Die Hexe von Blair gruselt auf der Nintendo Switch

Wir schreiben das Jahr 1999. Neben Filmen wie Star Wars – Episode 1, Matrix oder The Green Mile erscheint ein Film, der es immerhin auf Platz 14 der erfolgreichsten Filme dieses Jahres schaffen wird und gleichzeitig dem Genre des Found-Footage-Films zu deutlicher Popularität verhilft. Die Rede ist von The Blair Witch Project, in dem eine Gruppe von drei Studenten in den Wäldern von Burkittsville verschwindet, während sie einen Dokumentarfilm über die Hexe von Blair filmen. Der Horrorfilm bestach damals durch seinen teils amateurhaften Stil und der Tatsache, dass die meisten Horror-Elemente nur angedeutet waren. Auf den Nachfolger folgte im Jahr 2016 der dritte Film, der einfach nur unter den Namen Blair Witch lief. Wieso ich all das hier aufzähle? Weil das vom Bloober Team entwickelte Spiel Blair Witch auf eben dieser Filmreihe basiert und euch den gleichen Horror rund um die Hexe von Blair spürbar machen möchte. Ob das gelingt, soll im Folgenden näher erläutert werden.


Wenn ihr mal nicht durch den Wald irrt, verschlägt es euch an nicht gerade gastlichere Orte. © Bloober Team

Das Spiel selbst ist von der Handlung der Filmvorlage losgelöst. Ihr verkörpert den ehemaligen Polizeibeamten Ellis, der sich 1996 einer Suchaktion anschließt. Denn in den berüchtigten Wäldern von Burkittsville ist ein kleiner Junge verschwunden und es gibt weit und breit keine Spur von ihm. Obwohl er nicht mehr im Dienst ist, will Ellis unbedingt helfen und so schnappt er sich seinen treuen Gefährten, den Schäferhund Bullet, und macht sich auf in die tiefen Wälder, um das verschwundene Kind zu finden. Soweit mag die Handlung noch nicht sonderlich spektakulär klingen, doch es wird bereits während der Fahrt zum Suchort schnell klar, dass Ellis sein eigenes Päckchen mit sich trägt und mit dieser Suche auch eine gewisse Aufarbeitung alter Sünden und Schulden verbunden ist. Und natürlich steckt auch deutlich mehr hinter dem Verschwinden des kleinen Peter, wie wir bald am eigenen Leib erfahren dürfen. Die Handlung von Blair Witch entfaltet sich sehr gemächlich und nimmt sich viel Zeit, euch den Protagonisten Ellis, sein Innenleben und die Beziehungen zu seinen Mitmenschen nach und nach zu offenbaren und zu zeigen, was in seinem Leben alles schief lief und wieso ihm die Suche nach Peter so wichtig ist. Dazu bedient sich das Spiel diverser Rückblenden, die direkt ins Spielgeschehen eingebunden werden, sodass man zwischenzeitlich an Ellis Verstand zu zweifeln beginnt.


Blair Witch orientiert sich in Sachen Horror-Elementen vor allem am ersten Film. Einen Großteil des Spiels seid ihr in Wäldern unterwegs, die bei Tag wunderschön und einfach nur weitläufig und riesig erscheinen, bei Anbruch der Dunkelheit jedoch eine beklemmende und fast schon erdrückende Atmosphäre erzeugen. Dem Spiel gelingt es sehr gut, die Umgebung zu nutzen und so das Gefühl entstehen zu lassen, dass man beobachtet wird und man erwartet eigentlich, dass jeden Moment ein Jumpscare folgen müsste, doch bis auf zwei Stellen kommen im gesamten Spiel keinerlei solcher recht billigen Schock-Momente vor. Diese Erwartungshaltung, die eher in Richtung Psycho-Horror geht, ist es auch, die zusammen mit Ellis Mono- und Dialogen dafür sorgt, dass Blair Witch die Bezeichnung Horror-Spiel tatsächlich verdient hat. Die ziemlich gute Geräuschkulisse tut ihr übriges und setzt euch in manchen Momenten konstant unter Spannung, jedenfalls solange ihr das Spiel mit Kopfhörern spielt, wie es euch zu Beginn auch empfohlen wird. Doch dazu später mehr.


Gestatten: Bullet, euer treuer und bester Freund. © Bloober Team

Ein weiteres Spielelement, dass ziemlich gut zur gelungenen Atmosphäre beiträgt, ist euer Begleiter Bullet. Der Hund ist stets an eurer Seite und kann verschiedene Funktionen im Spiel übernehmen. Neben der Tatsache, dass er als ehemaliger Polizeihund über eine ziemlich gute Spürnase verfügt, und euch somit den Weg durch die Wälder weisen kann, ist er auch für euer seelisches Wohl verantwortlich. Solltet ihr nämlich zu lange allein durch die Wälder irren, nimmt Ellis Psyche immer mehr Schaden, was letztendlich zum Bildschirmtod führen kann. Daher ist es stets wichtig, dass ihr Bullet immer in eurer Nähe habt. Was im ersten Moment wie eine unnötige und nervige Spielmechanik klingt, entpuppt sich letztendlich als relativ harmlos, denn Bullet lässt euch von sich aus selten allein und selbst wenn er euch einmal abhandenkommen sollte, könnt ihr ihn jederzeit mit einem Druck auf die L-Taste herbeirufen. Zudem macht euch das Spiel gleich zu Beginn klar, dass euer Umgang mit Bullet Auswirkungen auf die Handlung haben kann und tatsächlich nimmt dieser Aspekt teilweise Einfluss auf eines der zwei Enden, die ihr erreichen könnt. Der Vierbeiner reagiert dabei auch die meiste Zeit recht nachvollziehbar und den Entwicklern gelingt es im Laufe der Handlung ziemlich gut, dass ihr als Spieler eine emotionale Bindung zu Bullet aufbaut – ein Umstand, den das Spiel zwischenzeitlich auch knallhart ausnutzt.


Davon ab ist euer Partner mit der kalten Schnauze auch eine ziemliche Hilfe in den Kämpfen, die ihr bestreiten müsst. An einigen Stellen tummeln sich nämlich Waldgeister, die euch ans Leder wollen und die sich nur dann vertreiben lassen, wenn ihr sie entweder mit eurer Taschenlampe oder einer anderen Lichtquelle direkt anleuchtet. Bullet fungiert hierbei als eine Art Radarsystem, denn er wendet sich den ansonsten nur schwer erkennbaren Wesen zu und knurrt diese an, sodass ihr wisst, in welche Richtung ihr leuchten müsst. Davon ab bietet euch Blair Witch noch recht einfache Rätselkost in Form von Schalterrätseln, etwa wenn ihr die Weichen eines Schienensystems umstellen müsst oder immer dann, wenn ihr ein Videoband findet. Relativ früh im Spielgeschehen stolpert Ellis nämlich über einen Camcorder, der magische Kräfte zu haben scheint. Denn jedes Mal, wenn ihr euch darauf ein Band anseht, könnt ihr mithilfe der Videos eure Umgebung manipulieren. So zeigt euch zum Beispiel das erste Video den verschwundenen Peter, der mit einem Spielzeugauto spielt und am Boden sitzt. Pausiert ihr an exakt dieser Stelle das Video, materialisiert es sich plötzlich wie von Geisterhand und ihr könnt es aufheben, damit Bullet der Fährte folgen kann. Solcherlei Rätsel kommen noch am häufigsten vor und ihr werdet selten überfordert sein. Im Allgemeinen rangiert Blair Witch vom Schwierigkeitsgrad zwischen angenehm und fast schon einen Ticken zu leicht. Einzig an einer Stelle im späteren Verlauf des Spiels, an der ihr euch mithilfe eures Camcorders durch einen dichten Nebel navigieren und gleichzeitig Feinden ausweichen müsst, bin ich mehrere Male in Folge gescheitert. Davon ab dürftet ihr nach gut acht Stunden zum ersten Mal die Credits sehen – das Spiel bietet euch jedoch eine kleine Motivationshilfe, einen weiteren Durchgang zu wagen: Ihr könnt während eures ersten Spiels nämlich Gegenstände finden, die ihr bei einem erneuten Durchspielen mit euch führt und die euch Zugang zu vorher verschlossenen Arealen verschaffen. Zudem gibt es da noch die zwei bereits erwähnten Enden, ein „gutes“ und ein „böses“ Ende sowie ein drittes Ende, dass ihr definitiv nur dann erreichen könnt, wenn ihr das Spiel zum zweiten Mal spielt.


Das Weltdesign kommt der schwächlichen Grafik oft zur Rettung, so sehen solche Orte wie diese Lichtung immer noch gut aus. © Bloober Team

Blair Witch hatte schon auf dem PC und den anderen Konsolen mit einigen Problemen zu kämpfen. So kam es bei mir immer wieder vor, dass Bullet zwischenzeitlich nicht oder falsch reagiert hat und ich einfach ohne ihn weitergehen konnte, ehe er irgendwann einfach direkt neben mir gespawnt ist. Zudem durfte ich einen Bug miterleben, bei dem mein tierischer Begleiter im Prolog plötzlich zu Knurren begann, so als ob ein Gegner in der Nähe war. In diesem Teil des Spiels gibt es jedoch noch keine Geister und so knurrte Bullet die Luft an und hörte nicht mehr auf meine Kommandos. Ich musste also den letzten Spielstand erneut laden und hoffen, dass der Bug nicht erneut vorkommt. Über weitere schwerwiegende Bugs bin ich allerdings nicht gestolpert.


Grafisch reißt Blair Witch keine der vielen Bäume im Wald aus. Die Texturen wirken teils verwaschen und matschig und einzelne Details wie Gräser ploppen in manchen Arealen einfach aus dem Nichts aus. Das Setting, das in den Wäldern spielt, gereicht dem Spiel allerdings auch zum Vorteil, denn so fällt die grafische Schwäche nicht wirklich auf – vor allem nicht bei Dunkelheit. Bei Tageslicht können zumindest die Lichteffekte überzeugen und die Grafik-Engine schafft es trotz aller Schwächen, die Wälder so darzustellen, dass man durchaus davon überzeugt ist, gerade unter den Bäumen entlang zu wandern, womit der eigentliche Zweck erfüllt wird. Die bereits erwähnte Soundkulisse kann vor allem dann überzeugen, wenn ihr Kopfhörer an die Nintendo Switch anschließt, da der Titel enorm von dem simulierten Raumklang lebt. Es macht schon einen deutlichen Unterschied, ob ihr eine Stimme direkt hinter euch hört oder nur allgemein, denn auch wenn ihr über ein gutes Surround-System verfügt, merkt man dem Spiel deutlich an, dass es für Kopfhörer optimiert wurde. Doch auch ohne sorgt der Sound für eine gute Untermauerung der Atmosphäre: Äste knacken, Blätter rauschen im Wind und in der Ferne hört man Vögel und andere Tiere. Der Wald wirkt die ganze Zeit lebendig, obwohl ihr weit und breit die einzige Person seid. Die gesamte Sprachausgabe ist dabei komplett in Englisch vertont, die Sprecher liefern allesamt eine sehr gute Arbeit ab. Wer der englischen Sprache nicht mächtig ist, kann deutsche Untertitel dazuschalten. Blair Witch macht zudem ziemlich sinnvoll Gebrauch von der HD-Rumble Funktion. Immer wenn Bullet nach euch bellt, vibriert euer Controller und wenn ihr euch in den Schleich- und Nebelpassagen einem Monster nähert, lässt euch das Spiel dies ebenfalls fühlen.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Florian McHugh

Blair Witch ist seit langem mal wieder ein Horrorspiel, das tatsächlich ein beklemmendes und beängstigendes Gefühl in mir wecken konnte, ohne dabei jedoch auf billige Jumpscares zurückzugreifen. Das allgegenwärtige Gefühl, beobachtet zu werden, in Verbindung mit dem langsamen geistigen Zerfall von Protagonist Ellis, sorgt dafür, dass sich eine entspannte Wald- mit einer beklemmenden Gesamtatmosphäre abwechselt. Die Handlung, die sich rund um die Suche nach einem verschwundenen Jungen dreht, beginnt ganz gemächlich, gewinnt im Laufe des Spiels jedoch immer mehr an Fahrt und kann letztendlich auch überzeugen. Das größte Highlight des Spiels ist allerdings euer tierische Begleiter, der Hund Bullet. Der Vierbeiner ist mir im Laufe meiner Spielesession ziemlich ans Herz gewachsen und das Spiel nutzt den tierischen Kumpanen, um eure Suche und euer Überleben zu erleichtern. Zusammen mit der tollen Soundkulisse ergibt sich so ein Gesamtpaket, dass mit 6-8 Stunden Spielzeit zwar nicht allzu lang ausfällt, jedoch dafür umso intensiver wirkt. Und wer danach immer noch nicht genug hat, kann versuchen, eines der zusätzlichen Enden zu erreichen, die euch noch einmal einiges abverlangen. Da kann ich auch über einige recht nervige Bugs, spielerisch nicht allzu anspruchsvolle Rätsel und die eine oder andere frustrierende Stelle im Spiel hinwegsehen und mich auch trösten, dass das Spiel grafisch zwar keine Wucht ist, die Wälder von Burkittsville jedoch immer noch überzeugend darstellt. Fans von Horrorspielen sowie der Blair Witch-Reihe können hier bedenkenlos zugreifen. Allen anderen Neugierigen sei natürlich auch ein Blick empfohlen.
Mein persönliches Highlight: Bullet, der Hund

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 10

  • Kabuki-Ende

    noch nicht ganz am Ende...

    wie sehr unterscheidet sich die grafik von der ps4 version?

  • Florian McHugh

    Die Frühschicht

    @Kabuki-Ende Ich habe die PlayStation Version nicht gespielt, gehe aber davon aus, dass der Unterschied schon erkennbar sein wird, vor allem in Bezug auf Kantenglättung und Texturschärfe.

  • Tomek2000

    Meister des Turms

    Ich hätte so eine hohe Wertung nicht erwartet, vielleicht gebe ich dem Spiel mal eine Chance .

  • Florian McHugh

    Die Frühschicht

    @Tomek2000 Ich erst auch nicht ;) Wurde aber angenehm überrascht.

  • Crimsmaster_3000

    Bastardo de Crimson

    Kann nur für die Xbox Version sprechen aber wenn die Switch Version ähnlich gut ist dann passt die 7 genau :ddd:

  • zocker-hias

    Turmfürst

    Sehr guter Test @Florian McHugh!!
    War echt gespannt wie das Game wohl wird und hab nun eine gute Idee davon.

  • SasukeTheRipper

    Turmfürst

    Ich habe mir das Spiel letztens für 20€ (PS4) geholt und werde es sicherlich mal an einem längeren Abend durchspielen.

  • Switchy

    Turmritter

    Habe es jetzt Mal angefangen zu zocken. Gleich zu Beginn viel mir dann doch die schwache Grafik auf. Gras ploppte sichtbar dauerhaft auf und ach Äste und Sträucher wurden zu spät nachgeladen. Überhaupt hatte ich das Gefühl das beim Tageslicht ein leichter milchiger Schleier über der Umgebung liegt. Steuerung ist leicht und Kommandos werden alle erkannt. Schon im Prolog hatte ich aber das Problem.das mein Hund an einer Stelle einfach stehen blieb und sich nicht mehr rufen ließ. Da an der Stelle aber nichts wichtiges war bin ich dann ohne ihn weiter gegangen bis in einer Funksequenz mein treuer Begleiter plötzlich wieder neben mir stand. Die Atmosphäre des Spiels ist aber Klasse. Werde es auf jedenfall weiter spielen da mich die Story neugierig gemacht hat. Zudem ist der Kamera-Einsatz Mal was erfrischendes.

  • Brokenhead

    Turmfürst

    Umbedingt mir Kopfhörern spielen!

  • Lunarbaw

    Let's Player aus Schland ^^

    7? Dann muss es sich aber stark von den anderen Versionen unterscheiden. Das einzig gruselige an dem Spiel ist die KI, das unfassbar repetitive Gameplay und die absolut vorhersehbare Story. Fairer Weise muss ich sagen, dass es mich durchaus unterhalten hat. Ich hab mich das halbe Spiel über kaputt gelacht XD.
    Als Horror Titel aber dennoch das schlechteste, was ich in den letzten 10 Jahren gespielt habe.
    Ich hätte, neutral betrachtet, eine 4 gegeben.
    Hat ja auch ein paar Sachen richtig gemacht ^^