Kann die Tracks Edition das Rennspiel nun auf die Pole Position heben?

Es ist immer wieder spannend zu sehen, wie Videospiele in der modernen Gaming-Welt oftmals als unfertiges Produkt auf den Markt kommen. Da kann man dann darüber streiten, ob nachgereichte DLCs nicht auch Teil des Hauptspiels sein konnten oder ob umfangreiche Bugfixes es mittels Patches nicht auch mit ein wenig mehr Zeit zum Release ins Spiel geschafft hätten. Ende des Jahres 2017 habe ich mit Gear.Club Unlimited eines der ersten Rennspiele abseits der Fun-Racer auf der Nintendo Switch getestet. Insgesamt bot das Spiel bei enormem Umfang durchaus spaßige Rennen, ließ aber als Umsetzung eines Mobile-Spieles noch viel Luft nach oben. Ein Jahr später wurde bereits der Nachfolger, dieses Mal explizit für die Nintendo Switch entwickelt, vorgestellt und herausgebracht. Gear.Club Unlimited 2 schnitt dann in meinem Spieletest allerdings sogar noch schlechter ab, weil es zum einen unfertig auf den Markt kam und keinen Online-Modus bot, aber auch in vielen Details wie Performance auf der Strecke sogar seinem Vorgänger unterlegen war. Das war im Jahr 2018, heuer darf ich euch in diesem Test nun die übernächste Inkarnation vorstellen: Gear.Club Unlimited 2 – Tracks Edition.


Ja, ihr habt richtig gelesen, wir sind weder bei Teil 3 noch Teil 4 angekommen, sondern fahren unsere Autos noch immer auf dem Grundgerüst von Teil 2 aus. Etliche Patches und zwei Veröffentlichungen später präsentieren uns Publisher Microids und Entwickler Eden Games nun nach der Porsche Edition mit der sogenannten Tracks Edition die endgültige (?) Version des Rennspiels. Falls ihr vergessen habt, welche Besonderheiten das Hauptspiel bot, empfehle ich euch, meinen Test von damals zu lesen. Das hier nochmals aufzulisten würde den Rahmen sprengen und den Text unnötig aufblähen. Selbstverständlich erhaltet ihr mit der vorliegenden Tracks Edition alle Inhalte und sämtliche Patches des Hauptspieles, nur falls ihr Porsche-Fan seid, bittet euch Microids dafür nochmals zur Kasse.


Die Tracks Edition bietet unter anderem das Grundspiel in der aktuellen Version


Ich habe gut anderthalb Jahre nicht mehr in das Spiel reingesehen, aus diesem Grund bot sich mir nun die Möglichkeit, alle eventuellen Verbesserungen zu erleben. So viel sei verraten, es hat sich am Grundgerüst nicht viel geändert. Die Entwickler waren aber nicht untätig und haben so einige Inhalte nachgeliefert.


Grafisch hat sich zum Grundspiel nicht viel geändert. Das Spiel läuft nun aber ein wenig flüssiger als früher.

© astragon / Microids

Grundsätzlich wurden die Ladezeiten verbessert. Sie sind nun zwar immer noch nicht optimal, aber im Gegensatz zum Grundspiel kürzer. Weiterhin finden sich neue Autos und neue Strecken an Bord, ja sogar neue Modi sind dazugekommen, doch dazu später mehr. Mir persönlich sind neue Fahrzeuge nicht wichtig – das ist nichts, wofür ich separat Geld ausgeben würde, nur um ein bestimmtes Modell zu fahren. Wer allerdings dort ein Augenmerk drauf gelegt hat: Nun könnt ihr in eurem Fuhrpark den Nissan GT-R LM Nismo, den Porsche 919 Hybrid, den Mercedes AMG GT3 und den Bentley Continental GT3-R aufnehmen. Ergänzend dazu erhalten in der Tracks Edition nun 13 Fahrzeuge, die bereits im Grundspiel enthalten waren, eine Motorsport-Variante.


Kommen wir zu einem meiner größten Kritikpunkte im ursprünglichen Review: Dem Online-Multiplayer. Aktuell finden sich im Menü unter Mehrspieler-Modi nun einige unterschiedliche Punkte zur Auswahl. Neben dem im Grundspiel bereits erhältlichen Splitscreen-Modus mit bis zu vier Fahrern an einer Konsole findet sich dort nun die Möglichkeit, ein lokales Spiel mit mehreren Konsolen zu eröffnen, wo ein Spieler den Host übernimmt und die anderen Konsolenbesitzer dann dem Spiel beitreten können. In diesem Modus könnt ihr auch eine Menge auswählen, so lässt sich die Fahrzeugkategorie bestimmen, die Umgebung aussuchen (im mediterranen Ambiente, in bergigen Gebieten, die an den Süden der USA erinnern, oder auch auf schneebedeckten Fahrbahnen) und schließlich eine spezifische Strecke einstellen, auf der ihr euch miteinander messen wollt. Geblieben ist ebenso der Club-Modus, in dem ihr selbst einen Club gründen könnt, dem andere Spieler beitreten oder ihr tretet einem anderem Club bei, der schon einige Spieler vorweisen kann. Dort fahrt ihr auf vorgegebenen Strecken gegen Online-Geister von anderen Spielern auf der Welt und sammelt Punkte und Geld, um dieses dann wieder zu investieren. Meinem Club wollte jedoch niemand beitreten – und ich kenne leider auch niemanden sonst, der das Spiel besitzt, mit dem ich einen Club hätte bilden können. Dennoch bin ich fleißig auf Strecken gefahren und konnte Erfahrung und Geld sammeln, denn das geht auch ohne weitere Mitglieder – immerhin.


Ebenso schwierig gestalteten sich die Erfahrungen mit dem fast schon legendären Punkt Online-Spiel, der hier nun endlich vorliegt und in meinem ursprünglichen Test nicht berücksichtigt werden konnte. Nun ja, viel mehr werde ich euch dieses Mal auch nicht sagen können, denn ich konnte den Modus schlicht nicht testen. Das lag aber nicht daran, dass er nicht implementiert wäre, sondern daran, dass schlicht niemand mit mir spielen wollte. Ich habe mehrere Male ein Online-Spiel starten wollen und im Warteraum auf weitere Mitspieler gewartet. Nachdem ihr ein Fahrzeug ausgesucht habt – die Kategorie wird vom Spiel vorgegeben – und einige Optionen wie Schaltung oder Fahrhilfen ein- oder ausgeschaltet habt, wartet ihr darauf, dass andere Spieler dem Raum beitreten. Und wartet, und wartet, und dann schnappt ihr euch doch einen anderen Modus, weil das Warten schlicht nichts bringt.


Ein volles Paket, jetzt mit noch mehr Modi und Rennen!


Der große Knackpunkt und das hauptsächliche Verkaufsargument für die Tracks Edition sind die neuen sogenannten Langstreckenrennen. Diese sind im Karriere-Modus zu finden und befinden sich als separater Punkt auf der großen Landkarte. Dort tretet ihr in neuen Strecken mit speziellen Fahrzeugen an (einige Beispiele habe ich weiter oben aufgeführt) und müsst euer Können unter Beweis stellen. Der Clou ist dieses Mal, dass ihr auf der Strecke eine gewisse Rundenzahl oder aber eine vorgegebene Zeit absolvieren müsst, um erfolgreich aus diesem Modus hervorzugehen. Dabei wird nun auch Wert auf die Bereifung gelegt und ihr müsst im Vorfeld entscheiden, wie viel Sprit ihr für eure Strecke tanken wollt. Keine Angst, es gibt zu Beginn durchaus hilfreiche Tipps, welche Reifensorte ihr besser aufzieht und für wie viele Runden die angezeigte Tankfüllung reicht. Am Ende des vier Rennen umfassenden Events erhaltet ihr je nach Position sogenannte Langstreckenpunkte, die ihr in neue Funktionen und Ränge investieren könnt. Die vier Events unterscheiden sich dabei in vier Fahrzeugkategorien voneinander, ein entsprechendes Fahrzeug müsst ihr besitzen, um am Event teilnehmen zu können. In diesen Events müsst ihr jeweils vier Rennen fahren, wobei es sich immer um dieselben Strecken handelt. Lediglich zum Abschluss erhaltet ihr dann die Möglichkeit, auch auf zwei separaten Strecken in den Le Mans-Rennen zu fahren.


Im Langstreckenmodus werden euch die Besonderheiten zunächst erklärt, bevor ihr euch ins Renngeschehen stürzen könnt.

© astragon / Microids

Im Langstreckenmodus kommt durch die Planung der Bereifung und die Betankung ein wenig Strategie ins Spiel, wobei euch dort je nach Schwierigkeitsgrad auch mit Tipps geholfen wird. Mit einem speziellen Reifentyp kommt ihr vielleicht ein paar Runden weiter als mit anderen, aber das bringt euch nichts, wenn euch unterwegs das Benzin ausgeht. Hier sollte mit Bedacht gewählt werden, wobei man den Verschleiß von Reifen auch auf der Rennstrecke bemerkt. Solltet ihr eure Reifen zu lange drauf lassen, steuert sich euer Fahrzeug immer schwammiger, bis ihr es kaum noch händeln könnt. Gerade wenn man dann an der Spitze des Fahrerfeldes liegt, kann das schon sehr frustrieren.


Neben den Langstreckenrennen steht euch das komplette Grundspiel von Gear.Club Unlimited 2 zur Verfügung und das bereits inklusive aller Aktualisierungen. Nach und nach haben Eden Games weiter am Spiel gearbeitet und einige neue Funktionen eingebaut, wie beispielsweise neue Geräusche der Hupen, Musik mit unterschiedlichen Stilrichtungen während der Rennen, den Online-Modus wie oben beschrieben, eine neue Kameraperspektive und jede Menge kleinerer Verbesserungen oder Bugfixes, welche die generelle Navigation innerhalb des Spieles optimiert haben. Dadurch navigiert es sich nun flotter zwischen den einzelnen Events oder auch in der Garage, dennoch sind Ladezeiten immer noch ein Thema, dem man sich stellen muss – wenn auch bei Weitem nicht so krass wie in der ursprünglichen Fassung, die ich getestet habe.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Dennis Gröschke

Eden Games legt mit der Tracks Edition von Gear.Club Unlimited 2 ein ausgereiftes Rennspiel vor, was seine problematische Herkunft aber nicht verschweigen kann. Das Grundspiel war vor zwei Jahren in meinen Augen noch nicht bereit für die Öffentlichkeit und wurde dementsprechend von mir abgestraft. Mittlerweile wurden viele Kritikpunkte beseitigt und das Spiel kann sich sehen und spielen lassen. Hier und da wurden neue Modi ergänzt, es gibt eine musikalische Untermalung in den Rennen, mehr Auswahl bei den Fahrzeugen, eine flüssigere Darstellung des Renngeschehens und so weiter. Dennoch bleibt die Tracks Edition von Gear.Club Unlimited 2 weit entfernt von einem perfekten Rennspiel für die Nintendo Switch, denn die generelle Spielbarkeit auf der Strecke fühlt sich immer noch ein wenig steif an. Versteht mich nicht falsch, auch hier wurde das Schraubwerkzeug angesetzt, eine konstante Framerate von 30 Bildern pro Sekunde wird aber bis heute nicht erreicht. Dabei ist das Spiel ohne Probleme gut spielbar, wenn es ruckelt, ist das kaum wahrnehmbar und hat mich zu keinem Zeitpunkt gestört. Aber im Jahr 2020 ist die Messlatte in diesem Bereich halt einfach etwas höher. Wenn euch das nicht stört, bekommt ihr mit der Tracks Edition von Gear.Club Unlimited 2 ein umfangreiches Paket an Fahrzeugen, Strecken und Renn-Events, die euch ein paar Wochen beschäftigen werden. Aber an Umfang hat es der Reihe bisher noch nie gefehlt.
Mein persönliches Highlight: Endlich die Möglichkeit zu haben, während der Rennen unterschiedliche Musikstile zur Auswahl zu haben.

Die durchschnittliche Leserwertung

3 User haben bereits bewertet

Kommentare 9

  • Switchy

    Turmritter

    Hatte es Mal als Angebot gekauft. Ich verstehe bis heute nicht wie die eher durchschnittliche Grafik nicht flüssig über dem Bildschirm läuft. Die Fahrzeugmodelle sind an sich gut aber auch da ausbaufähig. Und trotzdem hat es das Spiel geschafft mich fortlaufend zu motivieren. Mal eben schnell noch ein Rennen um die Kasse aufzubessern oder das Auto weiter zu Tunen. Mittlerweile habe ich 32% geschafft. Es ist definitiv kein Hit aber für zwischendurch auf jedenfall ganz nett. Der Umfang ist jedenfalls hoch. Wer es sich holt darf nicht all zu große Erwartungen haben und wird mit hohen Umfang belohnt.

  • aveiro23

    Thx4 Switch, Iwata-san!

    Ist das ganze jetzt ein kostenplichtiger DLC oder ein kostenloses Update?

    Das ist mir irgendwie nicht klar geworden:ugly-classic:

    Das Grundspiel ist ja gerade im eShop 70% reduziert. Muss man da jetzt noch was dazukaufen?🤔

  • Switchy

    Turmritter

    Ist das ganze jetzt ein kostenplichtiger DLC oder ein kostenloses Update?

    Das ist mir irgendwie nicht klar geworden:ugly-classic:

    Das Grundspiel ist ja gerade im eShop 70% reduziert. Muss man da jetzt noch was dazukaufen?🤔

    also ich habe es rein digital gekauft und musste sämtliche DLC einzeln dazu kaufen. Im Shop gibt es kein Komplett Paket.

  • Switch

    Turmheld

    Was soll das jetzt?

    Ich blicke bei den ganzen Versionen nicht mehr durch. Ist jede GCU nun ein eigenständiges Spiel? Oder kaufe ich mir jedesmal eine Art DLC?


    Ich glaube die versauen sich die Verkäufe aufgrund des nicht Verstehens der Versionen.

  • alfalfa

    Turmfürst

    Schon peinlich, was die da abliefern, vor allem, weil ein kostenloses Asphalt 9, das ebenso ursprünglich vom Handy kommt so viel besser macht und dabei auch noch so gut aussieht, wie kein anderes Rennspiel auf der Switch (nur Rise Race the Future kommt noch ran und hat auch bis zu 60 FPS).

  • Dennis Gröschke

    Rabbit Season

    Ich versuche mal ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen, soweit ich das selbst richtig verstanden habe.


    Also das Grundspiel Gear.Club Unlimited 2 gibt es sowohl im Handel als Software-Karte als auch im Nintendo eShop. Wenn ihr da alle Updates gezogen habt (und ich rede hier nur von den Patches und Bugfixes, nicht von DLC), dann solltet ihr dort mindestens die Version 1.5.0 erhalten. Das Spiel ist Ende 2018 erschienen.


    2019 kam dann die sogenannte Porsche Edition zum Spiel heraus. Dazu gibt es im Handel auch eine separate Version, die dann auch mit neuem Cover verkauft wird und sowohl das Grundspiel, als auch die neue Kampagne und neue Fahrzeuge enthält. Wenn ihr das Hauptspiel aber digital bereits habt (und das ist ja auch gerade im Angebot), dann könnt ihr das Porsche Edition Pack auch einzeln im Nintendo eShop dazukaufen.


    Dieses Jahr kamen dann im August die Inhalte der Tracks Edition dazu (Langstreckenrennen etc), wo es auch eine Handelsversion zu gibt. Habt ihr aber sowohl das Hauptspiel und den Porsche DLC bereits erworben (oder die kombinierte Handelversion), dann könnt ihr die Inhalte der Tracks Edition im Nintendo eShop auch separat dazukaufen. Ich habe nun dadurch die Version 1.7.0 des Spieles auf meiner Nintendo Switch.


    Dann fehlen euch aber, so wie mir, die Inhalte der Porsche Edition, weil ich die mir nicht gekauft habe und es auch nicht Bestandteil des Testes war. Also ungefähr so:


    2018 Hauptspiel (Handel und digital)

    2019 Porsche Edition (enthält Hauptspiel und Porsche-Inhalte; kann aber für Digitalkäufer des Hauptspiels auch einzeln erworben werden.

    2020 Tracks Edition (enthält Hauptspiel und Tracks-Inhalte, aber nicht die Porsche Inhalte; diese können aber auch einzeln im Nintendo eShop dazugekauft werden)


    Ein komplettes Paket mit allen Inhalten gibt es meines Wissens (noch) nicht, einen der DLCs müsst ihr dafür einzeln dazukaufen, wenn ihr die Handelsversion erworben habt und nicht alles doppelt kaufen wollt. Ich hoffe das hab ich so einigermaßen erklären können.


    aveiro23  Switchy  Switch

  • Zach

    Turmritter

    Mich würde noch brennend interessieren, ob bei der Handelsversion die Inhalte der Tracks Edition mit auf der Softwarekarte drauf sind, oder ob die erst per Update nachgereicht werden.

    Falls alles auf der Karte ist, würde ich mit einem Kauf des Spiels liebäugeln.

  • Switchy

    Turmritter

    Mich würde noch brennend interessieren, ob bei der Handelsversion die Inhalte der Tracks Edition mit auf der Softwarekarte drauf sind, oder ob die erst per Update nachgereicht werden.

    Falls alles auf der Karte ist, würde ich mit einem Kauf des Spiels liebäugeln.

    Unverständlicherweise ist auf der Karte nur das Hauptspiel ohne die DLC drauf. Ein Code für die DLCs liegt bei

  • Zach

    Turmritter

    Switchy

    Danke dir für den Hinweis. 🙂👍

    Dann hat sich der Kauf der Retail-Version (zum Vollpreis) für mich erstmal erledigt.