände herstellen.


Auf eurem Abenteuer trefft ihr allerlei skurrile Questgeber. © Chibig

Richtig gelesen: Summer in Mara hat auch ein eigenes Crafting-System. Dieses besteht letztlich aus zwei unterschiedlichen Komponenten: Zum einen ist da Koas Hütte. In dieser könnt ihr an der Werkbank neue Werkzeuge herstellen, Gegenstände zusammenbauen oder auch Rezepte kochen. Die zweite Komponente besteht aus euren Werkzeugen selbst. Unabhängig von eurer Hütte könnt ihr mittels eures Hammers nicht nur Erze abbauen, sondern auch weitere Gegenstände und sogar Ställe aus den Dingen bauen, die zuvor in Koas Hütte entstanden sind. Das klingt etwas verschachtelt und verwirrend und das ist es anfangs auch. Daher ein Beispiel: Wollt ihr den Steg auf Koas Heimatinsel auf Vordermann bringen, müsst ihr in eurer Hütte einige Bretter und Seile entwerfen. Mit diesen in der Tasche könnt ihr dann dank des Hammers direkt am Wasser den neuen Steg bauen. Hat man sich mit dieser Mechanik einmal angefreundet, geht sie jedoch locker von der Hand. Darüber hinaus lassen sich die Werkzeuge im Spielverlauf auch erweitern, wodurch ihr neue Gegenstände und Fähigkeiten erschließen könnt.


Die gesamte Mischung aus Erkundung und Crafting gefällt mir unheimlich gut und es macht eine Menge Spaß, den Bitten der Bewohner nachzukommen. Leider ist man auf Koas Insel jedoch sehr eingeschränkt, was das Crafting betrifft. So könnt ihr unter anderem nicht wählen, an welcher Stelle der neue Steg oder die Unterkünfte eurer Tiere entstehen sollen. Auch die Felder sind in unmittelbarer Nähe von Koas Hütte vordefiniert, was einem leider eine Menge Freiheit nimmt. Lediglich Bäume und Büsche lassen sich frei Platzieren, was jedoch nur wenig zur gesamten Optik der kleinen Insel beiträgt.


Die Landschaften sind sehr abwechslungsreich wie hier ein großes Nest. © Chibig

Doch kommen wir nochmals zurück zu den Bewohnern und ihren Aufträgen. Einer der größten Kritikpunkte, die sich Summer in Mara anhören muss, sind nämlich die Missionen, was vor allem an zwei wesentlichen Aspekten liegt. Zum einen sind dies die Questreihen selbst. Jede Hauptquest besteht nämlich eigentlich aus vielen kleineren Nebenquests, die erledigt werden müssen. Dies wäre nicht sonderlich schlimm, wenn eben diese Quests nicht nur aus Sammel- bzw. Bringquests bestehen würden, was der zweite Kritikpunkt ist. Einfach jede Mission beginnt und endet damit, dass jemand etwas braucht und ihr ihm dies besorgen müsst. Glücklicherweise habt ihr an manchen Stellen jedoch die Möglichkeit, selbst einen Weg zu finden, an einen Gegenstand zu kommen. So wollte eine nette Dame im Spiel von mir zwei besondere Muscheln. Ich hätte durchaus am Strand spazieren gehen können, um diese zu finden. Da ich es jedoch eilig hatte, habe ich die örtlichen Händler abgeklappert und siehe da: Ich wurde fündig und konnte dank der Goldmünzen in meiner Tasche die Quest mit Leichtigkeit abschließen.


Innerhalb unserer Redaktion musste ich mich irritierten Blicken stellen, als ich diese Quests als repetitiv und abwechslungsreich zugleich bezeichnete, aber eben das sind sie. Repetitiv deshalb, da man eben immer den gleichen Questtyp vor sich hat. Insgesamt sind sie jedoch auch abwechslungsreich, da ich als Spieler nicht nur unterschiedliche Handlungsoptionen habe, sondern jede noch so belanglose Aufgabe plötzlich neue Bereiche oder sogar frische Spielmechaniken offenbart. Während meiner Spielzeit wurde ich etliche Male positiv überrascht und hatte einfach eine ganze Menge Spaß dabei, jeden Winkel zu erkunden, auch wenn dies nicht an den Quests lag, sondern an den tollen Ideen und dem Herzblut, dass das Entwicklerteam investiert hat. Das beste Beispiel wäre hier das Tauchen. Ab einem bestimmten Punkt im Spiel ist es euch nämlich möglich, das Meer zu erkunden und nach Schätzen zu suchen. Dies geschieht in einem mehr oder weniger gut gemachten Minispiel. Toll daran ist aber einfach der Moment der Überraschung, wenn man bereits nach vielen Spielstunden mit neuen Ideen begeistert wird.


Minispiele wie das Tauchen sind gut in das Spiel integriert. © Chibig

Hierzu trug auch die gesamte Technik des Abenteuers bei. Ja, man muss Abstriche bei der Grafik machen, da auf der Hybridkonsole mehr drin gewesen wäre. Trotzdem sieht Summer in Mara auf dem TV und mobil einfach total schön aus und verzaubert mit seiner gesamten Atmosphäre. Hinzu kommen die filmreifen Zeichentricksequenzen, welche euch in der Geschichte immer wieder überraschen. Doch Summer in Mara ist vor allem auch etwas für das Ohr. Immer wieder habe ich mich dabei ertappt, den Soundtrack mitzusummen und auch einfach mal in Ruhe zu genießen. Dieser geht nämlich vor allem beim Spiel mit Kopfhörern ins Ohr und beißt sich dort fest. Getrübt werden diese beiden positiven Aspekte durch die teils nicht nachvollziehbaren Ladezeiten und Bugs. So müsst ihr jedes Mal, wenn ihr die Inselbereiche wechselt, einen Ladebildschirm in Kauf nehmen, was meinem Entdeckerdrang störend im Weg stand. Hinzu kamen Bugs, die nicht nur problemlos zu reproduzieren sind, sondern auch einen Hard-Reset nötig machten. Auf einer Insel konnte ich gleich mehrmals das Spiel neu starten, da mehrere Interaktionsmöglichkeiten zu einer bewegungsunfähigen Koa führten. Dafür sind die deutschen Bildschirmtexte gut lesbar und können durchaus unterhalten.


Zuletzt sei noch der Aspekt der Spieldauer und Langzeitmotivation zu nennen. Es fällt mir schwer, mich genau festzulegen, da das gesamte Abenteuer von eurer Spielweise lebt. Investiert ihr viel Zeit in die Gestaltung eurer Insel und in die Landwirtschaft, könnt ihr etliche Stunde auf dem Meer und auf den einzelnen Inseln verbringen. Solltet ihr von Quest zu Quest rennen, ist das Abenteuer auch deutlich schneller vorbei. Insgesamt bestrebt es Summer in Mara, dass ihr es ruhig angeht und genießt. Ihr werdet niemals im Spiel mit stressigen Situationen oder Entscheidungen konfrontiert. Alles passt sich wunderbar an euch an. All diejenigen unter euch, die sich auf eine solche Spielweise einlassen können, dürfen gerne zuschlagen. Alle anderen sollten der Demoversion auf Steam zuvor einen Besuch abstatten.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Maik Styppa-Braun

Ach, was hat das Team von Chibig für einen wunderschönen Titel kreiert. Summer in Mara sieht durch den Grafikstil und die tollen Sequenzen im Zeichentrick-Look einfach gut aus, auch wenn man die technischen Schwächen nicht übersehen kann. Gepaart mit gleich mehreren Genres erwartet euch ein entspanntes Abenteuer, welches immer mehr an Fahrt aufnimmt und sogar einige wirkliche Überraschungen parat hat. Leider ist das gesamte Questsystem wenig abwechslungsreich, dafür können aber die verschiedenen Inseln und einzelnen Minispiele auf angenehme Weise für Ablenkung sorgen. Solltet ihr ein Fan von Farming-Spielen sein und über die einfachen Quests hinwegsehen können, werdet ihr eine Menge Spaß haben.
Mein persönliches Highlight: Jede Ausfahrt mit dem Boot!

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 7

  • min-Bekker

    Turmbaron

    Klingt leicht wie ein Porno, sieht aber spaßig aus. ^^

  • Rebecca

    Turmknappe

    (Das Spiel sieht besser aus als das kommende Harvest Moon. Bitte schickt die Entwickler mal zum Summer in Mara Team für eine Weiterbildung :ugly: )


    Sieht echt schön aus und ist definitiv auf meiner Wunschliste , wenn mal wieder Spieleflaute ist :love:

  • Artiwa

    Turmritter

    Leider wird auf ein Grosses mankos des spiels nicht eingegangen die verhunzte Mechanik... Man kriegt keine Penalty wenn man z.b. nicht giesst und da das Spiel auch keine season oder tage hat kann man einfach solange schlafen bis die ernte fertig ist auch gibt es keine bestrafung die Tiere etc nicht zu kümmern.


    Daher leider finde ich hat das spiel keinen reiz als einstieg toll aber mit so schlecht durchdachten Mechanik sehr schlecht... Schade weil es sonst wirklich gut sein dürfte

  • Eisblauer Wolf

    Wölfin des Nordens

    Schade das es keine Demo für den eshop gibt, trotzdem kommt das Game auf die Switch, spätestens im Sale :P

  • Muki

    Turmbaron

    @Artiwa


    Ich hatte mir da auch mehr erhofft. Lieber gut kopiert als schlecht gemacht.


    Warum kann man nur da angeln wo ein Schild mit fischen ist, dazu noch die, die man da fängt?!?


    Vermutlich ist die Zielgruppe eine ganz andere...

  • Asser82

    Turmheld

    Gibt das Spiel in Mexiko für unter 10€, glaube aber nicht an den großen Spaß wegen Hochschlafen und Fetchquestkette. Für das Geld hole ich dann lieber Cat Quest 2 im Angebot.

  • nec3008

    Turmritter

    Ein schönes Spiel zum entspannen, auch wenn es technisch besser sein könnte und man bei der Landwirtschaft wirklich
    etwas "härter" durchgreifen könnte, wenn man nicht wässert. Entweder weniger Ertrag oder es dauert halt länger (was
    man wahrscheinlich wieder ausschlafen könnte).
    Verschiedene Fischsorten an den Angelplätzen wären auch wünschenswert, ist ja eher selten, das sich Fische nur an einem
    einzigen Platz aufhalten.