In der Haut des Monsters

Hört man den Namen Arte, denken wohl viele an ein TV-Programm, welches nicht jedermanns Sache ist. Viele Beiträge entstammen einer sehr künstlerischen und teils auch eigenen Welt, für die man einfach gemacht sein muss. Ganz anders verhält es sich mit dem Spiel The Wanderer: Frankenstein’s Creature, welches für Nintendo Switch erschienen ist und bei dem Arte als Publisher auftrat. Zwar erinnern manche Erlebnisse des Titels ebenfalls an das Abendprogramm im Fernsehen, die gesamte Inszenierung ist aber ein einmaliges Spielerlebnis, was auch für die breite Masse gemacht ist. Weshalb ich trotzdem meinen Test enttäuscht beenden musste, lest ihr in den folgenden Zeilen.


Eine einzigartige Geschichte!


Im Titel übernehmt ihr die Rolle des Monsters von Viktor Frankenstein aus den bekannten Erzählungen. Ihr findet euch in der Welt der Menschen wieder, ohne anfänglich zu wissen, woher ihr kommt. Im Verlauf der Geschichte durchstreift ihr viele unterschiedliche Gebiete, trefft auf Tiere und Menschen und werdet immer wieder mit den Themen Andersartigkeit und Einsamkeit konfrontiert. Aufgrund eurer Erscheinung haben die Menschen nämlich Angst vor euch, auch wenn in eurem Inneren das Gute herrscht.


Die Menschen fürchten sich vor eurer Erscheinung.

© ARTE France / La Belle Game


Erzählt wird diese zum größten Teil melancholische Geschichte aus der Perspektive des Monsters, welche rückblickend seine Erlebnisse aufarbeitet. Zwar führt man auch immer wieder kürzere Dialoge im Spiel und auch mit der ein oder anderen Zwischensequenz kann der Titel glänzen, das Grundgerüst bleibt hierbei jedoch stets das Gleiche. Man findet sich in kleineren Gebieten wieder, erledigt diverse Aufgaben und erlebt aus der Beobachterrolle das Leben des Monsters. Insgesamt spielt sich dies sehr schön, da durch die Berichte eures Protagonisten die gesamte Stimmung sehr gut eingefangen wird, abwechslungsreicher hätte es aber ab und zu sein dürfen.


Fernab der Gespräche erkundet ihr mittels der Sticks die Umgebung, sammelt manchmal sogar Gegenstände ein, um sie an anderen Orten zu platzieren und auch kleinere Rätsel und Minispiele haben es ins Spiel geschafft. Vergleichbar ist der Titel am ehesten mit einem Point-and-Click-Adventure, auch wenn das typische Inventar eines Monkey Island gänzlich fehlt und man auch nicht mit einem Klick seine Figur in eine Richtung schickt, sondern die direkte Kontrolle über diese hat. Ich persönlich hatte eine ganze Menge Spaß dabei, das schaurige Monster bei seiner Reise zu begleiten, da man auch immer wieder vor Entscheidungen gestellt wird, die das Spiel verändern. So fand ich mich sehr schnell in einer Situation wieder, in welcher ich die Wahl hatte, ruhig zu bleiben oder wütend zu werden. Meine Entscheidung viel auf die letztere Option, was zu dem Tod eines Kindes führte. So überraschend und hart kann der Titel sein.


Die gesamte Atmosphäre des Spiels ist wunderbar kontrastreich und orientiert sich stets an den Gefühlen des Monsters. In glücklichen Augenblicken erstrahlt die Welt in bunten Farben, wohingegen traurige Szenen von dunklen Farbtönen begleitet werden. Hinzu kommt der für mich atemberaubend gute Sound, welchen man mit Kopfhörern genießen sollte. Dieser wurde vor Kurzem sogar als digitales Album veröffentlicht. Per bandcamp könnt ihr dann den Klängen des Abenteuers unabhängig vom Spiel lauschen, um so erneut in die melancholische Welt abzutauchen. Solltet ihr etwa acht Euro investieren wollen, steht euch auch der Download des Albums zur Verfügung. Fernab der Geschichte lädt dieser nämlich zum Verweilen ein. Die Charaktere im Spiel sind eher minimalistisch gehalten, aber auch dies passt sehr gut in das Gesamtkonzept des Spiels. Besonders toll anzusehen sind einige Bereiche, welche erst durch eure Erkundung an Größe und Farbe gewinnen und sich dadurch nach und nach aufbauen. Hier hat man tolle Arbeit geleistet.


Kleinere Minispiele lockern das gesamte Gameplay etwas auf.

© ARTE France / La Belle Game


Zwei große Mankos muss ich jedoch benennen und diese haben es leider in sich. Zum einen ist hier die Steuerung zu erwähnen. Immer wieder überkommt einen das Gefühl, dass der Joy-Con-Drift des Todes zugeschlagen habe, da sich das Monster einfach nicht gezielt in eine Richtung bewegen lässt. Hinzu kommt das Gefühl, dass überall um einen herum unsichtbare Wände entstehen, die einen am gezielten Weiterkommen hindern. Neben der Steuerung hatte ich vor allem kurz vor Spielende mit zwei verheerenden Bugs zu kämpfen. Diese bewirkten nicht nur, dass ich das Spiel neu starten musste, sondern sogar die letzten Szenen nicht einmal erlebte. Es kam nämlich direkt nach einer Sequenz dazu, dass das Monster entgegengesetzt zur korrekten Richtung lief und dort festhing, sodass keinerlei Bewegung mehr möglich war. Hier half leider auch kein Neustart, sodass die Enttäuschung groß war, da es kurz zuvor zu einer spannenden Überraschung kam, welche ich gerne noch aufgeschlüsselt hätte. Pustekuchen ...


Insgesamt ist The Wanderer: Frankenstein’s Creature ein tolles Spiel mit genialer Grafik und wunderschönem Sound. Die Möglichkeit, sich in den verschiedenen Kapiteln für andere Handlungsoptionen zu entscheiden, bewegt durchaus, ein zweites oder drittes Mal das Abenteuer zu starten. Dann kommt man auch gut und gerne auf fünf bis zehn Stunden Spielzeit. Solange die nervigen Bugs und die Probleme bei der Steuerung jedoch nicht behoben sind, würde ich von einem Kauf abraten, da sie das Gesamtbild doch etwas stören.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Maik Styppa-Braun

Oh was hatte ich eine Freude mit The Wanderer: Frankenstein’s Creature. Bereits nach wenigen Spielminuten war ich dem gezeichneten Grafikstil und den stimmigen Sounds verfallen und war gespannt, wohin mich die Reise des Monsters führt. Vor allem aber die teils überraschenden Konsequenzen meiner Entscheidungen haben meine Kinnlade nach unten schnellen lassen, da sie ebenso brutal und herzlos sind, wie das Verhalten der Menschen im Titel. Eigentlich wäre das Spiel für mich sogar ein Kandidat für einen Hit-Award, da aufgrund der Steuerung und der Bugs jedoch ein großer Teil der Atmosphäre verloren geht und das Durchspielen schlicht nicht möglich ist, wurden einige Punkte liegen gelassen, sodass am Ende leider trotz der tollen Erfahrung ein fader Beigeschmack bleibt.
Mein persönliches Highlight: Die vielen kleinen Momente, die einen im Spiel immer wieder überraschen.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 3

  • Zarathustra

    Turmfürst

    Maik Styppa-Braun Vielen Dank für den Test, ich hatte gar nicht mit einem zu so einem nischigen Titel gerechnet.


    Den Kauf spar ich mir aufgrund der Bugs, behalte das Spiel aber im Auge, für den fall das ein Patch erscheint.


    Hast du vor, bei Erscheinen eines entsprechenden Patches eine nachträgliche Wertungsveränderung vorzunehmen?

  • Maik Styppa-Braun

    Redakteur

    Zarathustra sollten die angesprochenen Probleme behoben werden, würde ich die Wertung definitiv nach oben korrigieren. Ob es auch zum Hit-Award reicht, kann ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen.

  • nikothemaster

    Turmbaron

    Meiner Meinung nach ein großartiger Titel, der leider auf der Switch nicht funktioniert weil die Entwickler schlampig waren. Ich musste schon nach 30min neustarten weil das Spiel meine Entscheidung nicht akzeptiert hat. Danach ging es eigtl bis ich diese Statue bauen musste, da wurde es mir zu blöd und habe abgebrochen. Sehr viel Potential liegen gelassen