Dem mysteriösen ABC-Mörder auf der Spur

Seit Generationen begeistern Detektiv-Geschichten die Menschen und entführen ihr Publikum in Abenteuer voller Mysterien, in denen ein scharfer Verstand und menschliche Schwäche aufeinandertreffen. Mit ihrem Bezug zur Realität fesseln sie immer aufs Neue, sorgten für fiktionale Meilensteine wie die Fälle rund um Sherlock Holmes und sind in verschiedensten Medien vertreten. So auch die Romane von Agatha Christie, die ihren Weg unter anderem in die Videospielwelt gefunden haben. Mit Agatha Christie: The ABC Murders kann eines ihrer berühmtesten Werke nun auch auf der Nintendo Switch erlebt werden. Ob die Romanumsetzung ein Festschmaus für Rätselmeister ist, erfahrt ihr in unserem Test.


In der Rolle des berühmten Meisterdetektivs Hercule Poirot


In Agatha Christie: The ABC Murders schlüpft ihr selbst in die Rolle des berühmten Meisterdetektivs Hercule Poirot, der die zentrale Figur der Romane ist. Der aus Belgien stammende Spitzenschnüffler lebt in London und hilft der dortigen Polizei, so oft es geht, mit seinem analytischen Geschick und seinem Hang zur Nachforschung. Während eines Zusammentreffens mit seinem guten Freund Arthur Hastings erhält Poirot eines Tages einen Brief, dessen Verfasser eine Straftat in der Ortschaft Andover ankündigt und den Meisterdetektiv zu einem Wettstreit auffordert, in dem Poirot den Täter aufhalten muss. Unterzeichnet ist der Brief lediglich mit ABC“. Zunächst skeptisch angesichts dieser obskuren Botschaft, beginnt für Poirot und Hastings ein neuer Fall, als am folgenden Tag eine Frau Ascher tot in Andover aufgefunden wird. Das Besondere: das Merkmal des Mörders, der als Handschrift ein ABC-Fahrtzeitenbuch der Eisenbahn hinterlässt, welches beim Buchstaben A wie Andover aufgeschlagen ist. So findet sich Poirot in einem Rennen gegen die Zeit wieder, in dem jeder Fehlschlag den Mord eines weiteren Menschen bedeuten könnte.


Selbst in den schönsten Ecken Englands begeht der ABC-Mörder seine Verbrechen.

© Microids

Agatha Christie: The ABC Murders ist ein klassisches Detektiv-Abenteuerspiel mit reichlich Rätselelementen und kommt ohne Action-Szenen oder sonstige schnelle Gameplay-Mechaniken aus. Der Spieler untersucht in der Rolle des Hercule Poirot die Tatorte, an denen die Morde des mysteriösen ABC-Mörders stattgefunden haben, und muss Indizien sammeln, Zeugen befragen und Verdächtige verhören. Dabei steuert ihr den Meisterdetektiv mit dem linken Control-Stick durch die Szenerie, während ihr unabhängig davon mit dem rechten Stick eine Lupe steuert, mit der ihr euch in der Umgebung umschauen könnt, um so mit Nebencharakteren zu sprechen oder Gegenstände zu begutachten. Trotz der Option, die Empfindlichkeit des rechten Sticks einstellen zu können, fühlt sich die Steuerung recht schwerfällig an und mehr als einmal muss man nachkorrigieren oder landet bei nahe beieinander stehenden Gegenständen auf dem falschen. Durch die durchweg ruhige Natur des Spiels könnt ihr zwar nichts falsch machen, eine präzisere Steuerung wie bei einer Computer-Maus oder auch eine Bewegungssteuerung bietet sich bei dieser Art Gameplay aber einfach eher an. Das Sammeln der Spuren macht dennoch große Laune und auch die kühlen, analytischen Kommentare von Poirot sind passend und versetzen den Spieler sehr gut in die Rolle der berühmten Spürnase. Auf der Suche nach den Indizien werdet ihr häufig in kleinere, gesonderte Bildschirme geleitet. Hier gilt es, eine bestimmte Anzahl an Hinweisen zu entdecken, um die Ermittlung voranzutreiben. Das bloße Entdecken der Spuren mit eurem Cursor ist hier allerdings meist ausreichend. Im Gespräch mit Zeugen oder Verdächtigen erhaltet ihr tiefere Einblicke in die Beziehungen zwischen den Charakteren und findet heraus, ob die Person ein Motiv oder Alibi hat. Durch das Auswählen von richtigen Gesprächsoptionen (manchmal auch durch falsche) erhaltet ihr Trophäen, die ihr euch im Hauptmenü ansehen könnt. Wollt ihr alle Trophäen im Spiel ergattern, müsst ihr euch allerdings ein zweites Mal in das Abenteuer stürzen, da sich einige der nötigen Antworten ausschließen. Sämtliche Informationen zu den einzelnen Figuren werden in einem Notizbuch festgehalten, auf das ihr jederzeit Zugriff habt. Eine wichtige Gameplay-Rolle kommt dem Buch dabei allerdings nicht zu, da alle enthaltenen Hinweise und Informationen auch in Poirots Gedanken abgespeichert werden, mit denen ihr Stück für Stück die einzelnen Puzzleteile zusammensetzt, bis der Fall aufgeklärt ist.


Das Highlight eurer Ermittlungen stellen aber die Rätsel dar, die in einzelnen Gegenständen an den Tatorten zu finden sind. Wollt ihr beispielsweise in ein abgeschlossenes Hinterzimmer gelangen, müsst ihr zunächst den Schlüssel ergattern, der sich in einer verschlossenen Schublade befindet, welche euch vor ein Rätsel stellt. Die Rätsel sind dabei abwechslungsreich und teils recht komplex gestaltet und erfordern Aufmerksamkeit. Zudem überrascht der streckenweise doch etwas anspruchsvollere Schwierigkeitsgrad positiv. Auch hier steuert ihr über den rechten Control-Stick und betrachtet das Objekt von allen Seiten und verwendet Gegenstände, die ihr zuvor gefunden habt. Habt ihr eure Arbeit getan und alle nötigen Indizien gefunden, schließt ihr euren Fall mit einer Rekonstruktion des Mordes ab. Hier spielt sich die Szene zunächst von allein ab, bevor ihr zwischendurch mit verschiedenen Auswahlmöglichkeiten den Mord korrekt rekreiert. Solltet ihr einmal nicht weiterwissen, findet ihr im Menü ein Hinweissystem, bei dem Poirot selbst die nächste korrekte Option auswählt. Insgesamt macht das Gameplay des Titels zwar durchaus Spaß und führt gut durch die Handlung, bietet allerdings kaum Abwechslung und wirkt etwas schwerfällig. Mit einer Dauer von circa 6–7 Stunden kommt das Spiel auch recht kurz daher.


Die Rätsel, denen ihr euch stellen müsst, sind abwechslungsreich und manchmal gar nicht so einfach.

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Aber ist das Spiel auch eine gute Umsetzung der Romanvorlage? Entwickler Artefacts Studio hat hier ganze Arbeit geleistet, denn die Atmosphäre und Charaktere sind definitiv eines der Highlights des Titels. Allen voran steht natürlich Hercule Poirot selbst, dessen eitle und logische Persönlichkeit treffend eingefangen wurde. So könnt ihr im Spiel sogenannte Ego-Punkte sammeln, indem ihr handelt, wie es der Meisterdetektiv selbst tun würde. Hierzu zählt auch das regelmäßige Schauen in einen Spiegel oder das Aufräumen eines unordentlichen Koffers. Die Gesprächsoptionen, die sich euch bieten, sind ebenfalls mal im Stil des Detektivs und mal nicht, weshalb ihr gut überlegen müsst, wie Poirot handeln würde. Als Belohnung gibt es erneut Trophäen. Auch die restlichen Figuren, wie Hastings und Kommissar Japp, stammen ebenfalls alle aus dem Roman und wurden in ihrer Rolle übernommen. Das Spiel wurde komplett in Englisch und Französisch vertont und bietet daher lediglich Untertitel auf Deutsch. Die Vertonung wirkt dabei allerdings durchaus wertig und kleinere bekannte Redewendungen von Poirot sowie sein Akzent lassen den Charakter lebendiger wirken. Die musikalische Untermalung ist passend und subtil und auch die Präsentation der Schauplätze spiegelt den Art déco-Stil der 1930er-Jahre in Kleidung und Mobiliar gut wider. Besonders hervorstechend sind hier die exotischen Einflüsse ferner Länder, die sich in einem großen Herrenhaus auf dem malerischen Land wiederfinden. Die gute Umsetzung der Vorlage ist allerdings auch eine Schwachstelle des Titels, da Kenner der Romane zwar an der Originaltreue Gefallen finden können, den Ausgang der Handlung aber mitunter schon kennen. Wer mit den Werken nicht vertraut ist, findet auch nicht die Zeit, mit den Charakteren warm zu werden, da dem Titel schlicht die Möglichkeit fehlt, eine ebenbürtige Dichte in der Handlung zu erzeugen. Die Voraussetzung, den Charakter von Poirot zu kennen, um in seinem Stil zu handeln, stellt für Neulinge der Abenteuer zudem eine zusätzliche Herausforderung dar, obgleich nahe liegt, dass der Titel vor allem für Fans der Reihe gedacht ist.


Auf technischer Seite überzeugt Agatha Christie: The ABC Murders nicht gänzlich. Die Steuerung ist hin und wieder etwas ungenau und auch der Musik, obwohl stilistisch passend, fehlt es an Eingängigkeit und Volumen in entscheidenden Szenen. Das Spiel läuft die meiste Zeit stabil, hat aber bei weiter rausgezoomten Szenerien hier und da einen kurzen Ruckler, was aber nicht weiter störend ist. In Innenräumen tritt während des Steuerns des Protagonisten außerdem manchmal ein Partikeleffekt ein, bei dem für kurze Zeit kleinere Farbpartikel hinter der Figur zu sehen sind, was dem Spielerlebnis allerdings ebenfalls nicht wirklich schadet.

Unser Fazit

7

Spaßgarant

Meinung von Robin Jung

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Agatha Christie: The ABC Murders ein durchaus gelungenes Rätsel-Abenteuerspiel darstellt und auch auf der Nintendo Switch generell eine gute Figur macht. Der Titel wird der Buchvorlage „Die Morde des Herrn ABC“ im Rahmen seiner Möglichkeiten gerecht und bietet vor allem Fans von Agatha Christie eine gute Gelegenheit, um eines von Poirots Abenteuern in Videospielform zu erleben. Kleinere Mängel kommen vor, beeinflussen das Erlebnis insgesamt aber nicht wirklich. Das größte Manko stellen wohl die recht kurze Spielzeit sowie der geringe Wiederspielwert gepaart mit dem hohen Preis dar.
Mein persönliches Highlight: Die gelungene Umsetzung des Romans und die abwechslungsreichen, spaßigen Rätsel.

Die durchschnittliche Leserwertung

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