Unrailed! im Test – Mit Teamwork und Hass zum nächsten Bahnhof

Ich werde ab jetzt fast täglich mehrere Stunden mit dem Zug pendeln, daher war es gut, dass ich mit Unrailed! einen Blick hinter die Kulissen des Strecken- und Schienenbaus und dem Betrieb der Züge werfen konnte – oder eher doch nicht? Das vom Schweizer Entwickler Indoor Astronaut entwickelte Spiel handelt, wie unschwer herauszuhören ist, vom Bau einer Eisenbahnstrecke um euren Zug von Bahnhof zu Bahnhof zu geleiten. Dafür müsst ihr Eisen und Holz sammeln und dieses in eurem Zug zu Schienen verarbeiten, die ihr dann vor diesen legt, um nicht zu entgleisen. Das Problem dabei: Der Zug fährt ununterbrochen weiter. In meinem Test habe ich meinen Fokus vor allem auf den Mehrspielermodus gelegt. Wir waren zu dritt und das empfehle ich auch. Denn bei Unrailed! handelt es sich vor allem um ein Koop-Spiel für mindestens zwei Spieler. Trotzdem lässt sich der Titel auch gut alleine spielen. Wieso? Das erkläre ich später.


Gerade seid ihr noch durch die heiße Wüste gefahren, nun müsst ihr durch zugeschneite Landschaften fahren.

© Daedalic Entertainment

Ihr startet das Spiel und werdet direkt in eure Spielfigur versetzt. Ihr klickt euch nicht durch verschiedene Menüs wie es bei anderen Spielen üblich ist, sondern ihr lauft mit dieser Figur über eben diese. So werdet ihr direkt mit der Steuerung vertraut gemacht und vom ersten Moment an bekommt ihr etwas Innovatives serviert. Ob dies nun besser als eine normale Menüführung ist, sei dahingestellt, cool ist es aber auf jeden Fall! Ein gutes Tutorial erklärt euch die wichtigsten Mechaniken und bereitet euch noch besser auf eure ersten Versuche vor. Die Steuerung ist sehr simpel: Ihr lauft mit dem linken Stick, könnt Objekte mit dem A-Knopf anheben und ablegen, ihr könnt mit der B-Taste einen kurzen Sprint hinlegen und wenn ihr eine Spitzhacke oder Axt in der Hand haltet, läuft der Rohstoffe vollautomatisch ab – stellt euch einfach davor und euer Charakter baut alles von selbst ab.


Bevor ihr den Zug von einem Bahnhof zum nächsten führen könnt, habt ihr allerhand zu tun. Wie bereits erwähnt, müsst ihr mit einer Axt und Spitzhacke Holz und Eisen sammeln, um in einem Wagon daraus Schienen zu bauen, damit ihr diese letztendlich verlegen könnt. Das klingt im ersten Moment sehr einfach, aber ihr müsst die Wege für euren Zug erst freilegen, um dann genug Platz für euch und euren Zug zu haben. Zusätzlich dazu fängt euer Zug regelmäßig durch eine Explosion Feuer, wenn ihr den Wassertank nicht ausreichend mit Kühlwasser füllt – solltet ihr direkt neben der Explosion stehen, dann werdet ihr auch für kurze Zeit ausgeschaltet und landet mit einem süßen Ballon wieder auf dem Boden. Um das Feuer zu löschen, müsst ihr in einen Eimer Wasser füllen, um dann euren Zug damit vom Feuer zu befreien. Doch wenn bereits mehrere Wagons in Brand geraten sind, dürft ihr gleich mehrmals hin und her rennen, um jeden Wagon einzeln zu löschen. Zusätzlich können sich euch Räuber, Yetis oder andere Lebewesen in den Weg stellen, die euch das Leben schwer machen.


Alles einsteigen, bitte!


Mindestens zwei Spieler müsst ihr sein, um der Aufgabe gewachsen zu sein. Solltet ihr mal niemanden an eurer Seite haben, dann hilft euch ein grauer Roboter bei euren Aufgaben. Steuern tut ihr diesen lediglich damit, dass ihr Befehle über ein Smiley-Rad geben könnt. Euer Roboter geht dann den von euch instruierten Aufgaben nach. Zusätzlich könnt ihr sogar einen Weg vorgeben, den der Roboter gehen soll. So könnt ihr genau planen, wo zum Beispiel etwas abgebaut wird und wo er Schienen verlegen soll. Dies funktioniert nicht nur in der Theorie ziemlich gut, auch in der Praxis ist dies die perfekte Lösung um solch ein Spiel auch alleine genießen zu können. Vor allem aber im Koop-Modus ist Absprache der Schlüssel zum Erfolg. Ohne diese, scheitert ihr zwangsläufig!


So rüstet ihr in jedem Bahnhof euren Zug auf.

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Um im Spiel voran zu kommen bedarf es neben der normalen Zugfahrt auch einiger Upgrades, die euch in den späteren Level das Leben erleichtern. Dafür habt ihr in jedem Bahnhof für eine gewisse Anzahl an Schlüsseln, die ihr im Laufe des Spieles auf der Karte findet, für Aufgaben bekommt oder lediglich für das Erreichen des Bahnhofs erhaltet, die Möglichkeit, neue Wagons und Lokomotiven für euren Zug zu kaufen. Über 15 verschiedene Wagons stehen euch dabei zur Auswahl. Diese reichen vom einfachen Bauwagen, welcher zusätzlich Schienen erzeugt, bis hin zum Geist, welcher euren Zug für kurze Zeit unsichtbar macht und durch den ihr hindurch laufen könnt. Diese Wägen haben ihre jeweils eigenen Ausbaustufe, damit ihr mit diesen noch effektiver eurer Arbeit nachgehen könnt. Ebenfalls stehen euch sechs Lokomotiven zur Auswahl, mit denen ihr, solltet ihr sie zu eurem Zug hinzugefügt haben, in neue Biome fahren könnt. So beginnt ihr in einer normalen Welt mit Gras und Bäumen, fahrt dann durch eine Wüste und endet irgendwann im Weltall, wo ihr zusätzlich noch auf euren Sauerstoff achten müsst – dies sorgt für eine riesige Abwechslung, doch nach einigen Stunden sind all diese Biome gesehen, eine noch größere Auswahl hätte der Langzeitmotivation jedenfalls nicht geschadet.


Ihr habt im Spiel die Auswahl aus vier Spielmodi, was leider meiner Meinung nach etwas gering ausfällt. Es gibt zum einen den Endlos-Modus, in welchem ihr versuchen müsst, euren Zug so weit wie möglich fahren zu lassen – Checkpoints, solltet ihr sie einschalten, vereinfachen diese Aufgabe, indem ihr nach einer Entgleisung nicht zum Anfang zurückgesetzt werdet, sondern zum ersten Bahnhof eines neuen Bioms, welches ihr mit einer neuen Lokomotive freigeschaltet habt. Dieser Modus kann in den späteren Leveln jedoch sehr frustrierend werden, da man trotz Checkpoints relativ weit zurückgesetzt werden kann. Wenn dies zum fünften mal hintereinander passiert, vergeht einem irgendwann die Lust – in solch einem Fall wäre eine Hilfefunktion angebracht gewesen. Dann gibt es den Schnell-Modus, welcher euch direkt mit ein paar zusätzlichen Wagons ausstattet und für kürzere Spieleinheiten zwischendurch gut geeignet ist.


Der Sandbox-Modus ist für all diejenigen, die alle Wagons und Aufreihungsmöglichkeiten ausprobieren wollen, denn ihr könnt euren Zug direkt von Anfang an mit allem ausstatten, was ihr bereits im endlosen oder schnellen Modus freigeschaltet habt. Für mich persönlich der Beste der vier Modi: Der Versus-Modus gibt euch die Möglichkeit, gegen eure Freunde anzutreten. So seid ihr auf zwei identischen Spielfeldern und müsst als erstes an den Bahnhof kommen oder versuchen, nicht als erster zu entgleisen. Dabei habt ihr Möglichkeit, eure Kontrahenten zu sabotieren, indem ihr den gegnerischen Zug beschleunigt oder Dynamit auf die gegnerische Karte werft, an denen die Charaktere für kurze Zeit sterben können. Dieser Modus ist nicht nur gut durchdacht, sondern macht auch extrem viel Spaß. Auch ziemlich cool: Alle diese Modi können auch Online gespielt werden!


Sogar mit der KI im Team hat der obere Spieler gegen zwei weitere menschliche Spieler im Multiplayer gewonnen.

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Die Perfomance des Spiels schlägt sich ziemlich gut. Bis auf kleine Ruckler, zum Beispiel wenn sich ein neues Biom aufbaut, läuft das Spiel absolut flüssig. Extrem cool ist dabei die Welterstellung, die ähnlich wie bei Minecraft funktioniert und bei der die einzelnen Welten anhand von Seeds erstellt werden. Daher sind die Welten immer anders, was für eine gute Abwechslung sorgt. Die Grafik ist wirklich schick und an ihr kann man auf keinen Fall etwas aussetzen. Als kleines Gimmick gibt es über 37 verschiedene Charaktere, die freischaltbar sind - so könnt ihr zum Beispiel als Dinosaurier, Bob der Baumeister oder Einhorn in die Bahnbranche einsteigen. Das Sounddesign ist wirklich toll und unterstützt das Spiel in seiner sowieso schicken Grafik umso mehr. Die Musikstücke im Hintergrund sind auch passend und wirklich gut gewählt. Ebenfalls cool: Die Replay-Funktion lässt euch einen Blick auf das vergangene Spielgeschehen werfen. So könnt ihr, sollte euch ein Missgeschick passiert sein, den Schuldigen ausmachen und eure Streitigkeiten im Team niederlegen.


Wie bereits oben erwähnt, hat das Spiel ein relativ großes Problem – das wäre die Langzeitmotivation. Klar, es gibt viele Kleinigkeiten, die dazu anregen, das Spiel weiterhin zu spielen und neue Dinge freizuschalten. Aber diese Boni schalten sich relativ schnell frei und irgendwann kommt man an den Punkt, an dem sich alles nur noch wiederholt. Gerade für Einzelspieler wird es dadurch langweilig, wenn man nicht gerade den Ehrgeiz hat, immer weitere Rekorde aufzustellen. Der Koop-Gedanke wertet diesen Punkt etwas besser auf, da darin so viele Dinge passieren, dass es nicht mehr wichtig ist, ob es etwas Neues gibt – denn zwischen Teamwork und dem Scheitern liegt in Unrailed! keine große Distanz. So kann aus perfektem Teamwork unglaublich schnell purer Hass werden und dann hilft nur noch der Gang zum Versus-Modus!

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Erik Radtke

Unrailed! ist ein Koop-Spiel, wie man es sich nur wünschen kann. Es gibt vielfältige Aufgaben und ohne Absprachen kommt man nicht weit. Die Grafik ist wirklich hübsch und das Sounddesign ist ebenfalls extrem gut gelungen. Die verschiedenen Biome und Seeds sorgen für eine große Abwechslung und lassen so jedes Spiel einzigartig werden. Auch wenn ich dringend empfehle, das Spiel mit Freunden zu spielen, ist der Einzelspieler gut umgesetzt und auch mit der KI echt gut spielbar. Trotzdem ist es für mich ein klarer Mehrspieler-Titel, den ich persönlich nicht allzu lange alleine spielen würde. Da aber ein gut funktionierender Online-Modus mit an Bord ist, sollte die Spielersuche kein Problem darstellen. Das Spiel kann an manchen Stellen ziemlich schnell frustrieren, gleichzeitig motiviert dieser Umstand allerdings auch, besser zu werden. Der Versus-Modus ist nach einem gescheitertem Teamwork genau das Richtige, um gegeneinander anzutreten. Größtes Problem: Die Langzeitmotivation. Wenn man dann nach einiger Zeit alles vom Spiel gesehen hat, kann das Spiel irgendwann langweilig werden, wobei ich hoffe, dass dies durch regelmäßige Updates und Erweiterungen weiter in Angriff genommen wird. Jeder der ein Spiel für einige tolle Spieleabende sucht, ist hier genau richtig, denn euch wird hier ein sehr sehr gutes Koop-Spiel geboten, welches jeder einmal ausprobiert haben sollte!
Mein persönliches Highlight: Der Versus-Modus – um sich nach einem gescheiterten Teamwork-Versuch abzureagieren

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