Nach echter Golf-Manier

Mit dem immer stetigeren Einzug realitätsnaher Sport-Simulationen für die Nintendo Switch fächert die Hybridkonsole ihr Angebot an unterschiedlichen Genres immer breiter aus. PGA Tour 2K21 ergänzt nun diese Bibliothek an lebensechten Erfahrungen und lockt nach The Golf Club 2019 ein weiteres Mal auf den Sportplatz. Zahlreiche Anpassungseinstellungen, ein greifbares Gameplay und ein ganzer Golfplatz-Editor sollen euch dieses Mal davon überzeugen, die Spitze aller Spieler zu erklimmen. Als Einsteiger sowohl des Genres als auch der Sportart habe ich mich gewagt, einen Blick auf die Simulation zu werfen und zu ermitteln, wie das Spiel mit Anfängern umgeht, ob Profis ebenso beachtet werden und wie der allgemeine Inhalt die Spielzeit beeinflusst.


Im Training erlernt ihr die Grundlagen.

© H.B. Studios Multimedia Limited

Bevor ihr euren Sportler ganz nach den eigenen Vorstellungen erstellt, erlernt ihr in einer kurzen Einführung die grundsätzliche Herangehensweise, um einen Ball möglichst effizient einzulochen. Dabei geht die Übung immer erst dann voran, wenn ihr die Aufgabe mindestens ein Mal richtig ausführt und nach der vorgegebenen Beschreibung agiert. Gerade Neueinsteiger bekommen die Grundsätze verständlich erklärt und erhalten wissenswerte Tipps, während Profi-Ratschläge avancierteren Spielern zugutekommen. Dass sich das Tutorial nicht überspringen lässt und ohnehin im Training jederzeit erneut durchgenommen werden kann, mag zu Beginn aufgezwungen wirken, es nimmt jedoch nur wenige Minuten ein. Ist das Fundament aber erst einmal errichtet, öffnen sich zahlreiche Tore zu den unterschiedlichsten Modi. Gerade anfangs ist es keine schlechte Idee, sich in unverbundenen Runden weiter mit der Steuerung auseinanderzusetzen. Generell werden Schläge stets mit dem linken Stick ausgeführt. Je nachdem, wie stark ihr die Einheit nach hinten und ruckartig wieder nach vorne drückt, beeinflusst dieses Feingefühl sowohl das Tempo als auch die Stärke eines Hiebes. Selbst nach einer perfekten Ausführung gilt jedoch keine Garantie, dass ihr sofort ein „Hole-in-one“ landet, also den Ball mit nur einem Schlag einlocht. Weitere Bedingungen wie das Terrain oder Wetter wirken sich auf die Flugbahn und damit verbunden auf euer Verhalten beim Schlag aus. Hier kommen anspruchsvollere Techniken wie beispielsweise der Slice zum Einsatz – wo der Ball eine gebogene Kurve einnimmt und vom Wind profitieren kann. Genauso verhält es sich mit der Wahl des richtigen Schlägers. Befindet ihr euch im Sand, erzeugen unterschiedliche Golfschläger unterschiedliche Ergebnisse und sollten stets je nach Standort passend eingesetzt werden.


Neben wohlbekannten Profigolfern wie Patrick Cantlay oder Cameron Champ seid ihr es, die sich einen Namen in der Welt des Golfsports machen wollen. Mithilfe des Charakter-Editors erstellt ihr Sportler mit verschiedenen Proportionen, Nationalitäten, Frisuren und vielem mehr. Obwohl es dem Spiel leider an weiblichen Profigolfern aufgrund der fehlenden LPGA-Lizenz („Ladies Professional Golf Association“) mangelt und selbst die männlichen Koryphäen merkwürdigerweise nicht spielbar sind, erlaubt der Editor auch die Erschaffung von weiblichen Sportlerinnen – gleichwohl es dennoch sonderlich erscheint, im Karriere-Modus auf keine Frauen als Gegner zu treffen. Mindestens ebenso ungewöhnlich ist die Inklusion von Rivalitäten. Diese klingen auf dem Papier spannend und könnten Highlights auf dem Weg zur Spitze darstellen, allerdings ist das Konzept oberflächlicher umgesetzt als erhofft. Anstatt einen geeigneten Kontrahenten im Verlauf des Karriere-Modus zu entwickeln, sucht sich das Spiel einen willkürlichen Spieler aus der Liste und deklariert ihn zufällig als Rivalen. Natürlich handelt es sich dabei um einen einfachen Gegenspieler, der genauso gefährlich ist wie die restlichen Widersacher, was einiges an Potenzial und Spannung aus dem Modus nimmt.


Beweist euch auch als Golfplatzarchitekt!


Ist das Ansehen erst einmal gestiegen und damit verbunden die finanziellen Mittel, so lassen sich im Shop Unmengen an Kleidungsstücken für die passende Optik erwerben. Erneut ist hier die schiere Auswahl an einmaligen Möglichkeiten, gerade in Kombination mit den Optionen der körperlichen Staturen, positiv hervorzuheben. Jede visuelle Anpassung unterstreicht allerdings lediglich den Charakter des Spielers – physische Attribute werden dadurch nicht beeinflusst und bleiben immerzu gleich. Gerade im Online-Modus (der leider kein Crossplay zwischen den Plattformen unterstützt) zeigt sich schnell, dass immer der bessere Golfer gewinnt und die spielerische Erfahrung über einem unnötigen Levelsystem steht. Auch hier sind Optionen das Stichwort. Private Räume mit den unterschiedlichsten Herangehensweisen können erstellt werden und sind wunderbare Ergänzungen zur generellen Mehrspielerfreudigkeit des Spiels.


Erstellt Golfplätze nach euren Wünschen.

© H.B. Studios Multimedia Limited

Das Highlight bildet der Golfplatz-Editor, mit dem es möglich ist, ganze Schauplätze eigenständig zu bauen. Was vorerst überfordernd oder aufgebläht wirken mag, erweist sich mit ein wenig Einarbeitung als cleveres Mittel, Spieler bei der Stange zu halten. Die Alternativen sind dabei endlos. Egal ob Setting, Wetter oder Boden – euren Ideen werden keine Grenzen gesetzt. Obwohl dieses Feature das Ziel verfolgt, eure Kreativität und Spielzeit zu fördern, zeigt sich gleichermaßen das Potenzial eines solchen Modus in diesem Genre. Während es sicherlich amüsant ist, einfache Kurse für ein wenig Abwechslung zu erstellen, kann der Editor in ähnlicher Weise dafür genutzt werden, spezielle Umstände zu formen, um gewisse Techniken noch weiter zu trainieren. Bereiten euch beispielsweise sandige oder unebene Böden Probleme, lässt sich ohne Mühe ein simpler Platz errichten, der auf diese Schwächen abzielt und ausschließlich darauf basiert. Soll es aber doch ein professioneller Kurs werden, steht auch dieser Idee nichts im Wege. Wenn es dann aber um Charme und die optische Präsentation geht, zeigt sich das Spiel nicht von seiner Schokoladenseite. Sowohl die Umgebungen als auch die allgemeine Grafik sind sehr oberflächlich und detailarm. Es ist zwar löblich, dass die Technik in entscheidenden Momenten niemals versagt und die Bildrate konstant bleibt, allerdings wirkt das unsaubere Gesamtbild mindestens genauso billig und sticht deutlich hervor.


Ein passendes Beispiel sind die Zuschauer, welche steifer nicht sein könnten. Bälle fliegen durch sie hindurch, im Regen hält niemand einen Regenschirm und generell tragen sie nicht wirklich zur Stimmung bei. Selbst die Kommentatoren erklären Situationen recht roboterhaft und wiederholen sich mit der Zeit so oft, dass ihre automatisierten Beiträge deutlicher hervorstechen. Natürlichkeit ist das Stichwort, wenn es um die Golf-Simulation geht. Durch die ruhigen Partien und der hohen Konzentration während eines Stoßes werdet ihr nur selten Musikstücke hören und lauscht stattdessen der gelungenen Soundkulisse. Weniger nachvollziehbar dürfte für einige Spieler das Fehlen einer Bewegungssteuerung sein. Was zunächst unlogisch erscheinen mag, stellt sich für mich im Nachhinein als verständlicher Grund heraus. Das Gameplay ist darauf ausgelegt, absolut präzise Schläge auszuführen, die bei einer Steuerung per Bewegung einfach nicht zuverlässig genug wären. Prozentuale Genauigkeiten gehören zu jedem Schlag und durch ungenaue Erregungen würden Frust und Enttäuschungen vorprogrammiert sein.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Kevin Becker

Mit PGA Tour 2K21 erleben Begeisterte des Genres eine absolut gelungene Simulation der gelassenen Ballsportart. Durch unterschiedliche Schwierigkeitsgrade und einem passend umgesetzten Tutorial-Modus können sowohl Anfänger als auch Profis ihren Weg in die eigene Karriere finden und durch die umfangreichen Anpassungsmöglichkeiten individuelle Sportler erstellen. Das Gameplay spiegelt die Präzisionsgenauigkeit und das Feingefühl eines echten Schlags realistisch wider, während die diversen Golfschläger und das Terrain einen glaubhaften, spürbaren Einfluss auf jeden Zug nehmen. Aufgrund der fehlenden LPGA-Lizenz fehlt die weibliche Besatzung an Profispielerinnen jedoch komplett, was ein eher veraltetes Bild im Vergleich zu Genre-Kollegen abgibt. Darüber hinaus sind die angeblichen Rivalitäten von künstlicher Natur und bauen sich niemals organisch auf. Weiterhin wirkt die Technik äußerst zweckdienlich und stellt Zuschauer beispielsweise so statisch dar, dass die Immersion teilweise darunter leiden kann. Dennoch kennt das Spiel seine Prioritäten und bietet einen ausführlichen Golfplatz-Editor an, der sich zu den herkömmlichen Schauorten hervorragend einfügt und die Spieldauer steigert. Obwohl ich als Anfänger meinen Weg zum echten virtuellen Golfer noch finden muss, werden gerade Kenner ihre Zeit in PGA Tour 2K21 trotz kleinerer Schnitzer lange investieren und mit dem Weitblick auf zukünftige Zusatzinhalte sicherlich noch einige Bälle einlochen können.
Mein persönliches Highlight: Der Golfplatz-Editor.

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 9

  • Zach

    Turmritter

    Danke für den aufschlussreichen Test, der Titel wird sicherlich irgendwann mal in meiner Sammlung landen.

  • Wiisel666

    Turmheld

    Keine Bewegungssteuerung, kein Kauf

  • summler

    Sam Strife

    Eine andere Seite gibt dem Titel 19%.:|

  • Ande

    Meister des Turms

    summler

    19% ist schon sehr hart, das kann ich dann eigentlich gar nicht ernst nehmen, wenn der Tester mir Golf nichts anfangen kann dann soll er es lassen.

    Der Titel scheint mir relativ solide zu sein, für so eine Wertung müsste es absolut unspielbar und voller Bugs sein. Wer Golf nicht mag holt es sich sicherlich auch bei einer 10/10 nicht, da muss man dem Spiel keine miese Wertung reinwürgen.

  • Rixas

    Turmfürst

    19% ist schon sehr hart, das kann ich dann eigentlich gar nicht ernst nehmen, wenn der Tester mir Golf nichts anfangen kann dann soll er es lassen.


    Die PC und PS4 Version haben 85% bekommen, es liegt also nicht daran das der Tester mit Golf nichts anfangen kann sondern damit das die Switch Version im Vergleich Technisch ne Katastrophe sein soll und der Port nicht gelungen ist.

    19% ist aber wahrscheinlich wirklich etwas hart, evtl wollte man auch nur die Kaufwarnung deutlicher machen.

  • Tomek2000

    Meister des Turms

    Ich bleibe lieber bei Mario Golf für den 3DS

  • Hightower76

    Turmknappe

    Wiisel666

    Ja, sehr schade, dass es keine Bewegungssteuerung gibt. Und auch der Rest des Spiels sieht nicht allzu gut aus. Ich bin darüber sehr traurig, da ich sehr sehr gerne einmal wieder ein Golf-Spiel (auch unterwegs) zocken würde!

  • Waldwatz

    Turmheld

    Es ist interessant wie eine rosarote Nintendobrille wirken kann, quasi jeder andere Test im Netz sagt das das Spiel eine technische Katastrophe auf der Switch ist, nur dem Tester hier scheint es nicht aufzufallen.....

  • Muki

    Turmbaron

    Waldwatz


    Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing...In den User Kommentaren findet man daher mehr Wahrheit. Das einzige was man noch relativ blind für die switch kaufen kann sind indie titel mit Pixel oder minimal Grafik. Alles andere brauch eine gesunde Skepsis.


    Und es gibt mittlerweile soviele Ports die einfach nur lieblos umgesetzt wurden. Witcher3 oder Crysis sind da halt einfach Ausnahmen. So können Ports sein wenn man sie mit richtiger Begeisterung und Liebe dafür umsetzt.