Jenny LeClue – die etwas andere Detektivin

In meinem letzten Test war ich noch in den dunklen Straßen von Paris unterwegs, um als Taxifahrer einen Serienmörder zu fangen. Dieses Mal verschlägt mich mein Spürsinn nach Artuthon und größer könnte der Unterschied kaum sein. Vom unfreiwilligen Ermittler mit einer düsteren Vergangenheit in einer noch düsteren Spielwelt bringen uns die Entwickler von Jenny LeClue – Detektivu in eine charmante Umgebung mit liebenswürdigen Charakteren und einem – man könnte fast sagen – kinderfreundlichen Fall. Wie sich der Ausflug ans andere Ende des Spektrums der Detektivspiele macht und ob er sich lohnt, erfahrt ihr hier.


Das Erkunden macht bei diesen toll gezeichneten Umgebungen doppelt Spaß.

© Mografi

Das Spiel beginnt mit einer Rahmenhandlung: Arthur K. Finklestein schreibt seit Jahren Detektiv-Romane für Kinder mit Jenny LeClue in der Hauptrolle, die einst sehr erfolgreich waren, inzwischen aber niemanden mehr hinterm Ofen hervorlocken. Der Verlag möchte mehr Action, Mord und Totschlag und so erzählt Finklestein eine neue Geschichte der jungen Detektivin, in deren Rolle ihr nun schlüpft, womit das eigentliche Spiel beginnt. Jenny ist ein junges, aufgewecktes Mädchen, das in Arturthon, einer beschaulichen Kleinstadt, in der für ihren Geschmack zu wenig los ist, lebt. Ihre Mutter unterrichtet Kriminologie an der Gumboldt Universität, wobei Jenny gerne hilft und deshalb einiges auf dem Kasten hat, wenn es darum geht, Verbrechen aufzuklären. Zum Glück, denn als ein Mord in Arturthon geschieht, in den sie selbst verwickelt wird und sie infolgedessen auf sich allein gestellt ist, weiß sie, was zu tun ist.


Jenny LeClue ist ein Detektivspiel, bei dem ihr mal mehr, mal weniger aktiv involviert seid. Hauptsächlich erkundet ihr eure Umgebung und sprecht mit den Leuten, denen ihr begegnet. Eure Erkenntnisse haltet ihr in eurem Notizbuch fest, das sich mit Stickern, die ihr während des Abenteuers entdecken und sammeln könnt, gestalten lässt. Habt ihr zu einem Rätsel mehrere Hinweise gesammelt, könnt ihr diese in Beziehung setzen, damit Jenny Schlussfolgerungen zieht. Sind diese falsch, versucht ihr einfach eine andere Kombination, bis der Fall gelöst ist. Hinweise bekommt ihr durch Gespräche oder während des Erkundens. Damit man nichts Wichtiges verpasst, wird man darauf aufmerksam gemacht, wenn es sich lohnen sollte, die Umgebung mit einer Lupe abzusuchen. Neben den Befragungen und der Suche nach Hinweisen gibt es natürlich auch einige Rätsel zu lösen. Dazu gehört zum Beispiel, mithilfe von Schaltern die Regale in der Bibliothek in einer gewissen Weise anzuordnen, um an einen hilfreichen Gegenstand zu kommen, oder Stecker und Kabel so zu kombinieren, dass ihr ein Motorboot kurzschließen und euch ohne die Schlüssel damit davonmachen könnt. Schwer sind diese Aufgaben selten, sie lassen sich meist relativ schnell durch einfaches Trial and Error lösen – Spaß machen sie trotzdem.


Das Notizbuch ist euer wichtigstes Werkzeug zum Lösen der Fälle.

© Mografi

Dass die Ermittlungsarbeit durchaus manchmal etwas vielschichtiger sein könnte, wird außerdem durch mehrere Punkte wieder wett gemacht. Da wäre zum einen, dass ihr im Laufe des Spiels vor Entscheidungen gestellt werdet, die, je nachdem, wie ihr wählt, euren Charakter und damit die Erzählung beeinflussen. Wie die bisherigen Entscheidungen eure Persönlichkeit formten, könnt ihr immer in eurem Notizbuch verfolgen. Das ist im Großen und Ganzen zwar nur eine Spielerei nebenbei, aber es gibt dem Spiel dennoch etwas mehr Tiefe und hatte den Effekt, dass ich oft ins Notizbuch schaute, um zu sehen, wie meine Entscheidungen meinen Persönlichkeitstyp beeinflusst haben. Zum anderen glänzt das Spiel mit den toll eingesprochenen Dialogen, die leider nur auf Englisch verfügbar, aber dafür auf einem hohen Niveau sind. Dank der deutschen Untertitel gibt es hier auch keine Verständnisprobleme, auch wenn nicht alle Witze oder Anspielungen gut übertragen werden konnten – aber das kennt man ja. Auch die wunderschön gezeichneten Umgebungen und Charaktere tragen viel zum Charme des Spiels bei und konnten mich oft begeistern. Man sieht häufig die Liebe zum Detail, die Stimmungen sind gut umgesetzt und auch die Musik passt sehr gut zum Spiel und der Atmosphäre. Last but not least ist natürlich die Geschichte für ein Spiel dieser Art entscheidend und auch dort haben die Entwickler alles richtig gemacht, denn der Mix aus Spannung, Humor und Mystery wird nicht langweilig und kann mit einigen Überraschungen aufwarten. Jenny als Hauptcharakter wächst einem mit ihrem schwarzen Humor und ihrer unkonventionellen Art schnell ans Herz. Das Spiel ist nicht nur eine Detektiv-, sondern auch eine Coming-of-Age-Geschichte, an der man eigentlich nur bemängeln kann, dass sie leider relativ schnell wieder vorbei ist.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Julia Kischkel-Fietz

Jenny LeClue – Detektivu ist ein eher kleines, aber feines Indie-Game, das vor allem von seiner Gestaltung sowie der Hauptperson Jenny und ihrem besonderen Charakter lebt. Wer knallharte Rätsel oder verspielte Kopfnüsse à la Professor Layton lösen möchte, kommt hier eher weniger auf seine Kosten. Das Spiel ist in seinen Themen und der Erzählweise oft kindlich und die Rätselaufgaben mitunter sehr leicht, was es zwar für viele Altersgruppen zugänglich macht, aber vielleicht nicht jedermanns Sache ist. Bedenken sollte man vor dem Kauf auch, dass euch diese Detektivgeschichte höchstwahrscheinlich weniger als 10 Stunden an die Nintendo Switch fesseln wird. Diese sind dafür aber äußerst unterhaltsam und werden euch dank der humorvollen Dialoge oft ein Grinsen entlocken. Für mich ist Jenny ein kleiner Geheimtipp für die Spielesammlung, dem man gerne eine Fortsetzung spendieren könnte.
Mein persönliches Highlight: Jennys Humor und ihre bissigen Kommentare

Die durchschnittliche Leserwertung

1 User hat bereits bewertet

Kommentare 3

  • KingDDD

    Turmbaron

    Habs via Apple Arcade gespielt. Spiel ist super, aber leider mit Cliffhanger - für mich ein Grund das Spiel nicht zu kaufen (da es aber eh im Abo drin war...)

  • Darksamus666

    Wall-Jump-Akrobat

    Im us-eshop kann man das Spiel gerade für gerade mal 3 USD abgreifen!

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Bis zum 15. November für 2,99€ im E-Shop erhältlich.