Mein guter Freund der Drehwurm

Naught ist ein Platformer, der bereits 2012 in diversen Appstores zum Kauf angeboten wurde. Acht Jahre später erreicht der Titel nun in einer aufgebesserten Version mit mehr Leveln auch die Nintendo Switch, PlayStation 4 sowie Steam. Die Geschichte wird in Form eines kurzen Comics erklärt, eine trauernde Katzenbesitzerin muss sich von ihrem verstorbenen Kätzchen trennen. Hierfür beerdigt sie den Vierbeiner an einem Baum, woraufhin dieser den Geist der toten Katze wiedererweckt und sie darum bittet, die Dunkelheit, die an seinen Wurzeln nagt zu vertreiben. Im Laufe des Spiels werden weitere Seiten des Comics freigeschaltet und auch wenn dieser insgesamt relativ kurz ausfällt, gelingt es dem Spiel auf diese Weise, Emotionen für den Verlust der Katze zu wecken. Ebenso gefiel mir das letzte Panel sehr, das mit einer schönen Botschaft daherkommt.


Der Grafikstil sieht super aus und erinnert an Limbo.

© Wild Sphere S.L.U.

Das Besondere an Naught ist, dass ihr nicht die Spielfigur an sich bewegt, sondern die Welt um das katzenartige Geisterwesen herum. So dreht ihr den Bildschirm mit den Schultertasten oder alternativ mit dem linken Stick nach rechts oder links. Je nach Winkel rutscht Naught nun langsam den Bildschirm entlang oder fällt tief in den Abgrund. Die einzig direkte Steuerung der Heldin besteht darin, dass ihr sie bei Bedarf hüpfen lassen könnt. Zudem wird mit der X-Taste der Bildschirm einmal um 180° gedreht. Bereits nach kurzer Eingewöhnung habt ihr den Dreh raus und lasst Naught munter und fröhlich durch die Level fliegen.


Doch Vorsicht: Habt ihr einen sensiblen Magen und wird euch schon bei einer Karussellfahrt schlecht, solltet ihr besser einen kreisförmigen Bogen um dieses Spiel machen. In manchen Leveln müsst ihr diesen sehr häufig drehen, teilweise sogar in relativen schnellen Abständen von rechts wieder zurück nach links usw., da kann es schon einmal vorkommen, dass dem ein oder anderen schlecht werden kann. In ein paar wenigen Leveln wird das besonders deutlich, denn darin verwandelt sich Naught in eine murmelartige Kugel, welche nun durch ein Labyrinth mit zig Verzweigungen rollt. Hier müsst ihr den Bildschirm teilweise so schnell hin und her bewegen, um die richtigen Gänge zu erwischen, dass einem dann schon etwas schwindlig werden kann. Aber trotz Drehwurm haben mir diese Murmelpassagen sehr gut gefallen. In allen Stages gilt es, vom Start des Levels linear zum Ziel zu gelangen. Dabei stellen sich euch nicht nur Feinde in den Weg, sondern es gilt auch Fallen wie Stacheln auszuweichen, die Naught bereits bei einem Treffer sofort töten. Glücklicherweise sind die einzelnen Checkpoints fair verteilt, für die ihr jedoch extra Lebenspunkte benötigt, die ebenfalls in den Stages vertsreut zu finden sind. Für jeweils fünf Stück bekommt ihr ein Extraleben spendiert, mit dessen Hilfe ihr bei einem Ableben an einem sicheren Punkt erneut einsteigen könnt. Sind alle Leben verbraucht, beginnt ihr allerdings das komplette Level erneut. Ebenso gibt es pro Level, von denen es insgesamt 40 Stück gibt, drei versteckte Diamanten zu finden. Je mehr ihr davon sammelt, desto mehr zusätzliche Seiten schaltet ihr für den Comic frei, das hebt den Wiederspielwert etwas an.


In den Murmelpassagen kann es einem durchaus schwindlig werden.

© Wild Sphere S.L.U.

Die Schwierigkeit steigt im Laufe des Spiels stetig an, wobei es in den meisten Fällen jedoch fair zugeht. Dennoch können vor allem die späteren Level durchaus auch mal in Frust enden, da einige Versuche zum Abschließen benötigt werden. In einem Level steckte ich zum Beispiel fest und habe zig Versuche benötigt, um diesen letztendlich abzuschließen. Hier kam dann durchaus auch etwas Frust auf, der nach Beenden des Levels aber in schiere Glücksgefühle umgewandelt wurde. Die Besonderheit an dieser Herausforderung war, dass ich mich von oben nach unten durch einen schier endlosen Tunnel fallen lassen musste, der mit Stacheln rechts sowie links an den Wänden gespickt war und daher präzise Bildschirmbewegungen erforderte. Einmal zu weit gedreht, endet das Ganze im sicheren Tod. An solchen Stellen wird dann letztendlich auch das Trial and Error Prinzip großgeschrieben, da ihr nie vorausahnen könnt, auf welcher Seite ein sicheres Durchkommen möglich ist. Je nachdem, wie häufig man den Löffel abgibt, was bei mir im gerade beschriebenen Level sehr häufig vorkam, werden ca. drei bis vier Stunden benötigt, um alle 40 Stages abzuschließen. Danach ist Naught jedoch noch nicht vorbei, denn dann schaltet sich erst der Zeitmodus frei. Darin könnt ihr für jeden Abschnitt einen Highscore aufstellen und euch selbst herausfordern. Generell ist Naught perfekt für Speedrunns geeignet und es macht ordentlich Spaß, so schnell wie möglich durchs Game zu jagen.


Der Grafikstil ist hauptsächlich in Schwarz- und Grautönen gehalten, was dem Spiel einen sehr düsteren Anstrich verpasst. Allein Gefahren werden in orangener Farbe bzw. extra Leben bringende Punkte in hoffnungsvollen Blau dargestellt – davon ab ist gestaltet sich das gesamte Spiel ziemlich farbarm. Diese Optik weiß allerdings durchaus zu gefallen und mitunter erinnert sie an das Spiel Limbo. Von der musikalischen Seite her treiben Synthesizer und Technobeats den Spieler voran, die gut zum Spiel passen, allerdings nicht großartig im Gedächtnis bleiben.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Johannes Bausch

Naught ist ein solides Spiel, das für die kurze Dauer, die man zum Abschließen benötigt, mir durchaus Spaß gemacht hat. Der titelgebende Held wird hierbei nicht direkt gesteuert, sondern ihr nutzt die Gravitation und dreht den Bildschirm um den Vierbeiner herum, sodass dieser nahezu durch die insgesamt 40 Level fliegt. Eine gewisse Frustgrenze muss allerdings vorhanden sein, da ihr öfter die Schwelle zum Totenreich überschreiten werdet. Dennoch bleibt das Game relativ fair, wobei an manchen Stellen auch eine gewisses Maß an Trial and Error nötig wird. Bevor ihr das Spiel jedoch kauft, rate ich euch, den Trailer anzuschauen. Dadurch, dass ihr den Bildschirm ununterbrochen drehen müsst, könnte es dem ein oder anderen etwas schwindlig und schlecht werden. Wenn euch schon nach zweimaligem Drehen um die eigene Achse übel wird, rate ich daher von Naught ab. Ansonsten habt ihr aber einen tollen, mit einer in Schwarzgrautönen gehaltenen Optik auch einen relativ düster wirkenden Titel.
Mein persönliches Highlight: Die kleine, aber emotionale (Comic)Geschichte.

Die durchschnittliche Leserwertung

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