Grelle Farbe, schrille Töne: Willkommen in Vinyl City

Vor wenigen Tagen veröffentlichten wir unsere Vorschau zu No Straight Roads. Hierbei konnte uns das Spiel bis einschließlich zum zweiten Boss des Abenteuers durchaus überzeugen, da es ein bis dato nahezu einzigartiges Spielerlebnis bot. Mittlerweile haben wir das Musik-Abenteuer auf Herz und Nieren getestet und verraten euch, ob auch die weiteren Spielstunden so überzeugend waren und ob sich ein Kauf lohnt.


Ein musikalisches Abenteuer!


Die Geschichte von No Straight Roads handelt von den beiden Musikern Mayday und Zuke, welche zusammen eine Indie-Rockband verkörpern. Zu Spielbeginn findet man sich bei einem Vorsprechen beim Konzern NSR wieder, welcher sukzessive die Kontrolle über die gesamte Stadt übernommen hat. Trotz einer fantastischen Show werden Zuke und Mayday letztlich abgelehnt, da ihre Rockmusik laut der NSR ausgedient habe und man sich lieber auf EDM konzentrieren sollte. Mit hängenden Köpfen und wutentbrannt verlassen die beiden Musiker das Vorsprechen und müssen mit Schrecken feststellen, dass der Konzern auch die Kontrolle über die gesamte Stromversorgung in der Stadt erlangt hat. Aufgrund dieser Gegebenheiten wagen sich die beiden Protagonisten in ihr Abenteuer, um der NSR das Handwerk zu legen.


Vinyl City lädt durchaus zum Verweilen ein.

© Metronomik Pte. Ltd.

Im Grunde ist No Straight Roads als ein Spiel zu beschreiben, welches gleich mehrere Genres vereint. Zum einen findet man sich in einem Adventure wieder, welches mit einigen Jump 'n' Run-Einlagen daherkommt. So werdet ihr euch in den ersten Spielminuten in der Stadt Vinyl City wiederfinden, welche ihr halbwegs frei erkunden könnt. Mittels Sprungtaste lassen sich unterschiedliche Ebenen erklimmen und so bereits erste Gegenstände finden. Unter anderem entdeckt ihr an allen Ecken kleine Energiezellen, welche ihr dafür verwenden könnt, die Stadt nach und nach mit Strom zu versorgen. Dadurch steigt eure Fanbase stetig, was euch allerlei Vorteile bringt, die ich im weiteren Verlauf erklären werde. Ansonsten sammelt ihr in der gesamten Stadt auch Aufkleber, welche zur Modifizierung eurer Waffen dienen oder Sammelgegenstände, welche ihr in eurer Basis betrachten könnt. Im weiteren Verlauf schaltet man immer neue Stadtteile frei, sodass der Entdeckerdrang eines jeden leicht Befriedigung findet. Insgesamt ist die Stadt jedoch sehr schlauchartig aufgebaut, sodass man sie sich nicht als offene Spielwelt vorstellen sollte.


Neben den Abenteuern in der Stadt liegt es an euch, die Mitglieder der NSR aufzusuchen, ihre jeweiligen Parties zu crashen und letztlich das Handwerk zu legen. Die einzelnen Level werden über die Stadt betreten und sind am ehesten als eine Art Parkour zu beschreiben. Bevor ihr euch nämlich einem der Bosse stellen könnt, müsst ihr es durch unterschiedliche Sprung- und Kampfpassagen schaffen, welche in mehrere Abschnitte untergliedert sind. Hervorzuheben sind hierbei vor allem die Gegner, welche zwar nicht durch ein ideenreiches Aussehen überzeugen, sondern ihr Verhalten zum Takt der Musik anpassen. So werdet ihr feststellen, dass ihre Bewegungsmuster sehr klar zu erkennen sind, sofern man es schafft, der Musik zu lauschen. Somit ist No Straight Roads auf seine Art und Weise auch ein Rhythmus-Spiel. Stellt sich dies anfangs noch als interessante Spielmechanik heraus, entpuppt sich dieses Vorgehen vor allem im späteren Verlauf des Abenteuers als Tortur, da man bei einem hohen Gegneraufkommen fast immer einige Treffer abbekommt. Schafft man es letztlich, genug Gegner auszuschalten und das Ende des Parcours zu erreichen, erwartet euch ein Level-Boss.


Actionreich sind die Wege zu den Bossen!

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Diese Bosse sind im Vergleich zu den normalen Gegnern super inszeniert, kommen mit einer eigenen kleinen Geschichte daher und machen auf den ersten Blick eine Menge Spaß, da auch hier die Musik allgegenwärtig ist. Leider ist das Balancing bei fast allen Bossen so dermaßen schlecht, dass man mit einem bis zwei virtuellen Toden rechnen muss, bevor man sie in die Knie gezwungen bekommt. Grund hierfür ist, dass man sich das Bewegungsmuster aneignen muss, was jedoch bei manchen einigen Minuten dauert. Bis dahin wird man jedoch geschlagen, beschossen, mit Druckwellen attackiert und man kann eigentlich nichts tun, als sich dem hingeben. Dieses doch schon sehr unfaire Vorgehen empfand ich als sehr schade, da sich diese plötzliche Übermacht auch erst im Laufe der Kämpfe entpuppte. Die ersten Phasen waren im Normalfall nämlich recht gut zu meistern, weshalb ich es nicht nachvollziehen kann, warum man einen solchen Schritt gewagt hat. Der Bildschirmtod bedeutet nämlich, dass ihr den Boss von Beginn an auf ein Neues angehen dürft. Habt ihr es jedoch geschafft und einen der Bosse in die Flucht geschlagen, werdet ihr nicht nur mit einem neuen Stadtteil belohnt, sondern auch eure Anzahl an Fans steigt beachtlich.


Um euch all diesen Gefahren und Problem zu stellen, übernehmt ihr Wahlweise die Kontrolle über Mayday oder Zuke und könnt per Tastendruck auch "jederzeit" wechseln. Bewusst ist das Wort jederzeit in Anführungszeichen zu setzen, da der Wechsel nicht immer sofort klappte, sondern wir einige Male warten mussten, bis wir den gewünschten Charakter übernehmen konnten. Hat die Auswahl jedoch einmal geklappt, könnt ihr per Tastendruck auf eure Feinde einschlagen, sie aus der Entfernung mit Geschossen befeuern oder eine eurer Spezialattacken verwenden. Grundlegend ist die Steuerung von Mayday und Zuke identisch, jedoch ist Mayday mehr darauf ausgelegt, besonders stark zuzuschlagen, wohingegen Zuke bekannt für seine schnellen Kombos ist. Darüber hinaus verfügen beide Charaktere noch über eine Energie- und Ausdauerleiste, welche durch sammelbare Gegenstände aufgefüllt werden können.


Überzeugen können vor allem die kurzen Comicsequenzen.

© Metronomik Pte. Ltd.

Wollt ihr eure beiden Helden noch weiter stärken, könnt ihr dies in eurem Hauptquartier unterhalb der Stadt erledigen. Dank verschiedener Aufkleber, welche auf eure Gitarre (Mayday) oder Drumsticks (Zuke) geklebt werden können, erhaltet ihr besondere Buffs. Diese reichen von einer erhöhten Energieleiste bis hin zu einer Stärkung eurer Nah- und Fernkampfattacken. Das Repertoire sollte Rollenspielveteranen bekannt vorkommen. Darüber hinaus könnt ihr pro Charakter zwei Spezialattacken auswählen, welche sich von eurer Ausdauer nähern oder auch passive Fähigkeiten aktivieren. Vor allem Letztere bieten meiner Meinung nach den einzig nennenswerten Mehrwert, da die restlichen Talente und Buffs nur wenig ins Gewicht fallen. Für eben diese passiven Fähigkeiten dienen auch die bereits erwähnten Fans. Nur bei einer ausreichenden Anzahl könnt ihr neue passive Fähigkeiten aktivieren, sodass man nicht nur gezielt auswählen sollte, was man am ehesten benötigt, um beispielsweise den nächsten Boss zu bezwingen, sondern auch stetig neue Fans um sich vereinen.


Technisch ist No Straight Roads leider eine Enttäuschung. Vor allem im Handheld-Modus sind die Texturen so unsauber, dass Geralt aus The Witcher plötzlich gestochen scharf wirkt. Natürlich ist mir bewusst, dass die Nintendo Switch nicht die gleichen Stärken unter der Haube hat wie die PlayStation 4. Dennoch bin ich der Meinung, dass man hier den Weg des geringsten Widerstands gesucht hat, um das Spiel für Nintendos Konsole zu portieren. Das finde ich sehr schade, da beispielsweise die knallbunte Spielwelt und der fetzige Soundtrack mir persönlich unheimlich gut gefallen. Darüber hinaus sind die Bildschirmtexte gut ins Deutsche übersetzt und können dank der guten Gestaltung in Comicoptik auch unterhalten. Die Steuerung in No Straight Roads schlägt in die gleiche Kerbe wie die visuelle Darstellung. Gefühlt wurde bei der Portierung nur wenig Aufwand betrieben, dass bestmögliche Ergebnis abzuliefern. So hat man immer wieder das Gefühl, dass das Spiel im Vorfeld nur wenig getestet wurde, da viele Ungereimtheiten hätten auffallen müssen. So werden Tastenbefehle wie der Wechsel zwischen den Charakteren nicht immer richtig wahrgenommen und auch die in den Leveln der Bosse fixierte Kamera stört so ungemein, dass präzise Sprünge nahezu unmöglich sind und man etliche Male dem Sensenmann gegenübersteht.


Nicht das Gelbe vom Ei!


Auf der Habenseite ist jedoch noch der Mehrspieler-Modus zu erwähnen. So macht es sehr viel Spaß, das Abenteuer gemeinsam mit einem Freund zu erleben, jedoch trägt dies nicht zu einem besseren Spielerlebnis bei. Die teils schon recht schweren Kämpfe werden noch schwieriger und unübersichtlicher, sodass bereits in den ersten Spielminuten Frust aufkommt. Dafür weiß der Titel jedoch noch mit vielen Sammelgegenständen zu überzeugen, die durchaus motivieren sie zu sammeln, da man allerlei kleine Infoschnipsel erhält. Insgesamt könnt ihr so gut und gerne rund 20 Stunden mit dem Titel verbringen, sofern ihr euch wirklich allen Herausforderungen stellen mögt, da beispielsweise die Bosse auch in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gespielt werden können. Ob das bei den Gegebenheiten jedoch ein Grund ist, sie nochmals zu spielen, sei dahingestellt.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Maik Styppa-Braun

Mit No Straight Roads habe ich wirklich Höhen und Tiefen durchlebt. Nach der Vorschauphase war ich trotz des teils bereits erkennbaren unfairen Schwierigkeitsgrades motiviert, Mayday und Zuke auf ihrem Abenteuer zu begleiten. Diese Motivation nahm jedoch stetig ab, da immer wieder das Gefühl in mir aufkam, dass es nicht gewollt ist, ohne virtuellen Tod das Ende zu erleben. Darüber hinaus hat mich die grafische Darstellung und die ungenaue Steuerung immer wieder zur Weißglut getrieben, da ich das Gefühl hatte, man wolle den Titel möglichst einfach für die Nintendo Switch veröffentlichen. Trotz allem bekommt man ein einzigartiges Spiel geboten, welches es so wohl kein zweites Mal gibt. Wer sich also auf die vielen kleinen Ungenauigkeiten einlassen kann, wird seinen Spaß haben, muss jedoch auch mit Phasen voller Frust leben.
Mein persönliches Highlight: Das grundlegende Spielprinzip, welches neuartig und interessant ist.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 5

  • Zach

    Turmheld

    Schade, das der Titel nicht noch etwas Feinpolitur abbekommen hat.

    So werde ich mit den Kauf noch warten, bis das Spiel etwas günstiger wird. Vielleicht wird bis dahin ja noch der ein oder andere Patch veröffentlicht, der das Spiel etwas runder macht.

  • Kabuki-Ende

    noch nicht ganz am Ende...

    dieses spiel interessiert mich sehr aber da der schwierigkeitsgrad höllisch sein soll lass ich lieber die finger davon zumindest für den moment zu schade:(

  • Maik Styppa-Braun

    Redakteur

    Kabuki-Ende ich würde nicht sagen, dass es höllisch ist. Letztendlich gehört es zum Spiel dazu, dass man immer wieder das Zeitliche segnet und Bereiche erneut spielt. Es geht eben darum, Bewegungsmuster zu verstehen und zu erlernen und dann ist beispielsweise die Bosse auch kein Problem mehr. Aber bis man dahin kommt, entsteht leider sehr häufig großer Frust, da manche Stellen einfach unfair sind.

  • SvenIsHere

    Lord des Donners

    Der Trend zu spielen, bei denen man häufig das Zeitliche segnet hat sich die letzten Jahre Sehr etabliert. Spiele wie Dark Souls, Celeste oder Katana Zero sind dafür gemacht das Spiel zu erlernen im weiter zu kommen. Das kann Frust aufbauen und nicht jeder ist dafür gemacht. Ich bin kein so großer Fan davon, spiele sie aber trotzdem ab und an da es auch den Ehrgeiz weckt.

  • Irves | Julian

    Moderator

    Ich habe No Straight Roads gestern angespielt und kann den "höllischen" Schwierigkeitsgrad, von dem hier die Rede ist, bestätigen. Spieler, denen es nichts ausmacht, bei Bosskämpfen immer wieder von vorne zu beginnen, bis man sich jeden Angriff und Rhythmus vollständig eingeprägt hat, können hier jedenfalls bedenkenlos zugreifen. Ich zähle mich allerdings zu jenen, bei denen solche Spiele schnell zu Frust und in weiterer Folge zu Desinteresse führen. Mein Fazit ist also, dass sich No Straight Roads an ein spezifisches Publikum richtet. Vor dem Kauf rate ich daher dazu, abzuwägen, ob man zu dieser Zielgruppe zählt, damit man hier keinen Fehlkauf tätigt.