Von einer degenerierten zur perfekten Spezies in mehreren Runden

Wenn man sich unseren Planeten und das Leben, das darauf stattfindet, anschaut, kann man zweifelsohne von einem kleinen Wunder sprechen. Denn auf keinen anderen, zumindest uns bekannten, Planeten gibt es eine solche Vielfalt an Leben und Evolution, wie es auf der Erde der Fall ist. Doch von den ersten Einzellern bis zum Homo sapiens war es natürlich kein Fingerschnippen. Viel mehr haben sich die verschiedenen Arten Stück für Stück weiterentwickelt und ganz nach dem Motto „Nur die Harten kommen in den Garten“ haben auch nur diejenigen ihre Gene weitergegeben, die entsprechend an ihre Umwelt angepasst waren. Im Bereich der Videospiele gab es immer wieder Versuche, diese Art von Evolution in Form eines Spiels erlebbar zu machen – die prominentesten Vertreter sind wohl die Spiele der Creatures-Reihe oder Spore von Maxis. Doch so richtig gut umgesetzt wurde die ganze Entwicklungsgeschichte letztendlich doch nicht und in eben diese Nische – ja, das Wortspiel ist beabsichtigt – möchte Niche – A genetics survival game schlüpfen und all diejenigen bedienen, die sich ein solches Spiel schon immer gewünscht haben.


Ziel ist es, eure Spezies durch gezielte Genweitergabe zu optimieren und ihr Überleben zu sichern.

© Stray Fawn

Vom Genre her lässt sich Niche am ehesten als rundenbasiertes Evolutionsspiel mit Rogue-like Elementen bezeichnen. Ihr startet mit einer meist recht knuddeligen und süßen Spezies auf einer zufällig zusammengesetzten Insel und müsst von nun an für deren Überleben sorgen. Um das zu bewerkstelligen, müsst ihr nicht nur der Umwelt trotzen, sondern euch und eure Gene systematisch weitergeben. So weit die Prämisse. Das Spiel bietet euch prinzipiell zwei Modi, einen Story- sowie einen Sandbox-Modus, die sich aber beide ehrlich gesagt kaum voneinander unterscheiden. Die Handlung dient euch gleichzeitig als ein sehr notdürftiges Tutorial, in dem ihr ein Wesen namens Adam verkörpert, das von seinen Eltern getrennt wird und nun auf einer fremden Insel gestrandet ist und wieder seinen Weg nach Hause finden muss. Dabei lernt ihr kurz darauf Eva kennen und beginnt, euch mit dieser zu paaren und Nachwuchs zu zeugen. Und ab diesem Punkt endet die Story quasi schon, denn von diesem Moment an unterscheidet den Story-Modus nichts vom Sandboxspiel. Niche lässt euch auch recht hilflos zurück. Zwar wusste ich nach dem Tutorial, wo ich welche Eigenschaften meiner Kreaturen einsehen und wie ich Beeren pflücken kann, wieso Adam dann aber plötzlich nach vier Tagen gestorben ist, womit die eigentliche Handlungsprämisse komplett hin war, das wusste ich nicht.


Ihr seht also, wer in Niche überleben will, muss sich in die einzelnen Spielelemente einarbeiten und es ist viel Trial and Error nötig, um herauszufinden, was eure Kreaturen umbringt und wie ihr am besten überlebt. Was dem Titel dabei grandios gelungen ist, ist das eigentliche Kernelement: die Weitergabe eurer Gene. Mit euren beiden Startkreaturen könnt ihr euch nämlich nicht ewig fortpflanzen, da dies früher oder später zur Inzucht führt und damit automatisch zu einer nicht überlebensfähigen Spezies. Entsprechend müsst ihr die Gegend um euer Startareal erkunden und neben Nahrung und einem Nistplatz andere Kreaturen finden, mit denen ihr euch paaren könnt. Dies geschieht rundenweise. Jedes Mitglied eurer Spezies hat dabei eine unterschiedlich hohe Anzahl an Aktionspunkten, mit denen ihr euch entweder fortbewegen, Pflanzen sammeln, jagen, Nistmaterial sammeln oder kämpfen könnt. Wie gut euch das jeweils gelingt, hängt letztendlich von euren Genen ab, denn manche Tiere sind besser im Sammeln von Beeren, andere können schneller nach Wurzeln im Erdreich graben und wiederum andere sind erfolgreicher, was das Fischen angeht. Die Gene eurer Startspezies werden dabei stets zufällig ausgewürfelt und euer Ziel ist es von nun an, eure starken und nützlichen Gene mithilfe anderer Tiere weiterzugeben und eure Schwächen auszumerzen.


Niche wartet mit einem sehr komplexen Eigenschafts- und Gensystem auf.

© Stray Fawn

Damit dies gelingt, benötigt ihr entsprechend weitere Kreaturen, mit denen ihr euch fortpflanzen könnt. Im Normalfall werdet ihr recht schnell in der Umgebung rund um euer Startgebiet fündig und trefft bereits früh auf ein oder mehrere Tiere, die ihr mit Nahrung in euren Stamm aufnehmen könnt. Habt ihr ein Männchen und Weibchen, können die beiden Spezies sich von nun an paaren und Nachwuchs entsteht binnen weniger Runden. Dabei könnt ihr festlegen, welche Gene eine höhere Chance haben, weitergegeben zu werden. Doch das Ganze liegt natürlich nicht allein in euren Händen und so bringen viele der anderen Wesen ihre eigenen Schwächen und Nachteile mit sich, die es im Laufe der Evolution auszumerzen gilt. Hier gibt euch Niche ein ziemlich mächtiges Werkzeug an die Hand, denn ihr könnt bis ins kleinste Detail einsehen, wie sich eure Spezies bisher entwickelt haben und welche Gene weitergegeben wurden. Ihr könnt sogar versuchen, die Evolution etwas zu euren Gunsten zu beeinflussen. Eine solche Vielfalt sucht man in anderen Titeln vergebens und dementsprechend dürften Fans dieses Spielelements hier voll auf ihre Kosten kommen. Eine gewisse Begeisterung für das Spielprinzip ist auch notwendig, denn leider ist Niche fernab der Genvergabe recht eintönig und mitunter auch langweilig.


Denn auf eurer Insel passiert im Allgemeinen recht wenig, Kämpfe finden nicht statt und viel zu entdecken gibt es auch nicht. Ihr könnt zwar eure Insel mit einer begrenzten Anzahl an Stammesmitglieder verlassen – die ideale Möglichkeit, um schwache Stammesmitglieder auszusortieren –, aber die übrigen Inseln bieten neben anderen Kreaturen wenig Abwechslung. Dazu kommt die bereits erwähnte Problematik, dass Niche nicht gerade sehr transparent ist, wenn es darum geht, wieso manche eurer Kreaturen sterben, und das tun sie ziemlich häufig. Denn ihr müsst stets darauf achten, dass genug Nahrung vorhanden ist, dass die Mitglieder eures Stammes nicht krank werden und dass sie einen trockenen Platz haben, wenn es mal wieder stürmt. Und selbst wenn alles perfekt erscheint, kann es passieren, dass ein Tier plötzlich von einer Runde auf die andere verstirbt. Doch selbst wenn eure gesamte Spezies ausgerottet werden sollte, müsst ihr nicht verzagen. Denn nach dem unvermeidlichen Game Over habt ihr die Möglichkeit, das Spiel mit einigen eurer Gene erneut zu beginnen – hier kommen die bereits erwähnten Rogue-like Elemente ins Spiel. So bleibt letztendlich kein Spieldurchlauf vergebens und ihr könnt mit besseren Startbedingungen einen neuen Versuch starten.


Grafisch gibt sich Niche schlicht. Die Inseln fallen allesamt recht farbenfroh aus und die Vegetation wird tatsächlich so dargestellt, dass die Sicht eures Tieres im hohen Gras beschränkt ist. Das Spiel läuft durchgehend flüssig und es kam zu keinerlei Rucklern oder Performanceproblemen. Zudem wurde der Titel ins Deutsche lokalisiert, auch wenn vereinzelte Begriffe und Bezeichnungen bei der Übersetzung anscheinend übersehen wurden, da sie immer noch auf Englisch angezeigt werden.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Florian McHugh

Niche – A genetics survival game ist ein perfekter Kandidat für die 5 unseres Wertungssystem, denn das Spiel ist tatsächlich nur etwas für Genre-Fans. Wer sich schon immer nach einem Spiel gesehnt hat, in dem man die Evolution einer ganzen Spezies leiten und in dem die Weitergabe der eigenen Gene bis ins kleinste Detail simuliert wird, der wird mit Niche mehr als glücklich werden. Für alle anderen birgt dieser Titel jedoch mehr Frust als Lust, denn die vielen Spielmechaniken werden nur notdürftig erklärt und es ist nicht immer nachvollziehbar, wieso manche Kreaturen das Zeitliche segnen, während andere überleben. Hinzu kommt, dass der Titel an sich schlicht abwechslungsarm ist.

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