Die energetische Verbundenheit zweier Pixel, die sich nie treffen (dürfen)

Gibt man bei einer beliebigen Suchmaschine den Begriff „Puzzle-Platformer“ ein, könnte das präsentierte Ergebnis nicht vielfältiger ausfallen. Puzzle-Spiele gibt es wie Sand am Meer und das Rad neu zu erfinden und frischen Wind in die immer gleichen Knobelspiele zu bringen, ist häufig nicht ganz einfach. Auch das Genre der Platformer ist, mit dem in den letzten Jahren aufgekommenen Pixel-Retro-Hype, mit massig Spielen überflutet worden. Zudem ist die Kombination aus Platformer und Puzzle-Spiel auch nicht gerade trennscharf definiert. Kein leichtes Unterfangen also, um da nicht ganz hinten in der Genre-Schublade zu verschwinden und es zu schaffen, dass man mit seinem Spiel aus der Masse heraussticht. Doch lasst euch von dem minimalistischen Look von Deleveled nicht täuschen. Hinter dem schlichten Grafikgrundgerüst verbirgt sich ein forderndes, Knoten im Kopf verursachendes Knobelspiel mit Geschicklichkeitseinlagen, was euch lange vor den Bildschirm eurer Nintendo Switch fesseln könnte.


Der kleine Puzzle-Snack für zwischendurch


Das Spielprinzip ist simpel und schnell erklärt. Ihr steuert zwei kleine neonfarbene Pixel zeitgleich, wahlweise mit einem der Analog-Sticks oder dem Digitalsteuerkreuz, nach links oder rechts durch einen der zahlreichen Level. Diese sind aber prinzipiell durch eine Ebene in der Mitte voneinander getrennt, welche jeweils den Boden für die beiden Pixel darstellt. Zudem können, beziehungsweise sollten, sich die Beiden niemals treffen – da sie sich sonst gegenseitig eliminieren – allerdings können sie die jeweils aufgenommene Energie des Partners gegenüber auf den anderen übertragen. Diese essentielle Eigenschaft müsst ihr euch zu Nutze machen, denn eine Möglichkeit, wie das eigenständige Springen, ist den kleinen Würfeln verwehrt. Als weitere Funktion bleibt nur noch das Zurücksetzen von ihnen auf die Startposition sowie in späteren Leveln das Bewegen von Plattformen oder sogar des ganzen Levelkonstruktes. Damit wäre das gesamte Spielprinzip dann auch schon erklärt.


Habt ihr nacheinander alle Schalter aktiviert, erscheinen die beiden Portale, die euch zum nächsten Level katapultieren.

© ToasterFuel LLC / The Quantum Astrophysicists Guild

Los geht es mit ein paar einfachen Übungen. Ein Pixel auf dem Boden, einer auf einer Anhöhe. Ich gleite mit den beiden nach rechts, bis sich der eine wie ein Lemming gen Abgrund stürzt. Die gesamte Energie wird von seinem Pixelpartner gegenüber vollständig aufgenommen und von nun an springen sie wie bei einem Kugelstoßpendel freudig hin und her – beziehungsweise hoch und runter. Weiter rechts befindet sich der rettende Ausgang, gekennzeichnet durch ein blau schimmerndes Portal – eins für jeden Pixel, versteht sich. Ich gleite also weiter nach rechts, während die Pixel immer noch fröhlich hin und her springen. Da sich für den oberen kastenförmigen Freund der Ausgang auf einer weiteren Anhöhe befindet, muss ich im passenden Moment nach rechts steuern, um den oberen, in luftigen Höhen befindlichen Pixelkollegen, auf die Anhöhe zu befördern. Ein kleines Feuerwerk und das Zerspringen der Pixel in mehrere Teile suggeriert es: Das Level ist erfolgreich und ohne Fehler absolviert. Zusätzlich winkt ein Stern als Belohnung. Nahtlos fliegen die Teilchen zur nächsten Knobelei, fusionieren wieder zu zwei Pixeln und die Rätselfreude beginnt vom Neuen.


Einen zusätzlichen Anreiz, ein Level unbeschadet und ohne manuelles Zurücksetzen zu schaffen, ist der besagte Stern, den man für das perfekte Lösen eines Levels erhält. Schafft man es in einer Welt, 10 davon abzustauben, kann man ein weiteres Bonus-Level freischalten. Gerade in den späteren Welten ist es fast unmöglich, im ersten Durchgang ein Rätsel zu knacken, daher ist ein weiteres Durchspielen durchaus empfehlenswert, falls man auch alle zusätzlichen, freischaltbaren Knobeleien spielen möchte. Hinzu kommt noch die Aktivierung versteckter Kombinationen von Schalterpaaren. Falls ihr selbst nach der Lösung suchen wollt, dürft ihr den folgenden Spoiler-Kasten gerne überspringen. Für alle anderen kommt hier die Auflösung:



Wie der aufmerksame Leser vielleicht bemerkt haben könnte, muss man für den Puzzle-Platformer logischerweise auch eine gewisse Portion an Geschick mitbringen. Gerade in den späteren Leveln, wo es vermehrt spitze Fallen, Abgründe, bei Berührung auflösende Bodenplatten, die Schwerkraft selbst und andere Hindernisse und Gefahren gibt, ist gutes Timing gefragt. Erschwerend kommt hinzu, dass man beide Pixel dabei im Auge behalten muss. Das kann durchaus schon mal für einen Knoten im Kopf sorgen, aber das macht den Spaß an Deleveled aus. Die Belohnung ist umso größer, wenn man endlich herausgefunden hat, wie man an das vermaledeite letzte der vier Schalterpaare in einem Level kommt, um die Ausgangsportale freizuschalten. Ein schönes Detail: Sobald man ein Schalterpaar aktiviert hat, verändert sich beispielsweise sanft Kaleidoskop-artig der Level-Hintergrund oder es setzt ein seichter, halbtransparenter Schneefall ein. Simpel aber ansprechend und konsequent ist auch die gesamte grafische Präsentation von Deleveled.


Jede Welt präsentiert sich in einer anderen knalligen Farbe.

© ToasterFuel LLC / The Quantum Astrophysicists Guild

Die 10 Welten sind alle farblich voneinander differenziert und die kontrastreichen Gerüste, worauf der eigentliche Rätselspaß stattfindet, stechen dabei deutlich heraus. Ebenso lassen sich die beiden Pixel-Protagonisten sowie auch die Schalter durch die ausbleibende Vermischung von Farben und einem generell ruhigen Gesamtbild, sehr gut im Blick behalten. Erwähnenswert ist auch, dass die Entwickler einen Modus für Farbenblinde eingebaut haben, welcher Schattierungen auf die beiden Pixel und Schalter zaubert – sehr löblich! Gerade für den portablen Modus der Nintendo Switch ist das Spiel perfekt geeignet, denn die allgemeine Level-Präsentation wirkt auf einem großen Monitor oder Fernseher eher etwas verloren. Da hat Nintendos Konsole definitiv die Nase vorn gegenüber den anderen Plattformen.


Was einem während der Rätseleinlagen auf Dauer etwas nerven könnte, ist die monotone Chiptune-Musik, die recht einfallslos im Hintergrund dudelt. Jede Welt hat eine eigene musikalische Untermalung, hitverdächtig ist jedoch keiner der Titel und auch insgesamt sind sie nicht gerade abwechslungsreich. Zum Glück kann man in den Optionen die Geräuschkulisse bei Bedarf in der Lautstärke individuell anpassen. Etwas vermisst habe ich die Vielfalt an zusätzlichen Rätsel-Modi. Man kann die Level beispielsweise nicht mit einem zusätzlichen, vordefinierten Zeitlimit spielen und somit versuchen, Rekorde aufzustellen. Eine Rangliste bleibt durch das Fehlen solch eines Features damit ebenso aus. Persönlich habe ich in der Hinsicht nichts vermisst, aber es wäre eine willkommene Ergänzung gewesen. Ein kleines Anagramm-Easter-Egg noch zum Schluss: Lest mal Deleveled rückwärts.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von David Kuhlgert

Wenn es ein Spiel schafft, dass ich kurz vor dem Einschlafen doch nochmal hochschrecke, weil mir die vermeintliche Lösung für eine Rätselpassage eingefallen ist und ich zur Nintendo Switch greife, um mich dann ein paar Level später selbst daran zu erinnern, dass ich doch schlafen wollte, dann spricht der Umstand deutlich für das Spiel – in diesem Fall für Deleveled. Es ist der perfekte kleine Rätselhappen, um sich mal eben kurz die Nintendo Switch zu schnappen und seinen Präfrontalen Cortex ordentlich zu kitzeln. Das generelle Spielprinzip ist simpel, aber gerade in den späteren Welten wird es deutlich komplizierter. Die Ausgewogenheit des Schwierigkeitsgrades bezogen auf die hinzukommenden Features wie Fahrstühle, nur einseitig durchquerbare Wände und bei Berührung auflösende Untergründe, hätten etwas mehr Perfektion verdient, aber das ist Meckern auf hohem Niveau. Schließlich tickt jedes Hirn anders und die Herausforderungen nimmt bestimmt jeder etwas anders wahr. Erfreulicherweise bleibt das Spiel immer fair und frustfrei, denn einmal gedrückte Schalter werden bei Ableben oder dem manuellen Zurücksetzen nicht wieder deaktiviert und ihr habt auch kein Zeitlimit im Nacken sitzen. Ich hatte unfassbar viel Spaß mit dem Puzzle-Platformer, aber nun entschuldigt mich, der Perfektionist in mir ruft, denn ich habe in einigen Leveln noch nicht mein Fleißsternchen abgeholt und die geheimen Schalterkombinationen entdeckt ...
Mein persönliches Highlight: Die schlichte, auf das Wesentliche reduzierte grafische Präsentation und die süchtig machenden Rätselherausforderungen.

Awards

Spiele-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

0 User haben bereits bewertet