Der Herr über die Aliens

Einmasl mehr hatte ich mit Ben 10: Power Trip! das Vergnügen, die nächste Kinderserien-Umsetzung für die Nintendo Switch auszuprobieren. Als Vater eines Sohnes, welcher passgenau zu der angestrebten Zielgruppe des Titels gehört, war ich umso gespannter, wie gut die Charaktere der Serie eingefangen wurden und wie viel Spielspaß einem auch im höheren Alter geboten wird. Außerdem reizte mich bereits im Vorfeld der angekündigte lokale Mehrspieler-Modus, welchen wir als Duo ausprobierten, um euch so unsere unverblümte Meinung zum Abenteuer mitteilen zu können.


Die Landschaften, die sich in der Ferne erstrecken, können von euch aufgesucht werden.

© Cartoon Network / Outright Games Limited

Das Spiel beginnt im Wohnmobil eures Großvaters Max, in dem ihr und eure Cousine Gwen auf einem Trip quer durch Europa seid. Als ihr jedoch plötzlich auf den Magier Hex trefft, entwickelt sich der ruhige Urlaub zum großen Abenteuer. Dieser beschwört nämlich in der gesamten Spielwelt Monster herbei, welche euch an den Kragen wollen. Darüber hinaus verliert ihr die Macht über all eure Aliens, sodass ihr in der Haut von Ben erst einmal damit beginnt, eure eigene Macht zurückzuerlangen, bevor ihr es mit Hex aufnehmen könnt. Dabei trefft ihr auf viele unterschiedliche Bewohner, welche euch dank englischer Sprachausgabe mit Rat und Tat zur Seite stehen. So erhaltet von ihnen neue Gegenstände, erfahrt Informationen über die einzelnen Gebiete oder aber ihr benötigt sie, um neue Quests anzunehmen bzw. vorhandene abzuschließen.


All dies könnt ihr in einer Spielwelt erleben, welche nach etwa 60 Minuten vollkommen offen und frei begehbar ist. Darin trefft ihr nicht nur die unterschiedlichsten Auftraggeber, sondern durchstreift Wiesen, Wälder, Städte oder auch schneebedeckte Gebiete. Ich war ganz überrascht von der Fülle an Möglichkeiten und Details, die in dieser Spielwelt stecken. So kann man versteckte Extras wie Musikstücke sammeln, auf die Jagd nach Artefakten gehen oder eines der vielen von Aliens besetzten Lager von eben diesen befreien. Auf dem Weg zu euren Aufgaben winken außerdem allerlei Münzen, die es sich zu sammeln lohnt, da man diese in einem der Läden in weitere Ausrüstung investieren kann. Sobald ihr im Laufe der Geschichte die Kräfte eurer Aliens wiedererlangt, ergeben sich sogar noch weitere Wege oder Abkürzungen, die euch noch mehr Möglichkeiten in der Welt offenbaren.


Die Charaktere im Spiel sind allesamt herrlich skurril!

© Cartoon Network / Outright Games Limited

Sowohl Ben als auch die insgesamt sechs freischaltbaren Aliens verfügen über jeweils eigene Fähigkeiten und Angriffe, was euch als Spieler viele Individualisierungsmöglichkeiten bietet. So ist Ben in der Lage mit Personen zu interagieren, zu springen oder mit dem Roller zu fahren, wohingegen Inferno über einen Doppelsprung verfügt und Gegnern mit seinen feurigen Angriffen im Kampf einheizt. Jeder der spielbaren Charaktere fühlt sich durch seine individuellen Fähigkeiten und die eigenen Movesets im Kampf ganz unterschiedlich an, was einen großen Reiz ausmacht.


Wechseln könnt ihr die Charaktere ganz einfach im Menü oder aber ihr ordnet einem der drei Aliens im Vorfeld einen einzelnen Knopf zu, um fließend zwischen ihnen zu tauschen. Beides funktioniert wunderbar einfach, wobei es wünschenswert gewesen wäre, mittels eines Schnellwahlmenüs gleich alle Aliens per Knopfdruck auswählen zu können. Nichtsdestotrotz kann man für jede Mission die wichtigsten Charaktere im Vorfeld auswählen, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein.


Es wurden ja bereits die Kämpfe erwähnt, welche allesamt in Echtzeit stattfinden. Diese fallen im Großen und Ganzen recht einfach aus, auch wenn sich eure Widersacher in Form und Fähigkeiten voneinander unterscheiden. Ein taktisches Vorgehen ist nur selten notwendig, sodass auch jüngere Spieler ohne allzu viele Bildschirmtode gut voranschreiten können. Außerdem sind die einzelnen Checkpoints äußerst fair gesetzt, um möglichen Frust entgegen zu wirken. Darüber hinaus könnt ihr im Laufe des Abenteuers eure Fähigkeiten in den Kategorien Gesundheit, Kraft und Glück weiter ausbauen, um auch dem stärksten Gegnern gewappnet entgegen zu treten. Sollte es doch einmal brenzlig werden, können geschickt kombinierte Angriffe und Schokoriegel, welche euch zeitliche Buffs spendieren, das Zünglein an der Wage sein.


Krake ist für seine Durchschlagskraft bekannt.

© Cartoon Network / Outright Games Limited

Das für mich größte Highlight neben den Aliens und der offenen Spielwelt ist jedoch der Mehrspieler-Modus. Sobald ihr das Tutorial abgeschlossen habt, kann jederzeit ein zweiter Spieler einsteigen und die Rolle über Kevin übernehmen. Dieser verfügt über die gleichen Aliens wie Ben, wobei sie sich äußerlich leicht voneinander unterscheiden. So kann man letztendlich zusammen losziehen, um Hex das Handwerk zu legen. Eine Einschränkung gibt es hierbei jedoch: Kevin muss immer in der Nähe von Ben bleiben, da er ansonsten zu ihm teleportiert wird. Das ist zwar nervig, aufgrund der Größe der Spielwelt und den damit verbundenen Problemen allerdings nachvollziehbar.


In Sachen Grafik und Technik braucht man nicht um den heissen Brei reden. Ben 10: Power Trip! sieht nicht sonderlich gut aus. Zwar sind alle bekannten Figuren toll umgesetzt, trotzdem hinkt die Grafik dem aktuellen Standard hinterher. Vor allem im kooperativem Spiel kommt es darüber hinaus zu häufigeren Einbrüchen der Framerate, was an den Nerven zerren kann. Dafür gefiel mir jedoch die englische Sprachausgabe und die melodische Untermalung recht gut, weshalb der Spielspaß trotz der Mängel nicht zu kurz kommt.


Zum Schluss bleibt wie immer die Frage nach der Spielzeit und der Langzeitmotivation. Ich glaube, dass die angesprochene Zielgruppe etliche Stunden in Ben 10s neuestes Abenteuer investieren kann. Selbst ich als Videospiel-Veterane habe mich in der offenen Spielwelt und in den einzelnen Haupt- und Nebenquests verloren und das obwohl sie meistens auf einfachen Sammelaufgaben beruhen. Durch die unterschiedliche Aliens und ihre Fähigkeiten macht es aber auch nach etlichen Stunden noch immer Spaß, neue Artefakte ausfindig zu machen, um die eigenen Attribute zu verbessern oder interessante Extras freizuschalten. Daher kann man durchaus zehn bis zwanzig Stunden Spaß haben, bevor der Titel ad Acta gelegt wird.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Maik Styppa-Braun

Endlich konnte mich mal wieder die Videospielumsetzung einer Fernsehserie überzeugen. In den allermeisten Fällen bekommt man nur einfache Kost geboten, mit deren Hilfe und wenig Aufwand viel Kohle gescheffelt werden möchte. Dies kann ich bei Ben 10: Power Trip! nicht bestätigen. Die verschiedenen Charaktere mit ihren ganz individuellen Fähigkeiten machen unheimlich viel Spaß und fesseln an den Bildschirm. Doch auch die offene Spielwelt mit den, mehr oder weniger abwechslungsreichen, Aufgaben machen einen Heidenspaß und vor allem Kinder und Jugendliche können sich in diesem Abenteuer verlieren. Schade ist, dass man technisch nicht mit der Zeit gegangen ist und viele Unsauberkeiten in Kauf genommen hat. Dies stört zwar das geschulte Auge, Spaß hat man trotzdem und das sogar über etliche Stunden hinweg.
Mein persönliches Highlight: Die Movesets der einzelnen Aliens.

Awards

Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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