Drei Vorgeschichten zum Preis von einer!

Seit Ihrem Ursprung im Jahr 1987 brachte die Action-RPG-Serie Ys bis heute insgesamt neun Teile der Hauptreihe, mehrere Remakes und erweiterte Fassungen sowie Spin-offs, wie zum Beispiel ein MMORPG, hervor. Mit einer solch beachtlichen Anzahl einzelner Titel gelingt es dem japanischen Entwicklerstudio Nihon Falcom, anderen Serien wie beispielsweise Final Fantasy, Konkurrenz zu machen. Dennoch haben es bisher nur zwei Ableger auf die Nintendo Switch geschafft. Neben dem 2018 portierten Ys VIII: Lacrimosa of DANA, welches in unserem damaligen Test zu begeistern wusste, hat es am 1. Oktober 2020 nun auch Ys Origin, welches ursprünglich schon 2006 in Japan das Licht der Videospielewelt erblickte, auf Nintendos Hybridkonsole geschafft. Kann auch diese Vorgeschichte zur Ys-Hauptserie in unserem Spieletest überzeugen?


Der von Dämonenhand erbaute Turm ragt bedrohlich gen Himmel, um die letzte Zuflucht der Bewohner von Ys zu erreichen.

© Nihon Falcom

Wie der Name Ys Origin schon vermuten lässt, handelt es sich hierbei um einen Titel, der noch vor den Ereignissen des ersten Ablegers der Serie spielt – genau genommen sogar 700 Jahre davor. Das einst friedliche Land Ys wurde von dessen Zwillingsgöttinnen und den sechs Hohepriestern beschützt. Mit Hilfe der Schwarzen Perle, einem Artefakt unvorstellbarer Macht, schenkten sie dem Land Glanz und Wohlstand sowie dessen Einwohnern die Fähigkeit der Magie. Doch als eines Tages ohne jegliche Vorwarnung unzählige Dämonen in das Reich einfielen, blieb den Bewohnern nur ein Ausweg. Sie versammelten sich im Salomon-Schrein, den die beiden Göttinnen ihr Zuhause nennen. Gemeinsam schafften es diese sowie die Priester mithilfe der Macht der Schwarzen Perle den Schrein in den Himmel zu heben, wo die Menschen von Ys vor den Dämonen sicher waren. Doch die bösen Mächte wollten sich nicht geschlagen geben und begannen, einen gewaltigen Turm in Richtung Himmel zu errichten, um den letzten Zufluchtsort der Menschheit zu erreichen.


Die eigentliche Geschichte von Ys Origin beginnt, als plötzlich die Zwillingsgöttinnen spurlos verschwunden sind und die Hohepriester beschließen, einen Suchtrupp hinunter auf den Erdboden zu schicken, um die beiden Göttinnen ausfindig zu machen. Mitglieder des zwölfköpfigen Suchtrupps sind unter anderem Yunica Tovah und Hugo Fakt, die beiden spielbaren Charaktere des Action-RPGs. Und hier muss der Spieler gleich zu Beginn des Spiels eine schwere Entscheidung treffen. Spielbar ist nämlich pro Spieldurchlauf nur einer der beiden Charaktere. Dies bleibt auch im gesamten Spieldurchlauf so – wer eine Party aus mehreren Charakteren oder die Möglichkeit zwischen diesen hin- und herzuwechseln erwartet hat, wird leider enttäuscht. Somit sollte man sich also gut überlegen, welchen Charakter man wählt. Nebenbei erwähnt: Auch zwischen drei Schwierigkeitsgraden darf man sich anfangs entscheiden.


Yunica wird mit ihrer Axt in Kombination mit der Wind-Fähigkeit zu einem richtigen Wirbelwind, der Gegner zerstückelt und zum Erhöhen der Sprungweite dienen kann.

© Nihon Falcom

Egal welche Spielfigur man gewählt hat, eure Aufgabe ist es in beiden Fällen, die verschwundenen Göttinnen, die sich offenbar in den Dämonenturm begeben haben, ausfindig zu machen und nach Hause zu bringen. Spielt ihr das Spiel mit beiden Charakteren durch, so schaltet ihr noch einen dritten Charakter frei, mit dem die Geschichte ebenfalls von Anfang bis Ende erlebt werden kann. Interessant ist hierbei, dass jeder der drei Charaktere eine etwas andere Sicht auf dieselbe Geschichte bietet. Die Motivationen des dritten, freischaltbaren Charakters wirken jedoch stellenweise etwas unsinnig, ohne an dieser Stelle zu spoilern, um wen es sich hierbei handelt.


Alle drei Charaktere bieten dem Spieler ein völlig unterschiedliches Gameplay. Während zwei davon auf unterschiedliche Nahkampfwaffen setzen, greift der Magier Hugo aus der Ferne mit mächtigen Magieschüssen an. Im Laufe der Handlungen findet ihr drei elementare Relikte, die bei jedem Charakter völlig verschiedene Fähigkeiten erwecken. So erlaubt es das Wind-Relikt beispielsweise Yunica einen Wirbelschlag auszuführen, während Hugo hingegen eine schützende Barriere um sich herum errichten kann. So interessant sich das Prinzip mit den drei Charakteren und deren unterschiedlichen Angriffen und Fähigkeiten anfangs anhört, solltet ihr dennoch nicht vergessen, dass ihr leider nur einen von ihnen pro Spieldurchlauf spielen könnt. Dies sorgt zwar einerseits für einen gewissen Wiederspielwert, kann aber auch gleichzeitig für ein recht eintöniges Spielerlebnis sorgen, vor allem wenn man zum Beispiel mit Hugo als spielbarem Charakter nahezu die ganze Zeit über nur den Button für den Standardangriff benutzt.


Wie bereits angedeutet, findet das gesamte Spiel im Inneren des gewaltigen Turms statt, der von den Dämonen erbaut wurde. Gerade zu Beginn wirken die normalen Gegner, die einem entgegengeworfen werden, eher wie Kanonenfutter als wie ernst zu nehmende Herausforderungen. Im Laufe des Spiels und beim Erklimmen des Turms gelangt man jedoch in verschiedene Umgebungen, zum Beispiel einen Abschnitt unter Wasser oder einen großen Bereich mit feurigen Fallen und glühender Lava, in die man besser nicht fallen sollte. Jeder Bereich hat hierbei neue, gefährlichere Gegner als der vorherige. So gelingt es den Entwicklern, obwohl die gesamte Handlung im gleichen Gebäude stattfindet, für eine gewisse Abwechslung bei den Umgebungen und Gegnertypen zu sorgen.


Mein persönlicher Hassgegner: Nygtilger, der gigantische Hundertfüßler-Boss, hat mich mehr Versuche gekostet, als ich zugeben möchte...

© Nihon Falcom

In absehbaren Abständen muss man sich außerdem sechs großen Endgegnern stellen, die im Gegensatz zu den meist schwachen kleinen Gegnern eine ganz schöne Herausforderung bieten. Dazwischen warten diverse Zwischenbosse, die tatsächlich – je nach gewählter Spielfigur – bei jedem Charakter entweder in unterschiedlicher Reihenfolge zu bezwingen sind oder sogar speziell nur bei einem der drei Protagonisten überhaupt vorkommen. So lohnt es sich also nicht nur aufgrund der etwas veränderten Handlung, sondern auch wegen einer gewissen Abwechslung bei den Zwischenbossen das Spiel mit allen verfügbaren Charakteren durchzuspielen.


Grafisch merkt man dem Spiel an, dass es schon so einige Jahre auf dem Buckel hat – gestört hat mich dies jedoch nicht. Vor allem im Handheld-Modus gefällt es mir richtig gut. Was mir hingegen nicht gefallen hat, ist die Tatsache, dass die Übersetzer an einigen Stellen etwas geschlampt haben. So werden für gewöhnlich die Namen von Orten, die man als Spieler zum ersten Mal betritt, oder auch den Hauptbossen auf dem Bildschirm eingeblendet. Hier musste ich feststellen, dass gelegentlich die englische Übersetzung anstelle der deutschen eingeblendet wurde. Bei einem Titel, der schon seit Jahren auf anderen Plattformen erhältlich ist, sollten solche Fehler bei einer neuen Portierung eigentlich nicht passieren. Während Bosskämpfen ist es nicht möglich, das Inventar zu öffnen, was es leider unmöglich macht, seine Ausrüstung zu wechseln. Neben der Waffe sowie einem Rüstungsteil und passenden Schuhen, die in den meisten Fällen nur die Verteidigung erhöhen, stehen nämlich auch mehrere Accessoires zur Auswahl, die ihr dann leider mitten im Kampf nicht mehr ändern könnt. An den über die Spielwelt verteilten Göttinnen-Statuen, die in erster Linie zum Abspeichern des Spielfortschritts dienen, können auch besondere Passivfähigkeiten erhalten werden. Bei diesen hat mir jedoch stellenweise eine etwas ausführlichere Erklärung gefehlt, was genau die Fähigkeit eigentlich bewirkt. Positiv möchte ich noch hervorheben, dass die Entwickler abgeschlossene Spieldurchläufe mit der Freischaltung zusätzlicher Modi belohnen. So können Speedrun-Fans in einem speziellen Modus versuchen, das Spiel möglichst schnell abzuschließen. Wem es nach epischen Kämpfen gelüstet, findet hingegen im Boss-Rush-Modus eine besondere Herausforderung.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Philipp Pöhlmann

Ys Origin erzählt eine Geschichte, die noch lange vor dem ersten Titel der Ys-Hauptreihe spielt. Als geschickte Kriegerin oder mächtiger Magier schließt man sich einer illustren Truppe an, die die verschwundenen Zwillingsgöttinnen von Ys aufspüren und aus den Händen bösartiger Dämonen befreien will. Das Gameplay wirkt aufgrund der Tatsache, dass man zwar drei spielbare Charaktere zur Verfügung hat, diese allerdings in einem Spieldurchlauf nicht wechseln kann, stellenweise doch ganz schön eintönig. Nichtsdestotrotz ist es den Entwicklern dadurch, dass jede Spielfigur die Handlung aus einer anderen Perspektive miterlebt, gelungen, mich für diesen Test tatsächlich dazu zu bringen, das Spiel mit allen drei Charakteren einmal durchzuspielen. Bei einer durchschnittlichen Dauer von ca. 8 Stunden pro Spieldurchgang geht dies auch recht zügig von der Hand. Dennoch fühle ich mich nach dreimaligem Erklimmen des Dämonenturms nun so von dem Titel gesättigt, dass die Entwickler mich auch mit zusätzlich freischaltbaren Modi nicht zu weiteren Ausflügen in die Welt von Ys Origin überreden können.
Mein persönliches Highlight: Obwohl sich der Soundtrack nicht gerade häufig ändert, sind mir mehrere Titel im Ohr geblieben. Einer davon hat sich sogar zu einem richtigen Ohrwurm entwickelt. Wie bekomme ich den nun bloß wieder los…

Die durchschnittliche Leserwertung

5 User haben bereits bewertet

Kommentare 2

  • Zarathustra

    Ritter von Ni(er)

    Hab ich am Freitag,nachdem ich festgestellt habe,das man es nicht im Einzelhandel bekommt, ausnahmsweise Mal bei Amazon bestellt. Freue ich mich drauf, liebe die Ys Serie bzw. die zwei Ableger die ich bisher gespielt habe.

  • VogelSwitcher

    Turmheld

    War das mit Abstand schlechteste Ys was ich gezockt hab. Es war jetzt nicht extrem schlecht aber irgendwie... War es das auch nicht so. Zudem war der soundtrack dort nicht so gut wie in den anderen Teilen.