Der erste Bloodstained-Ableger

Im Mai 2018 erschien Bloodstained: Curse of the Moon als Bonus für ein erreichtes Kickstarter-Stretchgoal vor der Veröffentlichung des großen Hauptspiels Bloodstained: Ritual of the Night, unter anderem für den Nintendo 3DS und die Nintendo Switch. Das 8-Bit-Abenteuer ist stark an die frühen Castlevania-Ableger angelehnt, simuliert das klassische Spielgefühl der 80er Jahre und ist der Startschuss der neuen Metroidvania-Reihe von Koji Igarashi, dem ehemaligen Producer zahlreicher Castlevania-Spiele.


Ein würdiger spiritueller Castlevania-Nachfolger


Wie aus klassischen Castlevania-Spielen gewohnt, ist die Welt von Bloodstained: Curse of the Moon linear in verschiedene Level aufgeteilt, die der Reihe nach gespielt werden können und kontinuierlich schwerer werden. Die Level sind schön designt und reichen von einfachen Ruinen bis hin zu Bibliotheken und Geisterschiffen. Im kurzen und 10 Euro teuren Abenteuer schlüpft ihr in die Rolle des Dämonenjägers Zangetsu, der sich ähnlich anfühlt und steuert wie Simon Belmont in den NES-Ablegern. Im Laufe des Abenteuers könnt ihr drei weitere Charaktere freispielen, darunter auch Miriam, die junge Protagonistin von Bloodstained: Ritual of the Night.


Die Level sind abwechslungsreich und spaßig gestaltet.

© ArtPlay, Inc. / Inti Creates Co., Ltd.

Während in der Welt von Castlevania die Lebensleiste normalerweise vorwiegend durch Tränke aufgefüllt wird und Herzen die Magieleiste zum Einsetzen von erlangten Waffen sowie Fähigkeiten erhöhen, ist dies in Bloodstained: Curse of the Moon genau umgekehrt. Herzen (sowie Essen) füllen nun Leben auf, während Tränke die Magiepunkte bzw. Waffenpunkte für charakterspezifische Fähigkeiten erhöhen – diese Änderung ist durchaus begrüßenswert, da sie von einem logischen Standpunkt aus einfach mehr Sinn ergibt. Ihr könnt nicht nur Herzen und Tränke durch das Zerstören von Laternen bekommen, sondern auch die Waffen und Fähigkeiten für eure Charaktere. Laternen, die Waffen enthalten, sind hierbei lila gefärbt, sodass ihr sie gegebenenfalls auch vermeiden könnt, falls ihr mit der aktuellen Ausrüstung zufrieden seid. Natürlich gibt es auch geheime Items, die sich beispielsweise in verdächtigen Wänden und Umgebungen verstecken können.


Jeder Charakter besitzt neben charakterspezifischen Fähigkeiten auch eine Standardwaffe, die jederzeit ohne Waffenpunkte eingesetzt werden kann. So ist Zangetsu beispielsweise mit einem Schwert ausgerüstet, kann aber auch seine Angriffskraft mit einer Magiefähigkeit erhöhen oder eine temporäre Fähigkeit erhalten, die dem Heiligen Wasser aus Castlevania ähnelt. Miriam ist wiederum mit der klassischen Peitsche ausgerüstet, kann höher springen, durch enge Passagen rutschen und Waffen, wie beispielsweise eine riesige Axt mit enormer Angriffskraft, erhalten.


Generell ist das Spieltempo recht flott gehalten und gegenüber vergleichbaren NES-Ablegern wurden einige weitere angenehme Änderungen eingeführt, wie beispielsweise das viel schnellere Treppensteigen oder die Abwesenheit von Abgründen bei fast allen Bosskämpfen. Die zahlreichen Referenzen an die ersten Castlevania-Teile sowie an etliche andere Retro-Platformer, wie beispielsweise Mega Man, sind ein Genuss und machen Bloodstained: Curse of the Moon zu einem würdigen spirituellen Castlevania-Nachfolger.


Zahlreiche Spielstile und ein herausragender Soundtrack


Ihr könnt das Spiel standardmäßig im Veteran-Modus spielen, der das klassische Spielgefühl der Castlevania-Reihe simuliert: Eine begrenzte Lebensanzahl und der unangenehme Umstand, dass Berührungen mit Gegnern in Umgebungen mit Abgründen in einem sofortigen Lebensverlust resultieren können. Alternativ könnt ihr auch den gemütlicheren Casual-Modus mit unendlicher Lebensanzahl spielen, bei dem Gegner euch nicht herabschubsen können, euch weniger Schaden zufügen und bei dem ihr mit ausreichend Heil- und Magie-Items versorgt werdet. Die Gegner im Spiel ähneln übrigens stark jenen aus der Castlevania-Reihe, wirken in diesem Spiel jedoch nicht so gefährlich bzw. treten nicht so häufig auf, sodass das Ausweichen nur selten eine Schwierigkeit darstellt.


Ihr könnt jederzeit zwischen Miriam, Zangetsu und Co. wechseln.

© ArtPlay, Inc. / Inti Creates Co., Ltd.

Das Besondere an Bloodstained: Curse of the Moon ist nicht die Tatsache, dass ihr zwischen den drei verschiedenen Charakteren, die ihr im Laufe des Spiels treffen sowie rekrutieren könnt und die vom Spielstil und den Fähigkeiten her an Trevor, Sypha und Alucard aus Castlevania III: Dracula's Curse erinnern, jederzeit wechseln könnt, sondern dass ihr selbst bestimmen dürft, ob ihr als Zangetsu die Hilfe von Miriam, Alchemist Alfred und Gebel überhaupt annehmen wollt. Begegnet ihr einem neuen Charakter, so habt ihr die Wahl, sie oder ihn entweder in euer Team aufzunehmen, zu ignorieren oder sogar zu töten.


Für Anfänger ist das Rekrutieren natürlich die beste Variante, da ihr so Zugriff auf jeweils einen zusätzlichen Charakter erhaltet und leichter die Level meistern könnt. Tötet ihr wiederum einen Charakter, so erlangt ihr, ähnlich wie in Castlevania: Aria of Sorrow und Dawn of Sorrow, eine Fähigkeit, die ihr als Zangetsu im Verlaufe des Abenteuers jederzeit einsetzen könnt. Ignoriert ihr wiederum einen Charakter, so macht ihr euch das Leben selbst schwer und spielt quasi im inoffiziellen Experten-Modus, der nur erfahrenen Veteranen zu empfehlen ist. Durch diese verschiedenen Optionen könnt ihr euer Spielerlebnis frei beeinflussen und verschiedene Charakter- und Fähigkeits-Kombinationen ausprobieren, welche zudem jeweils andere Endings in erneuten Durchläufen herbeiführen.


Jeder Charakter hat eine eigene, jeweils unterschiedlich große Lebensleiste, wohingegen die Waffenpunkte von allen Gruppenmitgliedern geteilt werden. Stirbt ein Charakter, so könnt ihr dieselbe Stelle mit der restlichen Auswahl der Mitglieder und deren verbleibenden Lebensleisten und Waffenpunkten erneut probieren. Solltet ihr bei einer schweren Passage beispielsweise nur noch einen oder zwei übrige Charaktere haben, die zudem kaum mehr Leben haben, so ist dies ziemlich ärgerlich, da ein Erfolg nur noch schwer möglich ist und ein Lebensverlust unausweichlich scheint. Ist euer gesamtes Team tot, so verliert ihr ein Leben und müsst vom letzten Speicherpunkt erneut starten. Habt ihr im Veteran-Modus alle Leben verloren, so bekommt ihr ein Game Over und müsst wieder vom Anfang des gesamten Levels starten. Bloodstained: Curse of the Moon ist selbst im Veteran-Modus kein sonderlich schweres Spiel und nicht so hart wie vergleichbare, klassische Retro-Platformer der 80er und 90er Jahre. Da das Spiel derart viele Spielvarianten bietet und zudem neue harte Spielmodi wie der Nightmare-Modus, bei dem ihr ohne Zangetsu auskommen müsst und ein zusätzliches Level spielen könnt, freischaltbar sind, werden bei erneuten Durchläufen des Abenteuers auch erfahrene Spieler gefordert.


Die Bosse sind ein großes Highlight des Spiels.

© ArtPlay, Inc. / Inti Creates Co., Ltd.

Bezüglich der Geschichte solltet ihr nicht zu viel erwarten – der Fokus wurde ganz klar auf das Gameplay gelegt und nennenswerte Storytexte erfahrt ihr nur ganz am Anfang und bei den verschiedenen Endings des Spiels. Zwar soll Bloodstained: Curse of the Moon eine Art Prequel zu Bloodstained: Ritual of the Night sein, doch es spielt in einer anderen Zeitschiene und die Geschichte gilt nicht als Kanon. Ihr könnt das Spiel bedenkenlos ohne weiteres Hintergrundwissen spielen und solltet die Geschichte trotz der Verbindungen zu Ritual of the Night als unabhängig sehen. Die Textsprache wurde leider nicht ins Deutsche übersetzt und euch bleibt nur die Wahl zwischen englischen und japanischen Bildschirmtexten.


Natürlich wartet am Ende eines jeden Levels ein Boss, der euch ein Game Over zufügen und somit zurück an den Beginn eines Levels schicken will. Hinsichtlich der Endgegner habe ich nur Positives zu berichten – sie sind kreativ gestaltet, nicht zu schwer und machen durchaus Spaß. In Summe hat Bloodstained: Curse of the Moon mitunter die besten Bosse, die sowohl die klassische Castlevania- als auch die mittlerweile drei Spiele umfassende Bloodstained-Reihe zu bieten hat. Solltet ihr nicht genug von den Bossen bekommen können, so ist ein Boss-Rush-Modus, der eure Fähigkeiten und Ausdauer auf die Probe stellt, freischaltbar. Zwar ist ein einfacher Durchlauf von Bloodstained: Curse of the Moon mit weniger als zwei Stunden Spielzeit leider doch recht kurz, jedoch können die verschiedenen Spielstile und Spielmodi für mehr Langzeitunterhaltung sorgen.


Abschließend will ich die herausragende Musik des Spiels nicht unerwähnt lassen, die meiner Meinung nach sogar die meisten der fantastischen Castlevania-Soundtracks in den Schatten stellt. Beinahe jedes der neun Level-Themen ist ein absoluter Ohrenschmaus und kann für Gänsehautmomente sorgen, auch die Boss- sowie Final Boss-Musik passt wunderbar zum Spielgeschehen. Viele der Lieder und Melodien könnt ihr übrigens in abgewandelter bzw. moderner Form auch in Bloodstained: Ritual of the Night erleben. Wollt ihr eine Kostprobe hören, so findet ihr hier ein paar meiner Lieblingstracks aus dem Circle of the Moon: Sunder the Night, Moonlight Temptation, The Brilliant Void und Defiler of Taboos.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Felix Eder

Bloodstained: Curse of the Moon ist mehr als nur ein kleines Bonusspiel, das sich nicht hinter dem Hauptableger Ritual of the Night verstecken muss. Zwar ist der Umfang recht gering und sehr gute Spieler könnten den ersten Abspann schon innerhalb von ungefähr einer Stunde sehen, doch verschiedene Spiel-Modi und die geniale Mechanik, euer Team und somit eure Spieloptionen selbst mitzubestimmen, wodurch wiederum die Geschichte in erneuten Spieldurchläufen beeinflusst werden kann, können für Langzeitmotivation sorgen. Das Wechseln zwischen den Charakteren macht verdammt viel Spaß, sorgt für eine schöne taktische Komponente und abhängig von euren Fähigkeiten sowie verfügbaren Teammitgliedern könnt ihr geheime Passagen und Gegenden im Spiel finden. Bloodstained: Curse of the Moon ist eine tolle Hommage an die klassischen Castlevania-Ableger und weist jede Menge Referenzen, tolle Musik und abwechslungsreiche Bosse auf. Der Schwierigkeitsgrad ist vergleichsweise niedrig und das Abenteuer ist dank eines Casual-Modus für Neulinge geeignet, jedoch lassen sich auch optionale Modi freispielen, sodass erfahrene Spieler nicht unterfordert werden. Bloodstained: Curse of the Moon ist ein rundum tolles Spiel, das sich kein Castlevania-Fan entgehen lassen sollte und das sich die Spielehit-Auszeichnung mehr als verdient hat.
Mein persönliches Highlight: Der phänomenale Soundtrack – nahezu jedes Musikstück ist für sich gesehen ein Meisterwerk!

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

9 User haben bereits bewertet

Kommentare 13

  • Linnea

    △○╳□

    Am liebsten wäre mir bei den Tests noch eine kleine Infobox, mit Informationen darüber, für welche Plattformen die jeweiligen Spiele sonst noch erschienen sind.


    Da ihr den Tellerrand sowieso immer mehr miteinbezieht, fände ich das wirklich praktisch. Auch dann, wenn sich das Spiel auf anderen Systemen etwas unterscheidet.

  • wonderboy

    Turmbaron

    guter vorschlag, The Last Of Us!


    schön wäre es auch zu erwähnen in welchen Sprachen ein Spiel erscheint..

  • Felix Eder

    #PhoenixWright4Smash

    Linnea  wonderboy

    Danke für den Vorschlag! Curse of The Moon ist auf vielen Platformen erhältlich (Nintendo Switch, Nintendo 3DS, PlayStation 4, PlayStation Vita, Xbox One sowie PC/Steam) und ist nur auf Englisch und Japanisch spielbar, hat jedoch generell nicht viel Text (die Sprachen stehen übrigens im drittletzten Absatz des Reviews).

  • Nzocker

    Turmritter

    Felix Eder Also Englisch sollte doch heute kein Problem sein.

    Hätte dBloodstained: Curse of the Moon die ähnliche Grafik Qualität und Aufmachung wir Bloodstained: Ritual of the Night würde ich es mir vielleicht Kaufen.

    Langsam kann ich diese 16-bit Spiele nicht mehr sehen.

  • Rincewind

    Monado

    Linnea


    Bloodstained: Curse of the Moon wurde hier für die Switch getestet. Wer wissen will, ob es auch für andere Plattformen erhältlich ist, dem hilft Google. Da es hier wohl keine qualitativen Unterschiede zur Konkurrenz geben wird, ist der Bezug zu Versionen auf anderen Plattformen vernachlässigbar.

  • RX-8

    Turmknappe

    Zitat

    Langsam kann ich diese 16-bit Spiele nicht mehr sehen.


    Nzocker Dann dürfte es ja kein Problem sein, dass das vorliegende Spiel die 8-Bit-Ära imitiert. 8)

  • Herr von Faultier

    Hardcore Noob

    Ich verstehe leider nicht warum dieses Spiel so hoch bewertet wird, fand es bestenfalls durchschnittlich.

  • GameKiller

    Game Killer

    RX-8 ich glaub das meint er damit da das Spielnicht wirklich 8-bit ist viellicht eher 12-bit

  • RX-8

    Turmknappe

    GameKiller Oh, da sollte man sich nicht vertun. Man darf nicht nur die relativ unsäglichen NES- und Master-System-Konsolen als 8-Bit-Geräte in Erinnerung haben: NECs PC Engine war, ist und wird immer die in meinen Augen schönste, kompakteste und (nicht nur) in Relation dazu leistungsstärkste Konsole bleiben. Sie nahm es locker mit dem Mega Drive auf. Ein Traum von einer Konsole. In sämtlichen Belangen.


    Aber okay, da der Grafikprozessor ein 16-Bitter war, könnte man bei der PC Engine von 12-Bit sprechen. Doch auch davon ist Bloodstained: Curse of the Moon noch ziemlich weit weg. Also nicht 16, nicht zwölf, sondern 8-Bit. ;)

  • kraid

    Turmbaron

    Nzocker Wenn es doch wenigstens 16bit Grafik wäre.

    Wenn ich einer Sache nicht nachtrauere, dann ist es die eingeschränkte Farbpalette der NES Ära.

    Genausowenig wie ich 3D Retrografik wie bei PS1, N64 oder gar SuperFX Chip brauche.


    Spiele aus der SNES Zeit hingegen kann ich mir noch heute geben und 2D Spiele von der PSX sind auch gern gesehen.

  • Nzocker

    Turmritter

    RX-8

    Es spielt keine Rolle, um welche Bitrate es sich hier handelt. Ihr diskutiert hier über Erklärungsdetails, die nichts an der Tatsache ändert, dass diese Retro-Spiele sehr gesättigt und langweilig werden.


    Das zeigt mir, wie faul die Entwickler und Designer werden. Stellt euch vor dieses Spiel in der heutigen 2D-Grafik vor. Es wäre ein Hit!

  • RX-8

    Turmknappe

    NzockerDas, lieber Nzocker, ist deine ganz persönliche Meinung, aber sicherlich keine von Allgemeingültigkeit. So verkaufst du sie hier allerdings.


    Davon abgesehen: Wenn man schon groß moniert, sollte man es auch korrekt tun. Da spielt es dann sehr wohl eine Rolle, von welcher Bitrate gesprochen wird.


    Und auch wird ein Spiel nicht zwangsläufig ein Hit, weil es ‚zeitgemäße‘ Grafik hat. Es gibt viele künstlerische Stilrichtungen, Retrografik ist eine davon und nicht jede Kunst jedermanns Sache. Für mich kann es gern mehr von Retrografik geben, und recht junge Perlen wie Demon‘s Tilt sowie Willie Jetman: Astromonkey‘s Return brachten bei mir bei weitem mehr Spielstunden auf die Uhr als fast jedes Spiel mit ‚zeitgemäßer‘ Grafik der vergangenen zwei Jahre.


    So, darauf eine Runde Pixel Power Gaming par excellence.

  • GameKiller

    Game Killer

    RX-8 wow du provozierst ganz schön!


    Jedenfalls stimmt es schon das 8-bit oder 16-bit wird schon langweilig wird. Ja, hätte Bloodstained soviel Farben in der Palette wie ein standard Fernseher anzeigen kann würde das Spiel bestimmt interessanter!