Entdeckt das Geheimnis von Myst Island

Stellt euch vor, ihr öffnet die Augen und seid auf einmal auf einer Insel voller rätselhafter Apparaturen. Ihr wisst nicht, weshalb ihr dort seid, und auch nicht, wie ihr von da wegkommt. Ihr wacht auf und müsst euch orientieren, nach Hinweisen suchen, um herauszufinden, was es mit diesem Ort auf sich hat. So oder so ähnlich lässt sich die grundlegende Spielidee der realMyst: Masterpiece Edition zusammenfassen. Die Neuauflage des ersten Teils der beliebten Myst-Serie spart mit inhaltlichen Neuerungen und beschränkt sich darauf, das bekannte Spielprinzip in einem neuen technischen Gewand zu präsentieren. Die Neuinterpretation reicht dabei aber weiter, als es bei anderen Remakes der Fall ist. Während ihr euch im originalen Myst mit Klicks durch die einzelnen Animationsphasen bewegt, steuert ihr in der Neuauflage die Kamera aus der Ego-Perspektive vergleichsweise frei durch die Gegend. Ein an das Original angelehnter Bewegungsmodus steht euch zwar ebenfalls zur Verfügung, standardmäßig ist dieser aber nicht eingestellt.


Die Erkundung der Spielwelt ist eine eurer Hauptaufgaben. © Cyan Worlds

Im Zentrum der Welt, durch die ihr euch bewegt, liegt Myst Island. Die Insel ist nicht nur der Ausgangspunkt eures Abenteurers, sondern dient euch auch als Hub-Welt, von der aus ihr in verschiedene Zeitalter reisen könnt. Die Erkundung der einzelnen Zeitdimensionen ist dabei das wesentliche Spielelement. In diesen findet ihr die nötigen Informationen, um das Geheimnis von Myst Island zu lösen. Welches Geheimnis? Dazu soll an dieser Stelle nicht zu viel verraten werden. Myst lebt von der faszinierenden Welt und dem Mysterium, das ihr zugrunde liegt. Sich selbst durch die verschiedenen Areale zu bewegen und herauszufinden, was dort vor sich geht, ist der wesentliche Antriebsfaktor des Spielers. Insofern sei nur so viel verraten: Relativ früh im Spielverlauf erfahrt ihr, dass die beiden Brüder Sirrus und Achenar in magischen Büchern gefangen sind, aus denen sie mit eurer Hilfe entkommen wollen. Eure Aufgabe ist herauszufinden, welchem der Brüder ihr trauen könnt und wer durch euch den Weg in die Freiheit finden soll.


Um Informationen zu den Ereignissen in der Welt zu finden, seid ihr gezwungen, mehrere Rätsel zu lösen, die auf unterschiedlichen Mechaniken basieren. Dazu zählen sowohl relativ simple Schalter- als auch Umgebungsrätsel, in denen ihr beispielsweise eine geheime Tür finden müsst. Typisch für klassische Adventure-Spiele, sind die Rätsel aber auch manches Mal recht anspruchsvoll gestaltet. Oft bringt euch auch nur stupides Ausprobieren mehrerer Möglichkeiten ans Ziel, was – je nach Umfang der Optionen – auch leicht frustrierend werden kann. Wenn ihr aber tatsächlich nicht weiterkommen solltet, steht euch zu jedem Zeitpunkt über das Menü eine umfassende Komplettlösung zur Verfügung, die euch zunächst schrittweise Tipps gibt und am Ende auch die Auflösung des Rätsels und die wichtigsten Ergebnisse beinhaltet. Das macht den Titel sowohl für Adventure-Neulinge als auch Rätselveteranen recht zugänglich.


Die verschiedenen Abschnitte der Spielwelt sind abwechslungsreich gestaltet. © Cyan Worlds

Deutlich weniger zugänglich ist leider die Steuerung des Spiels. Wie bereits eingangs erwähnt, bewegt ihr euch aus der Ego-Perspektive relativ frei durch die einzelnen Abschnitte. Im Hintergrund ist aber immer noch eine Maussteuerung am Werk, die über einen Cursor abgebildet wird, den ihr mit dem rechten Analogstick steuert. Wenn der Cursor an einen Punkt kommt, an dem ihr etwas drücken oder ziehen könnt, könnt ihr über die Schultertasten der Switch quasi einen Mausklick simulieren und mit den Gegenständen interagieren. In der Praxis ist diese Steuerung aber ziemlich ungenau und führt zu vielen Fehleingaben oder der Notwendigkeit, Gegenstände öfter anzusteuern. Während eine einmalige Fehleingabe dabei noch weniger problematisch ist, kann die ungenaue Steuerung auf Dauer doch den Spielspaß trüben.


Ebenfalls negativ aufgefallen ist mir beim Spielen die unsaubere Abmischung der verschiedenen Audiospuren. Der Neuauflage von Myst gelingt es über weite Strecken, die kreativ gestalteten Orte, die man erkundet, mit stimmungsvoller Musik zu begleiten. Die Soundtracks sind dabei relativ abwechslungsreich, was sich ebenfalls positiv auf die Atmosphäre auswirkt. Doch die verschiedenen Audiodateien überlappen sich teilweise, was insbesondere bei Sprachaufnahmen negativ auffällt. Da die Aufnahmen der beiden Brüder oft bewusst verrauscht sind, ist es schwierig, den Aussagen in den einzelnen Abschnitten zu folgen. In einem Spiel, in dem es auch darum geht, Informationen zu sammeln, ist das äußerst ärgerlich. Eine Option zur Anpassung der Lautstärkeeinstellungen gibt es nicht. Ansonsten ist die technische Umsetzung der realMyst: Masterpiece Edition solide. Die grafischen Abstriche gegenüber anderen Fassungen des Spiels fallen kaum ins Gewicht, was bei einem ursprünglich 2014 veröffentlichten Titel aber auch nicht verwunderlich ist. Überhaupt ist die Spielwelt der unbestrittene Star von Myst. Myst Island ist ein faszinierender Ort mit abstrakten Apparaturen und gleichzeitig der Sammelpunkt einer Welt mit aufwändig gestalteten Zeitaltern und verschiedenen Einflüssen, die zu einem interessanten Mix zusammengeführt werden.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Adis Selimi

Die realMyst: Masterpiece Edition bringt die Neuauflage des klassischen Adventures auf die Nintendo Switch und ermöglicht es euch, das Abenteuer auch unterwegs zu erleben. Der Hauptmotivationsfaktor dafür, Myst Island und seine verschiedenen Zeitalter zu erkunden, ist die Welt selbst, die immer noch eine eigene Faszination ausstrahlt. Auf der Nintendo Switch wird das Spielgefühl leider durch eine schwammige Steuerung und eine unsauber abgestimmte Geräuschkulisse getrübt. Dennoch lohnt sich die Reise nach Myst Island auch auf der Hybridkonsole, wenn man bereit ist, für den Vorteil der Portabilität einige Kompromisse einzugehen. Für die möglichst authentische Myst-Erfahrung würde ich aber tatsächlich doch die PC-Version und die Steuerung mit Maus und Tastatur empfehlen.
Mein persönliches Highlight: Die faszinierende Spielwelt.

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