Vom Gefängnis auf die Insel

Mit The Survivalists hat Team17 ein Spin-off zur mittlerweile hauseigenen Erfolgsserie The Escapists angekündigt. Statt ins Gefängnis geht es dieses Mal auf eine einsame Insel inmitten des Ozeans und zur Flucht gesellt sich der Überlebenskampf. Wie für Survival-Spiele üblich, sammelt ihr auch in diesem Genre-Vertreter allerlei Ressourcen, um sie anschließend zu euren Gunsten zu verwerten. Während das Grundgerüst größtenteils der vorherrschenden Norm entspricht, wartet The Survivalists mit ein paar wenigen Funktionen auf, die es von der Masse abhebt. Ob sich der Trip auf die einsame Insel lohnt, erfahrt ihr bei uns.


Urlaubsgefühle treffen auf Überlebenskampf


In The Survivalists schlüpft ihr in die Rolle eines offenbar Schiffbrüchigen. Das Spiel beginnt ohne jedwede Vorgeschichte. Während ihr bewusstlos auf ein paar Brettern durch das Meer treibt, wird am unteren Bildschirmrand darauf hingewiesen, dass simultan im Hintergrund eure Spielwelt generiert wird. Dementsprechend dauert der initiale Start des Spiels auch ein wenig länger. Am Ufer angekommen, werdet ihr gefragt, ob ihr Tutorial-Einblendungen erhalten möchtet. Für absolute Neulinge, die noch nicht die Demo gespielt haben, ist diese Option zu empfehlen. Außerdem dürft ihr eurem Charakter einen Namen geben sowie dessen Erscheinung anpassen, wobei eure Änderungen zu jedem Zeitpunkt im Spiel wieder rückgängig gemacht werden können.


Dichte Wälder sind keine Seltenheit in The Survivalists und liefern genug Feuerholz für kalte Nächte.

© Team17

Wie in vielen anderen Spielen aus dem Genre fangt ihr zunächst bei null an. Ihr bastelt euch notdürftig ein paar Werkzeuge und baut damit Ressourcen ab, um euch ein provisorisches Nachtlager zu errichten. Das bedeutet, ihr fällt Bäume, schürft Erz oder pflückt Beeren. In alter Frische beginnt das Ganze dann von vorn, bis ihr auf eine ansehnliche Behausung blicken könnt. Wobei die überschaubaren Mittel sowie die simple 2D-Grafik eurer Kreativität einen kleinen Dämpfer verpassen könnten. Setzt euch also keine komplexen, mehrstöckigen Gebilde in den Kopf – diese werdet ihr leider nicht in die Tat umsetzen können. Die Rohstoffe wachsen übrigens nach. Ihr müsst euch also nicht über Nachhaltigkeit den Kopf zerbrechen.


Euer Ziel ist es, alle Schlüsselobjekte zu finden, die erforderlich sind, um von der Insel fliehen zu können. Euch sei allerdings verraten, dass es sich bei The Survivalists um verhältnismäßig leichte Kost handelt. Die Liste der herstellbaren Gegenstände ist überschaubar, ebenso die der Ressourcen, Nahrung verdirbt nicht und es wird nicht zwischen Essen und Trinken unterschieden. Zudem müsst ihr euch nicht mit Krankheiten und anderen Beeinträchtigungen herumquälen. The Survivalists ist wie virtueller Urlaub mit eingeschränktem Komfort. Das macht The Survivalists zu einem perfekten Spiel für zwischendurch und nebenbei. Die Lernkurve ist angenehm flach, sodass auch Gelegenheitsspieler nicht abgeschreckt werden, und bereits nach wenigen Stunden ist Fortschritt ersichtlich.


Doch das Spiel bietet auch Futter für passionierte Zocker. Während sich das grundlegende Spielprinzip kaum bis gar nicht von anderen Ablegern des Genres unterscheidet, stellen die bereits in den Trailern vorgestellten Affen ein einzigartiges Element dar, dessen Umgang gelernt sein möchte. Mithilfe der humanoiden Lebewesen könnt ihr ganze Spielabläufe weitgehend automatisieren. Die haarigen Gesellen können für euch Ressourcen abbauen, transportieren und Gegenstände daraus fertigen sowie einfach nur an eurer Seite kämpfen. Bei den Affen handelt es sich um ein großartiges Hilfsmittel mit nicht minder großem Charme. Rucksäcke? Gibt es nicht. Lasst stattdessen einen Affen mit einer Holztruhe hinter euch herlaufen! Um dem Ganzen noch eine persönliche Note zu verpassen, könnt ihr diesen einen Namen geben sowie deren Fellfarbe anpassen.


Am Lagerfeuer lassen sich Nahrungsmittel herstellen, darunter auch spezielle Gerichte für Affen, um diese zu zähmen.

© Team17

Ihr findet zwar gleich zu Beginn euren ersten Affen, seid aber zu kaum einem Zeitpunkt auf diesen angewiesen, was sich allerdings in persönlichem Mehraufwand äußert. Einzig manche Rätsel, vorwiegend Schalterrätsel, erfordern die Interaktion mit eurem pelzigen Kollegen. Während ihr ein paar vereinzelte Affen erhaltet, indem ihr die Käfige zerstört, in denen diese gefangen sind, müsst ihr andere mit einem eigens dafür ausgelegten Snack ködern. Einmal gezähmt könnt ihr immer auf sie zurückgreifen. Sterben können eure tierischen Hilfskräfte nicht, sie werden nur temporär außer Gefecht gesetzt. Das hat den Vorteil, dass ihr eure Zeit nicht damit verschwendet, den Babysitter zu spielen.


Alsbald werdet ihr feststellen, dass die Welt von The Survivalists nicht nur eine Insel, sondern mehrere umfasst, welche ihr mit einem eigens hergestellten Floß bereisen könnt. Auf den Inseln wimmelt es von Lebewesen. Während Kaninchen bei Sichtkontakt die Flucht ergreifen, setzen in der Nahrungskette höher liegende Tiere wie Haie und Tiger zum Angriff an. Darüber hinaus werden die Inseln von sogenannten Orklingen bevölkert, die euch nicht gerade freundlich gesinnt sind und sofort zu den Waffen greifen, wenn sich eure Wege kreuzen und gelegentlich versuchen, eure Basis zu plündern. Zum Glück könnt ihr euch mit einfachen Prügeln, Schwertern oder sogar einem Bogen zu Wehr setzen.


Der Kampf funktioniert, wie man es von einem isometrischen Actionspiel erwartet. Eine Taste dient dem Angriff und mit einer anderen weicht ihr per Hechtsprung aus. Stimmt euer Timing, könnt ihr feindliche Angriffe geschickt kontern, was eurem Gegenüber abhängig von eurer ausgerüsteten Waffe einen Haufen Lebensenergie kostet. Besiegte Gegner lassen mal mehr, mal weniger nützliche Gegenstände fallen. Gebt ihr den Löffel ab, verliert ihr euer aktuelles Inventar, welches ihr aber im Anschluss wieder aufsammeln könnt, und werdet an eurem Bett wiederbelebt. So etwas wie Erfahrungspunkte gibt es in The Survivalists nicht, dafür wird aber Statistik über allerlei Dinge wie die Anzahl überlebter Tage, geführt.


Stimmungsvolle Präsentation mit kleinen Macken


The Survivalists lädt mit seiner stimmungsvollen Präsentation zum Erkunden ein. Hier findet ihr ein Flugzeugwrack, da einen alten Tempel und gelegentlich mal ein verlassenes Lager – es wird niemals langweilig. Zudem könnt ihr Schriftstücke anderer Überlebenden, die deren Geschichte erzählen, sowie Schatzkarten aufsammeln, die euch zu verborgenen Kostbarkeiten führen. Unterschiedliche Biome, wie staubtrockene Wüsten oder schlammige Sümpfe, tragen zur Abwechslung bei und fügen sich gut ins Gesamtbild ein, welches farbenfroh daherkommt, ohne zu irgendeinem Zeitpunkt kitschig zu wirken.


Alsbald werdet ihr feststellen, dass sich um euch noch weitere Inseln befinden, die erkundet werden wollen.

© Team17

Grafisch behält man den Stil der "The Escapists"-Spiele bei, wobei man hier und da die Optik verbessert bzw. verfeinert hat. Die Bildrate bleibt durchweg stabil, sodass euer Inseltrip niemals ins Stocken gerät. Einzig ein paar sehr seltene Grafikfehler trüben den Gesamteindruck. Zudem hat einmal der Respawn nicht anständig funktioniert und meine Spielfigur hing infolgedessen fest, was mich zum Laden eines alten Spielstands gezwungen hat.


Die Bedienung geht nach kurzer Eingewöhnung gut von der Hand, wobei man allerdings gelegentlich bis selten dem Titel anmerkt, dass er für Maus und Tastatur ausgelegt ist. Zudem ist das Crafting zugunsten der Affen-Mechanik ziemlich kleinteilig gehalten. Das soll heißen, dass der Fertigungsprozess in mehrere Subprozesse gegliedert ist, was vor allem dann auffällt, wenn man selbst Gegenstände herstellt. Hierfür muss man erst ein Rezept auswählen, die nötigen Ressourcen platzieren, das Fertigungswerkzeug auswählen und abschließend die Aktion per Tastendruck einleiten.


Ihr könnt The Survivalists mit bis zu vier weiteren Spielern zusammen spielen. Dies funktioniert sowohl online als auch mit mehreren Konsolen lokal. Einen Splitscreen-Modus gibt es leider nicht. Bis auf ein paar wenige Einschränkungen, wie das Limit von fünf Affen pro Spieler, könnt ihr im Mehrspielermodus alles tun, was auch alleine möglich ist. Die Kommunikation mit fremden Spielern, falls man denn mit solchen spielt, funktioniert über pfiffige Emotes.

Unser Fazit

8

Ein Spiele-Hit

Meinung von Felix Kraus

The Survivalists hält, was es verspricht. Der Fokus des Titels liegt eindeutig auf dem Spielspaß, was sich nicht zuletzt daran erkennen lässt, dass man nahezu komplett auf die frustrierenden Elemente des Genres verzichtet hat. Ihr müsst euch also nicht pausenlos Essen zwischen die Kiemen schieben und zusätzlich noch trinken. Klar lassen sich ob der simpleren 2D-Grafik keine monumentalen Bauwerke errichten, dafür funktioniert der Basenbau in The Survivalists wie der Rest des Spiels reibungslos und ohne horrenden Aufwand. Mit den Affen besitzt der Titel ein Alleinstellungsmerkmal, um sich von der durchwachsenen Masse abzuheben. The Survivalists ist einsteigerfreundlich und besitzt zugleich genug spielerischen Anspruch, um auch passionierte Videospielkonsumenten für mehrere Stunden zu unterhalten.
Mein persönliches Highlight: Die schnuckelige Präsentation sowie das relativ entspannte Spielgefühl, welches viele Survival-Spiele vermissen lassen.

Awards

Spiele-Hit Multiplayer-Hit

Die durchschnittliche Leserwertung

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Kommentare 13

  • Protagonist

    Turmknappe

    So früh schon ein Review

  • Zarathustra

    Turmfürst

    Oh krass,nach allem was ich lese,ist das ein survival Spiel für jemand wie mich,der zwar was für das Genre übrig hat aber auch einfach ein verwöhntes Zivilisationskind ist,kommt auf die Merkliste,danke für den Test der mithilft,das Spielejahr 2020 noch Mal zu steigern.

  • Sowen

    Turmknappe

    Wird auf jeden Fall mal im Sale erworben. Warum nicht jetzt? Weil Pile of Shame. 8)

  • Klitsch

    Turmritter

    Danke für den Test. Wird vorgemerkt

  • Boredomx87

    Turmknappe

    Danke für den Test! Und dann so schnell schon


    Die Demo fand ich klasse. Ist eigentlich gar nicht mein Genre, aber der Art Style, die Äffchen und das Gameplay.... irgendwie hat es mich für sich gewonnen.


    Klar, man sieht schon in der Demo beim Bau-Menü die „wahrscheinlichen“ Grenzen des Ganzen. Könnte immer alles größer und weiter sein. Aber naja.


    Ist auf der Merkliste und wird sich spätestens zu Weihnachten mal geholt - wunderbar zum Ferien machen :-)

  • Ralf74

    Turmheld

    Danke für den Test.


    Ich habs mir für knapp 30 EUR bestellt und freue mich schon sehr darauf! :)

  • Tisteg80

    Meister des Turms

    Der Test hat mich nach der spaßigen Demo jetzt endgültig davon überzeugt, dass das Spiel gekauft wird.


    Und zwar gleich in mehrfacher Ausfertigung, denn das werde ich zusammen mit meinen Kindern im Koop-Modus spielen. Wieder ein toller Titel mit Local Wireless Funktion, ich liebe es! 30,- Euro für die Retailversion sind zudem mehr als fair, das unterstütze ich auf jeden Fall. Gespielt wird dann allerdings erst Ende des Jahres - das gibt ein schönes Weihnachtsgeschenk, was wir dann alle zusammen gleich ausprobieren können.


    Bleibt zu hoffen, dass das Spiel noch mit kostenlosen Updates erweitert wird, z.B. neue Crafting-Rezepte und Inseln.

  • Heldissimo

    Turmritter

    Demo war leider nicht mein Ding. Mag die Optik. Bedienung fand ich aber fummelig. Trotzdem guter Test.

  • Zach

    Turmritter

    Ich spiele es seit letzten Freitag und bin recht angetan vom Spiel.

    Schöner Test.

  • Mofinator

    Xenoblade-Fan

    Oh das überrascht mich, es scheint ein recht zugänglicher Survival-Vertreter zu sein.

    Normalerweise schrecken mich Survival-Spiele eher ab, aber euer Test ermutigt mich, diesem Titel mal eine Chance zu geben :)

  • Lillyth

    <3

    Leider kein Crossplay, daher muss es noch warten. Finde es aber super ansprechend, ist wirklich toll geworden.

  • KingDarunia57

    Turmheld

    Meine Frage wäre, ob The Survivalist auch für Einzespieler geeignet ist?

  • Zach

    Turmritter

    KingDarunia57

    Ja, das Spiel ist auch problemlos für Einzelspieler geeignet, zumal du auch noch ein paar Affen bekommst, denen du Aufgaben zuweisen kannst.