Zwischen Albträumen, den größten Geheimnissen der Menschheit … und Kampfrobotern?!

Den meisten Fans von Point-and-Click-Adventures sollten die Videospiele der Geheimakte-Serie ein Begriff sein. Am 31. August 2012 erschien mit Geheimakte 3 der bisher letzte Teil der Reihe, der in den Hauptrollen Nina Kalenkow und ihren Verlobten Max Gruber bei der Entschlüsselung der am besten gehüteten Geheimnisse der Menschheit begleitet. Ganze acht Jahre später wurde der Titel Anfang September schließlich auch für die Nintendo Switch veröffentlicht. Ist Geheimakte 3 ein würdiger Abschluss von Ninas Geschichte oder hätte der Titel selbst ein Geheimnis bleiben sollen?


Ninas Verlobter Max wird entführt. Trotz aller Warnungen macht sie sich auf die Suche nach ihm und entdeckt dabei, dass er kurz davor war, ein großes Geheimnis der Menschheit zu lüften.

© Koch Media GmbH

Das Spiel beginnt mit der Hochzeit von Nina und Max, doch als plötzlich die gesamte Kirche in Flammen aufgeht und eine mysteriöse Gestalt im schwarzen Kapuzenumhang durch Wände zu gehen scheint, wird den Protagonisten klar, dass es sich nicht um die Realität handelt. Doch auch nach dem Erwachen findet ihr Albtraum kein Ende. Plötzlich verschaffen sich Fremde, die sich als Polizisten ausgeben, Zutritt zur gemeinsamen Wohnung des Paares und verhaften Max, weil dieser angeblich mit terroristischen Handlungen in Verbindung gebracht wird. Trotz der Warnungen, sich aus der Sache herauszuhalten, begibt sich Nina Kalenkow auf eine Suche rund um den Globus, um nicht nur herauszufinden, woran ihr Verlobter die ganze Zeit gearbeitet hatte, sondern auch sein Leben zu retten.


Die Geschichte von Geheimakte 3 spielt sich hierbei jedoch nicht nur in der Gegenwart ab, sondern lässt Spieler in verschiedene Epochen, unter anderem in das alte Ägypten oder in die Zeit Leonard da Vincis eintauchen. Dabei können außer Nina selbst gelegentlich auch andere Charaktere gesteuert werden. Alle untersuchen ihre Umgebung, um hilfreiche Gegenstände einzusammeln, die beim Lösen verschiedener Aufgaben und Rätsel hilfreich sein können, aber nicht müssen – es gibt auch eine ganze Reihe an Distraktoren unter den Questitems. Die meisten Rätsel sind jedoch nicht sonderlich schwierig, lediglich an zwei Stellen gegen Ende des Spiels musste ich tatsächlich ein wenig nachdenken, um sie zu knacken.


Bei der Steuerung lassen die Entwickler den Spielern die Freiheit, zwischen den verschiedenen Stilen, die die Nintendo Switch bietet, zu wählen. Am TV kann das Spiel nicht nur mit dem Nintendo Switch Pro Controller, mit dessen Hilfe ein Mauszeiger per linkem Stick über den Bildschirm bewegt wird, gespielt werden, sondern bietet auch die Möglichkeit, mit nur einem Joy-Con und Bewegungssteuerung zu spielen. Diese ist jedoch nicht mit der guten alten Handhabung der Wii-Fernbedienung zu vergleichen, da man hierbei nur damit beschäftigt ist, den Joy-Con nachzujustieren. Dies empfand ich als derart lästig, dass ich dann doch lieber im Handheld-Modus gespielt habe, in dem man immerhin auch den Touchscreen verwenden kann.


Nina wird regelmäßig von Albträumen geplagt. Ja, die Zwischensequenzen sind tatsächlich ganz schön verschwommen …

© Koch Media GmbH

Grafisch sieht man dem Spiel leider an, dass es kein neuer Titel ist. Besonders die Zwischensequenzen wirken oft unscharf und zeichnen sich durch weniger schöne Animationen vor allem bei den Gesichtern aus. Die Animationen, die leider auch nicht besonders gut gealtert sind, erscheinen des Öfteren ungewollt komisch, wenn beispielsweise die Bewegungen der Figuren mehr nach Robotern als nach Menschen aussehen. Positiv hervorzuheben ist dagegen die durchgängige Synchronisation sämtlicher Dialoge, die auch die ein oder andere aus Film und Fernsehen bekannte Stimme beinhaltet. Leider wirkt die Gedankenstimme von Nina oft überflüssig, da sie nur zu gerne Dinge, die vollkommen offensichtlich sind, verbalisiert. Danke, Captain Obvious!


Auch der Handlung fehlt an einigen Stellen noch die nötige Würze. Die teilweise sehr konstruierte Verbindung verschiedener ungeklärter Mysterien der Menschheit wirkt manchmal regelrecht an den Haaren herbeigezogen, vor allem wenn die Charaktere später im Spiel plötzlich auf einem Jahrtausende alten Wandgemälde zu sehen sind. Meinen persönlichen „Was zum Teufel?“-Moment fand ich, als ich plötzlich einen Kampfroboter mit Waffen bestücken und à la Robot Wars gegen einen anderen antreten lassen musste. Einfach nur schräg … An dieser Stelle muss ich jedoch gestehen, dass ich keinen der vorherigen Titel gespielt habe. Daher fehlt mir vielleicht auch die nötige emotionale Bindung zu den Charakteren, um die Geschichte wirklich mitreißend zu finden. Eine Stelle muss ich dann allerdings trotzdem für die merkwürdige Ausführung kritisieren: das Ende. Das Ende der Handlung kam überraschend plötzlich, lies mehrere Fragen ungeklärt und wirkte fast so, als wären den Entwicklern entweder die Zeit oder die Ideen für eine ordentliche Abrundung der Geschichte ausgegangen. Schade, denn für eine Art „Outtakes“-Video, das die Charaktere in witzigen Situationen zeigt, hatten sie immerhin noch Zeit und Ressourcen übrig.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Philipp Pöhlmann

Geheimakte 3 bietet zwar solides Point-and-Click-Gameplay, konnte mich aber mit seiner Handlung nicht wirklich vom Hocker hauen. Die Dialoge wirken trotz der guten Synchronbesetzung gelegentlich unnatürlich und aufgrund der ständigen Gedankenstimme von Nina Kalenkow, der Protagonistin des Spiels, manchmal sogar ein wenig lästig. Grafisch ist das Spiel schon ein wenig in die Jahre gekommen, was sich vor allem in den Zwischensequenzen und diversen Animationen zeigt. Wer die vorherigen Geheimakte-Titel gespielt hat, wird sich sicherlich freuen, ein weiteres Kapitel der Geschichte um Nina und Max zu erleben. Wer die Vorgänger nicht gespielt hat, sollte vielleicht lieber zunächst mit diesen beginnen, um nicht Gefahr zu laufen, sich bei der extrem konstruierten Handlung und dem unbefriedigenden Ende zu langweilen.
Mein persönliches Highlight: Norbert Gastell, der uns leider im Jahr 2015 verlassen hat, spricht in diesem Spiel einen Polizisten. Die ursprüngliche deutsche Stimme von Homer Simpson hätte ich in diesem Spiel nun wirklich nicht erwartet ...

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 15

  • KarniMarc

    Turmbaron

    Hab bis dato nur den ersten Teil der Reihe kennengelernt und muss zugeben, dass ich dagegen die Broken Sword / Baphomets Fluch-Reihe doch deutlich spaßiger fand. Ist natürlich immer Geschmackssache.

  • SvenIsHere

    Lord des Donners

    Oh ja. P&C Adventures. Was gab es viele tolle Spiele dieser Art in den 90er auf dem PC. Leider sind sie nicht mehr so beliebt wie damals da die Spieler heut zu Tage nicht an so gemächliche und eher langsame Spiele gewohnt sind und sich wohl schnell langweilt. Es ist eben Gameplay aus einer anderen Zeit. Eine Zeit in der man sich sehr viel Zeit für ein Spiel genommen hat. Es ist wie mit einem guten Buch. Leider hat man es aufgrund der allgemeinen Schnelllebigkeit verlernt sich so intensiv mit einem Game zu beschäftigen.

  • iZen

    Turmknappe

    Als ehemaliger PC User, hab ich mich riesig gefreut, dass jetzt auch alle Geheimakte Games für die Switch erschienen sind. Für Point&Click Fans der guten alten Zeit, nur zu empfehlen. Ja die Grafik hat den Charme vergangener Tage, na und? 😅 Es ist so cool und nostalgisch 😍

  • Champ

    Turmheld

    aktuell für 7,50€ im Sale.

    Download läuft :)

  • UnbreakableAlex

    Game Boy

    Also ich schwimme seit Jahren auf der P&C Welle. Für den Gamer der schon alles gesehen hat ist das eine willkommene Abwechslung. Ich stelle mir selbst die Challenge, dass ich selber auf die Lösungen kommen muss und erst im internet nach letzteren suche, wenn ich schon Stunden hänge. Die Geheimakte Games kann man auf jeden Fall zocken und genießen. Es ist Entspannung und Forderung zugleich.

    Trotz der miesen jokes und der falschen Aussprache und Schreibweise von Kalenkow seit 4 Teilen ist das Spielprinzip sehr ansprechen. Sie müsste Kalenkowa heißen und das englische v wie in Vienna/Vikings müsste ausgesprochen werden und nicht das englische W wie in Wood/Willow. Echt cringe, wenn professionelle Sprecher es falsch aussprechen.

  • Sib

    Master of Desaster

    Davon hatte der DS viele, warum das Genre inzwischen fast ausgestorben ist, ist schon frgalich

  • Switch

    Turmheld

    Und Teil 1 und 2 gibt es auch auf der Switch?

  • Zettes

    Turmheld

    Geheimakte 1/2 war mega, 3 kenne ich noch nicht. Ist aber halt ein Nischenspiel.

  • Waldwatz

    Turmheld

    SvenIsHere

    Hat damit wenig zu tun. Es liegt mehr an vielen unlogischen Rätseln die in Point&Click oftmals auftauchen. Speziell das „nur mein vorgegebener Lösungsweg funktioniert, und wehe du machst irgendwas in der Kette falschherum“ dieser Spiel nervt irgendwann nur noch.


    Ich kann die altersschwache Tür nicht einfach eintreten oder das Brecheisen das ich auch noch im Inventar habe benutzen, nein, ich muss irgendwelche (teilweise absurden) Lösungswege benutzen, bei denen ich Teilweise sogar noch extrem die Schauplätze wechseln muss nur um dann eine gelbe Brechstange (die im Inventar war Basic Schwarz) zu bekommen, mit der man die Tür dann aufbrechen kann.


    Das ist das Problem von P&C Games.


    P&C könnten super Spiele sein, wenn man Sie wirklich mal halbwegs realistisch sein würden. Wenn ich auf Teufel komm raus in die Erdgeschosswohnung von Herrn X eindringen muss, werde ich in der Realität einfach das Fenster im Garten mittels eines Steins einschlagen und nicht extra nach Timbuktu fliegen um dort von der Tante des Herrn X einen Ersatzschlüssel für die Haustür zu ergattern.....

  • Frank Drebin

    Spezielle Spezialeinheit

    Ich denke ich starte mal wieder Teil 1 auf der Wii. Habe das auch noch nicht durch.

    Weiß noch dass ich an einer Stelle ums verrecken nicht weiter gekommen bin :-(

  • Champ

    Turmheld

    Switch


    Ja, gibt 1+2 auf der switch.


    Nun die ganze Trilogie & den schwachen Mini-teil.

  • SvenIsHere

    Lord des Donners

    Waldwatz Leider bin ich nicht ganz deiner Meinung. Wo ich dir recht gebe, sind die in manchen P&CA unlogischen Rätsel. Es gibt aber genug Spiele die das sehr gut machen.


    Was Logic angeht ist bei Videospielen an sich nicht wirklich viel zu erkennen. Aber deswegen sind es Videospiele. Wenn man jedes Spiel logisch nach realen Begebenheiten programmieren würde, wäre es das langweiligste Medium überhaupt.


    An so ein Adventure darfst du nicht ran gehen wie du es im echten Leben machen würdest. Du sollst ja Knobeln und Rätseln. Auch wenn es nicht der einfachste weg ist um an sein Ziel zu kommen. Bei einem Puzzle sind die Teile ja auch nicht nummeriert um es schnellstmöglich fertig zu bekommen. Warum ist Kratos und sein Sohn nie den schnellstmöglichen und direkten Weg gegangen? Warum kann man in CoD nicht schnellere Wege außerhalb der Schussgefächte gehen um sich Zeit und das mögliche Ableben zu ersparen? Es sind eben diese Aufgaben und Herausforderungen die ein Spiel spielenswert machen.


    Das ist keine Kritik an deiner Denkweise. Nicht jeder ist der Typ für diese Art von Genre was vollkommen OK ist. Wäre ja langweilig wenn wir alle das selbe geil finden würden.

  • Waldwatz

    Turmheld

    Du benutzt falsche Beispiele.

    Ein P&C like CoD wäre folgendermaßen:

    Deine waffen funktionieren nicht oder zumindest nicht gegen die Gegner. Du müsstest erst durch die feindlichen Linien schleichen, dort Hühner klauen (aber nur Schwarze) mit denen du dann erstmal zum Stützpunkt zurück müsstest, dich dort in ein Flugzeug schwingen um nach Japan zu fliegen um dort die schwarzen Hühner (ich hoffe du hast alle 4 gefunden) bei einem Videospielhändler (aber welcher von den 5 ist der Richtige, alle nehmen die Hühner, aber nur einer gibt dir das Richtige Item dafür) gegen einen Bummerang zu tauschen. Dann musst du wieder zurückfliegen und kannst mit dem Bummerang alle Gegener töten....außer den Endboss des Levels....aber das ist eine andere Geschichte.


    Glaubst du das kauft irgendeiner?


    Deine Begründung für das warum ist einfach: darum. Aber wollen das wirklich die Leute? Warum verkaufen sich P&C meist so schlecht?

    Wegen unlogischer Rätsel.

    Die Leute wollen auch die schwarze Brechstange an der Tür benutzen können, nicht nur die gelbe.

    Die Leute wollen die Kerze auch mit den Streichhölzer im Inventar anzünden können, nicht nur mit dem Feuerzeug das ich extra in Paris besorgen muss (das aus Rom geht nicht).

    Genau dieses starre Festhalten an vorgefertigten Rätselketten ohne Ausnahme ist es was die Leute von diesen Games fern hält. Wir sind nicht mehr in 1987 bei Infocom Textadventures.

    Man kann spannende Geschichten und Rätsel auch so erzählen, das Sie nicht vor unlogischem nur so strotzen. Die Geschichte ist das wichtige bei einem P&C, nicht das Sie möglichst unlogische Rätsel haben.

    Und Auch zum Knobeln & Kombinieren braucht man die nicht.


    Abstruse Rätselketten sind ein Relikt aus dem letzten Jahrhundert.

  • SvenIsHere

    Lord des Donners

    Waldwatz

    Vielen Dank für deine Antwort auf meinen Text. Dein CoD Beispiel fand ich super witzig :D Musste mir das alle bildlich vorstellen.


    Im Detail hast du nicht unrecht. Jedoch sollte man das nicht auf jedes P&C Adventure beziehen. Und tatsächlich sind viele OldSchool P&C noch immer sehr Spielenswert. Ein Monkey Island oder ein Baphomets Fluch wären einige Beispiele. Wer sich mit dem Genre nicht identifizieren kann sollte natürlich lieber die Finger von lassen. Um realistischere Begebenheiten zu haben gibt es genug andere Genres die man dann anpacken kann.

  • UnbreakableAlex

    Game Boy

    Und nicht zu vergessen: beneath a Steel sky. Ein absolutes Hammer p&c.