Ein letztes Fünkchen Hoffnung

Die unendlichen Weiten des Weltraums hinter sich gelassen, gehen es die Entwickler von No Man’s Sky in The Last Campfire ein wenig kompakter an: Nach mehrjähriger Arbeit und im kleinen Dreierteam kreierte Hello Games nun eine zauberhafte Welt, die sich zwischen Optimismus und Hoffnungslosigkeit abspielt. Wir begaben uns auf die Reise und suchten für euch nach dem letzten Fünkchen Hoffnung.


In The Last Campfire nehmt ihr die Rolle eines zurückhaltenden Glutwesens, genannt Ember, ein. Zu Beginn des Abenteuers verirrt ihr euch und wacht in einer unbekannten Welt auf. Selbst vollkommen verunsichert, trefft ihr auf zahlreiche Forlorns, denen ihr helfen möchtet. Forlorns waren ebenfalls einmal Glutwesen. Verlassen von jeglicher Hoffnung, verfallen diese nun in einen versteinerten Zustand. Mittlerweile ist auch klar, wo ihr euch befindet: Ihr seid an dem Ort, wo sich Forlorns zurückziehen, wenn sie ihren Glauben verloren haben. Das Spielgeschehen ist recht einfach erklärt. Ihr müsst die trostlosen Wesen wieder ermutigen und so aus ihrem versteinerten Zustand erwecken. Verstreut an insgesamt drei Orten – einem Wald, einem Moor und in einer Höhle – begebt ihr euch auf die Suche nach Besagten. Findet ihr einen, verblassen die Farben eures Hintergrundes und ihr befindet euch in dem zu lösenden Puzzle-Raum des verlorenen Wesens wieder. Habt ihr dieses gelöst, findet das jeweilige Forlorn zu neuem Mut und trifft sich mit den anderen geretteten Glutwesen am Lagerfeuer wieder.


Im Laufe des Spiels findet ihr so manch einen Forlorn, der seine Hoffnung verloren hat und erstarrt ist.

© Hello Games

Die Rätsel sind überwiegend recht kurz und nicht allzu schwer. Dennoch gibt es auch hier einige Ausreißer im Schwierigkeitsgrad und so manches bedarf dann doch einiger Überlegungen, um gelöst zu werden. Dabei wird auch die Umgebung gut eingebunden. So müsst ihr beispielsweise ein Schweinchen mit Früchten durch die Gegend locken, Steine nutzen, um euch den Weg freizuschieben, mal ein ganzes Areal überfluten, damit ihr zum nächsten Abschnitt paddeln könnt, oder die herumliegenden Stein-Frösche einsammeln, um die nächste Mission freizuschalten. Die Hintergrundgeschichten, die ihr während des Lösens erzählt bekommt, weisen allesamt eine traurige Stimmung auf und fügen sich in das Puzzle ein. So geht es zum Beispiel um einen Koch, der nicht an seine Fähigkeiten glaubt, verschiedene Forlorns, die sich in negativen Gedanken verloren haben oder auch einen Fischer, der sich nutzlos fühlt. Erzählt werden sie – aber auch die weiteren Geschehnisse im Spiel – von einer emotionalen Stimme aus dem Off; euer Glutwesen bleibt im kompletten Spielverlauf stumm. Mir persönlich hat diese Art der Erzählung gut gefallen. Sie bringt noch einmal eine gewisse Mysteriösität in das sowieso schon tiefsinnige Spiel ein.


Die Rätsel sind vom Grundprinzip zwar oftmals ähnlich, dennoch weisen sie eine große Vielfalt auf. Beispielsweise verfügt ihr über die Fähigkeit, bestimmte Objekte bewegen zu können. Ihr werdet im Laufe des Geschehens häufig auf Aufgaben stoßen, bei denen ihr euch den Weg freischieben müsst. Die Art und Weise, wie ihr dies tut, unterscheidet sich dann allerdings doch sehr. Einmal dürft ihr ein Feuer bei dem Bewegen von Steinen nicht ausblasen lassen, dann müsst ihr euch den Wind doch zunutze machen. Ein anderes Mal gilt es, Steine auf Plattformen zu platzieren, damit ihr euch von Ebene zu Ebene hocharbeiten könnt. Besonders in Retrospektive fällt dann doch auf, in wie vielen kleineren oder größeren Aspekten sich die Puzzle abgewechselt haben.


Während sich die Rätsel der düsteren Stimmung der Forlorns anpassen, ist die Spielwelt meistens sehr farbenfroh.

© Hello Games

Einen Haken hat The Last Campfire dann leider doch. So schön die Geschichte ausgearbeitet ist, so schlecht ist das Spiel technisch von Hello Games umgesetzt worden. Fast jede Animation, bei der das Bild herein- oder herausgezoomt ist, litt bei mir auf der Nintendo Switch unter Framedrops. Diese waren zwar nicht weltbewegend, jedoch trotzdem deutlich merk- bzw. sichtbar. Insbesondere im Zusammenhang mit der Häufigkeit, in der diese auftraten, dann doch ein wenig ärgerlich. Zweimal musste ich zudem das Spiel neu starten, da ich aufgrund von Glitches zum einen plötzlich zwischen zwei Steinen gefangen war, zum anderen eine Sequenz in Endlosschleife immer wieder erleben durfte und nicht mehr beenden konnte. Die unsichtbaren Stellen, an denen ich beim Gehen so manches Mal hängen blieb oder Bäume, durch die ich auf einmal gehen konnte, sind hier schon fast nicht mehr erwähnenswert. Schade, dass Hello Games hier vor Veröffentlichung nicht noch ein wenig ausgebessert hat, da der Titel ansonsten viel Potenzial vorweist.


Dennoch möchte ich den Test nicht mit einem negativen Punkt beenden, schließlich ist das Spiel – abgesehen vom technischen Standpunkt – durchaus empfehlenswert. Einen positiven Aspekt hat The Last Campfire nämlich dann doch noch: Die audiovisuelle Darstellung. Die Welten sind hübsch stilisiert und die Art der Darstellung der verschiedenen Figuren, wie der riesige Frosch, das verfressene Schwein oder sogar der mysteriöse Waldkönig, verleiht ihnen eine gewisse Grundsympathie. Auch die Hintergrundmusik wurde passend zum Rest des Titels gewählt. Jene ist nicht sonderlich aufdringlich, fügt sich mit einem gewissen Charme in die geheimnisvolle Welt mitsamt ihrer Rätsel ein und unterstreicht an den richtigen Stellen die vielen emotionalen Momente.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Maja Schenk

The Last Campfire ist ein kleines, feines Spiel, welches euch in den circa fünf Stunden Spielzeit ein paar Anekdoten über Hoffnung und Hoffnungslosigkeit erzählt und daneben viele Rätsel auf eine kreative Art und Weise lösen lässt. Die Welt ist schön gestaltet und die melancholisch angehauchte Hintergrundmusik fügt sich perfekt in das Gesamtbild ein. Leider wird dieses durch die schlechte technische Umsetzung getrübt. Hier hätte sich Hello Games gerne noch ein wenig mehr Zeit nehmen können, um die häufig auftretenden kleineren Ruckler auszuradieren. So bleibt es bei einem gelungenen Spiel mit viel Potenzial, dem es an einem letzten Fünkchen Feinschliff mangelt.
Mein persönliches Highlight: Die Darstellung der Spielwelt und die musikalische Untermalung.

Die durchschnittliche Leserwertung

2 User haben bereits bewertet

Kommentare 11

  • EineLegende

    er ist

    Cool, danke für den Test. Hab lange drauf gewartet. Schade, dass die Performance noch etwas schlecht zu sein scheint. Vielleicht folgt ja noch ein Patch demnächst. ;)

  • frutch

    erwachsenes Kind

    Das Spiel ist echt stimmig und die Rätsel sind abwechslungsreich. Leider ist die Performance wirklich unter aller Sau. Verstehe nicht, wie man einen Titel mit so vielen Einbrüchen und Lags veröffentlichen kann.

  • Cheerio Guy

    Turmknappe

    Einen Patch 1.0.2 gab es sogar kurze Zeit nach Release. Ich habe mir bisher aber nur sagen lassen, dass er an der Switch-Performance etwas gedreht hat. Selbst davon überzeugt habe mich noch nicht, da der Patch leider erst nach dem ersten Durchspielen erschien. Weiß jemand mehr?


    Technische Unzulänglichkeiten haben (zuvor) zwar sogar einzelne Rätsel unnötig erschwert, aber alles in allem wurde ich dennoch glücklich mit "The Last Campfire".

  • Holzkerbe

    sammelt <3 in moon

    Da bin ich direkt froh, es dank Apple Arcade nicht nur günstig, sondern auch mit vernünftiger Performance spielen zu können. Wobei auch auf meinem iPad mini (2019) ab und zu Framedrops auftreten. Insgesamt läuft es aber butterweich mit 60 BpS. Bin noch nicht ganz durch, unterschreibe aber sonst die Eindrücke des Autors. Ist ein richtig schönes, kleines, entspanntes wie melancholisches Spiel geworden. Gefällt mir sehr gut!

  • megasega2

    Turmbaron

    Die Framedrops und Ruckler sind übrigens sind übrigens kein reines Switch-Problem, die hab ich auf der PS 4 (Slim) bei dm Spiel auch, vor allem, wen ein Rätselraum lädt.

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Nach „die Entwickler von No Man's Sky“ habe ich den Wasserhahn voll aufgedreht, bei der Schilderung der Performance-Probleme war das Lagerfeuer schon gelöscht und ich durch den Nebel verschwunden...

  • Irves | Julian

    Moderator

    The Last Campfire ist sehr interessant und abwechslungsreich, aber auch kurzweilig (ca. sechs Stunden). Wie der Test schildert, gibt es natürlich gewisse Probleme mit der Performance, die ich schlussendlich aber nicht als störend genug empfunden habe, um das Spiel abzubrechen. Ich würde es auf jeden Fall weiterempfehlen.

  • Solaris

    Next Gen is coming.

    Scheint wohl wieder so ein Bananenprodukt zu sein, dass später beim Kunden (durch Patches) noch nachreift. ;)

    Wird dennoch irgendwann mal in Angriff genommen.

  • Motacilla

    Turmbaronin

    The Last Campfire ist sehr interessant und abwechslungsreich, aber auch kurzweilig (ca. sechs Stunden).

    Nun, kurzweilig ist das Gegenteil von langweilig. Klingt doch gut! Auch wenn es mit 6 Stunden recht kurz ist... ;)

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Wieso gibt es eigentlich kein “mittelweilig“?

  • Deny

    Turmheld

    So ein schönes Spiel.


    Ich hatte auch keine Performanceprobleme, oder sie sind mir nicht aufgefallen.

    Nur das manchmal nach dem Lösen eines Rätsel ein Dialog war. Bei diesem Zoom war der Kamera etwas im Weg.