They see me rollin‘

Wie wäre die Geschichte der Menschheit verlaufen, wenn sie nicht durch Schlachten, das Aufkommen sozialer Bewegungen und anderer einschneidenden Ereignisse geprägt gewesen wäre, sondern durch die Frage, wer mehr Steine gegen eine Burg rollen kann? So oder so ähnlich kann man die skurrile Idee hinter Rock of Ages 3: Make & Break beschreiben. Der dritte Ableger der Serie kombiniert, wie die beiden direkten Vorgänger, in eigenwilliger Manier Tower Defense- und Racing-Elemente. Die wesentliche Spielidee lässt sich folgendermaßen beschreiben: In verschiedenen Szenarien wird euch eine Festung zugewiesen, die am Ende einer Rennstrecke liegt. Am Ende einer parallel angelegten Bahn liegt die Festung eures Gegners. Im Wesentlichen habt ihr im Spielverlauf zwei Aufgaben: Zum einen müsst ihr versuchen, auf der Rennstrecke effizient Hindernisse und Abwehreinrichtungen zu platzieren, die es eurem Gegner erschweren, eure Festung zu erreichen. Zum anderen müsst ihr euren Felsen gegen die gegnerische Festung rammen, um ihr Trefferpunkte abzuziehen. Während die Tower Defense-Passagen in einer isometrischen Ansicht stattfinden, steuern sich die Passagen, in denen ihr zum Angriff übergeht, wie ein Third-Person-Rennspiel, in dem ihr wiederum der Abwehr eures Gegenspielers ausweichen müsst.


Nanu, hier hat Cäsar mehr Glück als in den Geschichtsbüchern gehabt.

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Das alles ist, wie anfangs bereits angedeutet, in einem pseudohistorischen Szenario angesiedelt, das seinen Anfang in der griechischen Mythologie nimmt. An der Seite von Odysseus geratet ihr auf einer Insel in Gefangenschaft eines Zyklopen. Um euch aus der Höhle des Zyklopen zu befreien, müsst ihr den Felsen zertrümmern, wobei euch nebenbei die wesentlichen Grundlagen der Rennsteuerung beigebracht werden. Nach der Flucht aus der Höhle heult sich das mystische Wesen beim Meeresgott Poseidon aus und erbittet seine Unterstützung, um euch in eure Schranken zu verweisen. Dem Herren des Wassers unterläuft dabei aber ein Missgeschick, und statt uns zur Rechenschaft zu ziehen, werden wir auf unserem Schiff quer durch die Zeiten geschickt und stellen verschiedene historische Konflikte mit der Spielmechanik von Rock of Ages 3 nach. Da scheitert dann auch mal das Attentat auf Cäsar an den Iden des März und statt des Bürgerkriegs folgt eine Sequenz, in der wir in einer Partie gegen den römischen Machthaber antreten. Klingt komisch? Soll es auch sein. Die historischen Ereignisse werden anhand originalgetreuer Zeichnungen und Fresken nachgebildet, die humoristisch verstellt werden. Beim besagten Attentat auf Cäsar rutschen die Angreifer beispielsweise auf einer Steinkugel aus. Das Spiel wird jedenfalls mit seinem Humor beworben, ob die einzelnen Einlagen wirklich lustig sind, soll jeder für sich selbst entscheiden. Mich persönlich haben die Gags kalt gelassen.


Bei erfolgreichem Abschluss einer Partie erhaltet ihr Punkte, mit denen ihr weitere Schauplätze freischalten könnt. Insgesamt wird der Verlauf der Handlung dadurch etwas aufgelockert. Ihr werdet zwar linear durch die Geschichte geführt, es steht euch aber frei, Punkte in Level eurer Wahl zu verdienen und dadurch die Kampagne voranzutreiben. Außerdem könnt ihr neue Waffen für die Verteidigung und alternative Formen der Kugel freischalten, mit denen ihr die einzelnen Level bestreitet. Wer sich wirklich in die einzelnen Mechaniken einarbeiten will, findet hier durchaus einiges, um sich längerfristig mit Rock of Ages 3: Make & Break zu beschäftigen. Voraussetzung dafür ist aber natürlich, dass man Interesse an den einzelnen Spielelementen entwickelt. Hier hinterlässt Rock of Ages einen soliden, aber keinen überragend guten Eindruck. Während die Tower Defense-Elemente relative Standardkost sind, ist die Steuerung der Kugel durch die einzelnen Abschnitte relativ ungenau. Man muss den Entwicklern natürlich zugutehalten, dass das in der Natur der Sache liegt. Eine Kugel, die einen Abhang hinunterrollt, wird auch im echten Leben schwer zu kontrollieren sein, aber dennoch trübt die etwas ungenaue Steuerung den Spielspaß und führt dazu, dass man öfters von der Bahn abkommt, als es eigentlich notwendig wäre. Hinzu kommt, dass einen die Hindernisse des Gegners stoppen sollen und das auch oft tun, was dazu führt, dass die Beschleunigung oft abgebrochen wird. Da will dann auch nur in den seltensten Momenten ein Gefühl von Geschwindigkeit aufkommen.


Wenn euer Felsen einmal ins Rollen kommt, wird die Steuerung etwas sperrig.

© ACE Team Software

Deutlich weniger ärgerlich werden die Abstriche, wenn man sich den Mehrspielermodus ansieht. Ihr habt unter anderem die Möglichkeit, selbstständig Level zu bauen und diese anderen online zur Verfügung zu stellen. Umgekehrt könnt ihr natürlich auch die Kreationen anderer Spieler ausprobieren und gegen menschliche Gegner antreten. Hier profitiert Rock of Ages 3 von der Möglichkeit, kreative Level auszuprobieren oder seinen Freunden dabei zuzusehen, wie sie selbst auf ärgerliche Art und Weise von der Bahn fliegen. Die Mechanik bietet sich daher wunderbar für Mehrspieler-Partien an, neigt aber dazu, im Einzelspieler-Modus auf Dauer weniger zu motivieren.


Technisch ist die Umsetzung des Titels für die Nintendo Switch gelungen. Die Ladezeiten sind vergleichsweise kurz und die Animationen flüssig, größere Fehler sind mir beim Spielen nicht aufgefallen. Die 3D-Modelle wirken bei näherer Betrachtung altbacken, insgesamt sind die einzelnen Epochen und Level aber stimmig umgesetzt. Daneben könnt ihr euch auf eine Zusammenstellung verschiedener klassischer Kompositionen freuen, die den Titel musikalisch begleiten und sich oft dadurch auszeichnen, dass sie euch als Spieler antreiben sollen. Audiovisuell ist Rock of Ages 3 insgesamt dadurch weder ein totaler Reinfall noch ein Überflieger und ordnet sich im oberen Mittelfeld ein.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Adis Selimi

Rock of Ages 3: Make & Break ist ein ziemlich einzigartiger Genremix, der Strategie- und Racing-Elemente miteinander verbindet und dadurch eine spezielle Nische bedient. Die Kombination aus planerischer Vorgehensweise und schnellem Absolvieren der Strecke, um möglichst viel Schaden auszuteilen, weiß dabei für kurze Zeit durchaus zu unterhalten. Für Einzelspieler mangelt es aber an Langzeitmotivation, da sich die einzelnen Mechaniken doch oft wiederholen und die Steuerung teilweise träge ausfällt. Insgesamt kann ich Rock of Ages 3 also denjenigen von euch ans Herz legen, die in der nächsten Mehrspieler-Partie etwas neues ausprobieren möchten. Alle anderen greifen lieber zu weniger experimentierfreudigen Titeln.
Mein persönliches Highlight: Der schnelle Wechsel zwischen den Genre-Einlagen.

Die durchschnittliche Leserwertung

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