Die volle Prinny-Dröhnung, Dood!

Die Prinnies, Maskottchen der Disgaea-Reihe, die aber auch häufig auf der Internetpräsenz von Nippon Ichi Software (kurz NIS) vertreten sind, bekamen als eigene Helden auf der PlayStation Portable hierzulande in den Jahren 2009 sowie 2010 zwei eigenständige Games spendiert. Prinnies sind knuffige, pinguinähnliche Wesen mit fledermausartigen Flügeln sowie zwei Stelzbeinen, die in der Netherworld leben. Diese Wesen haben die Angewohnheit, an jedes Satzende ein „Dood“ anzuhängen. So knuffig die Prinnies aussehen mögen, haben sie jedoch einen recht düsteren Hintergrund: Menschen, die in ihrem Leben Böses getan haben, wie Morde, Diebstähle oder sonstige Untaten, werden nach ihrem Tod als Prinnies wiedergeboren. Von da an sind sie dazu verdammt, ihr Dasein als Soldaten, Sklaven oder Diener zu fristen. Darüber hinaus explodieren sie, sobald sie einer großen Kraft ausgesetzt werden, beispielsweise wenn sie geworfen werden. Falls sie jedoch gute Taten erledigen, erfahren sie eine Reinkarnation und werden erlöst.


Die beiden Titel „Prinny: Can I really be the Hero?” sowie „Prinny 2: Dawn of Operation Panties, Dood” erscheinen nun auch für die Nintendo Switch. Zum einen sowohl als Doppelpack unter dem Titel „Prinny 1/2: Exploded and Reloaded” als auch einzeln im Nintendo e-Shop. Da sich beide Titel sehr stark ähneln, gehe ich zuerst etwas detaillierter auf den ersten Teil ein und widme mich dann beim Nachfolger hauptsächlich den Unterschieden und Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger.


Das Prinny-Squad meldet sich zu Diensten, Dood!


Was gibt es schlimmeres, als wenn dein köstliches Dessert, auf das du dich schon seit gefühlt einer Ewigkeit gefreut hast und genüsslich schnabulieren willst, auf einmal von einem anderen weggeputzt wird? Richtig, fast nichts. So ist es auch der Dämonin Etna passiert, die nun das 1000 Mann-starke Prinny-Squad befehligt, Zutaten für das Ultra Dessert zu finden. Hierfür gewährt sie der Pinguin-Truppe zehn Stunden Zeit. Sollten Sie bis dahin nicht den Nachtisch zusammenbekommen, droht ihnen der Tod. Zur Hilfe bekommt der jeweilige Hero-Prinny einen Schal, der verhindert, dass der Träger bei kleinster Krafteinwirkung explodiert. Sollte aber der derzeitige Träger des Schals das Zeitliche segnen, bekommt einfach der nächste der Truppe diesen ausgehändigt und es liegt an ihm, das angefangene Werk fortzuführen. Demnach habt ihr insgesamt 1000 Leben zur Verfügung, um das Spiel zu beenden. Was? So viele Leben? Das ist ja unmöglich, alle zu verlieren! Falsch gedacht, denn das Game ist knüppelhart und ihr seht im Minutentakt (oft auch im Sekundentakt) den Counter der verbleibenden Leben herabschnellen. Allein schon beim Endgegner werden eure tapferen Recken im dreistelligen Bereich vor die Hunde gehen.


Das Leben eines Prinny ist nicht gerade beneidenswert.

© NIS America

An sich spielt sich das Spiel wie ein klassisches Jump 'n' Run, ihr steuert den derzeitigen Schalträger durch ein 2D-Gebiet, habt einen Doppelsprung, einen Sprint und einen Standard-Angriff sowie eine Stampfattacke zur Verfügung. Beim Angriff hämmert ihr den Knopf bis er glüht – je schneller, desto mehr Angriffe regnen auf den Feind nieder. Greift ihr im Sprung an, wechselt die Sicht in eine coole Seitenansicht und Prinny schmettert mit seinen Säbeln Schnittwellen auf die Gegner herab. Mithilfe der Stampfattacke werden die Feinde betäubt, was vor allem für die Bosskämpfe überlebenswichtig ist. Zudem kann Prinny Pirouetten drehen, wodurch gegnerischen Angriffen er für kurze Zeit ausweicht. Dreht sich der Knilch zu lange, wird es ihm jedoch schwindelig und er ist kurze Zeit bewegungsunfähig. Drückt ihr in eine Richtung bevor dies geschieht, fängt er an zu sprinten. Durch Angriffe steigt eine Komboleiste. Ist diese komplett gefüllt, erhaltet ihr den Gegenstand, der derzeit neben der Leiste abgebildet ist. Danach leert sich diese wieder und ein neuer, zufälliger Gegenstand erscheint. In manchen Level stehen auch Fahrzeuge wie Panzer zur Verfügung, die für ein paar Sekunden verwendet werden können, bevor sich diese selbst zerstören. Zwischen zwei Schwierigkeitsgraden kann gewählt werden, bei einem davon sterbt ihr direkt nach einem Treffer, beim anderen dürft ihr dreimal getroffen werden. Aber glaubt mir: Den harten Modus wollt ihr erst gar nicht versuchen, denn schon im „einfachen“ ist das Spiel schwerer als eine Elefanten-Kolonie.


Die Schwierigkeit entsteht hauptsächlich durch das Leveldesign sowie die unflexiblen Sprünge. Ihr könnt eure Sprungrichtung sowie -weite nur vor dem Absprung lenken. Einmal losgehüpft, habt ihr nur noch die Möglichkeit, die Flugbahn mithilfe des Doppelsprungs zu korrigieren. Versemmelt ihr auch diesen, fliegen unzählige arme Prinnies unkontrollierbar ins Verderben. Noch erschwerend kommt hinzu, dass oftmals Feinde direkt an Kanten nach Sprungpassagen platziert sind und euch beim Landen direkt treffen. Bei Schadenskontakt prallt eure Figur nach hinten ab – ist dort ein Abgrund, habt ihr keine Chance, den Tod abzuwenden. Nachdem Feinde häufig extra direkt nach einer Schlucht platziert sind, kann das oftmals sehr unfair werden und sich dadurch frustrierend auswirken, wutentbrannte Schreie inklusive.


Der Luftangriff wird cool in Szene gesetzt: Die Kamera schwenkt hierfür seitlich ins Bild rein.

© NIS America

Die Zutaten des Desserts sind in sechs Welten verteilt. Das Besondere daran ist, dass diese in beliebiger Reihenfolge bestritten werden können. Nach jedem Level verstreicht eine Stunde im Spiel, das heißt, die Tageszeiten der einzelnen Welten ändern sich dabei ebenfalls. Somit wandelt sich auch der Levelaufbau, je nachdem, in welcher Tageszeit ihr diese betretet. Dabei warten andere Gegner, sogar Bosse, sowie andere Belohnungen auf euch. Das lädt sehr zum Wiederspielen ein, da bei jedem Durchgang gewisse Unterschiede geboten sind. Habt ihr bestimmte Voraussetzungen erfüllt, schaltet ihr auch eine alternative Geschichte mit einem anderen Helden frei. Vor dem Betreten der Welten könnt ihr in der Hubworld mit verschiedenen Figuren sprechen und schaltet mit diversen, in den Leveln versteckten Gegenständen weitere Funktionen frei. So könnt ihr gefundene Musikstücke anhören oder Informationen zu Gegnern lesen.


Am Ende jeder Stage wartet ein Bossgegner darauf, weitere Prinny-Seelen zu zerstören. Diese treten entweder alleine oder auch mal im Doppelpack auf. Während ein paar relativ einfach sind, fordern andere alles von euch ab und unzählige Prinnies verlassen das Battalion im Laufe der Schlacht. Die Stampfattacke ist – wie bereits erwähnt – die wichtigste Technik. Nach zwei bis drei erfolgreichen Attacken auf den Kopf des Bosses wird dieser betäubt. Danach heißt es Button hämmern, um so viel Lebensenergie wie möglich auszuradieren. Ist der Obermotz Geschichte, wird anhand einer Statistik gezeigt, wie viel Zeit für das Level benötigt und wie viele Prinnies dabei insgesamt verloren wurden. Hierfür gibt es je nach Leistung einen Rang und eventuelle Belohnungen.


Eine schlüpfrige Angelegenheit: Prinny 2, Dood!


Zum größten Teil ist der Nachfolger sehr ähnlich zum Vorgänger. Dieses Mal wird allerdings Etnas Höschen von einem bösen Schelm, der sich Phantom Tief nennt, entwendet. Etna ist natürlich alles andere als gut gelaunt und befehligt wieder das arme Prinnie-Squad, die Unterbuchse innerhalb von zehn Stunden zurückzuerobern. Auch hier besteht das Pinguin-Geschwader wieder aus 1000 mutigen Recken, die sich durch mehrere bockschwere Level schlagen müssen, welche sich ebenfalls je nach Reihenfolge und Tageszeit ändern.


Die Bossgegner fordern häufig alles ab. Nur Geduldige gehen siegreich hervor.

© NIS America

Als Neuerung haben die Prinnies ein paar neue Moves gelernt. So erhaltet ihr nach einer Kombo nicht mehr verschiedene Items, sondern gelangt in einen Break-Mode, in dem sich die Angriffskraft für eine gewisse Zeit deutlich steigert. In dieser Phase kann Prinny neue bzw. verstärkte Moves einsetzen: Zum einen betäubt die Stampfattacke nicht mehr nur, sondern verteilt zusätzlich Schaden, beim Sprinten rennt er durch die Gegner hindurch und verletzt diese dabei und dann wäre da noch der Prinnikaze-Angriff, bei dem er in der Luft raketenartig auf den Boden aufschlägt. Außerdem könnt ihr nun zwischen drei Schwierigkeitsgraden wählen: Den zwei bereits vom ersten Teil bekannten und den neu eingeführten Baby-Modus. In Letzterem werden die Schalsymbole für die Gesundheit durch Windeln ausgetauscht und bestimmte Levelbereiche, die normalerweise Schaden zufügen würden, sind abgeschwächt worden. Lasst euch jedoch wieder nicht täuschen, denn auch in diesem Modus bietet das Spiel eine enorme Herausforderung, die kleine Baby-Prinnies zum Heulen bringen würde. Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, schaltet sich der „Asagi-Mode“ frei, in dem ihr die Kontrolle über Prinny-Asagi übernehmt. Diese sieht in einer Fernsehsendung, dass sich mehrere (fake) Asagis in einem Turnier prügeln, um die neue Hauptperson zu werden. Die einzig wahre Asagi mischt daraufhin mit, um allen zu zeigen, das nur sie die Echte ist. Dieser Modus bringt auch veränderte Gameplay-Elemente mit sich.


Der schwarze Humor der beiden Spiele ist sehr unterhaltsam und mit die größte Stärke. Auch die sehr sympathischen Prinnies tragen ihren Teil dazu bei, denn die Animationen der kleinen Pinguin-Wesen sind unglaublich putzig. Selbst die meisten Feinde sehen weniger bedrohlich als zuckersüß aus. Auch die Grafik macht an sich eine hübsche Figur, man merkt aber, dass der Titel ursprünglich auf der PlayStation Portable veröffentlicht wurde. Der Soundtrack bei beiden Titeln weiß durchaus zu überzeugen, jedoch ist die Gefahr hoch, dass ihr euch an dem ein oder anderen Lied satthören werdet aufgrund des häufigen Sterbens und Festhängen in bestimmten Level. Beide Titel sind auf Englisch oder Japanisch, deutsche Texte gibt es nicht.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Johannes Bausch

Die beiden Prinny-Games sind schon eine Wucht. Wer schon immer ein Souls-like Jump 'n' Run haben wollte, ist bei den zwei Titeln genau an der richtigen Adresse. Ihr werdet sehr häufig sterben, was größtenteils an den Sprüngen liegt. Einmal drauflos gesprungen, gibt es kaum mehr einen Weg zurück, denn nur mit dem Doppelsprung könnt ihr nochmals die Sprungbahn ändern. Ist dieser auch falsch ausgeführt, habt ihr keine Chance mehr, irgendetwas zu korrigieren. Dadurch sterben sehr schnell einige eurer Prinnies. Auch sind die Gegner teilweise so fies platziert, dass ihr oftmals durch den Rückstoß in den Abgrund purzelt, was die Games deshalb auch stellenweise etwas unfair macht. Wen der enorme Schwierigkeitsgrad nicht stört und sowieso ein riesen Fan der putzigen Prinnies als auch der Disgaea-Reihe, der die Pinguinwesen ursprünglich entstammen, ist, wird dennoch seinen Spaß haben. Der Umfang ist auf den ersten Blick zwar gering, jedoch täuscht das aufgrund der sich ändernden Levelabschnitte, abhängig davon, in welcher Reihenfolge diese bestritten werden. Zudem gibt es noch weitere Modi freizuspielen, das volle Prinny-Paket weiß deshalb in Sachen Umfang sehr zu überzeugen. Alles in allem bietet die Kollektion eine gute Jump 'n' Run-Kost, die aber hauptsächlich an Hardcore-Gamer gerichtet ist. Gelegenheitsspieler werden weniger Spaß damit haben. Wer nur eines der beiden Spiele zocken möchte, kann diese auch einzeln im Nintendo e-Shop erwerben.
Mein persönliches Highlight: Die Prinnies, Dood!

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 8

  • Zarathustra

    Ritter von Ni(er)

    Da seid ihr aber früh dran mit dem Test. Werde mir die retail Fassung gönnen,hätte den ersten Teil auf der PS Vita und mochte es sehr.


    Danke für den schönen test.hatte zwar mit ner 7 gerechnet,kann die Wertung aber nachvollziehen.

  • Johannes Bausch

    Redakteur

    Zarathustra hatte lange Zeit überlegt, ob ich nicht sogar eine 7 gebe. War am Ende dann ein schmaler Grad und ich habe mich schlussendlich dann doch für die 6 entschieden. Lag dann Grossteils an den teils recht frustrierenden Stellen im Spiel :D

  • Zarathustra

    Ritter von Ni(er)

    Johannes Bausch


    Kenne zwar bisher wie gesagt nur den Erstling,aber ja,manche Stellen sind zum Haare raufen:cursing:

  • Zach

    Turmheld

    Schöner Test, obwohl ich eine 6 für etwas zu niedrig angesetzt finde.

    Klar, der Schwierigkeitsgrad ist schon sehr gesalzen und gerade das Sprungverhalten ist auch sehr gewöhnungsbedürftig, aber so war das beim guten, alten Super Ghouls 'N Ghosts früher auch. 🙂

    Was mich bei der Retail-Version aber mächtig stört ist, das dafür fast 60 € verlangt werden, was für zwei (zwar gute) PSP-Port's etwas zu viel ist.

  • Weitenrausch

    Meister des Turms

    Kommt das game noch für ps4?

  • 4C8en

    Turmbaron

    Hu, bin ja gespannt, hab mir die just dessert Edition für fast 60 € bei Amazon vorbestellt

  • Kabuki-Ende

    noch nicht ganz am Ende...

    ich würde ja lieber gerne etna für die coolen prinnys opfern :evil: ich bin froh dass hier auch der schwierigkeitsgrad bezüglich der note berücksichtigt wurde werde mich aber wohltrotzdem hindurchquälen müssen:/

  • Johannes Bausch

    Redakteur

    Zach Fast 60 € sind in der Tat bisschen heftig, aber zumindest kommt die Retailfassung mit ein paar Boni daher (Soundtrack, Artbook, kleine Figur). Das macht den Preis dann zumindest etwas besser:D


    Weitenrausch Bislang ist es nur für die Nintendo Switch angekündigt