Die Spielzeugautos aus der Mottenkiste wollen es noch einmal wissen

Rennspiele gibt es seit jeher wie Sand am Meer. Während die einen auf Realismus setzen und sich dafür viele Lizenzen sichern, um reale Marken und Modelle im Spiel umsetzen und zeigen zu können, gehen andere eher den arcadigen Weg und setzen auf einen möglichst bunten Look gepaart mit halsbrecherischen Manövern. Die Super Toy Cars-Reihe gesellt sich eher zur zweitgenannten Kategorie. Wir haben uns für euch den kürzlich erschienenen zweiten Teil angeschaut.


Mit dem ersten Starten des Spiels wird deutlich, dass der kleine spanische Indie-Entwickler Eclipse Games viel Wert auf eine hohe Einsteigerfreundlichkeit gelegt hat. So werdet ihr mit allerlei Texten konfrontiert, die euch im Grunde das komplette Spiel erklären, vom Menü und dem Fuhrpark über die Steuerung bis hin zu den einzelnen Modi. Ihr werdet euch aber auch ohne diese Erklärungen schnell zurechtfinden können, denn das Menü bietet neben den Optionen und Extras, wo ihr unter anderem die im Spiel verwendeten Musiktitel abspielen könnt, einzig einen Karriere- sowie „Schnelles Rennen“-Modus.


Die Verwendung des Powerslides stellt das Mittel der Wahl dar.

© Eclipse Games

In der Kampagne werdet ihr zu Beginn mit einem bestimmten Betrag der Ingame-Währung ausgestattet, den ihr sofort in eines der zur Verfügung stehenden Fahrzeuge investieren sollt. Ihr könnt also nicht direkt aus allen Autos frei wählen, sondern müsst sie euch erst kaufen. Die diversen Vehikel gehören dabei stets einer der insgesamt fünf Kategorien an, die einen bestimmten Typen eines Fahrzeugs repräsentieren sollen. Muscle Cars stehen für dicke US-amerikanische Sportwagen, in den Einsitzern ist nur Platz für den Fahrer und die Superautos holen das Maximum an Geschwindigkeit heraus – so weit, so auch aus anderen Spielen bekannt.


Die Kategorien spiegeln sich auch in den einzelnen Cups wider, die ihr daraufhin bestreiten dürft. Entscheidet ihr euch für ein Fahrzeug einer bestimmten Sorte, werdet ihr erst einmal auch nur den dazugehörigen Cup spielen können und trefft dabei auf Gegner, die ausschließlich Geschosse derselben Kategorie steuern. Die Turniere setzen sich stets aus vier Rennen zusammen, bei der die einzelnen Rennergebnisse in Punkte umgewandelt und zusammenaddiert ein Endergebnis ergeben. Im ersten der vier Rennen erwartet euch stets ein klassisches Rundenrennen, bei dem es darum geht, nach zwei absolvierten Runden auf einer vorgegebenen Strecke möglichst weit vorne zu landen. In den nachfolgenden Rennen erwartet euch dann allerdings immer ein anderer Modus. Mal geht es in der Folge darum, einfach eine Bestzeit aufzustellen, mal sollt ihr Fahrzeugattrappen rammen, um daraus wertvolle Sekunden zum Weiterfahren zu generieren, und mal werdet ihr in einem zerstörerischen Demolition Derby aufeinander losgelassen. Insgesamt bietet Super Toy Cars 2 neben dem Rundenrennen sechs weitere Modi, die euch im Karriere-Modus vor eine Herausforderung stellen können.


Wobei das mit der Herausforderung so eine Sache ist. Interessanterweise war die gegnerische KI in meinem ersten Rennen des ersten Cups durchaus knackig eingestellt, sodass ich meine Mühe hatte, siegreich aus der Runde hervorzugehen. Und obwohl ich das nichtsdestotrotz geschafft hatte, nahm die Schwierigkeit in den nachfolgenden Rennen gefühlt merklich ab, sodass ich teils mit zweistelligem Sekundenvorsprung die Ziellinie passierte. Eine Möglichkeit zur Einstellung des Schwierigkeitsgrads bietet das Spiel nicht. Aber auch aus steuerungstechnischer Sicht stellt der Titel eine eher unerfreuliche Herausforderung dar. Das Spiel stellt durch seinen arcadigen Ansatz zwar keinerlei Ansprüche an ein Fahrgefühl, das auch nur entfernt etwas mit Realismus zu tun haben könnte, trotzdem sorgt bereits die erste Lenkbewegung für Stirnrunzeln. So verfügt das Gameplay über eine deutlich zu spürende Verzögerung in der Umsetzung der Bewegung des Sticks am Controller – unabhängig davon, ob man nun mit Nintendo Switch Pro Controller kabellos am Fernseher oder mit Joy-Con im Handheld-Modus spielt.


Darüber hinaus wirken die Fahrzeuge allesamt sehr behäbig und weisen einen Wendekreis auf, der der Beweglichkeit eines 40-Tonners in nichts nachsteht. Damit bleibt euch für herannahende und teils sehr scharfe Kurven nur der Griff zum Powerslide. In bester Mario-Kart-Manier kommt ihr damit auch um enge Passagen herum und ladet währenddessen einen Boost auf, der beim Loslassen der Drift-Taste für einen kurzzeitigen Extra-Schub sorgt. Den Slide solltet ihr auf jeden Fall schleunigst meistern, denn das Berühren der Wände und Banden wird hier sehr hart bestraft. So erleidet ihr dabei nicht nur einen massiven Geschwindigkeitsverlust, sondern prallt zudem meist so davon ab, dass ihr die genau gegenüberliegende Bande auch noch einmal mitnehmt – ein doch recht frustrierendes Prozedere. Das Renngeschehen wird darüber hinaus – wie für einen Arcade-Racer üblich – durch diverse Items angereichert. Die Anzahl der einzusetzenden Hilfsmittel ist aber doch recht überschaubar und weicht nur zaghaft von den üblichen Verdächtigen ab: So stehen Klassiker wie Boost, Raketen, Schild und Heilung den wenigen ausgefalleneren Ideen wie eine alles überrollende, überdimensionierte Billardkugel und einem Magneten, der allerlei Dinge anziehen und den gegnerischen Fahrern in den Weg legen kann, gegenüber.


Locker-flockige 30 Sekunden Vorsprung sprechen nicht gerade für einen hohen Schwierigkeitsgrad.

© Eclipse Games

Generell sind die Strecken vollgepackt mit allerlei Kram, die einer gut gefüllten Spielzeugkiste entspringen könnten. Das kommt nicht von ungefähr, immerhin sollen auch eure Geschosse im Grunde nur einfache Spielzeugautos darstellen. Der daraus resultierende sehr bunte und überzeichnete Stil zieht sich durch das gesamte Spiel und wurde dabei durchaus gelungen umgesetzt. Die Rennkurse folgen meist einem bestimmten Oberthema wie Kinderzimmer oder Weltraum und wurden mit viel Leben gefüllt. Alles blinkt und bewegt sich – und stellt sich euch nicht selten in den Weg. Auf diesen gewissen Stil muss man sich aber durchaus einstellen. Das fängt bei der allerorts verwendeten und besonders im Menü auf die Spitze getriebenen Unschärfe an und reicht bis zur teilweise problematischen Orientierung auf unbekannten Strecken, sodass dort nur der Blick auf die eingeblendete Karte reicht, die aber wiederum auch nicht selten so verworren ist, dass nur noch ein halsbrecherisches Vorpreschen übrig bleibt.


Solltet ihr es dann aber dennoch wohlbehalten ins Ziel schaffen, fällt der Vergleich mit den gegnerischen Fahrern eher schwierig aus. Denn die im Anschluss eingeblendete Tabelle mit den Positionen und Zeiten der Rennteilnehmer kann leider nicht allzu ernstgenommen werden. So fällt es mir schwer zu glauben, dass ein Gegner, den ich nur Millimeter vor der Ziellinie überholt habe, im Endergebnis über zwei Sekunden hinter mir die Zielflagge gesehen haben soll. Aber das gehört gewiss ebenso zu den eher zu verschmerzenden Fehlerchen wie die deutsche Übersetzung der Texte, die nicht an das Menü angepasst wurde und dadurch an nicht wenigen Stellen überlappt.


Was für ein Rennspiel dieser Form jedoch fast einem K.O.-Kriterium gleich kommt, ist der fehlende Multiplayer-Modus. So bietet Super Toy Cars 2 weder die Möglichkeit, online gegen andere Spieler der Welt noch lokal im Splitscreen-Modus gegen die eigenen Freunde anzutreten. Eine absolut vertane Chance, denn trotz aller Makel hätte so immerhin noch ein spaßiger Titel für den heiteren Spieleabend auf der Couch herausspringen können. Dadurch bleiben mir im Grunde nur die mal rockigen, mal elektronischen und basslastigen Musikstücke positiv im Gedächtnis.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Chris Holletschek

Super Toy Cars 2 versucht mit seiner speziellen Optik, kreativ gestalteten Strecken und einer Vielzahl an unterschiedlichen Rennmodi eine Alternative zu den Arcade-Racer-Platzhirschen wie Mario Kart 8 Deluxe und Crash Team Racing Nitro-Fueled darzustellen, fällt aber letztlich doch durch. Das Fahrverhalten – also der Dreh- und Angelpunkt eines jeden Rennspiels – kann durch die Behäbigkeit der Fahrzeuge sowie die bei Lenkbewegungen deutlich spürbare Latenz nicht überzeugen und reagiert bei Wandberührungen sehr bestrafend. Auch der gänzlich fehlende Multiplayer-Modus wiegt schwer und bedeutet in Kombination mit weiteren kleinen Fehlern wie einem nicht einstellbaren Schwierigkeitsgrad, falsch berechneten Rennzeiten der KI und einer nicht an die Menüs angepassten deutschen Übersetzung ein Spielerlebnis, das leider doch recht weit von so etwas wie Spaß entfernt ist. Solltet ihr also auf der Suche nach einem guten Arcade-Racer sein, empfiehlt es sich, sich lieber die zu Beginn dieses Fazits erwähnten Titel näher anzuschauen.

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