Ein nicht ganz konkludenter Fall!

Eine Stadt – 17. Juli 2014: Im Hotel Lissabon fand die örtliche Polizei einen Mann mit 14 Messerstichen im Rücken vor. Während des Tatverlaufs soll das Opfer, nach Angaben der Polizei, gemütlich Kaffee getrunken haben. Nach aktuellen Ermittlungen geht man von Selbstmord aus. Inspektor Garcia hat bereits das schlechteste Detektiv-Duo, das er finden konnte, auf den Fall angesetzt. Der widersprüchliche und scheinbar komplexe Tathergang wird von Detektiv Case und Clown Bot übernommen. Nach aktueller Lage wird der Fall voraussichtlich nie gelöst oder das endgültige Ergebnis der Ermittlung nur erraten. Sollten sich tatsächlich Neuigkeiten in dem Fall ergeben, werden wir umgehend davon berichten. – ntower News.


Detective Case und Clown Bot ermitteln


Für Detektiv Justin Case – übrigens ein Wortwitz, denn ausgesprochen ergibt die Übersetzung aus dem Englischen in etwa „Für alle Fälle“ – beginnt der Tag eigentlich wie jeder andere auch. Er steigt aus dem Bett, denkt darüber nach, wer seine abendliche Begleitung wohl gewesen sein könnte und dass er mit dem Trinken aufhören sollte und begibt sich anschließend in sein Detektivbüro – besser gesagt, dem Zimmer nebenan. Doch heute wartet ein Päckchen bei ihm auf dem Schreibtisch darauf, geöffnet zu werden. Verwundert, was die Pappschachtel wohl enthalten mag, öffnet er sie und heraus springt ein Roboter. Der sich als Domestic Robot 9000 vorstellende Roboter möchte ihm weismachen, dass sein aus Mexiko stammender Ur-Ur-Großonkel Señor Miguel Mauricio Martinez Montenegro von Matamoros ihm aufgetragen habe, auf ihn aufzupassen und ihm bei seinen alltäglichen Tätigkeiten zur Hand zu gehen. Verwundert und skeptisch, ob die Blechbüchse tatsächlich die Wahrheit sagt, fragt e sie, was er bitte für ein Clown Bot sei. Da der kleine, in der Luft schwebende Roboter bisher noch keinen Namen besaß und es sein erklärtes oberstes Ziel ist, in einem Zirkus zu arbeiten, nimmt er den Namen dankend an. Von da an klebt der sprechende Toaster an Case' Fersen, wie eine Zunge an einer gefrorenen Metallstange. Der bereits an der Tür wartende Inspektor Garcia betritt die Bühne, erklärt den beiden die Sachlage und heuert sie an, den seltsamen Selbstmordfall zu lösen. Case wittert eine üppige Entlohnung und nimmt den Fall an.


Etwas wenig Spiel im Spiel


Zunächst sucht man natürlich die Szenerie des Mordfalls auf. Wie in einem 2D-Platformer steuert ihr den Detektiv bei Detective Case and Clown Bot in: Murder in The Hotel Lisbon nur in zwei Richtungen, also auf vertikaler Ebene, nach links und rechts. Mittels eines monokelartigen Zeigers könnt ihr die Welt um euch herum abtasten. Die Objekte in der Umgebung, mit denen ihr interagieren könnt, werden bei Anwählen mit einer weißen Umrandung versehen. Wie in jedem guten Point-and-Click-Adventure lautet die Devise: Sammelt unbedingt alles ein, was einem vor die Flinte kommt! Wählt ihr ein Objekt oder eine Person in der Spielwelt an, dann bekommt ihr mittels kleinen, runden Symbolen die möglichen Interaktionen angezeigt. Eine Hand, um Objekte aufzunehmen, ein Auge, um sie sich nur anzuschauen oder auch einen Mund, der es ermöglicht, in eine Kommunikation zwischen euch und der gewählten Person einzusteigen. Zum Glück hat Clown Bot ein schwarzes Loch hinter seiner Frontklappe, welches unendlich viele Gegenstände aufnehmen kann – solange sie klein genug sind, sodass sie durch die Öffnung passen. Die Verwaltung der Gegenstände übernimmt ein purpurfarbenes Tentakelwesen – eine schöne Anspielung auf das Lucas Arts-Adventure Day of the Tentacle. Kombinieren lassen sich die eingesammelten Objekte allerdings nie.


Verdächtige im Mordfall müsst ihr mit den passenden Fragen und stichhaltigen Beweisen, zu einem Geständnis bringen.

© Nerd Monkeys

Vom spielerischen Aspekt her wird also nur recht leichte Kost geboten, die einem Liebhaber von klassischen Point-and-Click-Adventures etwas zu simpel sein dürfte. Die Gegenstände im Spiel dienen nur als Beweismittel für die Befragungen im Spiel, womit wir bei einem der wichtigsten Bestandteile wären. Neben dem klassischen Absuchen der Orte und dem Quatschen mit Personen müsst ihr die Verdächtigen in dem Kriminalfall mit diversen Fragen konfrontieren. Habt ihr genug Beweise gesammelt und Personen interviewt, könnt ihr die jeweils verdächtige Person zu einer Befragung bewegen und das Spiel geht anschließend in ein Art Verhör-Minispiel über. In jeweils drei Fragerunden müsst ihr, Wahlweise mit Case oder Clown Bot, die Person mit ihren Taten und den passenden von euch gefundenen Beweisen konfrontieren. Gelingt es euch, die korrekte Kombination aus Frage und Beweisobjekt zu wählen, dann fühlt sich die Person ertappt und gibt euch eine entsprechend ausweichende Antwort. Nach der dritten erfolgreichen Frage-Antwort-Runde habt ihr die Person gebrochen und sie gesteht. Sollte euch einmal die Befragung nicht gelingen, dann keine Sorge, ihr könnt sie so oft wiederholen, wie ihr mögt. Wichtig ist auch herauszufinden, ob ihr Case oder Clown Bot auf die Person ansetzt, denn nur einer von beiden stellt die richtigen Fragen. Auf die Beweismittel haben allerdings beide gleichermaßen Zugriff. Die gestellten Fragen sind so manches Mal herrlich dämlich und es kristallisiert sich schnell heraus, welche ihr wählen müsst. Insgesamt sind die Dialoge und Texte im Spiel fantastisch geschrieben und es bereitet Freude, sie zu lesen – vorausgesetzt man ist der englischen Sprache mächtig. Leider muss man für das Spiel einen recht breiten englischen Wortschatz mitbringen, denn ansonsten geht viel an Charme des Spiels verloren. Eine Sprachausgabe gibt es zudem leider nicht.


Ein Adventure der alten Schule?


Die mehr oder minder humorvollen Dialoge wirken zwar häufiger mal etwas niveaubefreit, klischeehaft, platt und auch gezwungen, es sind aber trotzdem einige gute Gags und Anspielungen dabei. Das im „passenden“ Moment im Hintergrund lachende Publikum lässt es dabei auch noch ein wenig trashig wirken. Moment, Publikum? Ja! Das Spiel findet vor einem Publikum statt und ist wie ein Theaterstück aufgezogen sowie in diverse Akte unterteilt. Ein roter, sich öffnender und schließender Vorhang gibt an, wann ein Akt zu Ende ist und der Nächste ansteht. Hier und da bricht das Spiel auch mit der vierten Wand und bezieht euch als Spieler mit ein – herrlich verrückt und bescheuert! Allerdings meine ich vieles davon mehr positiv als negativ. Denn schaut man sich die alten Lucas Arts- und Sierra-Adventures an, ist es diese Art und auch teils genau dieser Humor, welche die Spiele erst so charmant gemacht haben. Qualitativ erreicht es diese allerdings leider nicht.


Der Grafikstil und der teilweise krude Humor erinnern stark an Adventure-Klassiker aus dem Hause Lucas Arts.

© Nerd Monkeys

Insgesamt orientiert sich das Spiel sehr an den Adventure-Klassikern der damaligen Zeit. Der schräge Grafikstil und die sehr niedrig aufgelöste Pixelwelt sind eine direkte Anlehnung an die Zeit, wo Point-and-Click-Adventures Hochkonjunktur hatten und eins wirrer als das andere aussah. So manche Anspielungen dürften dem geneigten Fan direkt auffallen. Die Fahrt im Taxi beispielsweise – welches ihr übrigens jederzeit rufen könnt und euch direkt innerhalb(!) eines Gebäudes abholt – und die anschließende Ladesequenz, in der Case und Clown Bot außen am Taxi hängend gen Ziel fahren, erinnern stark an die Szene aus Sam & Max: Hit the Road, wo die beiden Protagonisten recht brachial in ihrem Polizeiauto alles zu Klump fahren und Max eher mitfliegt, als mitfährt. Oder sie erinnern auch an Day of the Tentacle, wo die Protagonisten in ihren Kabinen durch die Zeit reisen. Auch, dass Clown Bot eher nur den Sidekick von Case darstellt und für dumme Witze und Kommentare zuständig ist, lässt sehr an die Beziehung zwischen einem gewissen bräunlichen Hund und einem weißen Hasen erinnern. Leider wirken die gesamten Charaktere im Spiel grafisch etwas deplatziert und so, als ob sie aus einem anderen Spiel stammen würden. Da brechen zwei Grafikstile ein wenig miteinander. Abgesehen von der Musik ist das Spiel leider insgesamt recht Stumm und ein paar mehr Geräusche und auch Hintergrundklänge wären der Atmosphäre zuträglich gewesen. Die Auswahl an Jazz-Musik und teils seichten Drehorgelklängen passen zum Setting und der Grundstimmung des Spiels, auch wenn die Stücke wenig abwechslungsreich und recht kurz sind. Ein schönes Detail: Während der Befragungen wird bei der zweiten Frage die Musik schneller abgespielt und verstummt bei der Dritten, quasi so als würden die Zuschauer den Atem anhalten.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von David Kuhlgert

„Womit macht man ein Schokoladen-Omelett? Natürlich mit Ostereiern!“ Diese und viele weitere Flachwitze erwarten euch in dem schrägen Point-and-Click-Adventure. Auch wenn es rein spielerisch nur rudimentär Elemente aus dem Genre für sich in Anspruch nimmt, hat es mich durch seine seichten Rätseleinlagen und gut geschriebenen Dialoge in Verbindung mit dem Grafikstil aus einer anderen Zeit und den subtilen Anspielungen an ehemalige Adventure-Klassiker sehr gut unterhalten. Der letzte Akt flimmerte bei mir bereits nach ein paar Stunden über den Bildschirm und die Geschichte über einen (Selbst-)Mord und dessen Motiv lockt wahrscheinlich keinen Adventure-Fan vom Ofen hervor, wird aber auf so eine verrückte und durchgeknallte Art und Weise erzählt und präsentiert, dass es mir persönlich eine wahre Freude war, diese zu erleben. Ansonsten kann man auch einfach Clown Bot am laufenden Band Witze erzählen lassen – er hat genug davon auf Lager – oder bei einem Mini-Spiel versuchen, die jeweils passende Pointe zu einem seiner Witz zu finden! Ob einem die Lacher und Zwischenrufe vom Publikum gefallen, wenn Justin Case beispielsweise einen Namen falsch ausspricht und Clown Bot ihn korrigiert (übrigens ein Running Gag im Spiel) oder diese einen manchmal eher nerven, dass muss jeder für sich selbst entscheiden, wenn er das Spiel spielt. Denn das kann ich jedem, der für diese Art von schrägem Adventures ein Faible hat, definitiv empfehlen. Vorausgesetzt, dass man kein Spiel mit anspruchsvoller Mechanik erwartet. In diesem Fall erlebt man zusammen mit Justin Case und seinem Sidekick Clown Bot einige unterhaltsame Stunden.
Mein persönliches Highlight: Der an alte Adventure-Klassiker angelehnte Grafikstil.

Die durchschnittliche Leserwertung

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