Jeder Treffer zählt!

Twin-Stick-Shooter machen die Verhältnisse zwischen eurer Spielfigur und gegnerischen Einheiten augenblicklich klar: Baut genug Distanz auf und lasst euch trotz der für gewöhnlich schieren Menge an Projektilen niemals erwischen. Dieser Abstand ist der Dreh- und Angelpunkt dieses Genres und obwohl es als Zuschauer manchmal unglaublich erscheinen mag, wie ein Spieler im ganzen Chaos den Überblick behält, fällt die Perspektive des Spielers völlig anders aus. Breakpoint stellt sich die Frage, was passiert, wenn die Entfernung zwischen der Spielfigur und Gegnern auf den Kopf gestellt wird und beide Kontrahenten darauf ausgelegt sind, sich mit physischen Angriffen aus dem Feld zu nehmen. „Twin-Stick-Slasher“ schimpft sich die arcadelastige Erfahrung und lockt mit einer motivierenden Highscore-Jagd und ausgefeiltem Gameplay.


Lasst euch nicht umzingeln!

© The Quantum Astrophysicists Guild

Die Prämisse könnte nicht simpler sein. In einer übersichtlich aufgebauten Arena steuert ihr ein kleines Objekt und zerstört sämtliche feindliche Schiffe, die sich euch nähern. Was zu Beginn noch relativ leicht beginnt, eskaliert mit der Zeit bis zu einem Punkt, wo jede Bewegung spielentscheidend sein kann und der kleinste Konzentrationsmangel fatal endet. Um nicht ganz so schnell überwältigt zu werden, besitzt ihr ganze drei Leben, welche innerhalb einer Runde nicht aufgefüllt werden können. Jeder eingesteckte Schlag fühlt sich dadurch wie eine Ohrfeige an, die einen daran erinnert, dass das Spiel nun ernst macht und man die Situation unterschätzte. Die für mich interessanteste Beobachtung an mir selbst war es allerdings, zu sehen, wie sehr sich meine Haltung dem aktuellen Geschehen anpasste. Während ich zu Beginn relativ bequem und geistesabwesend Feinde ins Jenseits schickte, erhob ich mich mit der Zeit immer mehr von meinem Platz, bis es keine Gelegenheit mehr gab, über nebensächliche Dinge nachzugrübeln. Die Gegnervielfalt trägt ihren Teil dazu bei. Obwohl ein einziger Feind niemals eine ernsthafte Bedrohung darstellt, solltet ihr vor Gruppen einen gewissen Respekt bewahren. Grüne Schiffe verfolgen euch auf Schritt und Tritt, während rote Einheiten besonders aggressiv vorgehen und mehrere Treffer einstecken. Je weiter ihr voranschreitet, desto stärkere und schnellere Gegner tauchen auf, welche als Kollektiv eine einzige Übermacht darstellen können.


Um dem zu entgehen, setzt ihr die titelgebende Bruchfähigkeit ein. Für jeden zerstörten Kontrahenten füllt sich eine kleine Anzeige, die bei voller Kraft eine Explosion auslöst, die mehrere antagonistische Schiffe gleichzeitig auslöscht. Spezielle Erfahrungspunkte, die für jeden besiegten Gegner fallen gelassen werden und an eine eigene Leiste gebunden sind, können den Radius der Detonation um einen spürbaren Effekt erhöhen. Sieht die Situation mal etwas zu brenzlig aus, könnt ihr alternativ eure ausgerüstete Waffe werfen, was unabhängig von eurer Bruchleiste einen Break erzeugt. Selbstverständlich geht ihr damit natürlich das Risiko ein, einen starken Gegenstand zu verlieren, wodurch die darauffolgenden Sekunden ungewiss werden und Gegner brauchen nicht lange, bis sie sich wieder sammeln.


Durch die Wiedergabe-Funktion könnt ihr euch die Runden verschiedener Spieler ansehen.

© The Quantum Astrophysicists Guild

Unterschiedliche Waffentypen, wie etwa ein Schwert oder Speer, sprechen verschiedene Spielertypen an und bringen ein wenig Individualismus ins Geschehen. Trotz der enormen Reichweite des Speers seid ihr mit diesem Kriegswerkzeug seitlichen Anstürmen hilflos ausgesetzt. Zwei Angriffsmöglichkeiten – eine langsame, starke Attacke sowie pfeilschnelle, schwächere Hiebe – decken zwar ein wenig die Optionen ab, machen aber die Empfindlichkeit einiger Waffen nicht wirklich wett. Am stärksten schien mir der Hammer, welcher zwar in seinen beiden Angriffsmöglichkeiten relativ träge zuschlägt, dafür aber mit seiner enormen Wucht Brüche auslöst und ganze Gegnerhorden mit einem Schlag niederstreckt. Das Zusammenspiel der Waffen ist ein großartiger Weg, so viele Spielertypen wie möglich anzusprechen, da traditionelle Schussmethoden wegfallen und dementsprechend eine physische Alternative Abhilfe schaffen muss. Um die gelungene Balance zu sehen, reicht ein Blick in die Online-Ranglisten, welche die besten Leistungen weltweit datieren und sogar eine Wiedergabe-Funktion besitzen. Dadurch könnt ihr den kompletten Durchlauf eines Spielers beobachten und somit Techniken sowie verschiedene Spielweisen genauer unter die Lupe nehmen.


Letztendlich sollte aber betont werden, dass der Umfang auf dem Papier unheimlich mager ausfällt. Das Spiel besitzt keine Level oder spezielle Herausforderung – einzig und allein der Wille zum höchsten Highscore bestimmt die Langzeitmotivation. Kleinere Level, weitere Arenen oder besondere Aufgaben wären zwar wünschenswert gewesen, allerdings ist der Kern des Spiels sauber ausgefeilt und zu keinem Zeitpunkt stümperhaft umgesetzt. Die Bildrate bleibt trotz der Menge an Gegner konstant, die Lichteffekte stechen in der dunklen Kulisse passend hervor und die Steuerung geht mit ein wenig Eingewöhnung locker von der Hand. Was mir tatsächlich am Ende etwas fehlte, ist der eigentlich auf der Hand liegende Multiplayer-Modus. Ob gegeneinander oder zusammen – das Spielprinzip passt ausgesprochen gut zum einfach zu verstehenden Gameplay, weswegen es etwas schade ist, dass diese Möglichkeit unter anderem nicht ergriffen wurde.

Unser Fazit

5

Für Genre-Fans

Meinung von Kevin Becker

Breakpoint ist kein Spiel, in dem ihr gewinnen könnt. Der Wille, besser als andere Spieler zu sein, macht die Langzeitmotivation aus, was glücklicherweise von passenden Online-Ranglisten mit Wiedergabe-Funktion aller Runden unterstützt wird. Die Bruchmechanik macht das Gameplay in Kombination mit der physischen Spielweise einzigartig und durch unterschiedliche Waffen findet jeder seinen eigenen Kampfstil. Trotz des gelungenen Kerngameplays und der sauberen Technik ist der Umfang allerdings gering. Wer Herausforderungen, einen Multiplayer oder wenigstens kurze Level sucht, sollte sich wahrscheinlich woanders umschauen. Alle anderen Fans der klassischen Arcade-Erfahrung dürfen sich jedoch über schnelle Runden für zwischendurch freuen.
Mein persönliches Highlight: Unzählige Gegner mit einem Bruch zu zerstören.

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