Eine Insel voller Geheimnisse

Stellt euch einmal vor, ihr erwacht aus einem tiefen Schlaf, ohne zu wissen, wer ihr seid und wo ihr euch befindet. Nach einer kurzen Erkundung der näheren Umgebung trefft ihr auf ein unbekanntes Gesicht, welches euch jedoch zu kennen scheint. Um eure Erinnerungen zurückzuerlangen, tut ihr euch zusammen und erkundet gemeinsam eine Insel voller Geheimnisse.


Auf der Suche nach sich selbst.


Diese kurze Einführung beschreibt die Geschichte von Giraffe and Annika sehr gut. Zu Spielbeginn findet ihr euch in der Haut von der katzenähnlichen Annika wieder, welche nicht weiß, wo sie sich befindet und auch sonst hat sie keinerlei Erinnerungen an das Zurückliegende. Nach kurzer Zeit trifft sie jedoch den jungen Giraffe, welcher ihr die Aufgabe gibt, drei Sternenfragmente zu sammeln, da diese unter anderem zum Erhalt eurer Erinnerungen beitragen sollen. Es liegt somit an Annika, sich in die unterschiedlichen Dungeons zu wagen, die Sternenfragmente zu sammeln und der eigenen Erinnerung auf die Spur zu kommen.


Ein großes Abenteuer erwartet unsere Heldin!

© atelier mimina

Außer Giraffe lernt ihr auf der Insel Spica noch weitere Charaktere kennen, welche die Geschichte stückweise vorantreiben. Hierzu zählen beispielsweise die Hexe Lily, eine Hasenmutter oder auch einen Liebhaber für Katzenbilder. Alle Begegnungen sind mit Textfenstern in englischer Sprache versehen, welche jedoch auch mit geringen Englischkenntnissen gut zu verstehen sind. Darüber hinaus ist ein Großteil der Dialoge auch mit kleinen Comics versehen, welche sehr schön gezeichnet sind und gut unterhalten.


Neben den Gesprächen findet ihr euch entweder auf der halboffenen Insel Spica wieder oder in den Dungeons. Spica könnt ihr euch als eine kleine Insel vorstellen, die kleinere Geheimnisse birgt, sodass sich durchaus im Spielverlauf der Entdeckerdrang entwickelt. Nach und nach stehen euch immer mehr Umgebungen zu Verfügung, sodass man durch kleinere Wälder oder auch ein Schiffswrack schlendert. Das gesamte Abenteuer auf Spica bietet zwar einige abwechslungsreiche Hotspots und Überraschungen wie die Fahrt auf einer großen Schildkröte, insgesamt hätte es davon aber noch mehr geben dürfen, da mir die einzelnen Umgebungen von Grund auf gut gefallen.


Die Comics führen wunderbar durch die Geschichte.

© atelier mimina

Ist das Abenteuer auf der erkundbaren Insel noch relativ entspannt, ändert sich dies in den einzelnen Dungeons. Diese sind nämlich von geisterhaften Wesen und Monstern bewohnt, welche sich bei Berührung von eurer Lebensenergie nähren. Ist diese einmal auf null gesunken, muss man den Bereich von einem der gut platzierten Checkpoints erneut erkunden. Am Ende eines jeden Dungeons wartet dann noch ein Boss darauf, von euch in die Knie gezwungen zu werden. Neben den verschiedenen Gegnern fordern euch vor allem die unterschiedlichen Sprung- und Schwimmpassagen heraus, welche zwar gut in Szene gesetzt sind, aufgrund der Steuerung jedoch das ein oder andere Mal zu Frust führen können. Jeder falsch platzierte Sprung und jeder Armzug im Wasser zerren nämlich ebenfalls an eurem Lebensbalken, sodass man ihn stets im Auge behalten muss. Zwar könnt ihr diesen an leuchtenden Steinen oder mit etwas Obst wieder auffüllen, herausfordernd sind manche Stellen trotzdem.


Insgesamt gefallen mir die Dungeons wie auch Spica sehr gut. Nach einiger Zeit wird das Beobachten der Gegner und Weglaufen vor diesen jedoch sehr eintönig, auch wenn dieser mit unterschiedlichen Fähigkeiten wie beispielsweise Wasserkanonen daherkommen. Dies wird zwar durch die gut inszenierten Bosskämpfe etwas aufgebrochen, die Kämpfe gegen diese laufen jedoch eher unspannend ab. Diese Schleudern euch nämlich unterschiedliche Geschosse entgegen, welchen ihr entweder ausweichen müsst oder aber durch das richtige Positionieren von Annika und einem Knopfdruck im Rhythmus der Musik zerstört. Durch dieses Zerstören verlieren die Bosse allmählich ihre Energie und ihr geht als Sieger hervor.


Überraschende Elemente, wie die Fahrt auf einer Schildkröte, gehören zu den Stärken des Spiels.

© atelier mimina

Technisch würde ich Giraffe and Annika als gelungenes Spiel mit Schönheitsfehlern bezeichnen. Die Bewegungen und die Steuerung sind teils etwas abgehackt und auch die Framerate geht manchmal in den Keller. Nichtsdestotrotz gefällt mir der Stil unheimlich gut, sodass ich über die Probleme beim Durchspielen durchaus hinwegsehen konnte. Die kleine Insel mit seinen Geheimnissen lädt nämlich trotzdem zum Erkunden ein. Vor allem die wirklich toll gestalteten Comics, welche immer wieder zum Verweilen und Schmunzeln einladen, wissen zu überzeugen. Hier wurde eine Menge Energie investiert.


Mein Drang zum Erkunden wurde vor allem durch die vielen kleinen Details und Sammelgegenstände geweckt, die man überall auf Spica findet. Mir hat es einfach unheimlich viel Spaß bereitet, verborgene Schatztruhen zu suchen oder kleinere Quests, wie das Finden von fünf Babyhasen, zu bewältigen. Besonders schön ist auch, dass auf der ganzen Insel und sogar in den Dungeons Bücher und Schriftstücke versteckt sind, auch wenn diese inhaltlich dem Abenteuer nur bedingt weitere Tiefe verleihen. Möchte man wirklich alles im Spiel erledigen, verspricht Annika and Giraffe Spielspaß für um die zehn Stunden oder auch etwas darüber. Beim Kauf des Spiels muss man jedoch einfach wissen, dass vieles im Spiel eher einfach gehalten ist, dafür aber auch mit Ideen daherkommt, die man so vielleicht noch nicht gesehen hat. Vor allem die für mich überragenden Comic-Sequenzen machen einen großen Reiz des Spiels aus.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Maik Styppa-Braun

Giraffe and Annika ist ein wirklich schöner Titel. Die Geschichte überzeugt zwar durch die fehlende Tiefe nur bedingt, dadurch begeistern die Comic-Sequenzen umso mehr. Besonders gut gefällt mir die Insel Spica, da sie trotz der eher kleinen Größe doch einige Überraschungen zu bieten hat. So hatte ich eine Menge Spaß dabei, bewaffnet mit neuen Schlüsseln und Fähigkeiten zuvor verschlossene Bereiche auf ein Neues zu erkunden. Zwar sind die Kämpfe und Dungeons ausbaufähig in ihrer Kreativität und Spieltiefe, unterhalten können sie trotzdem für einige Spielstunden. Etwas schade sind auch die technischen Mängel, die sich im Bereich des Gameplays eingeschlichen haben. Jedoch habe ich die Hoffnung, dass man sich zumindest den Problemen der Framerate noch annimmt, um das doch gute Bild noch weiter abzurunden. Immerhin zeigen die Sequenzen und vielen versteckten Extras, dass das Team hinter Giraffe and Annika viel Leidenschaft hat einfließen lassen.
Mein persönliches Highlight: Der überraschende und zugleich obskure Ritt auf einer Schildkröte.

Meinung von David Kuhlgert

Man merkt dem Titel an, dass er eher für ein jüngeres Publikum konzipiert wurde. Die bunte Welt Spica lädt zum Erkunden ein, ist aber nicht übersäht mit Aufgaben, Gegnern und Gegenständen zum Sammeln. Das ist sowohl positiv als auch negativ, denn einerseits ist das Spiel so auch für Videospiel-Neulinge geeignet, andererseits werden viele Spieler den Tiefgang und die Vielfalt, die viele andere Abenteuer-Spiele bieten, vermissen. Die Spielemechaniken sind viel zu simpel gehalten, eine breite Auswahl an Gegnern ist praktisch nicht vorhanden und man wird von seinem Kompagnon Giraffe bei jeder Aufgabe an die Hand genommen und muss eigentlich nicht wirklich nachdenken, was es als nächstes zu erledigen gibt. Trotz allem konnte mich das Spiel durchaus unterhalten, was nicht zuletzt an den liebevollen Charakteren, der wundervollen und in kleinen Comic-Sequenzen erzählten Geschichte und der bunten Spielwelt lag. Etwas obskur ist in meinen Augen allerdings die Entscheidung, das Spiel nicht in andere Sprachen zu übersetzen, denn dadurch ist es letztendlich für keine Zielgruppe, außerhalb englischsprachiger Länder, wirklich geeignet – weder für die jüngeren Spieler aufgrund der Sprachbarriere, noch für die videospielerfahrenen Hasen, wegen des fehlenden Anspruchs.
Mein persönliches Highlight: Die durchweg positive Grundstimmung im Spiel und die liebevoll geschriebenen Comic-Sequenzen.

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 6

  • Dante Frost

    Twirps

    Vielen Dank für den Test. Eine solide 6 - klingt nach dem Ergebnis, was ich erwartet hab und ich freue mich sehr darauf. Bringt mal wieder etwas Abwechslung zu ACNH ... Mir gefällt der Artstyle und sowieso jedes Spiel, das ein eher entspanntes/stressfreies Gameplay aufweist. Der Alltag ist anstrengend genug :D

  • Eisblauer Wolf

    Wölfin des Nordens

    Mir gefällt die Grafik ganz gut, schade das es nicht übersetzt wurde. Aber wenn das Englische sehr einfach gehalten wurde kann man es ja probieren ;) Danke für den Test :)

  • Princess_Rosalina

    Turmbaronin

    Auf Steam hat dieses Spiel sehr gute Bewertungen, liegt wahrscheinlich an der PC Version.


    mit welcher Versions Nummer habt ihr das Spiel getestet ?

  • Maik Styppa-Braun

    Redakteur

    Princess_Rosalina Die Versionsnummer ist die 1.01. Ich habe mir die Bewertungen ebenfalls gerade mal angesehen und wie David und ich bereits beschrieben haben, hat das Spiel unheimlich viel Charme und fesselt an den Bildschirm. Intern haben wir auch über 7 diskutiert, jedoch zur 6 gegriffen, da einfach doch zu viele kleine Schönheitsfehler da sind. Nichtsdestotrotz ist es ein tolles Spiel, welches vor allem durch seine Comics in den Bann zieht!

  • Princess_Rosalina

    Turmbaronin

    Maik Styppa-Braun


    Die PC Version hat 1.03, dass spielt sich um einiges besser, Grafik und Animationen wurden leicht verbessert und viele Fehler behoben.


    ich persönlich würde dem Spiel eine 8 geben ( PC Version ) Die Dungeons und Bosse machen in dem Spiel sehr viel Spaß.

  • Maik Styppa-Braun

    Redakteur

    Princess_Rosalina das klingt super, leider müssen wir aber das bewerten, was uns zum Testzeitpunkt vorliegt. Sobald aber die neueste Version auch auf der Switch vorliegt, riskiere ich einen weiteren Blick :-)