Welten prallen aufeinander

Ende August, knapp eineinhalb Jahre nach der initialen Veröffentlichung für Xbox One, PlayStation 4 und PC, erschien Jump Force in der Deluxe Edition, welche alle bisherigen Erweiterungen und einen exklusiven Spielmodus umfasst, auch für die Nintendo Switch. Der Crossover-Prügler mit Charakteren aus dem "Shonen Jump"-Universum darf fortan auch unterwegs genossen werden. Ob das spektakuläre Prügelspiel etwas taugt, erfahrt ihr im nachfolgenden Text.


Kämpft an der Seite eurer Kindheitsidole


Bei Jump Force: Deluxe Edition handelt es sich um einen 3D-Prügler. Anders als bei vielen anderen Kampfspielen bewegt ihr euch hier dreidimensional in einer großflächigen Arena fort. Zudem habt ihr abhängig vom Spielmodus die Möglichkeit, als Team von bis zu drei Charakteren anzutreten, zwischen denen ihr während des Kampfes wechseln dürft. Ziel ist es, die Lebensanzeige eures Gegenübers auf Null zu bringen. Dies erreicht ihr mit blitzschnellen Schlagkombinationen oder mithilfe eurer zumeist spektakulär inszenierten Fertigkeiten, wovon jeder einzelne der über fünfzig spielbaren Charaktere jeweils vier Stück besitzt. Damit ist das Grundprinzip des Spiels zusammengefasst.


In der Charakterauswahl erhaltet ihr alle Informationen über die einzelnen Figuren auf einen Blick.

© Bandai Namco Entertainment

Beim erstmaligen Start von Jump Force: Deluxe Edition werdet ihr gleich mit dem Story-Modus vertraut gemacht. Abseits der herkömmlichen, kompetitiven Modi sollen auch Solisten beschäftigt werden. Ihr werdet von einer bildratentechnisch schwachen Introsequenz begrüßt, in der Kultbösewicht Freezer mit einer Armee von sogenannten Venoms Chaos in der Innenstadt von New York stiftet. Kurz darauf taucht Son Guko auf und ein wildes Gefecht zwischen den beiden entbrennt. Dabei werdet ihr, ein herkömmlicher Zivilist, verwundet. Zum Glück werdet ihr rechtzeitig von Trunks gefunden und mithilfe des Roboters Navigator und eines Umbra-Kubus gerettet. Fortan dürft ihr als Held an der Seite der Jump Force, eine Vereinigung aus all euren Kindheitsidolen, kämpfen.


Das Aussehen eures Helden dürft ihr selbst bestimmen. Hierbei dürft ihr auf einen reichhaltigen Editor zurückgreifen. Von der passenden Gelfrisur bis hin zur ikonischen Gesichtsbemalung dürft ihr nach Herzenslust euren Helden formen. Mit Klamotten und Zubehör aus den im Spiel verwursteten Universen könnt ihr eurem Charakter noch den letzten Schliff verleihen. Darüber hinaus dürft ihr natürlich auch den Kampfstil eurer Eigenkreation bestimmen. Entscheidet ihr euch für den Kampf mit einer Klingenwaffe, tritt wenig später die erste Ernüchterung auf den Plan: Euer Charakter schwingt nur ein lausiges Energieschwert. Dies lässt sich auch nicht durch den Erwerb von Zubehör in Form eindrucksvoller Waffen ändern. Diese trägt er zwar dann auf dem Rücken, doch wird eure Spielfigur sie niemals in die Hand nehmen.


Anschließend findet ihr euch in der Lobby wieder. Diese ist insgesamt liebevoll gestaltet und kommt mit einprägsamer Hintergrundmusik daher. Spielt ihr online, werden euch dort auch vereinzelt Charaktere anderer Spieler über den Weg laufen. Um die Fortbewegung zu beschleunigen, dürft ihr jederzeit auf kleine Vehikel zurückgreifen, die man aus dem "Shonen Jump"-Universum kennt. Die Lobby dient als Hub, von dem ihr auf die unterschiedlichen Optionen und Modi des Spiels zugreifen könnt. Darüber hinaus könnt ihr dort Kleidung, Verbrauchsgegenstände sowie Fertigkeiten von eurer hart verdienten Ingame-Währung erwerben. Ein besonderes Schmankerl stellen die Hauptquartiere der drei Teams, zwischen denen ihr zu Beginn wählen dürft, dar. Diese sind jeweils nach den Universen der Anführer gestaltet. Je nach Wahl startet ihr mit anderen Spezialfertigkeiten ins Spiel, ansonsten hat diese keine Auswirkung auf das Geschehen.


Die individuellen Kampffertigkeiten der spielbaren Charaktere werden spektakulär in Szene gesetzt.

© Bandai Namco Entertainment

Die Geschichte von Jump Force: Deluxe Edition lässt sich am ehesten als nette Dreingabe bezeichnen. Sie fängt vielversprechend an, entfaltet sich aber niemals richtig. Das liegt nicht zuletzt daran, dass die Charaktere nur stellenweise vertont sind und es zumeist nach demselben Prinzip vonstattengeht. Chef Glover erhält Berichte über einen mit einem bösen Umbra-Kubus infizierten Fiesling oder eine Truppe des gemeinen Fußvolks, den Venoms, und schickt euch in Begleitung einer weiteren Person zur entsprechenden Stelle, wo ihr dann die Fäuste sprechen lasst. Größtenteils endet das damit, dass sich ebendiese Person im Nachhinein der Jump Force anschließt. Selten wird diese Routine durch eine vollvertonte Zwischensequenz aufgelockert, die über die steifen Textdialoge hinausgeht.


Das Genre der Prügelspiele ist allerdings sowieso nicht für seine ausgefeilten Handlungen bekannt. Vielmehr steht das Kompetitive im Vordergrund. Hier glänzt Jump Force mit einer Vielzahl an unterschiedlichen Spielmodi. So könnt ihr nicht einfach nur gegen eure besten Freunde spielen sowie euer Können online unter Beweis stellen, sondern ihr könnt euch auch zusammentun und in bester Tag-Team-Manier aufräumen. Spielt ihr gegeneinander, teilt ihr euch übrigens einen Bildschirm. Was zuerst chaotisch und unübersichtlich klingt, stellt sich als weniger problematisch dar, als eingangs befürchtet. Die lokalen Kämpfe gegen Freunde machen dank ihrer Kurzweiligkeit und der starken Inszenierung wirklich Spaß. Darüber hinaus kommt die Nintendo Switch-Fassung mit einem exklusiven Modus daher. In diesem kämpft ihr drei gegen drei, wobei jeder Spieler jeweils einen Charakter übernimmt.


Obwohl es sich zunächst danach anhört, müssen die Charaktere nicht erst freigespielt werden, bevor ihr sie benutzen könnt. Für die Schlüsselmissionen bekommt ihr sowieso die Charaktere vorgegeben, die euren eigenen Helden im Kampf unterstützen. In den Nebenmissionen dürft ihr euer Trupp selbst zusammenstellen, nicht mal eure Eigenkreation muss Teil davon sein. Jeder einzelne Charakter verfügt über einen Level, den ihr mit gewonnenen Gefechten und den daraus resultierenden Erfahrungspunkten steigern könnt. Jedes neue Level hebt automatisch die Attribute des jeweiligen Charakters an. Was zunächst nach einem löblichen System klingt, schränkt jedoch die Experimentierfreudigkeit ein, da ihr dazu verleitet werdet, jedes Mal mit demselben Trupp zu spielen, da die bereits aufgelevelten Figuren mehr einstecken und austeilen können. Da das Spiel mit seiner gewaltigen Auswahl an verschiedenen Charakteren wirbt, wirkt diese Funktion also ziemlich deplatziert.


Die dreidimensionale Darstellung steht nicht allen Charakteren gut. Die "Dragon Ball"-Figuren sehen jedoch zumeist ziemlich gut aus.

© Bandai Namco Entertainment

An den Charakteren selbst bleibt wenig auszusetzen. Diese sind alle recht detailliert mithilfe der Unreal Engine 4 nachgebaut worden, wobei manche eine bessere Figur in 3D machen als andere. Darüber hinaus verfügen sie über ihre ikonischen Kampffertigkeiten und kehren in Dialogen ihre Persönlichkeiten nach außen. Dass man sich dabei viel Mühe gegeben hat, zeigen all die liebevollen Details, die in deren Umsetzung geflossen sind. Sanji kann beispielsweise nicht richtig mit Frauen kämpfen und bewirft diese stattdessen mit Herzen, außerdem tragen die Charaktere mit fortschreitender Kampfdauer optische Blessuren davon. Apropos Frauen, leider unterliegt deren Anteil im Roster massiv. Hier kann allerdings noch nachgebessert werden, denn der zweite Erweiterungspass wurde ja bereits angekündigt.


Die Kämpfe selbst machen optisch etwas her und gehen recht zügig vonstatten. Da sich euer Team einen Lebensbalken teilt, dauern die Gefechte normalerweise nicht länger als drei Minuten. Die Steuerung ist hierbei relativ unkompliziert. Es gibt eine Taste für leichte und eine für schwere Angriffe. Beide können durch das Halten des jeweiligen Knopfes aufgeladen werden. Zudem könnt ihr mithilfe einfacher Tastenbefehle blocken, ausweichen, eurem Gegner folgen, Charaktere wechseln und euch aufladen, um eine eurer Kampffertigkeiten auszuführen. Letztere bedürfen auch keiner komplizierten Tastenfolge, sondern können ganz einfach mithilfe der rechten Schultertaste plus A-, B-, X- oder Y-Knopf ausgelöst werden. Gute Reflexe werden mit schnellen Ausweichmanövern oder Gegenangriffen belohnt. Mit fortschreitender Kampfdauer füllt sich zudem eure Erwachenanzeige. Diese muss mindestens zur Hälfte gefüllt sein, um einen besonders mächtigen Angriff starten zu können. Ist die Anzeige voll, könnt ihr eure Spielfigur auch temporär transformieren, was nicht selten mit einem Attributsboost und optischen Veränderungen einhergeht. Zusätzlich könnt ihr mit aufgeladener Erwachenanzeige und einem vollends aufgeladenen Schlag ein Event auslösen, worin die Kampfteilnehmer einen wuchtig dargestellten Gebietswechsel vollziehen.


Aufgrund der wenig anspruchsvollen Spezialangriffe stellt sich jedoch keine Progression ein, welche man von anderen Prügelspielen her kennt, wo man nach jedem Kampf mit dem eigenen Lieblingscharakter das Gefühl hat, diesen und dessen Techniken immer mehr beherrschen zu können. Zudem fühlt sich die Steuerung niemals richtig responsiv an, was nicht zuletzt daran liegt, dass ihr mithilfe einfachen Tastenhämmerns trefferreiche Kombi verteilen könnt. Zusätzlich spielen sich alle Charaktere unabhängig von deren Statur ähnlich. Und die zwar wahnsinnig toll inszenierten Kampffertigkeiten können nach mehrmaligem Ausführen nerven, da die Sequenzen nicht selten den Spielfluss unterbrechen und ihr diesen nur verdammt schwer ausweichen könnt.


Ein Effektgewitter sondergleichen


Technisch macht das Spiel auf der Nintendo Switch eine tolle Figur. Zwar geht die Bildrate allen voran in Zwischensequenzen sowohl im Handheld- als auch im TV-Modus gelegentlich in die Knie, allerdings erreicht es niemals den Punkt der Unspielbarkeit. Aufgrund der niedrigeren Auflösung sieht das Bild hin und wieder etwas verwaschener aus als auf den anderen Plattformen. Unterm Strich bleibt allerdings ein schönes Spiel übrig, was trotz der Limitierung nicht mit Details geizt. Die Kampffertigkeiten sind, wie bereits erwähnt wurde, spektakulär inszeniert und lassen somit das Fan-Herz höher schlagen. Die Hintergründe der einzelnen Kampfgebiete sind schön gestaltet und vermischen meist reale Ortschaften mit Elementen aus den Mangas bzw. Animes. So prügelt ihr euch auf dem Time Square oder am Rande von San Francisco mit der Golden Gate Bridge in Sichtweite.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Felix Kraus

Jump Force glänzt vor allem in den ersten paar Stunden mit seiner verhältnismäßig tollen Optik und Detailverliebtheit. Jeder der über fünfzig Charaktere hat seine eigenen Kampffertigkeiten, die allesamt schön anzuschauen sind. Es simuliert die actiongeladenen Kämpfe, die man aus Mangas und Animes kennt, verdammt gut. Die Ernüchterung stellt sich leider im Hinblick auf die Langzeitmotivation ein. Es findet keine wirkliche Progression statt, man wird also nicht zwingend besser in dem Spiel. Simples Button Mashing und übermächtige Spezialfertigkeiten führen nicht selten zum unverdienten Sieg. Jump Force kann spielerisch einfach nicht mit der vorherrschenden Konkurrenz im Prügelspielsektor mithalten und degradiert so relativ zügig zum kurzweiligen Gelegenheitsprügler, wenn einem mal der Sinn nach Effektgewitter steht.
Mein persönliches Highlight: Die liebevoll gestalteten Charaktere und deren toll inszenierte Kampffertigkeiten.

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 5

  • Tomaru

    M&M - Minish Mage

    Ist mir egal wer was sagt, ich liebe das Spiel :D

  • Zach

    Turmritter

    Schöner Test, dem eigentlich nicht viel hinzuzufügen ist.

    Gerade die coole Präsentation lässt den Titel immer mal wieder in meine Switch wandern, auch wenn er spielerisch jetzt nicht gerade ein Schwergewicht ist.

  • BANJOKONG

    Sony sucks

    oh schade, ich wollte es mir irgendwann holen wollen

  • frechDAkkS

    Turmknappe

    Danke für den Test. Ich hatte das schon im Auge, aber gerade Progression wäre mir sehr wichtig gewesen. Naja mal sehen vielleicht für einen schmalen €!

  • Tsuki Uzumaki

    Turmknappe

    Ich finde eine 6 ist sogar zu viel

    Klar es sieht optisch gut aus, aber sonst bietet es recht wenig

    Man hätte so viel mehr daraus machen können

    Ich denke 4-5 wäre passender