Zwei Robos stolpern durch die Welt

Eigentlich ist der Mensch an sich doch ein kleines biologisches und konzeptionelles Wunder. Wir sind, mehr oder weniger, in der Lage komplexe Gedankengänge zu verfolgen, kreative Werke zu schaffen und nebenbei bewegen wir uns auch noch durch die Welt, ohne ständig auf die Nase zu fallen. Denn eigentlich besteht unsere Fortbewegung ja mehr aus einem Stolpern und dem konstanten Verhindern, dass wir der Länge nach auf die Nase fallen – ein Bein vor das andere. Wieso ich das extra erwähne? Weil mir das Bewusstsein fürs Laufen dank des Titels Biped einmal mehr aufgefrischt wurde.


Gestatten: Die beiden tollpatschigen Protagonisten. © META Publishing

Biped, das am 2. Juli 2020 erscheinen wird, ist ein Spiel, das seinen Fokus klar erkennbar auf dem Koop-Gedanken aufbaut, daher wird der Fokus dieses Tests auch auf dem Multiplayer-Aspekt liegen – doch keine Sorge, ich werde auch zum Einzelspielermodus ein paar Worte verlieren. Euer Mitspieler und ihr verkörpert je einen kleinen Roboter, dessen Aufgabe es ist, auf die Erde zu reisen und sogenannte Leuchtfeuer zu aktivieren, damit der interstellare Reiseverkehr funktionstüchtig bleibt. Das war es dann auch schon mit der Handlung, die getrost links liegen gelassen werden kann, denn der eigentliche Star des Spiels sind die einzelnen Level und ihre Herausforderungen.


Denn euer Roboter stellt sich in Sachen zweibeiniger Fortbewegung nicht ganz so sicher an, wie wir Menschen das tun. Und so müsst ihr jedes Bein einzeln steuern und bewegen, damit ihr vorwärts kommt: linkes Bein, rechtes Bein, und so weiter. Das ist anfangs noch erstaunlich ungewohnt und bedarf ein wenig Einarbeitung, doch spätestens nach dem Tutorial-Level seid ihr so weit, dass man euch guten Gewissens auf die Erde loslassen kann. Fortan müsst ihr euch durch verschiedene Level schlagen, die sich an diversen Regionen der Erde wie dem amerikanischen Westen, einem Dschungel oder einer Ruinenstadt orientieren. Das Ziel bleibt dabei immer gleich: Ihr müsst euch bis zu einem Leuchtfeuer durchschlagen, das am Ende eines jeden Gebietes darauf wartet, von euch aktiviert zu werden. Und hier geht der Spaß dann auch los.


Oh-oh: Es fehlt ein Bein auf der Plattform und einer der Robos droht bereits abzustürzen! Ein ganz normaler Anblick. © META Publishing

Was nämlich im ersten Moment ganz simpel klingt, gestaltet sich dank diverser Rätseleinlagen und Herausforderungen vor allem im Koop-Modus zu einem riesigen Spaß. Das geht schon damit los, dass ihr euch ja durch den Level fortbewegen müsst und so bereits einiges an motorischem Geschick beweisen müsst. Zwar können sich eure beiden Roboter auch gleitend durch die Welt bewegen, doch geht dies nur auf einer glatten Oberfläche. In den Levels verstreut werdet ihr immer wieder auf diverse Herausforderungen stoßen, die ihr zusammen bewältigen müsst. Das geht von ganz klassischen Konzepten wie einer Wippe, die richtig ausbalanciert werden muss bis hin zu komplexeren Mechanismen, die definitiv einer guten Absprache bedürfen. So gibt es in den späteren Levels Ebenen, die in der jeweiligen Farbe eines eurer Roboter gefärbt sind – also Rot oder Blau. Nun darf einzig der richtig gefärbte Zweibeiner einen Fuß auf die Fläche setzen, die sich daraufhin umfärbt und euer Partner muss den nächsten Schritt machen – wenn der falsche Robo einen Schritt macht, löst sich die Fläche auf und ihr stürzt in euer Verderben. Ein weiteres Beispiel gefällig? Manche Plattformen erlauben nur eine bestimmte Anzahl an Beinen auf der Oberfläche. So verlangt eine Fläche, dass sich maximal drei Füße auf ihr befinden, ansonsten beginnt sie, sich zu drehen. Nun muss einer von euch beiden mit zwei Füßen auf die Plattform, während der andere eines seiner Beine in der Luft halten muss.


Ihr seht schon, es ist einiges an Koordination gefragt, denn ihr müsst eure Bewegungen gut aufeinander abstimmen, damit ihr letztendlich ans Ziel gelangt. Was jetzt vielleicht wie ein überwiegend frustrierendes Erlebnis klingt, hat uns bei unserer Testpartie die Tränen vor lauter Lachen in die Augen getrieben. Denn durch das häufige Ausprobieren und Scheitern entstehen unglaublich skurrile und witzige Momente, Frust kam eigentlich zu keinem Moment auf. Das liegt auch daran, dass euch das Spiel euer Scheitern nicht groß vorhält, sondern euch ohne große Umwege einen neuen Versuch wagen lässt. Habt ihr dann gemeinsam eine schwierige Stelle gemeistert, ist das Glücksgefühl umso größer und das Spiel bewertet am Ende eines jeden Levels auch euer Zusammenspiel mit einem Harmoniewert – Diskussionszündstoff für Pärchen mit einem niedrigen Ergebnis inklusive. Zudem fällt die Lernkurve sehr angenehm aus, denn neue Elemente werden behutsam eingeführt, sodass ihr euch mit diesen in aller Ruhe vertraut machen könnt.


Auch Solisten wird etwas geboten. © META Publishing

Hinzu kommt die Tatsache, dass die Entwickler designtechnisch vieles einfach nur richtig machen, denn Biped steuert sich auch vergleichsweise einfach und intuitiv: Ihr braucht einzig eure beiden Analogsticks oder, wenn ihr nur mit je einem Joy-Con spielt, den jeweiligen Analogstick und eine der beiden L- oder R-Knöpfe. Das ist intuitiv und ihr werdet die Bewegungen innerhalb kürzester Zeit locker beherrschen. So schafft das Spiel den Spagat aus einem guten und einfachen Einstieg und gleichzeitig anspruchsvollen Rätseln, die euch geboten werden. Biped kann zudem auch solo gespielt werden, was den Spielspaß aber natürlich um die soziale Komponente und all die witzigen Momente drückt, die das eigentliche Highlight des Spiels darstellen. Die einzelnen Level sind dieselben wie aus dem Koop-Modus, allerdings wurden die Rätsel so konzipiert, dass ihr sie entweder alleine lösen könnt oder euch das Spiel ab und an einen vom Computer gesteuerten Helfer an die Seite stellt. Die KI liefert dabei eine gute Arbeit ab, insgesamt werdet ihr aber deutlich schneller und leichter vorankommen, wenn ihr euch alleine daran macht, die Leuchtfeuer zu aktivieren.


Die einzige wirklich große Schwäche des Spiels ist seine Dauer: Der ganze Spaß ist bereits nach wenigen Stunden vorüber, ihr werdet für den Koop-Part vielleicht 3-4 Stunden brauchen, für den Einzelspielermodus vielleicht noch etwas weniger, da ihr hier deutlich weniger scheitern werdet. Wer möchte, kann in den einzelnen Levels noch versuchen, spezielle goldene Herzsymbole zu sammeln, den Harmonie-Wert in die Höhe zu treiben oder zusätzliche Münzen zu sammeln. Für Letztere könnt ihr euch nämlich in einem kleinen Ingame-Shop neue Hüte für eure Robos kaufen. Ein Online-Koop-Modus soll zudem noch folgen.


Biped kommt mit einem recht knudelligen Look daher. Das Design der beiden Robos erinnert stark an Pixars WALL-E und auch die übrigen Blechbüchsen sind allesamt niedlich konzipiert. Grafisch reißt der Titel keine Bäume aus, ist aber schön anzusehen und die Bildrate bleibt durchgehend stabil – ein Umstand der gerade aufgrund der nötigen Koordinierung enorm wichtig ist. Das Spiel bietet keinerlei Sprachausgabe, allerdings lokalisierte Texte.

Unser Fazit

9

Geniales Spiel

Meinung von Florian McHugh

Biped hat mich ziemlich überrascht, denn selten habe ich während eines Koop-Titels so sehr Tränen lachen müssen. Das ist letztendlich dem interessanten Spielkonzept geschuldet, denn in dem Spiel verkörpert ihr und euer Partner je einen Roboter, dessen einzelne Beine ihr separat steuern müsst. Was notgedrungen folgt sind ziemlich chaotische und skurrile Momente, die immer dann entstehen, wenn ihr euch an eine der vielen fair konzipierten Herausforderungen heranwagt. Dabei ist Biped intuitiv, vom Spieldesign hervorragend gelungen und schafft es, eine angenehme Lern- und Motivationskurve aufzubauen. Es wird euch zwar auch ein Solo-Modus angeboten, doch man merkt dem Spiel deutlich an, dass es seinen Fokus auf den Koop-Aspekt setzt und in dieser Hinsicht brilliert es. Also letztendlich alles super, ein Meisterwerk vor dem Herren? Da grätscht dann letztendlich leider doch die sehr kurze Spieldauer rein. Ihr könnt Biped mit eurem Spielpartner nämlich an einem Abend durchspielen, nach 3-4 Stunden, je nachdem wie gut ihr euch anstellt, ist der ganze Spaß dann auch schon vorbei. Wer allerdings nach einem hervorragenden Koop-Titel sucht, der kann trotzdem zugreifen, vor allem weil Biped mit 14,95 € auch nicht allzu teuer ausfällt.
Mein persönliches Highlight: Jede einzelne Herausforderung im Koop-Modus – Scheitern inklusive!

Awards

Spiele-Hit Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Disstroyer.Rabi

    Leiter für Kundenzufriedenheit

    Oha krasse Wertung, wird sich definitiv mal näher angeschaut.
    Allerdings finde ich 15€ für 3-4 Stunden Spiellänge schon eine Ansage, falls es danach keinen Spaß mehr machen sollte.