Kein spielerischer Höhenflug

Dass Spiele ein abwechslungsreiches Medium sind, lässt sich schon allein aufgrund der schieren Masse von verfügbaren Titeln aller Genres kaum bestreiten. Gerade aufgrund dieser Vielfalt begegnen einem immer wieder Projekte, die erfrischend anders sind und eine Idee umsetzen, die man sonst noch nicht oder zumindest nicht in genau dieser Ausführung gesehen hat. Zu diesen Projekten zählt zweifelsohne Falcon Age, das seit dem 8. Oktober 2020 im Nintendo eShop der Nintendo Switch erhältlich ist. Wie der Name schon vermuten lässt, dreht sich in Falcon Age alles um den namensgebenden Falken, der euch während des gesamten Abenteuers zur Seite steht.


Zu Beginn ist euer Falke noch ein kleines Küken.

© Outerloop Games

Dieses Abenteuer verschlägt euch in die Rolle einer Gefangenen, die zu Beginn des Spiels nur unter der Nummer 0507 bekannt ist. Erst nach der eigenhändigen Befreiung aus dem Gefängnis erfahrt ihr, dass euer Name Ara ist und ihr zu einer Zivilisation gehört, die von einem imperialistischen Unternehmen unterdrückt wird. Während der Gefangenschaft werdet ihr Zeuge davon, wie eine Drohne ein neben eurer Zelle gelegenes Falkennest attackiert. Die Mutter stirbt bei der Verteidigung ihres Kükens, sodass es fortan an euch liegt, den kleinen Falken großzuziehen. Dafür interagiert ihr in einfacher Weise mit dem Tier, müsst es beispielsweise füttern und streicheln und dadurch schrittweise Vertrauen aufbauen. Im Gegenzug erweist sich sich eure fliegende Begleiterin als eigentliche Heldin des Spiels: Mit ihr könnt ihr nicht erreichbare Gegenstände zu euch herholen, Schalter betätigen und fliegende Drohnen attackieren, denen ihr ansonsten ausgeliefert wärt. Dabei haltet ihr das Tier, wie ein echter Falkner, auf dem Arm und gebt ihm entsprechende Ziele, die es ansteuern soll.


Leider bleibt es hier bei sehr simplen Anweisungen, die durch Anvisieren, Angreifen und Holen im Wesentlichen abgedeckt sind. Das komplette Geschehen erlebt ihr dabei aus der Ego-Perspektive, was wohl auch daran liegt, dass Falcon Age ebenfalls für Virtual Reality-Plattformen erhältlich ist. Das spiegelt sich auch in den zentralen Bewegungsabläufen wieder: Während ihr durch die Gegend lauft, könnt ihr eurem Falken parallel Befehle geben und gleichzeitig mit dem rechten Arm selbst angreifen. Das steuert sich auf der Nintendo Switch zu Weilen etwas unübersichtlich, geht aber nach einer gewissen Eingewöhnungszeit doch gut von der Hand.


Im Kampf ist euer Falke eine wertvolle Unterstützung.

© Outerloop Games

Wie bereits erwähnt, ist die Welt von Falcon Age geprägt von einem Konflikt zwischen einer technologisch hochentwickelten Kolonialmacht und einem Widerstand der einheimischen Bevölkerung, die sich eher naturverbunden gibt. Die an sich interessante Prämisse wird aber kaum mit Leben gefüllt, denn die Handlung begrenzt sich vollständig auf einfache Sammel-Quests und stupide „Gehe dahin“-Aufträge, wodurch in spielerischer Hinsicht wenig Abwechslung geboten wird. Auch die Charaktere, denen ihr im Verlauf der recht kurzen Geschichte begegnet, bleiben alle farblos und tragen nicht sinnvoll zur Entwicklung der Welt bei. Diese ist darüber hinaus vergleichsweise klein und sehr linear aufgebaut, sodass kaum Entdeckerfreude aufkommt. Einen Grund, doch genauer in die einzelnen Ecken der Welt zu schauen, bieten euch immerhin verschiedene Aufträge der Bewohner, die nach speziellen Materialien und anderen Gegenständen suchen.


Dabei begegnet ihr, zumindest wenn ihr den entsprechenden Spielmodus auswählt, auch Gegnern, die es zu bekämpfen gilt. Die Kämpfe laufen im Grunde alle nach dem gleichen Schema ab: In irgendeiner Form muss euer Falke den Gegner schwächen, beispielsweise, indem er ihn vom Himmel holt, damit ihr dann drauf loshauen könnt. Verschiedene Kampfstile stehen euch dabei nicht zur Verfügung. Hier ist simples Knöpfedrücken angesagt, um erfolgreich zu sein.


In technischer Hinsicht hinterlässt Falcon Age einen durchwachsenen Eindruck. Das Spiel läuft an sich flüssig, was angesichts der spartanischen Optik allerdings auch nicht verwundert. Die Gestaltung der Spielwelt wirkt in weiten teilen karg und ist vor allem durch matschige Texturen geprägt. Die wenigen vertonten Abschnitte der Handlung sind oft asynchron und lieblos eingesprochen. Insgesamt mangelt es dem Spiel an einer glaubhaften Inszenierung. Dazu trägt ebenfalls der monotone und sich oft wiederholende Soundtrack bei, der nur selten atmosphärisch wirkt.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Adis Selimi

Falcon Age ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie eine an sich gute Idee durch eine fehlerhafte Umsetzung an Reiz verliert. Denn das Spielprinzip, mit seinem Falken eine Welt zu erkunden, ist erfrischend neu und bietet viel Potenzial. Aber die schlechte Inszenierung der Geschichte, die mäßige technische Umsetzung und die sich immer wiederholenden Sammelaufgaben lassen dann doch nur für kurze Zeit Spielspaß aufkommen. Ich bin mir sicher, dass Falcon Age als Virtual Reality-Titel deutlich besser funktioniert, da hier spielerische Abstriche durch die Immersion kompensiert werden können. Auf der Nintendo Switch kann ich Falcon Age aber nur Genre-Fans empfehlen, die schon immer mal einen Falken haben wollten.
Mein persönliches Highlight: Die Beziehung, die man zu seinem Falken aufbauen kann.

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