Die Otter sind los – im Weltraumanzug

Am 2. Juli veröffentlichte Tri-Heart Interactive mit The Otterman Empire einen niedlichen Mix aus Shooter und Party-Spiel. Wie der Titel bereits andeutet, trefft ihr im weiteren Spielverlauf nicht auf andere Menschen, sondern taucht in ein von Ottern besiedeltes Imperium ein. Doch jenes ist in Gefahr, denn wie so oft hat ein verrückter Wissenschaftler, in diesem Fall Tiko, jenem den Krieg erklärt. Nun müsst ihr als Otter – oder auch mal als anderes Tier – in den Weltraumanzug eurer Wahl schlüpfen, Jetpack sowie Waffe schnappen und den Kampf gegen Tikos Roboter antreten.


Gegen Freunde könnt ihr im Split-Screen um die Wette schießen.

© Tri-Heart Interactive


In The Otterman Empire stehen euch hierzu zwei Spielmodi zur Verfügung. Im Kampagnen-Modus könnt ihr 8 Welten freischalten, die aus insgesamt 21 Leveln bestehen. Die Welten unterscheiden sich dabei recht stark und weisen jeweils einen anderen thematischen Schwerpunkt auf. So findet das Gefecht beispielsweise mal in der antiken Ruhestätte der Gründungsotter, einer Battle Arena oder auch in Tikos Garten statt. Um in dem Spiel voranzukommen, müsst ihr in den zeitlich begrenzten Leveln Punkte sammeln. Dies erreicht ihr, indem ihr innerhalb der zumeist 3-minütigen Phasen Aufgaben erledigt. Dafür werdet ihr mit Sternen belohnt und könnt ab einer bestimmten Summe in die nächste Welt eintauchen. Leider stimmt hier gelegentlich die Anzahl der Sterne, die während oder direkt nach Beenden des Levels angezeigt werden, nicht mit der Anzahl, die ihr dann letztendlich auch erhaltet, überein. Dies ist durchaus verwirrend, wenn man fleißig Punkte während der Mission sammelt, aber dennoch nicht den zweiten oder dritten Stern erhält. Daneben werden im weiteren Verlauf zusätzlich Charaktere und Accessoires freigeschalten. Die einzelnen Figuren weichen dabei recht stark voneinander ab und verfügen über einzigartige Move-Sets und Waffen. Folglich werdet ihr neben Ottern unter anderem auf ein Krokodil oder einen Goldfisch treffen, die sich mal mit einer Art Schnellfeuerwaffe, mal mit einer Art Bazooka in die Schlacht gegen Tiko stürzen.


Im Versus-Modus treten bis zu vier Spieler gegeneinander an. Hier steht ihr vor der Qual der Wahl: Ihr könnt einerseits innerhalb der vorgeschriebenen Rundenzeit drei Aufgaben erledigen, die ihr vorher ausgewählt habt. Es gewinnt dann die Person, die am meisten Punkte gesammelt hat. Andererseits habt ihr die Möglichkeit, die Gelegenheit zu nutzen und euch im kunterbunten Otter-Imperium gegenseitig zu bekriegen. Da das Spielgeschehen mit Freunden wesentlich abwechslungsreicher ist und es durchaus auch zu Lachern kommen kann, wenn die kleine Schildkröte das dicke Krokodil fertigmacht, hat mir der Versus-Modus insgesamt wesentlich besser gefallen als die einzelnen Kampagnen.


Bevor man seinen gewünschten Modus auswählt, fällt jedoch direkt ein Unterschied zu der überwiegenden Mehrzahl an anderen Nintendo Switch-Spielen auf: Die Funktionen der A- und B-Knöpfe sind vertauscht. Ihr bestätigt in The Otterman Empire demnach mit „B“ und verlasst eine Einstellung mit „A“. An dieser Stelle hat Tri-Heart Interactive versäumt, seinen Shooter vollständig an die Nintendo Switch anzupassen.


Moment, das kenne ich doch irgendwoher


Das Gameplay erinnert von der Grundidee her leicht an Splatoon. Mit eurem Jetpack könnt ihr umherfliegen und mit eurer Waffe auf die Gegner schießen. Um zu fliegen oder zu schießen, verbraucht ihr allerdings Wasser, welches ihr in Flüssen wieder auftanken müsst, damit die Sause weitergehen kann. Werdet ihr zu oft von den Gegnern getroffen, seid ihr besiegt und respawnt nach einer kurzen Zeit wieder. Um den Robotern das Leben noch ein wenig schwerer zu machen, habt ihr zudem eine Spezialattacke, die ihr auffüllen müsst. Besiegt ihr eure Gegner, sind diese jedoch nicht komplett verschwunden. Nach kurzer Zeit erscheinen diese wieder an Ort und Stelle und machen euch die Mission wieder ein wenig schwerer.


Besagte Missionen sind ziemlich einfach gestrickt. Am Anfang eines Levels wird eine kurze Sequenz bzw. anschließende Grafik gezeigt, die knapp den folgenden Auftrag erklärt; gesprochen wird hierbei nicht. Diese Erläuterungen sind leider zumeist sehr minimalistisch gehalten. Auch wenn sich die Aufgaben im weiteren Verlauf durchaus wiederholen und per se sehr einfach gestaltet sind – mal muss man einen Zünder über das Spielfeld tragen und dabei stetig in Bewegung bleiben, damit dieser nicht explodiert, ein anderes Mal muss man Batterien einsammeln, die dann an einer bestimmten Stelle eingefügt werden –, kann dies bei Kindern höchstwahrscheinlich zu dem ein oder anderen Fragezeichen führen. Die Objekte oder Orte, zu denen der Spieler muss, werden jedoch auf dem Bildschirm angezeigt, sodass hier zumindest eine gute Hilfestellung gegeben ist, falls nicht ganz klar ist, wohin die Reise geht.


Besonders bei hektischen Szenen oder vor dem farbenfrohen Hintergrund ist das Fadenkreuz kaum sichtbar.

© Tri-Heart Interactive


Nicht wirklich klar ersichtlich ist in den meisten Situationen jedoch das Fadenkreuz – was besonders im Versus-Modus gegen Freunde nerven kann. Genanntes ist weiß und durchsichtig gestaltet, was in der bunten Welt direkt untergeht. Tatsächlich ist mir in den ersten Runden gar nicht aufgefallen, dass es überhaupt in dem Spiel existiert. Die verschiedenen Figuren verfügen aufgrund ihrer individuellen Waffen außerdem über unterschiedliche Fadenkreuze. Diese Entscheidung ist insofern fraglich, da manche zum Teil noch kleiner und unscheinbarer sind als andere. Zwar funktioniert das Zielen auch einigermaßen nach Intuition, jedoch geht dies zulasten der Genauigkeit. Falls das Treffen überhaupt nicht funktioniert, gibt es immerhin eine Zielunterstützung.


Die audiovisuelle Präsentation bietet in The Otterman Empire Licht und viel Schatten. Grundsätzlich ist die Grafik ansehnlich. Die Welten weichen stark voneinander ab und die thematischen Schwerpunkte werden gut dargestellt. Auch die Charaktere unterscheiden sich eindeutig und fügen sich ordentlich in die jeweilige Welt ein. Leider ist der Sound in dem Spiel recht unscheinbar. Gefühlt weichen die Tracks, die in den verschiedenen Leveln im Hintergrund spielen, nur wenig voneinander ab. Das Gefühl resultiert vor allem daraus, dass die Musik im Hintergrund zwischen den Geräuschen der eigenen Schüsse oder der ein oder anderen Explosion teilweise komplett untergeht. Grundsätzlich fehlt es während der Runden ebenfalls an Audio-Rückmeldungen. Beispielsweise vergehen die 3-minütigen Level manchmal viel zu schnell. Zwar wird unter anderem 30 oder 10 Sekunden vor Ende noch einmal die verbleibende Zeit kurz eingeblendet, jedoch verliert man bei stressigen Situationen gerne das Gefühl dafür, und wenn dann plötzlich drei Sekunden vor Schluss ein Counter ertönt, ist das viel zu kurzfristig, um seine verbleibende Zeit noch effektiv zu nutzen.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Maja Schenk

The Otterman Empire ist ein Spiel, welches durchaus Potenzial aufweist. Die Otter und anderen tierischen Gefährten mit Jetpacks sind in den unterschiedlichen Welten niedlich anzusehen. Zwar hat das Spiel keine wirklich tiefgehende Story, jedoch ist die grundsätzliche Idee der Weltraumotter lustig. Leider nutzt der Titel sein Potenzial allerdings viel zu selten und weist einige spürbare Mängel auf. Das fängt mit der minimalistischen Aufgabenstellung und dem schlecht sichtbaren Fadenkreuz, das in der kunterbunten Welt das Zielen unnötig erschwert, an und setzt sich in der insgesamt schwachen audiovisuellen Präsentation fort. Daher entsteht der Eindruck, dass es dem Spiel an mehreren Ecken an einem letzten Feinschliff mangelt, um als überzeugendes Partyspiel betitelt zu werden.
Mein persönliches Highlight: Die farbenfrohen Welten.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 2

  • Uriniert

    Turmheld

    Schade, der Test liest sich jetzt leider nicht so pralle.

    Habe mich eigentlich auch das Spiel gefreut aber das trübt die Stimmung etwas.:(

  • Tomaru

    M&M - Minish Mage

    Och schade, hatte gehofft das wäre sowas wie Frontschweine.