Das Party-Spiel zur TV-Serie

Ich weiß es noch, als wäre es gestern gewesen: Mein bester Freund und ich trafen uns in unserer Jugend nachmittags, um gemeinsam Videospiele zu spielen oder auch die französische Variante der Unterhaltungssendung Fort Boyard zu schauen. Seit wenigen Wochen gibt es nun mit Escape Game Fort Boyard einen neuen Ableger der TV-Sendung für die Nintendo Switch und möchte dabei vor allem bei gemeinsamen Abenden mit Freunden durch allerlei Minispiele und Bezug zum Original an den Bildschirm fesseln. Ob das funktioniert, erfahrt ihr in den folgenden Zeilen.


Willkommen auf Fort Boyard!


Das Setting des Spiels orientiert sich sehr nah am Original aus dem Fernsehen und ist schnell erklärt. Mehrere Personen finden sich auf einer Insel inmitten des Meeres wieder, welche mit einer großen Festung daherkommt. Diese liegt vor der französischen Atlantikküste und hört auf den Namen Fort Boyard. Durch allerlei kleinere Spiele und einigen Rätseleinlagen gilt es, eine ausreichende Anzahl an Schlüsseln und Hinweisen zu finden, um zum Schluss den Schatz der Insel sein Eigen zu nennen. Gestellt werden die Aufgaben von einem alten Mann in Weiß, welcher als Wächter der Schlüssel betitelt wird und euch mittels kurzen Sequenzen durch die Spielrunden führt.


Der Wächter der Schlüssel führt euch durch das Abenteuer.

© Adventure Line Productions / Microids



Bevor es jedoch mit einem der Spielmodi losgehen kann, müsst ihr euch für einen von vier Charakteren entscheiden. Diese können dann sogar etwas individualisiert werden, jedoch nicht äußerlich. Ihr habt die Wahl, einen Namen, euren Beruf und euer Hobby auszuwählen. Das klingt jetzt zwar nicht wirklich spannend, lustige Momente hatten wir dennoch in unseren Spielrunden damit, da durchaus ulkige Kombinationen entstehen können. Darüber hinaus kann auch ein Teamname gewählt werden, sofern man sich für das gemeinsame Spielen entschiedet.


Escape Game Fort Boyard kommt mit insgesamt zwei Spielmodi daher, welche kooperativ oder versus gespielt werden können. Mein Favorit ist hierbei definitiv der klassische Spielmodus, welcher sich stark an der TV-Vorlage orientiert, wodurch der Flair der Serie sehr gut eingefangen wird. Kleine Sequenzen führen euch durch die einzelnen Runden und es gilt, bei insgesamt 26 Minispielen euer Geschick zu beweisen. Meist beruhen die Spiele auf kleineren Kombinationen von Tastenabfolgen, jedoch wissen sie durch Individualität zu glänzen und spielen sich auch sehr unterschiedlich, trotz ähnlichem Kern. Leider sind alle Minispiele so konzipiert, dass immer nur eine Person spielt, sodass man auf actionreiche Schlachten mit und gegen seine Freunde verzichten muss.


Der Flug durch die Luft gehört zu den besten Minispielen.

© Adventure Line Productions / Microids



Erwähnenswert sind vor allem diejenigen Minispiele, welche auf die Bewegungssteuerung zurückgreifen, da sie sich präzise und abwechslungsreich spielen. So müsst ihr euch einmal mit einer Kanone durch die Luft schießen und euren Fall mit der Bewegung des Controllers kontrollieren, oder euch erwartet in einer ruhigeren Minute ein Knobelspiel, welches manchen aus The Legend of Zelda: Breath of the Wild bekannt sein dürfte. Durch die Bewegung eures Eingabegeräts gilt es nämlich, eine Kugel an das Ende einer Bahn zu lenken, ohne dass diese herunterfällt.


Die übrigen Minispiele reichen von kleineren Denksportaufgaben über Zweikämpfe in luftiger Höhe bis hin zu lustigen Fahrten, welche an die guten alten Zeiten beim Autoscooter erinnern. So abwechslungsreich sich die Auswahl liest, so ist sie es auch wirklich. Leider kann aber nicht jedes Spiel vollends überzeugen, da die Steuerung teils zu träge und unpräzise ist, was zur Niederlage und letztlich zu Frust führt. Dies ist unabhängig davon, ob ihr mit oder gegen eure Freunde spielt, sehr nervig, weil man am Ende immer der Leidtragende ist, wenn man ein unfaires Spiel zugewiesen bekommt. Die Spiele werden nämlich nicht von euch ausgewählt, der Mann im Turm bestimmt über die kommenden Aufgaben.


Der zweite Spielmodus greift die einzelnen Minispiele nochmals auf und packt diese in eine Art Brettspiel. Dieses erinnert im entferntesten Sinne an Mario Party, kann aber nicht ansatzweise dessen Spielspaß erreichen. Je nachdem ob ihr mit- oder gegeneinander spielt, unterscheidet sich das Spielziel. Seid ihr auf euch allein gestellt, müsst ihr das Spielfeld möglichst schnell zweimal umrunden. Solltet ihr als Team spielen wollen, geht es wie schon im klassischen Spielmodus um die Jagd nach Schlüsseln. Um diese zu erhalten, müsst ihr die bekannten Minispiele absolvieren, sobald ihr ein bestimmtes Feld betretet. Darüber hinaus gibt es weitere Ereignisfelder, welche euch beispielsweise ins Gefängnis bringen oder euch mehrfach würfeln lassen.


Wenn man alle Aufgaben bewältigt, kann man sich den Schatz schnappen!

© Adventure Line Productions / Microids



So gut es sich vielleicht liest, so langweilig spielt sich dieser Modus. Es gibt nur ein einziges Spielfeld und die einzelnen Ereignisse auf diesem sind sehr einfach gestaltet. In den meisten Fällen werden lediglich eure beiden Würfel verändert, indem gute Seiten entfernt und schlechte hinzugefügt werden. Dies soll für mehr Spannung sorgen, nervt aber nach einigen Minuten ungemein, weshalb ich den klassischen Spielmodus bevorzuge. Darüber hinaus kam es im Party-Modus zu Spielabbrüchen, was den Spaß noch weiter in den Keller rutschen ließ.


Technisch bekommt man mit Escape Game Fort Boyard leider eine etwas unausgereifte Packung geliefert. Die Charaktermodelle sehen zwar nett aus, können grafisch aber nicht überzeugen. Hinzu kommen die teils sehr unpräzise Steuerung und die leider extrem langen Ladezeiten. Das trübt den Spielspaß weiter, obwohl im Kern so viel Potenzial steckt. Immerhin handelt es sich um eine der besten TV-Umsetzungen, die ich bislang spielen konnte. Dafür kann die englische Sprachausgabe überzeugen und unterstreicht vor allem die leicht unheimliche Art des Wächters der Schlüssel sehr gut. Positiv ist im Bereich der Steuerung auch der Mehrspieler-Modus zu erwähnen, denn ihr könnt mit nur einem Controller zusammen spielen, indem dieser von Runde zu Runde weitergereicht wird.


Das Potenzial blieb auf der Strecke


Langzeitmotivation ist im Titel eigentlich nicht vorhanden. Es ist eben ein Spiel, welches man an einem gemütlichen Abend mit seinen Freunden spielt. Hierfür ist es auch durchaus gut geeignet. Wieso man sich jedoch gegen freischaltbare Extras wie neue Charaktere oder Outfits entschieden hat, bleibt fraglich. Immerhin liefert das Sammeln von Gold eine Menge Potenzial, dieses im Nachgang auszugeben. Die unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade reichen leider auch nicht, um noch die Kurve zu kriegen.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Maik Styppa-Braun

Escape Game Fort Boyard ist eigentlich ein gutes Spiel. Man hat die TV-Vorlage auf eine unterhaltsame Art und Weise in ein Videospiel gepackt. Die Minispiele machen Spaß und der Wächter der Schlüssel führt einen unterhaltsam durch die Spielrunden. Leider wurde technisch unsauber gearbeitet, sodass vor allem durch die Ladezeiten und Spielabbrüche Frust aufkommt. Darüber hinaus wurde mit dem Party-Modus ein zweiter Spielmodus hinzugefügt, den niemand braucht. Vielmehr hätte man freischaltbare Extras für den klassischen Modus hinzufügen sollen, um für etwas Motivation zu sorgen. Als Partyspiel weiß der Titel dennoch zu überzeugen, auch wenn man sich fragen muss, ob der Preis dafür gerechtfertigt ist.
Mein persönliches Highlight: Die gut implementierte Bewegungssteuerung bei manchen Minispielen.

Die durchschnittliche Leserwertung

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