Metroidvania-Abenteuer tief unter dem Meeresspiegel

Auf der Suche nach der Wiege der Menschheit stürzt das Forschungsschiff des Meeresarchäologen Nikolay Bernstein in einem Sturm ab. Er erwacht in Bahlam, einer versunkenen Festung der alten Götter, die sich tief unter der Meeresoberfläche befindet. Begleitet von Buddy, einer schwebenden Hilfsdrohne, stößt er auf die Wozan, ein Minenarbeitervolk freundlicher Gesinnung, das größtenteils von mächtigen Maschinenwesen eingesperrt oder als Arbeiter versklavt wurde. Gemeinsam mit Buddy sucht der „Mann aus dem Meer“ nicht nur nach dem Ursprung der feindseligen Kreaturen, sondern auch nach einem Fluchtweg aus der Festung für sich und die Wozan.


Tutorial im Hintergrund: In die Landschaft integrierte animierte Bildschirme zeigen, wie es geht. © Headup Games

Das am 5. Juni 2020 erschienene Outbuddies DX ist ein Metroidvania-Titel, der den Spieler in eine große, komplexe und ineinander verworrene Spielwelt entführt. Dabei orientiert es sich nicht nur bei der Grafik, sondern auch bei den Spielmechaniken an Vorbildern wie Super Metroid, das für das SNES erschienen ist. Der Spieler bewegt sich über einzelne Abschnitte, die über Türen und Durchgänge miteinander verbunden sind, durch eine 2D-Spielwelt, die grafisch dem Stil der 16-Bit-Ära nachempfunden ist. Dabei lassen sich mehrere nicht nur räumlich, sondern auch optisch voneinander abgegrenzte Gebiete klar voneinander unterscheiden. In jedem spielt eine atmosphärische Musik, die sich dynamisch an Gefahrensituationen anpasst und den Spieler in eine fremde, teils unheimliche Welt eintauchen lässt. Je weiter man dabei im Spiel voranschreitet, desto mehr Fähigkeiten können entdeckt werden, die dann wiederum das Erkunden zuvor unzugänglicher Bereiche erlauben. Die gesamte Spielwelt wird dabei von diversen Kreaturen beheimatet, die den Spieler mit verschiedensten Angriffen in die Mangel nehmen wollen. Darunter befindet sich auch eine Auswahl mehrerer Bosse und Minibosse, die meistens Upgrades und Sammelgegenstände bewachen oder für des allgemeine Vorankommen im Spiel besiegt werden müssen.


Für das Erkunden und den Kampf stehen dem Spieler diverse Fähigkeiten zur Verfügung. Von der normalen Energiewaffe, über einen Schuss, der Gegner einfriert und als Plattformen verwenden lässt, bis hin zu den Raketen, die schweren Schaden bei Gegnern anrichten können; von Doppelsprüngen bis hin zu einer Ballform, die das Erkunden schmaler Tunnel erlaubt – das Arsenal der zur Verfügung stehenden Waffen und Ausrüstungsgegenstände erinnert sehr an das einer bestimmten intergalaktischen Kopfgeldjägerin aus dem Hause Nintendo. Doch auch wenn sich Outbuddies DX nicht sonderlich viel Mühe gibt, seine Inspiration durch 2D-Metroids und andere Vorgängertitel des Genres zu verbergen, schafft es das Spiel, die Reise durch Bahlam mithilfe einer cleveren Verteilung der Upgrades und Einführung frischer Fähigkeiten interessant und spannend zu gestalten.


Das Antlitz von Nikolay Bernstein: Im Inventarbildschirm kann auch die Helmbeleuchtung ein- und ausgestellt werden. © Headup Games

Ein zunächst eher unscheinbares Alleinstellungsmerkmal ist Buddy, der mechanische Gefährte, der Nikolay Bernstein durch die gewaltige Unterwasserfestung begleitet. Dieser kann nämlich vom Spieler gesteuert werden: Ein einfacher Knopfdruck ermöglicht den Wechsel zwischen den beiden Charakteren. Als Buddy ist es möglich, das Terrain nach versteckten Geheimnissen zu scannen, bestimmte Steinbrocken zu bewegen und den ein oder anderen Gegner zu manipulieren. Letztere Fähigkeit wird im Laufe des Spiels durch das Einsammeln von Buddy-spezifischen Upgrades verbessert, sodass auch mit stärkeren Gegnern interagiert werden kann. Hierbei sei jedoch vermerkt, dass nur bestimmte Gegner manipuliert werden können und das Ergebnis dieser Manipulation nicht immer dasselbe sein muss: Manche Gegner können in bewegliche Plattformen verwandelt werden, andere spucken anstatt gefährlicher Projektile plötzlich Heilungskapseln aus und wieder andere explodieren auf der Stelle, was das Säubern einzelner Kartenabschnitte etwas vereinfachen kann. Wer einen geduldigen zweiten Spieler findet, der sich mit weniger actionlastigen Tätigkeiten, wie dem Scannen der Umgebung, zufrieden gibt, kann das Spiel auch im Koop-Modus angehen: Ein Spieler steuert Nikolay, der andere kontrolliert Buddy.


Doch beim Spielen stechen leider auch oft die Schwachpunkte des Spiels ins Auge. So ist das eben erwähnte Buddy-Feature nicht nur hilfreich, sondern kann auch durchaus als lästig empfunden werden, wenn es darin ausartet, dass der Spieler ständig den Spielfluss unterbricht, um jeden Raum nach Geheimnissen abzuscannen. Die gewaltige Spielwelt, die zwar auf einer über den Pausenbildschirm zugänglichen Karte aufgezeichnet wird, ist teilweise etwas unübersichtlich gestaltet, was gerade zu Beginn dazu führt, dass der Spieler nicht immer weiß, wo sich sein nächstes Ziel befindet beziehungsweise in welche Gebiete er mit den aktuellen Fähigkeiten vordringen kann. Das Steuerungsschema wirkt – gerade am Anfang des Spiels – manchmal etwas unintuitiv, was zu kleinen Frustmomenten führen kann, wenn versehentlich falsche Eingaben gemacht werden. Auch der Schwierigkeitsgrad des Spiels kann abschreckend für Anfänger und Metroidvania-Neulinge wirken. Besonders die Bosskämpfe haben es in sich, vor allem, weil mehrere zu einem bestimmten Grad auf Glück und Zufall anstatt auf dem Können des Spielers basieren.


Monströses Maschinenungetüm: Die Bosse von Outbuddies DX sind eindrucksvolle Gegner. © Headup Games

Die Entwickler selbst scheinen sich der Tatsache, dass ihr Spiel viele Frustmomente beinhaltet, bewusst zu sein. So wurden seit dem Original Outbuddies, welches schon 2019 auf dem PC veröffentlicht wurde, einige Verbesserungen für die DX-Version vorgenommen. Stirbt der Spieler, so startet er erneut am Eingang des aktuellen Raumes. In der Konsolenversion verfügt er hierbei bei jedem Versuch über etwas mehr Gesundheit als zuvor, um ein wiederholtes Sterben an derselben Stelle unwahrscheinlicher zu machen. Bei den teilweise sehr kryptischen Bosskämpfen, in denen oftmals überhaupt nicht erkennbar war, was vom Spieler überhaupt erwartet wird, um dem Gegner Schaden zuzufügen, wurden hilfreiche Hinweispfeile ergänzt, um dem Spieler unter die Arme zu greifen. Diese und weitere Änderungen haben dazu geführt, Outbuddies DX etwas zugänglicher für Nicht-Hardcore-Metroidvania-Fans zu gestalten.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Philipp Pöhlmann

Outbuddies DX muss sich mit vielen anderen Metroidvania-Titeln messen und schafft es dabei, mit seiner weitläufigen, atmosphärischen Spielwelt und meist solidem Gameplay zu überzeugen. Die Möglichkeit, das Spiel zu zweit angehen zu können, ist eine nette Hinzugabe, von der die meisten Spieler jedoch vermutlich keinen Gebrauch machen werden. Für Genrefans kann ich den Titel, der beim erstmaligen Durchspielen – je nach Erkundungsfreude des Spielers – gut 15 Stunden Spielzeit bieten kann, guten Gewissens empfehlen. Metroidvania-Neulinge hingegen sollten sich auf gelegentliche Frustmomente und ein wenig planloses Herumsuchen in der gewaltigen Spielwelt einstellen. Wer bei der Originalversion für den PC nicht zugegriffen oder aufgrund des hohen Schwierigkeitsgrades irgendwann entnervt das Handtuch geworfen hat, sollte durchaus einen Blick in die verbesserte DX-Version riskieren.
Mein persönliches Highlight: Der Soundtrack, der im finalen Gebiet des Spiels ertönt, lässt den Spieler mit freudiger Erwartung seinen Weg zu einem epischen Endbosskampf finden.

Die durchschnittliche Leserwertung

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