Kingdom Rush 1.25

Falls der eine oder andere unter euch arg die Stirne runzeln musste, als er auf diesen Test klicken wollte, kann ich es ihm nicht verübeln. Denn schließlich ist es gerade einmal etwas mehr als vier Wochen her, dass wir den Titel Kingdom Rush getestet haben und nun steht mit Kingdom Rush Origins bereits der Nachfolger in den Startlöchern, der gleichzeitig ein Prequel ist. Das Problem an der Sache für mich als Tester: Eigentlich hat sich an dem grundsätzlichen Spielprinzip im Vergleich zu Kingdom Rush rein gar nichts geändert und die wenigen Änderungen sind so marginal, dass man sie an einer Hand abzählen kann. Daher ist dieser Test nach einem etwas ungewöhnlichen Schema aufgebaut: All diejenigen, die den Test zu Kingdom Rush noch nicht gelesen haben, dürfen ab hier weiterlesen, denn es folgt eine minimal abgeänderte Version des ursprünglichen Tests. All diejenigen, die einfach nur daran interessiert sind, was Origins besser (und schlechter) als sein Vorgänger macht, die dürfen zum Ende springen und sich dort eine Zusammenfassung zu Gemüte führen.


Am ursprünglichen Spielprinzip hat sich absolut nichts verändert.

© Ironhide Game Studio

Das Spielprinzip von Kingdom Rush Origins unterscheidet sich in keinster Weise von der gängigen Konkurrenz des Genres: Auf einer Karte mit festgelegten Wegrouten bewegen sich Wellen von verschiedenen Gegnern auf ein Endziel zu. Eure Aufgabe ist es, die Angreifer im Idealfall komplett daran zu hindern, den Endpunkt zu erreichen. Realistischer ist es meistens jedoch, dass ihr zumindest nicht zu viele Feinde passieren lasst, sodass eure Lebenspunkte nicht auf null sinken. Damit euch dies gelingt, könnt ihr an festgelegten Punkten Türme bauen, die automatisch auf eure Feinde feuern und ihnen mal mehr, mal weniger Schaden zufügen. Ist es euch gelungen, alle Wellen abzuwehren, habt ihr den jeweiligen Level geschafft und dürft fortfahren. Wenn nicht, gilt es, vom Neuen zu beginnen. Kingdom Rush Origins verpackt das Gameplay in eine recht seichte und belanglose Fantasy-Geschichte, in der ihr das Elfenreich gegen eine dunkle Macht verteidigt, die eure Heimat erobern will. Die Handlung wird dabei zwischen den einzelnen Karten erzählt und dient auch oft als erzählerischer Vorwand, neue Turm-Verbesserungen einzuführen. Das alles reißt keine Bäume aus, es ist aber trotzdem schön, dass eine Geschichte vorhanden ist. Aus optischer Sicht kann Kingdom Rush Origins mit seiner bunten Cartoon-Grafik ebenfalls überzeugen, denn die vielen Level wissen immer wieder mit allerlei kleinen Details zu gefallen und bieten abwechslungsreiche Landschaften.


Spieltechnisch ufern die Verteidigungsschlachten auch nicht so extrem aus, wie man es von manch anderen Genrevertretern kennt. Im Grunde habt ihr nämlich nur vier Basistürme zur Auswahl: Ein Pfeilturm, der schnell feuert und einzelne Ziele aufs Korn nimmt, ein Magierturm, der langsamer feuert, aber vor allem gepanzerten Feinden ordentlich zusetzt, eine Kanone, die Flächenschaden verursacht sowie eine Kaserne, aus der Soldaten kommen, die gegnerische Einheiten in den Nahkampf verwickeln und sie so stationär binden. Jeder dieser Türme lässt sich zudem bis zu zweimal verbessern und danach habt ihr noch die Wahl zwischen zwei verschiedenen Möglichkeiten für Spezialisierungen, die mit jeweils unterschiedlichen Sonderfertigkeiten aufwarten, sodass euch letztendlich acht Türme zur Verfügung stehen. Daneben habt ihr noch die Möglichkeit, eine Miliz auf das Schlachtfeld zu platzieren, die wie Soldaten den Gegner im Nahkampf binden und einen Feuer-Flächenzauber sowie Helden, die ihr im Laufe des Spiels freischaltet und direkt steuern könnt.


Die Handlung wird in Form kleiner Comic-Strips fortgeführt.

© Ironhide Game Studio

Was im ersten Moment nach nicht allzu viel klingt, wird euer planerisches Geschick bereits recht früh beanspruchen. Denn euer Bauplatz ist begrenzt und es will wohlüberlegt sein, ob man nun auf mehrere schwächere Türme setzt und so eine größere Fläche abdeckt oder sich lieber auf ein paar verbesserte Türme verlassen soll, bei denen das Risiko besteht, dass einzelne Gegner durchschlüpfen können. Gerade zu Beginn eines Levels kann eine falsche Entscheidung bereits ab der mittleren Schwierigkeitsstufe dazu führen, dass man zähneknirschend den Neustart-Button betätigen muss. Kingdom Rush Origins schenkt euch bereits nach dem Tutorial nichts und wer eine 3-Sterne Bewertung erhalten will, der wird nach der optimalen Herangehensweise tüfteln müssen. Denn je weniger Leben ihr verliert, desto mehr Sterne erhaltet ihr bei Abschluss eines Levels. Diese könnt ihr wiederum in permanente Verbesserungen für eure Türme investieren, wobei diese durchgehend passiver Natur sind und mehr Schaden, Geschwindigkeit oder einen größeren Angriffsradius mit sich bringen. Die Gegnervielfalt speist sich aus dem typischen Fantasy-Bösewicht-Einmaleins: Orks, Trolle, Riesenspinnen, Barbaren, dunkle Ritter, Geister, Elementare und viele mehr wollen eurem Königreich an den Kragen. Dabei bringt jeder Gegnertyp seine eigenen Stärken und Schwächen mit sich. Während zum Beispiel die dunklen Ritter über einen Pfeilangriff nur lachen können, setzt ihnen ein gut platzierter Magieturm ziemlich zu. Die Wargen rennen schnell über die Karte und sollten am besten mithilfe von Soldaten aus der Kaserne durch den Nahkampf gebunden werden, doch wehe ihr versucht diese Strategie mit den Meuchelmördern, denn die machen mit euren Soldaten kurzen Prozess, halten aber dafür sonst kaum etwas aus. Ihr seht also, Kingdom Rush Origins bedient sich eines recht simplen, aber effektiven Schere-Stein-Papier-Systems, bei dem es nicht reicht, einfach alle Sterne in eine Turmgattung zu stecken und die Karte mit diesen vollzupflastern. Dazu kommen immer wieder einige Spezial-Events, wenn plötzlich meterhohe Konstrukte als eine Art Endboss über die Karte marschieren und mit der geballten Macht eurer Verteidigungskräfte zu Fall gebracht werden müssen.


Der große Vorteil von Kingdom Rush Origins besteht darin, dass das Spiel absolut flüssig auf der Nintendo Switch läuft und es selbst bei größeren Gegnermassen zu keinerlei Rucklern oder dergleichen kommt. Die Steuerung ist schnell erlernt und simpel, die musikalische Untermalung nicht wirklich erwähnenswert und für alle Fans deutscher Lokalisationen sei noch angemerkt, dass das Spiel komplett übersetzt wurde.


Was sich im Vergleich zu Kingdom Rush geändert hat:


Die Änderungen, die Kingdom Rush Origins im Vergleich zu seinem Vorgänger eingeführt hat, fallen recht marginal aus und sind an einer Hand abzuzählen. Dazu gehören:

  • Eine leicht verbesserte Optik inklusive flüssigeren und häufigeren Animationen.
  • Ihr verteidigt nun das Elfen-Königreich gegen eure Feinde.
  • Die Möglichkeit, die Fertigkeiten eurer Helden individuell aufzuwerten.
  • Es gibt einige neue interaktive Elemente auf den Karten, wie magische Pflanzen, die Geschosse abfeuern, wenn ihr sie aktiviert.
  • Die Handlung wird in Form kleiner Comic-Strips unterstützend fortgeführt.


Davon abgesehen hat sich nichts weiter geändert. Kingdom Rush Origins ist letztendlich eine aufgehübschte Version des Vorgängers, die mit neuen Skins für die Türme und Einheiten aufwartet. Diese erscheinen im ersten Moment frisch und neu, entpuppen sich aber, bis auf einige Fertigkeiten, als 1:1 dieselben wie schon in Kingdom Rush. Statt dass es nun einen Magierturm gibt, der nach einer Spezialisierung einen Golem beschwören kann, gibt es nun einen Druidenturm, der nach seiner Spezialisierung einen magischen Bären beschwört. Auch die Gegner haben sich nicht allzu stark verändert, was das absolut identische Spielgefühl im Vergleich zum Vorgänger aufkommen lässt. Verbesserungen, wie die Möglichkeiten der Individualisierung eurer Helden sind hingegen eine erfrischende Abwechslung, denn nun könnt ihr eure Recken ganz nach euren Vorlieben gestalten und sie eher defensiv oder offensiv auslegen. Andere Neuerungen, wie die zusätzlichen interaktiven Elemente, sorgen wiederum dafür, dass das Spielgeschehen unnötig hektisch wird. Auf späteren Karten gibt es nämlich einige solcher „Hilfen“, die jedoch erst umständlich mit dem Analogstick angesteuert oder per Touchscreen-Steuerung angetippt werden müssen. Gleichzeitig können diese Elemente so wichtig sein, dass ihr es euch fast nicht leisten könnt, diese zu ignorieren. So kommt eine eher erzwungene Unruhe ins Spiel, die es meiner Meinung nach nicht gebraucht hätte. Ihr seht also, mit Kingdom Rush Origins bekommt ihr mehr vom Selben serviert. Wer den Vorgänger bereits durchgespielt hat und Nachschub benötigt, der wird sich freuen. Wer komplett neu in die Serie einsteigt, dem würde ich gleich den Griff zu Kingdom Rush Origins empfehlen.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Florian McHugh

Jetzt mal Butter bei die Fische: Kingdom Rush Origins ist ein recht offensichtlicher Reskin seines Vorgängers, der mit einigen wenigen Neuerungen daherkommt, von denen leider nicht einmal alle so optimal sind. Ja, die Optik wurde aufgebohrt, die Animationen sind hübscher und es ist mitunter auch mehr auf den Karten los und auch die Tatsache, dass ich meine Helden nun individuell optimieren kann, ist eine feine Sache. Aber wieso musste man das Kerngameplay, das später mitunter recht hektisch werden kann, nun noch um weitere interaktive Elemente erweitern? Auf den fortgeschrittenen Karten finden sich später immer mehr Gegenstände, Verbündete oder Pflanzen, die man aktivieren kann, um den Gegnern noch zusätzlichen Schaden zuzufügen und das klappt mit der Analogsteuerung der Nintendo Switch eher schlecht als recht. Natürlich kann man auch auf die Touchscreen-Steuerung ausweichen, aber hier habe ich in der Hektik auch häufiger mal daneben gedrückt, sodass mehr Frust als Lust aufkam. Dass die Erzählung der generischen 0815-Handlung nun noch von kurzen Comic-Strips unterstützt wird, ist ganz nett, macht den Kohl aber letztendlich auch nicht fett. Kingdom Rush Origins bleibt im Kern also wie sein Vorgänger ein sehr gutes Tower Defense-Spiel, dass sich von diesem aber nicht stark abheben kann und damit trotz kleiner Verbesserungen die Aufwertung zur 8 ganz klar verpasst hat.
Mein persönliches Highlight: Immer noch die herausfordernden Karten

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 2

  • Knoso

    sTÜRMER

    Das Spielprinzip ist aber auch gut umgesetzt. Ich war damals froh, dass es einen Nachfolger gab.

  • flxwitte

    Turmheld

    Als Handy/Tablet Spiel ist die Reihe auch super...Auf der Switch kann ich mir das eher nicht all zu gut vorstellen, zumal man gerade zu den iOS Geräten auch keinen Vorteil in der Anzeigequalität hat...