Bin ich zu laut, bist du zu schwach

Jeden Tag dieselbe Leier, um 8 Uhr klingelt der Wecker, kurz frisch machen, zur Arbeit gehen, den täglichen madigen Job am Band erledigen, heimkommen, die sich immer wiederholenden stinklangweiligen Sendungen anschauen, danach ins Bett fallen und am nächsten Tag das gleiche Prozedere. Immer und immer und immer wieder. Wenn dann noch eines Nachts um 3 Uhr in der Nähe eine riesige Party steigt mit heftig lauter Mucke und rumbrüllenden, besoffenen Gästen, ist das Fass vollends übergelaufen. Dieser Party muss ein Ende gesetzt werden und hierfür gehe ich über Leichen.


So in etwa beginnt Party Hard 2, der Nachfolger von Party Hard, der für PC 2015 erschien und für die Nintendo Switch 2018. Den zweiten Teil gibt es für PC-Zocker seit 2018, während Konsoleros erst jetzt in den Genuss des Party-verabscheuenden Massenmörders kommen. Vor jeder Episode wird in einer animierten Zwischensequenz die Handlung gezeigt. Meistens in Form eines Interviews, das über die einzelnen Tatorte des „Party Hard-Killers“ geführt wird. Eine Blockbuster-Geschichte darf zwar nicht erwartet werden, ganz nett sind die Zwischensequenzen, die auf Englisch vertont und mit deutschen Untertiteln versehen sind, dennoch.


Nicht einmal vor Krankenhauspartys wird halt gemacht.

© tinyBuild

Am Grundprinzip zum Erstlings hat sich nicht viel geändert, das Spiel ist in Pixeloptik gehalten und zeigt eine 3D-Umgebung, die ihr aus der Vogelperspektive durchstreift. In insgesamt 14 Level, die jeweils andere Partylocations zum Inhalt haben, macht ihr euch daran, jede Party einmal so richtig zu crashen und mit Leichen zu pflastern. Denn Partys sind böse, zumindest für unseren schlaflosen Party-Hard-Killer. Hierbei bewegt er sich, anfangs nur mit einem Messer bewaffnet, in die lärmende Location und muss, so gut es geht, möglichst heimlich markierte Personen um die Ecke zu bringen. Ermordete Gäste können im besten Falle in Containern oder anderen Behältnissen versteckt werden, denn sollte der kaltblütige Mord gesehen werden, wird sofort die Polizei gerufen. Ob euch ein Partygast auf frischer Tat ertappt, erkennt ihr anhand einer visuellen Linie, die einen Augenkontakt zu euch darstellt. Taucht ein Telefonsymbol über einen Zeugen auf, heißt es, rasch handeln und den Beobachter aus dem Weg räumen. Gelingt dies nicht, erscheint eine Handschelle über eurem Kopf und ihr müsst eine gewisse Zeit lang vor der Polizei flüchten. Allerdings ist dies in den seltensten Fällen erfolgreich, denn einmal auf dem Schirm der Cops, wissen diese sofort, in welcher Ecke der Map ihr zu fliehen versucht bzw. wo ihr euch versteckt. Der Killer kann zwar sprinten, allerdings ist die Ausdauer sehr gering, weswegen er nie sonderlich weit entkommen kann.


Sobald die Cops euch erwischt haben, heißt es Game Over und ihr dürft die Mission von Beginn spielen. In manchen Leveln tummeln sich außerdem Schlägertypen, die mit einem Augensymbol über ihren Häuptern markiert sind. Diese greifen ebenfalls bei Sichtkontakt sofort an und töten euch mit nur einem Schlag. Die meisten Missionen erfordern deshalb mehr als nur einen Versuch, was durchaus sehr frustrierend enden kann. Pro Level könnt ihr durchaus 20 – 30 Minuten investieren, um euren perfiden Mordplan über die Bühne zu bekommen. Wird euch dann ein Polizist oder Schlägertyp erwischen, ist der Frust- sowie Wutfaktor sehr hoch. Polizisten können aber andererseits auch durchaus eure Kumpanen werden: Entkommt ihr ungesehen vom Tatort und ein weiterer NPC ist zufällig noch in der Nähe der Leiche, wird dieser als der Mörder beschuldigt. Während ihr nun seelenruhig durch die Location streift, könnt ihr beobachten, wie ein Unschuldiger gerade euretwegen abgeführt wird.


In diesem Level versucht ihr, eine Person in einem U-Bahn-Netz abzufangen.

© tinyBuild

In den abwechslungsreich designten Leveln gibt es mehr als nur eine Art zu morden. Getränke-Behälter können mit Säure vergiftet werden, um den Feiernden einen langsamen Tod zu bescheren. Musikboxen und andere Gerätschaften können manipuliert werden, sodass diese neben den Gästen explodieren und sie in den Tod reißen. Ein herumstehendes Auto kann gestartet werden, damit es losfährt und alle Menschen überrollt, die sich gerade auf der Fahrbahn befinden. Außerdem können Gegenstände miteinander kombiniert werden: Habt ihr einen Ölbehälter und eine Flasche mit Fusel, mixt ihr einfach einen Molotowcocktail zusammen. Die vielen manipulierbaren Gegenstände laden sehr zum Experimentieren ein, um die perfekten Morde zu vollführen. Allerdings bleibt euch auch nichts anderes übrig, denn das Spiel verzichtet komplett auf ein Tutorial, ihr werdet also in die erste Mission geschmissen, ohne irgendwelche Erklärungen zu erhalten. Um die Suche nach verwendbaren Gegenständen zu vereinfachen, kann per Knopfdruck ein Instinkt ausgelöst werden, der alle verwendbaren Sachen optisch hervorhebt.


Am linken Bildschirmrand seht ihr Missionsaufgaben, die zum Abschließen der Missionen erfüllt werden müssen. Dabei gibt es mehrere Optionen zur Auswahl, um das Ende zu erreichen. In den meisten Fällen reicht es aus, markierte Ziele zu eliminieren oder auch einfach jeden Einzelnen um die Strecke zu bringen, was oftmals mindestens 60 Personen sind. Die gesamte Party komplett zu säubern, macht aber am meisten Spaß, da ihr so eure wahren Killerinstinkte erproben könnt. Langsam merzt ihr einen nach dem anderen aus und versucht, größere Herden mithilfe von diversen Hilfsgegenständen auseinanderzutreiben. Der Killer hat zudem eine Spezialfähigkeit, mit der er jede Person im Umkreis eines kleinen Bereichs direkt auslöschen kann. Insgesamt habt ihr die Wahl zwischen vier Mördern, wobei anfangs nur zwei zur Auswahl stehen. Der zweite Charakter, der Möchtegern-Killer, vereinfacht das Spiel etwas, da ihm von Anfang an ein Elektrotaser zur Auswahl steht, als auch eine längere Sprint-Ausdauer. Später schaltet ihr noch zwei weitere Charaktere frei, die beide ebenfalls eigene Fähigkeiten haben, wie zum Beispiel einen Unsichtbarkeitsmodus.


Wem das Killen alleine zu langweilig ist, kann auch einen zweiten Spieler an Bord des Schlachter-Schiffs anheuern. So durchstreifen zwei Spieler die Partys und meucheln was das Zeug hält. Sobald einer von den Polizisten erwischt wurde, ist das Spiel allerdings noch nicht vorbei. Innerhalb eines Zeitlimits muss der Kumpan nun fünf Personen metzeln, damit der andere Spieler wieder in die Party einsteigen darf. Das Spiel wird im Koop-Modus daher deutlich einfacher, vor allem auch durch den Umstand, dass wenn die Polizei hinter einem her ist, der andere ohne Konsequenzen alles umnieten kann. Die Cops konzentrieren sich trotz des verursachten Blutbades des anderen weiterhin nur auf einen der beiden Spieler.


Wenn die Polizei die Bühne betritt, friert das Spiel oftmals für einen kurzen Moment ein. Das wirkt sich zwar nicht beeinträchtigend auf das Spiel aus, kann aber durchaus mal nervig sein. Der Soundtrack lebt von elektronischer Partymusik und hat sehr fetzige Beats, die überaus gut gefallen, allerdings ist die Auswahl leider nicht sehr groß, weswegen die meisten Lieder sich schnell wiederholen.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Johannes Bausch

Ich hatte anfangs meine Probleme, mich in Party Hard 2 einzufinden. Ohne jegliches Tutorial wird man in die Party geschmissen ohne irgendeine genaue Erklärung. Unzählige Male wurde ich beim Morden von den Polizisten oder Schlägertypen erwischt und musste die Missionen nach teilweise 20 bis 30 Minuten komplett von vorne beginnen, was natürlich in Frustration endete. Doch irgendwann hat es dann Klick gemacht und ich konnte mich endlich in das Killer-Spiel einfinden. Dann hat mir Party Hard 2 auch durchaus viel Spaß bereitet, die Gäste mithilfe der Umgebung ins virtuelle Jenseits zu befördern. Das unentdeckt bleiben ist hierbei das A und O, perfide müssen die Gäste einem nach dem anderen ausgemerzt werden, am besten, ohne dass es jemand beobachtet. Das Spiel eignet sich sehr gut für zwischendurch und Freunde des ersten Teils können ohne Bedenken zugreifen. Wer nicht gerne alleine auf die Jagd geht, kann zudem im Koop-Modus gemeinsam mit einem Kumpel die Partygäste aufscheuchen.
Mein persönliches Highlight: Wenn mal wieder ein unschuldiger Partygast an meiner statt abgeführt wird.

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 1

  • Zarathustra

    Turmfürst

    Frage mich,ob da eine "Corona-Party Edition" jetzt politisch korrekt oder inkorrekt wäre. Verwirrende Zeiten.