Wenn aus Gegenständen Monster werden

Das tschechische Studio Amanita Design ist mir wirklich ans Herz gewachsen. So haben mich die beiden Point-and-Click-Spiele Botanicula und Machinarium wirklich umgehauen – und das obwohl Point-and-Click absolut nicht mein Genre ist. Mit Creaks bringt Amanita Design ein Spiel heraus, welches nicht wie die zahlreichen anderen Spiele mittels einer Point-and-Click-Mechanik funktioniert, sondern sich eher wie ein Puzzlespiel spielt. Auch Puzzle ist nicht wirklich ein Genre, welches ich sehr gerne erlebe. Somit war es für mich spannend zu sehen, ob mich das Abenteuer ebenfalls in seinen Bann ziehen würde.


In der Dunkelheit ist es ein mechanischer Hund, bei Licht ist es nur eine einfache Kommode.

© Amanita Design

Dieses beginnt wie viele Fantasien im Kinderzimmer. Der Protagonist ist ein Junge, welcher in seinem dunklen Zimmer einen geheimen Gang hinter der Tapete entdeckt. Aus Neugier klettert er in diesen hinein und befindet sich auf einmal in einer Fantasiewelt. In dieser Welt gibt es gefährliche metallische Hunde, gespenstische Quallen oder auch merkwürdige Gestalten, die eure Bewegungen nachahmen. Scheint auf einmal Licht auf diese Figuren, verwandeln sie sich in Alltagsgegenstände wie eine Kommode, einen Stuhl oder auch einen Kleiderständer und sind somit nicht mehr gefährlich. Kennt ihr das nicht auch aus eurer Kindheit, dass abends im Bett auf einmal der Stuhl die merkwürdige Form einer grauen Gestalt annimmt und ihr somit nicht einschlafen könnt, weil ihr euch ständig beobachtet fühlt? Das Phänomen wird in der Wissenschaft als Pareidolie bezeichnet: Diese lässt eure Vorstellungskraft ein anderes Objekt sehen als das, was ihr eigentlich vor euch habt.


Aus diesem Phänomen wurde ein spannendes Puzzlespiel geboren. So müsst ihr mit Lichtschaltern arbeiten, um die Objekte in ihre harmlose Form zu zwingen. Kommt ihr zu nah an eine Kreatur, wird euch diese angreifen und ihr werdet zum letzten Speicherpunkt zurückgesetzt. Manchmal ist es euer Ziel, den Kreaturen einen Weg zu bauen, damit diese eine bestimmte Position einnehmen können. Es müssen beispielsweise Fußschalter betätigt werden, um Türen zu öffnen, wodurch ihr einen Metallhund zu diesem Schalter locken könnt. Da ihr allerdings danach an dem Hund vorbei müsst, schaltet ihr mit einem anderen Schalter das Licht an und der Metallhund verwandelt sich in eine Kommode. So bleibt dieser auf dem Fußschalter stehen und öffnet euch dadurch euren weiteren Weg. Da der Hund jetzt nur noch eine Kommode ist, könnt ihr problemlos an diesem vorbei.


Ein Spiel nicht nur für Fans von Puzzlespielen


Mit einer handgezeichneten Grafik sieht das zweidimensionale Spiel besonders düster aus. Alles wirkt so real und dunkel, sieht auch auf der Nintendo Switch fantastisch aus und läuft vor allem ruckelfrei. Die Steuerung ist auch sehr simpel zu verstehen, denn bis auf den Analogstick und zwei Tasten für verschiedene Aktionen, werden keine weiteren Eingaben von euch verlangt. Auch wenn die Rätsel im ersten Drittel des Spiels ziemlich eintönig sind, da sie sich sehr ähneln, sind die restlichen drei des in etwa fünf Stunden langen Spiels mit viel Abwechslung gefüllt. Ich war anfangs etwas gelangweilt, doch in der zweiten Hälfte von Creaks werden kontinuierlich neue Elemente eingeführt, die das Spiel enorm bereichern. Nahtlos tauchen hier neue Gegenstände oder auch Kreaturen auf, die das Gameplay wesentlich anspruchsvoller machen. Doch das Spiel istr nie wirklich kompliziert, denn meiner Meinung nach ist der Schwierigkeitsgrad perfekt: Nicht zu leicht, sodass man einfach hindurch spazieren könnte, und nicht zu schwer, damit das Frustrationslevel nicht zu hoch steigt.


Die merkwürdigen Rabenwesen begleiten euch auf eurem ganzen Abenteuer.

© Amanita Design

Amanita Design lässt nie die Charaktere sprechen oder Texte einblenden, es wird nur durch Bewegungen und Laute kommuniziert. So werdet ihr auf eurem Abenteuer merkwürdigen Rabenwesen begegnen, die ihr immer durch einen Spalt beobachtet. Durch diese entwickelt sich tatsächlich eine interessante Geschichte, die völlig nonverbal erzählt wird. Es ist immer beeindruckend, wie Amanita Design es schafft, Geschichten ohne Worte zu erzählen. Auch gibt es keine wirkliche klare Levelaufteilung, sondern man läuft von Rätsel zu Rätsel. Feste Speicherpunkte gibt es nicht, denn das Spiel speichert nach jedem eurer Erfolge automatisch. So müsst ihr euch nie Sorgen darüber machen, etwas wiederholen zu müssen.


Fans von Sammelgegenständen werden bei diesem Spiel nicht enttäuscht, denn im Laufe des Abenteuers könnt ihr diverse Bilder finden. Manche befinden sich auf dem Weg, andere sind ganz gut in Nebenräumen versteckt. Es sind allerdings nicht einfach nur Bilder, sondern mechanische Bilder, in denen sich beispielsweise Objekte bewegen. Andere Bilder sind sogar kleine Minispiele. So dürft ihr zum Beispiel einen Ritterkampf austragen, einen kleinen Dungeon bezwingen oder auch selbst eine Kreatur sein, welche sich vor den Lampen verstecken muss. Die Bilder sind wirklich putzig geworden und eine gelungene Abwechslung zum recht monochrom gehaltenen Hauptspiel.


Um zur Anfangsfrage zurückgekommen: Hat mich das Puzzlespiel überzeugen können, obwohl ich kein großer Fan des Spielgenres bin? Definitiv! Der Schwierigkeitsgrad der Puzzle war perfekt auf mich zugeschnitten, sodass ich nach etwas Grübeln immer auf die Lösung gekommen bin. Zumindest ab dem zweiten Drittel des Spiels kam die spielerische Abwechslung und somit war meine Motivation, das Spiel zu beenden, besonders hoch.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Ilja Rodstein

Creaks ist ein wirklich fantastisches Spiel, welches aber erst ab dem zweiten Drittel des Spielverlaufs so richtig interessant wird. Auch wenn das Gameplay des zweidimensionalen Puzzle- und Rätselspiels anfangs ziemlich eintönig wirkt, konnte mich der Titel im späteren Spielverlauf enorm fesseln und begeistern. Euch erwarten hier fünf spannende Stunden mit vielen Rätseln, die meiner Meinung nach einen perfekten Schwierigkeitsgrad haben, ohne zu leicht zu sein oder euch endlos zu frustrieren. Das alles wurde verpackt in eine graue und triste, aber gleichzeitig lebendige Spielwelt, in welcher ihr interessante Charaktere und Kreaturen kennen lernen werdet.
Mein persönliches Highlight: Der Schwierigkeitsgrad ist auf einem perfekten Niveau.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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