Metroidvania trifft RPG: Futuristisches Abenteuer im Cyberpunk-Setting

Man nehme eine offen gestaltete Metroidvania-Spielwelt, gebe eine Handvoll RPG-Elemente hinzu und garniere das ganze schlussendlich noch mit einer Prise Twin-Stick-Shooter. Mit Dex landet am 24.07.2020 eine interessante Genremischung in reizvollem Cyberpunk-Setting auf der Nintendo Switch. Streng genommen handelt es sich hierbei um die sogenannte „Enhanced Edition“, denn das Spiel erschien ursprünglich erstmals im Jahr 2014 für den PC und ist seither auch für weitere Plattformen veröffentlicht worden. Ist es den Entwicklern gelungen, die Mischung aus verschiedenen Genres umzusetzen oder hätte man sich besser auf weniger verschiedene Einflüsse konzentrieren sollen?


Freund oder Feind? Dex weiß anfangs nicht, wem sie trauen kann und wer ihr gegenüber feindlich gesinnt sein könnte.

© QubicGames

In der futuristischen Cyberpunk-Stadt Harbor Prime scheint sich die Zivilisation nicht gerade von ihrer besten Seite zu zeigen. Durch Implantate wurde versucht, die Menschheit sowohl durch körperliche Verbesserungen als auch die Möglichkeit, sich in die Cyberwelt einzuloggen, auf ein neues Level zu heben. Doch diese Verbesserungen brachten augenscheinlich mehr negative Effekte mit sich, als erwartet: Straßengangs und zwielichtige Organisationen sind in Schmuggeleien, Attentate und andere kriminelle Aktivitäten verwickelt. Die Straßen wirken heruntergekommen und beinahe an jeder Ecke warten schäbige Gestalten auf Gelegenheiten zum schnellen Geldverdienen. Und genau in dieser Welt übernimmt der Spieler die Kontrolle über Dex, die für das Spiel namensgebende blauhaarige Heldin, die anderes als alle anderen Menschen ist. Sie ist nämlich ohne Implantate oder anderweitige körperliche Modifikationen in der Lage, sich in die Cyberwelt einzuklinken, was sie schnell zum Ziel einer mächtigen Organisation macht, die diese Fähigkeit erforschen und für Ihre Zwecke nutzen möchte.


Doch glücklicherweise muss Dex sich dieser Organisation nicht alleine stellen. Nicht nur Decker und Toni unterstützen Dex bei ihrem Kampf gegen die Organisation, sondern auch der mysteriöse Raycast bietet seine Hilfe an und möchte Dex treffen. Auf ihrer Reise erkundet sie die in einzelne Viertel unterteilte Stadt beinahe völlig frei und trifft unterwegs viele NPCs, die in Form von Nebenmissionen um Hilfe bitten. Als Belohnung für das Erfüllen solcher Nebenmissionen erhält der Spieler neben nützlichen Items hauptsächlich Geld und Erfahrungspunkte. Letztere gewähren in ausreichender Anzahl ein Level-Up und Skillpunkte, die in insgesamt acht verschiedene Fähigkeiten, darunter zum Beispiel erhöhte Gesundheit oder die Fähigkeit, Schlösser zu knacken, investiert werden können. Doch der Spieler sollte diese Fähigkeitspunkte nicht unüberlegt vergeben, denn diese können geschickt eingesetzt werden, um den vom Spieler bevorzugten Spielstil zu unterstützen.


Dex bietet die Möglichkeit, Gegner auf verschiedene Arten zu besiegen. Wahlweise können Gegner mit Nahkampfangriffen oder durch die Verwendung von Fernkampfwaffen besiegt werden. Es ist möglich, sich vorsichtig und unbemerkt an Gegner anzuschleichen, um diese zu überraschen oder sich ihnen frontal und mit aller Gewalt zu stellen. Bei verschiedenen Missionen kann der Spieler auch durch eine bestimmte Fähigkeit versuchen, NPCs durch geschickte Dialogführung zu überzeugen und somit Kämpfen aus dem Weg zu gehen. Insgesamt bietet das Spiel erstaunlich viele Freiheiten und verschiedene Herangehensweisen, um nicht nur die Hauptgeschichte anzuschließen, sondern unterwegs auch vielen NPCs zur Hand zu gehen.


Auf in die Cyberwelt: Hacken bietet nicht nur die Möglichkeit, an Informationen zu gelangen, sondern auch Gegner lahmzulegen.

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Eine Fähigkeit sei an dieser Stelle besonders zu erwähnen: das Hacken. Wie bereits erläutert, kann sich Dex jederzeit und ohne Hilfsmittel in die Cyberwelt einloggen. Dabei wechselt das Spiel in einen völlig anderen Spielstil, denn hier gilt es, sich in Form eines Twin-Stick-Shooters durch labyrinthartige Welten zu bewegen und sich dabei nicht nur virtuellen Gegnern zu widersetzen, sondern auch Kontrollpunkte zu hacken oder relevante Informationen zu extrahieren. Diese Passagen wirken zu Beginn des Spiels noch etwas einschüchternd, doch durch das Verbessern der zugehörigen Fähigkeit im Skillbaum sowie den Erwerb spezieller Angriffe, mit denen sich die virtuellen Widersacher beispielsweise kurzzeitig betäuben lassen, kann sich Dex auch im Cyberspace beweisen und sich so Vorteile verschiedener Art verschaffen.


Später im Spiel rückt der Metroidvania-Einfluss dann noch deutlicher in den Vordergrund. Während der Reise durch Harbor Prime bleibt Dex die ein oder andere Tür verschlossen und so manches Gebiet ist nicht von Anfang an erreichbar. Folgt man der Hauptgeschichte, erlangt auch Dex die Möglichkeit, ihre eigenen Fähigkeiten durch die Installation verschiedener Implantate zu verbessern. Diese Augmentationen reichen von Verstärkungen der Statuswerte über verbesserte Sprunggelenke, mit deren Hilfe auch höher gelegene Orte erreicht werden können, bis hin zu speziellen Schutzvorrichtungen, die beispielsweise das Vordringen in von Giftgas erfüllte Räume erlauben. Hier kann der Spieler sein im Laufe der Zeit verdientes Geld gut anlegen und schließlich die Karte vollständig erkunden und dabei weitere Nebenmissionen entdecken und abschließen.


Die 2D-Spielwelt von Dex überzeugt durch abwechslungsreich gestaltete Stadtviertel – von der Kanalisation, über ein Rotlichtmilieu bis hin zu futuristischen Laboren – und verschiedene Charaktere, deren Geschichten zu ergründen sich lohnen kann. Die Hauptstory kann man bei all der Erkundung schon einmal aus den Augen verlieren. Sieht man hierbei jedoch genau hin, so muss man leider feststellen, dass die Hauptgeschichte insgesamt recht kurz ist. Wer sämtliche Nebenmissionen erledigen möchte, kann sich – je nach Gründlichkeit bei der Erkundung – auf eine Spielzeit von ca. 10 bis 15 Stunden einstellen. Wer sich hauptsächlich auf die Main Story konzentrieren möchte, wird bei einem eShop-Preis von € 19,99 unter Umständen enttäuscht sein.


Schlagen und Blocken: Dex mischt selbst große "Schränke" im Nahkampf auf.

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Im Verlauf des Spiels fallen jedoch noch weitere Aspekte negativ auf. Obwohl den Spieler eine zufriedenstellende Anzahl verschiedener Gebiete und Missionen erwarten, ist die Anzahl der Gegnertypen – egal ob in der echten Welt oder im Cyberspace – so stark limitiert, dass Kämpfe kaum eine Abwechslung bieten. Auch die Entwickler wussten sich hier offenbar nicht anders zu helfen als die Schwierigkeit später im Spiel stattfindender Kämpfe nicht etwa durch stärkere, einzigartige Gegner, sondern lediglich durch eine höhere Anzahl der immer wieder gleichen Gegner zu erhöhen. Und dabei sei noch gesagt, dass sich die Gegner nicht unbedingt geschickt anstellen. Oftmals genügt es beispielsweise, sich direkt in einen der vielen Schlägertypen hineinzustellen und wiederholt zuzuschlagen, sodass dieser wehrlos zu Boden geht.


Das Erledigen der Haupt- und Nebenmissionen erfordert vom Spieler entweder solide Englischkenntnisse, da das Spiel zwar mit einer vollständigen Sprachausgabe daherkommt, diese jedoch nur in englischer Sprache anbietet, oder sehr gute Augen, da die Schriftgröße in den Dialogen – trotz der Option, die Schriftgröße anpassen zu können – unfassbar klein gehalten wurde und bei längeren Texten ein hohes Maß an Konzentration verlangt. Ich persönlich bin mit der Steuerung gut klar gekommen, vermisse aber wie bei so vielen Spielen auch bei Dex die Möglichkeit, die Steuerung individuell an meine Vorlieben anpassen zu können.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Philipp Pöhlmann

Die Mischung aus Metroidvania, RPG und gelegentlichen Twin-Stick-Shooter-Passagen in einem Cyberpunk-Setting mag nach einem ganz schön wilden Genre-Mix klingen. Entwickler Dreadlocks Ltd zeigt jedoch, dass sich aus diesen Komponenten ein durchaus unterhaltsames Spiel kreieren lässt, das den Spieler auf eine spannende Reise in eine futuristische Welt entführt. Besonders lobenswert ist hierbei, dass Dex den Spielern erlaubt, auf ihre eigene Weise zu spielen und Missionen sowie Kämpfe entsprechend der eigenen Vorlieben zu bestreiten. Dem Spiel mangelt es dabei jedoch an einigen Stellen an ausreichender Abwechslung und man merkt auch, dass sich die Entwickler etwas zu sehr angestrengt haben, das Spiel auf ein erwachsenes Publikum als Zielgruppe zuzuschneiden. Dennoch werden Fans der verschiedenen Genres sicherlich ihre Freude an diesem Titel haben und durch die Genre-Mischung vielleicht sogar ein neues Genre für sich entdecken können.
Mein persönliches Highlight: Die unterschiedlich gestalteten Stadtviertel, die den Eindruck einer zusammenhängenden Spielewelt glaubhaft vermitteln.

Die durchschnittliche Leserwertung

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