World of Tanks Blitz im Test – Lohnt sich die Panzer-Schlacht auf der Nintendo Switch?

Schon seit meiner Kindheit begleitet mich World of Tanks. Zwar habe ich eigentlich nur aktiv die PC-Version gespielt, in diese habe ich aber unglaublich viel Zeit gesteckt. Daher kannte ich viele Facetten, die das Online-Panzer-Spiel World of Tanks Blitz ausmachen, bereits. Die Zielgruppe besteht aus Hard- und Gelegenheitsgamern; das Spiel ist daher für viele Leute interessant. Ehrlicherweise muss ich aber direkt vorweg sagen: Wer viel in diesem Spiel freischalten will, muss viel Zeit investieren! World of Tanks Blitz ist seit dem 26.08.2020 auf der Nintendo Switch erhältlich. Bereits im Juni 2014 erschien es für Smartphones und wurde bis heute mit regelmäßigen Updates erweitert. Zusätzlich zu Blitz gibt es das Hauptspiel World of Tanks für den PC, welches bereits im August 2010 erschien. Für Xbox One und PlayStation 4 wurde das – heute als World of Tanks: Valor bekannte – Spiel im Januar 2016 veröffentlicht.


Mit dem deutschen Königstiger Seite an Seite mit dem russischen IS-3.

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Wie der Name schon sagt, handelt es sich bei World of Tanks um ein Spiel mit Panzern – und zwar nur mit Panzern. Ihr kämpft in Sieben-gegen-sieben-Schlachten um den Sieg. Um zu gewinnen, versucht ihr, verschiedene Basen einzunehmen oder alle gegnerischen Panzer zu zerstören. Dabei haben die unterschiedlichen Panzer-Modelle verschiedene Lebenspunkte, die vor allem von ihrer Panzer-Art abhängen. Davon gibt es einige, vom leichten, mittleren, schweren bis hin zum Jagdpanzer könnt ihr euren Wünschen freien Lauf lassen. Dabei spielt sie sich komplett unterschiedlich: Jagdpanzer haben einen besseren Tarnwert und stärkere Kanonen, dafür weniger Trefferpunkte. Viele von ihnen haben keinen drehbaren Turm und sind daher nicht für den Nahkampf geeignet. Schwere Panzer hingegen sind langsam, haben viele Trefferpunkte und eine gute Panzerung. Daher sollten diese eher das Feld anführen.


Um diese Modelle zu besitzen, habt ihr einiges an Arbeit vor euch, denn ihr müsst die verschiedenen Panzer der Stufen I bis X nach und nach durch Erfahrungspunkte freischalten und dann für Kreditpunkte kaufen. Hierbei könnt ihr euch verschiedener Länder-Modelle bedienen: So habt ihr die Auswahl aus Panzern aus Deutschland, USA, Sowjetunion, Großbritannien, Japan, Frankreich, China und einem europäischen Zweig, welcher aus Finnland, Polen, Schweden und Italien besteht. Dabei beginnt ihr mit kleineren, oft älteren Panzern, die weniger Feuerkraft, Trefferpunkte etc. haben, und arbeitet euch dann bis zu den größten Panzern der Stufe X vor.


Im Spiel habt ihr die Möglichkeit, in einem Zug zu fahren, das bedeutet, dass ihr mit euren Freunden gemeinsam in Gefechte gelangen könnt. Ebenfalls gibt es Clans, in denen sich mehrere Spieler zusammenfinden und mit einem Clan-Tag gemeinsam identifiziert werden – claninterner Chat inklusive. Weiterhin gibt es regelmäßige Turniere, an denen ihr teilnehmen könnt, um große Preise zu gewinnen. Außerdem könnt ihr von Spielern erstellte Trainingsräume betreten, die vor allem dafür genutzt werden, um im Spiel auch ohne zu schießen Spaß zu haben.


Ausrücken!


Sobald ihr Besitzer der ersten Panzer seid, müsst ihr euch zusätzlich um einige andere Dinge kümmern: Die Besatzung möchte gelevelt werden und ihr müsst Module freischalten, damit eure Panzer im Gefecht überhaupt eine Chance haben. Ihr könnt das Aussehen des Fahrzeugs anpassen, ihr müsst Verbrauchsmaterialien beschaffen, ihr könnt Proviant hinzufügen, um weitere Eigenschaften zu verbessern, ihr braucht Munition und das passende Zubehör. Das klingt nach sehr viel auf einmal, aber mit der Zeit kommt man hinter die Mechaniken. Auf den niedrigeren Leveln sind diese auch noch nicht wichtig, sodass der Einstieg ziemlich leicht vonstattengeht. Ebenfalls wichtig zu erlernen ist das Zielen auf bestimmte Punkte am Panzer, denn die Fahrzeuge sind nicht überall gleich dick. Daher kann es euch schnell passieren, dass ihr mit einem Schuss abprallt. Farbliche Markierungen im Spiel helfen euch dabei, gute Treffer zu erzielen. Später könnt ihr so auch die Stärken eurer Panzer nutzen, wenn ihr wisst, wie ihr diese ausspielen müsst.


Ihr solltet nicht auf die rote Zone zielen, da diese besonders gut gepanzert ist.

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World of Tanks Blitz läuft ziemlich flüssig auf der Nintendo Switch. Gefühlt gibt es keine Ruckler und die Grafik ist, zumindest am Fernseher, relativ schick. Sie kann zwar nicht mit der Grafik der anderen Konsolen, geschweige denn des PCs mithalten, doch das sind wir ja bereits durch die limitierte Leistung von Nintendos Hybridkonsole gewöhnt. Ziemlich ärgerlich ist allerdings, dass die Ladezeiten teilweise länger als bei den anderen Mitspielern sind. So habe ich mehrfach gesehen, dass meine Teamkameraden – höchstwahrscheinlich vom Smartphone – längst losgefahren sind, während ich gerade erst aus dem Ladebildschirm gekommen bin. Das macht eine gute Positionierung schwierig, gerade wenn man mit einem sehr langsamen Panzer unterwegs ist, und sollte daher unbedingt behoben werden! Dazu kommt mein Eindruck, dass der Port auf die Nintendo Switch teilweise nicht ganz durchdacht wurde. Man findet zum Beispiel viele Touch-Elemente wieder, die eins zu eins aus dem Smartphone-Spiel entnommen wurden. So muss man einige Schaltflächen dann mühsam mit seinem rechten Stick (wie eine Art Mauszeiger) anwählen. An manchen Stellen wurde zwar an eine Controller-Steuerung gedacht, aber eine komplette Anpassung der Menüs wäre schön gewesen. Ein cooles Feature ist die Bewegungssteuerung mit der Konsole im Handheld-Modus und mit dem Controller am Fernseher. Ich persönlich habe dies aber direkt ausgestellt, da ich kein Fan von dieser Steuerungsart bin. Sonst geht die Steuerung sehr gut von der Hand, durch mehrere Zielhilfen ist das Anvisieren kein Problem und auch für Einsteiger super leicht zu erlernen. Daumen hoch!


World of Tanks Blitz ist insgesamt gerade für Anfänger geeignet, da ihr durch ein Tutorial fahrt und die kleineren Panzerstufen durch weniger benötigte Verbrauchsmaterialien, Munitionsarten etc. einen einfachen Einstieg ermöglichen. Auch das Erforschen von Modulen erlernt man schnell und man sieht im Gefecht direkt den Unterschied zwischen zwei verschiedenen Kanonen, Motoren, Ketten etc. Das motiviert ungemein, weiterzuspielen und Erfahrungspunkte – deren Menge je nach Gefechtsleistung variiert – zu verdienen. Das Modulsystem kann aber auch schnell frustrieren: Man spart Ewigkeiten auf einen neuen Panzer, um dann gegen die Gegner keine Chancen mehr zu haben, weil man ihn noch nicht aufgerüstet hat und bereits gegen höhere Tierstufen ins Gefecht kommt. Dies wird in den niedrigeren Stufen eher weniger auffallen, da die Panzer und Module sehr schnell erforscht sind. Aber ab den höheren Stufen wird viel Zeit benötigt, um diese Dinge freizuschalten. Wer nicht regelmäßig spielt, wird lange warten müssen, um Fortschritte zu sehen.


Gold regiert die Welt


Was hilft dagegen? Natürlich! Echtes Geld. Das könnt ihr in World of Tanks sehr gut und schnell – vor allem in die Echtgeld-Währung Gold – anlegen. Es gibt Premiumspielzeit, eine Art Battle-Pass, Premiumfahrzeuge, Lootchests und einige weitere Möglichkeiten, euer Spiel zu beschleunigen. Dabei haben lediglich die Premiumfahrzeuge einen Einfluss auf das eigentliche Spiel, denn diese könnt ihr wie normale Panzer auf das Schlachtfeld schicken. Die anderen Belohnungen bringen euch nur schneller durch den Forschungsbaum, wodurch anderen Spielern kein Nachteil entsteht – und euch auch nicht, solltet ihr kein Geld investieren wollen. Premiumpanzer sind von Beginn an voll erforscht und bieten einen Geldpunktebonus – zu kaufen sind sie nur für Gold, also echtes Geld. Selten sind sie auch in bestimmten Events erspielbar. Besser als andere Panzer sind sie aber nicht, dadurch entsteht also keinerlei spielerischer Vorteil. Doch wer schnell durch den Forschungsbaum rasen möchte, kommt um diese Angebote nicht herum.


Der riesige amerikanische Forschungsbaum – einer von vielen.

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Der Umfang des Spiels ist riesig. Mit über 350 Panzern habt ihr eine große Auswahl aus verschiedensten Fahrzeugen. So könnt ihr zum Beispiel fast jeden Panzer des Zweiten Weltkriegs steuern und euch damit in die Schlacht begeben. Was mir persönlich an diesem Teil von World of Tanks nicht gefällt, sind bestimmte futuristische Panzer, die meiner Meinung nach nicht zum Rest des Spiels passen. Dazu gehören auch unrealistische bunte Tarnungen, die es zuhauf im Spiel gibt. Viele wird das nicht stören, aber meiner Ansicht nach hätte man das Ganze etwas realistischer halten können. Eine Option, um dies zu deaktivieren, wie es in der PC-Version möglich ist, habe ich nicht gefunden. Sonst ist die Auswahl aber wirklich gelungen und es sollte für jeden der passende Panzer dabei sein.


Das Sound-Design des Spiels ist sehr gut. Bereits in der Garage habt ihr wirklich das Gefühl, als wärt ihr direkt vor Ort. Die Musik ist top ausgewählt und ich freue mich auf jeden Gefechts-Ladebildschirm, da diese dort erklingt. Die Panzer klingen sehr realistisch und man hört, vor allem mit Kopfhörern, auch die Richtung der Panzer und kann einschätzen, was für eine große Kanone sie besitzen. Die Crew des Panzers spricht deutsch und unterstützt somit eure Leistung im Gefecht, da sie diese auch per Audio an den Spieler weitergibt. Wer aber großen Wert auf Realismus legt, stellt die Sprache der Crew auf die jeweilige Landessprache der Panzer. So könnt ihr nicht nur eine deutsche Sprachausgabe hören, sondern begebt euch zum Beispiel auch auf eine sprachliche Reise nach China oder Russland.


Im Gegensatz zur PC-Version gibt es einige Unterschiede: Es sind viel kleinere Karten im Spiel, die Schlachtfelder sind nicht mit 30, sondern mit 14 Leuten bestückt und die Artillerie fehlt gänzlich – wobei das für die meisten World of Tanks-Veteranen wohl eher einen Pluspunkt darstellt. Auch wenn der Umfang ähnlich ist, merkt man die Unterschiede als PC-Spieler stark. Vor allem die fehlenden Taktiken, die im PC-Ableger oft angewandt werden, finden hier kaum Bedeutung. Wer aber keinen Ersatz für diesen Teil, sondern einen kurzweiligeren Ableger sucht, der für kürzere Runden zwischendurch herhalten muss, wird sicherlich viel Spaß mit World of Tanks Blitz haben.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Erik Radtke

World of Tanks Blitz ist der kleine Bruder des originalen World of Tanks auf dem PC – und das merkt man auch. Wer denselben Umfang und das gleiche Spielgefühl sucht, ist hier an der falschen Stelle. Dafür findet man hier kurzweiligere Gefechte, eine vereinfachte Steuerung und vor allem kleine Karten. Wer auf kürzere Gefechte steht und auch unterwegs auf das Schlachtfeld fahren möchte, kann dies mit diesem Teil perfekt tun. Für mich persönlich stellt sich aber die Frage, wieso es lediglich der Smartphone-Ableger auf die Nintendo Switch geschafft hat und nicht der, der für die anderen Konsolen veröffentlicht wurde. Trotzdem überzeugt die riesige Auswahl an Panzern, welche – sollte man so verrückt sein und alles freischalten wollen – sicherlich mehrere Hundert, wenn nicht sogar mehr als Tausend Stunden in Anspruch nehmen sollte. Dies ist aber gleichzeitig der größte Kritikpunkt, da man ohne Geld auszugeben in den späteren Stufen kaum Erfolge sieht. Das ist schade, denn es ist ein tolles Gefühl, nach und nach in größere Panzer einzusteigen und die stärkere Feuerkraft zu erleben. Man merkt auch ganz klar, dass das Spiel nicht annähernd so taktisch ist wie der PC-Teil. Trotzdem sollte jeder mal in das Spiel reinschauen. Da es kostenlos ist, kann man ja auch nicht viel falsch machen!
Mein persönliches Highlight: Der riesige Forschungsbaum mit unterschiedlichsten Panzern

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 3

  • Wowan14

    Gamer aus Leidenschaft

    ich würde nicht einmal dem original WOT eine 7/10 geben, dem kleinen Bruder dann erst recht nicht xD

  • Uriniert

    Turmheld

    Ich war leider alles andere als angetan von dem Spiel, nicht mal mit Kollegen zusammen hat es Spaß gemacht.

    Davon ab empfinde ich die Steuerung als sehr anstrengenden.

    Aber dennoch freue ich mich für die Leute, die Spass am Spiel haben.:ddd:

  • base332

    Turmritter

    Uriniert

    erging mir nicht anders die steuerung ist mir einfach zu anstengend zu wenig intuitiv genug

    war sowieso erschrocken als ich im spiel war dachte anfangs das wäre das normale WOT das es diese abgespeckte version ist wusste ich nicht

    naja war mir einfach zu statisch, schwammig und auch wenn ich nicht so der grafik geile kerl bin aber das hier tat mir schon weh...^^