Runter vom Rasen, ab auf die Straße

Abseits der klassischen Fußball-Simulationen kann es nicht verkehrt sein, auch mal eine lockere Variante zu genießen. In Street Power Football geht es runter vom grünen Kunstrasen auf die Straße, wo eigene Regeln und stylische Auftritte für Aufsehen sorgen. Bevor die Karriere jedoch richtig starten kann, führt euch der französische Freestyle-Fußballer Sean Garnier in die Welt der expressionistischen Ballkunst ein und erklärt, worauf es ankommt, welche Manöver am effektivsten sind und allen voran, wie sich die ganzen Mechaniken steuern lassen.


Sean Garnier führt euch durch das Tutorial.

© SFL Interactive / Maximum Games

Auch wenn es theoretisch keine schlechte Idee ist, die Freestyle-Koryphäe in das Spielgeschehen einzubinden, hätte man dies zweifellos etwas attraktiver gestalten können. Das fotorealistische Auftreten ergibt mit dem vorherrschenden Hintergrund kein sauberes Bild und wirkt aufgrund der konträren Erscheinung fast schon amateurhaft. Spielerisch trägt Garnier genauso wenig bei – infolge seiner größtenteils unnötig aufgesetzten Erklärungen folgt immerzu ein sehr viel förderlicheres Tutorial, dass die Steuerung spielerisch vermittelt und somit die eigentliche Einführung darstellt. Inwiefern der Fußballer also nun wirklich etwas zum Erlebnis beiträgt, ist letztendlich jedem selbst überlassen, allerdings macht es stets den Eindruck, dass sein Name das Spiel finanziell statt inhaltlich bereichern soll. Glücklicherweise ist das Tutorial angesichts des simplen Gameplays schnell erledigt und einfach zu verstehen. Die grundsätzlichen Regeln des Ballsports gelten nämlich auch hier: Der Ball darf nicht mit den Händen angefasst werden, gewaltsame Eingriffe während einer Partie sind zu unterlassen und es spielt immer die gleiche Anzahl von Sportlern gegeneinander. Obwohl das Fundament mehr als bekannt sein dürfte, erlaubt sich der Freestyle einige Eigenheiten, die ein wenig Würze ins Geschehen bringen sollen. Neben einfachen Pässen, Torschüssen und Abwehrtricks, stechen Spezialfähigkeiten – ausgelöst durch vollaufgeladene Energieleisten – hervor und erlauben besondere Manöver, die in den meisten Fällen einen Punkt garantieren. Diese kommen nicht allzu häufig vor und heben den spielerischen Anspruch nicht spürbar an, dennoch verleiht die Inklusion solcher aberwitziger Fähigkeiten dem Spiel den aufgesetzten Charakter, den es durchgehend versucht aufrechtzuerhalten


Schon in den ersten Sekunden sticht die comichafte Präsentation hervor. In Kombination mit dem gelungenen Design der UI-Elemente besitzt die Optik genug Charme, um die Neugierde des Spielers aufrechtzuerhalten. Besonders angetan war ich von den speziellen Animationen der Charaktere, wenn sie sich beispielsweise für ein Tor hinknien und den Ball mit dem Kopf versenken. Solche kleinen Ideen mögen an und für sich nichts Beeindruckendes sein, jedoch sorgen sie jedes Mal für kleine Schmunzler, die in Erinnerung bleiben. Leider spiegeln sowohl das Charakterdesign sowie die Animationen nicht den erwarteten Reiz wieder. Sämtliche Sportler bewegen sich unheimlich steif und wirken in Anbetracht des undefinierten Charakterdesigns – welches sich nicht entscheiden konnte, ob es auf Realismus oder Style setzen soll – unheimlich befremdlich. Dies wirkt sich auch auf die Steuerung aus, bei der stockende Animationen nicht nur optisch, sondern auch spielerisch viel zu spürbar sind. Die Folge sind steife Bewegungen, die viel zu abrupt und unpräzise vonstatten gehen, während ganze Moves teilweise einfach nicht ausgeführt werden, obwohl die Controllereingabe mehr als akkurat war.


Mehr als nur Tore schießen!


Neben klassischen Fußballgefechten warten weitere Modi darauf, ausprobiert zu werden. Im „Freestyle“-Modus jongliert ihr den freiwählbaren Ball ein wenig umher und vollführt Tricks, die, je nach Komplexität, für eine mehr oder weniger hohe Punktzahlen sorgen. Dabei spielt sich der Modus grundlegend wie ein Rhythmus-Spiel, bei dem abgepasste Eingaben über den Erfolg entscheiden. Meistens gebt ihr zuerst eine Tastenkombination ein, woraufhin der Sportler die Bewegung ausführt und ihr währenddessen willkürliche Knöpfe in einem vorgegebenen Takt drückt. Es ist toll zu sehen, dass die Möglichkeiten der Sportart auch auf andere Weise ausgenutzt werden, statt einfache Fußballspiele anzubieten. Dies zeigt sich genauso im „Panna“-Modus, wo ihr in einem sehr viel kleineren Feld in 1vs.1 Duellen gegen Kontrahenten antretet und mithilfe von trickreichen Beinbewegungen versucht, die Oberhand zu gewinnen. Obwohl die Idee an sich keine schlechte ist, macht die nachlässige Steuerung diesen Modus fast schon kaputt, da genaue Bewegung so gut wie unmöglich sind.


Bis zu sechs Spieler gleichzeitig können das überschaubare Feld unsicher machen.

© SFL Interactive / Maximum Games

Anders sieht es hingegen beim „Trickshot“-Modus aus, der von präzisen Schüssen lebt, welche hier auch tatsächlich funktionieren. Unter anderem liegt das an der Art der Eingabe: Anstatt den Sportler selbst zu bewegen, kommt es einzig und allein auf die Kraft des Ballschusses an. Drückt ihr die Schuss-Taste lange genug, wird der Kick dementsprechend mächtig und befördert den Ball in weite Höhen. Das Ziel ist dabei stets, entweder Hindernisse präzise zu treffen oder Körbe von oben zu erwischen. Da hier die Fehlerursache immerzu beim Spieler und nicht bei der Steuerung liegt, ist der „Trickshot“-Modus womöglich die fairste Spielweise, wenn es darum geht, auf individuelles Talent angewiesen zu sein. Traurigerweise schafft es aber auch dieser Modus, ein weiteres Defizit zu offenbaren: das teilweise nicht vorhandene Sounddesign. So unglaubwürdig es auch klingen mag, ertönen bei den meisten Aktionen weder Geräusche noch irgendwelche hörbaren Töne. Gerade im „Trickshot“-Modus wird dieser Fakt mehr als deutlich, wenn die Spielfigur den Ball ohne akustische Rückmeldungen kickt. Das wird spätestens dann zu einem erheblichen Problem, sobald es einem als Spieler das erste Mal bewusst auffällt. Dadurch verliert der Titel deutlich an Glaubwürdigkeit.


Eigene Sportler können bis zu einem bestimmten Grad angepasst werden. Erneut glänzt die Menüführung durch ihren besonderen Graffiti-Stil, inhaltlich ist die Charakterstellung aber dürftig. Während andere Genrekollegen Anpassungen bis ins kleinste Detail anbieten, beschränkt sich Street Power Football hauptsächlich auf die sportliche Kleidung, welche innerhalb eines Shops erworben werden kann. Ebenso oberflächlich sind die Arenen, welche teilweise an reale Städte der Welt angelehnt sind, diese aber nur flüchtig darstellen. Der Hintergrund mag nur eine sekundäre Rolle einnehmen, jedoch wäre es kein Schweres gewesen, diesen mit mehr Details und Leben zu füllen. Um wirklich lebhafte Erfahrungen zu erleben, können im Online-Modus Gefechte gegen Spieler aus der ganzen Welt ausgetragen werden. Selbst tägliche Herausforderungen motivieren euch immer mal wieder eine Partie im Einzelspieler zu starten, was den Wiederspielfaktor und und die Motivation für die Vervollständigung der Garderobe erhöht.

Unser Fazit

4

Erträglich

Meinung von Kevin Becker

Street Power Football ist der halbherzige Versuch, mit der klassischen Fußball-Simulation zu experimentieren. Obwohl der Geist des Freestyles durch exzentrische Charaktereigenheiten, einer ausgeprägten Grafik und unterhaltsamen Modi oftmals passend eingefangen wird, wirkt das Spiel an anderen Stellen stümperhaft und zu kommod. Angefangen mit der peinlichen Darstellung von Sean Garnier bis hin zu den roboterhaften Animationen, fehlt an vielen Ecken und Kanten der Feinschliff, den das Spiel deutlich nötig hat. Gerade die Steuerung benötigt eine komplette Überarbeitung und fühlt sich unnatürlich, unpräzise und einfach nur schwammig an. Das fehlende Sounddesign sowie das merkwürdige Charakterdesign tun dabei ihr übriges und beweisen schlussendlich nur, mit welcher Einstellung das Gesamterlebnis erschaffen wurde.

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