Gefangen in einem gefährlichen Paradies

Auf dem PC entführt uns das Survival-Abenteuer mit dem aussagekräftigen Titel Green Hell bereits seit August 2018 in den tropischen Dschungel. Zunächst vom Entwicklerstudio Creepy Jar als Early Access-Titel veröffentlicht, wurde es anschließend September 2019 als Version 1.0. herausgebracht und kommt seitdem neben dem Überlebens-Modus auch mit einem Story-Modus daher. Der Überlebenskampf im gefährlichen Dschungel erhielt seit jeher aufgrund der eindrucksvollen Inszenierung und der Überlebens-Mechaniken gute Kritiken. Nun erschien der Titel am 08. Oktober auch für die Nintendo Switch. Ob wir dieselben lobenden Worte für die Version der Hybridkonsole zu erübrigen haben, erfahrt ihr in diesem Test.


Eine Pflanzen- und Tierwelt, die faszinierend und bedrohlich zugleich ist


Der offen begehbare Dschungel in Green Hell kann auf zwei Arten erlebt werden. Systematisch im Story-Modus oder nach eigenem Ermessen im Überlebens-Modus. In der Geschichte stecken wir in der Haut von Jake Higgins, der mit seiner Frau Mia eine Expedition in den Amazonas Regenwald unternimmt. Ziel der beiden Wissenschaftler ist es, das indigene Volk, die Yabahuaca, zu studieren, über das Jake bereits ein Buch geschrieben hat. Mia möchte sich das Vertrauen des Volkes erarbeiten, indem sie eine Weile zusammen mit dem Stamm lebt, bis sie in diesen aufgenommen und ihr die Geheimnisse des Stamms anvertraut werden. Indessen geschieht uns als Jake etwas Unvorhergesehenes, sodass wir ohne Ressourcen an einem fremden Ort irgendwo im Dschungel aufwachen. Was genau passiert ist, erfahren wir, wenn wir die Geschichte komplett durchspielen. Unser Ziel lautet zunächst herauszufinden, wo Mia ist und wie wir Hilfe erhalten. Während unserer Reise heißt es stets: Überlebe!


Im Dschungel befinden sich viele markante Punkte, die für einen längeren Zwischenstopp ideal sind.

© Forever Entertainment

Die Genre-Bezeichnung „Survival“ kommt nicht von ungefähr, so wartet Green Hell mit komplexen Mechaniken auf. Das Ernähren, Bauen und Verteidigen gehört zu den Grundprinzipien des Spiels. Allein die Nahrungsmittelsuche stellt sich zu Beginn als Schwierig heraus. Unsere Smart Watch verrät uns, welche Nährwerte uns fehlen und unterscheidet hierbei zwischen Proteinen, Fetten, Kohlenhydraten und Wasser. Fisch und Fleisch versorgen uns mit Proteinen, während Pflanzen, Pilze und Nüsse uns mit den anderen Nährwerten versorgen. Allerdings ist stets Vorsicht geboten: Manche Lebensmittel dürfen nur gekocht verzehrt werden, andere gar nicht, weil sie uns Parasiten oder eine Nahrungsmittelvergiftung bescheren. Auch das Wasser aus Flüssen ist trinkbar, aber nicht sicher. Für diesen Zweck ist es stets hilfreich, Kokosnussschalen bei Regen auf den Boden fallen zu lassen, um das darin aufgefangene Wasser zu trinken. Krankheiten können uns schnell dahinraffen und daher ist ein vorsichtiges Vorgehen und häufiges Speichern sowohl für Anfänger als auch Fortgeschrittene ausdrücklich empfohlen.


Im Dschungel erwarten uns noch viele weitere Gefahren. Laufen wir unvorsichtig durchs Geäst, kann uns jederzeit eine Schlange oder Spinne beißen, was nicht selten eine tödliche Vergiftung nach sich zieht. Auch Ausschläge und an uns festgebissene Blutegel können uns begegnen; das Spiel ist also nichts für schwache Nerven! Kennt man sich bereits mit der Pflanzenwelt aus Green Hell aus, kann man Verletzungen wie diese eindämmen, indem man seinen Körper untersucht und gecraftete Verbände anbringt. Tödlich enden kann auch die Begegnung mit einem Jaguar oder den Ureinwohnern, wenn wir nicht schnell genug fliehen oder uns mit Gegenständen wie Speeren oder Pfeil und Bogen zu verteidigen wissen. Eine interessante und erschwerende Mechanik des Spiels ist zudem die geistige Gesundheit. Durch negative Erfahrungen, wie dem Essen roher Nahrung oder dem Erleiden von Verletzungen, sinkt sie. Esst ihr wiederrum verzehrbare und gekochte Nahrung oder befindet euch in der Nähe eines schützenden Lagerfeuers, steigt sie. Ist die geistige Gesundheit niedrig, werdet ihr quasi verrückt. Ihr beginnt, Halluzinationen zu sehen, die euch sogar angreifen können.


Anhand kurzer begehbarer Szenen setzt sich das Puzzle unserer Vergangenheit zusammen.

© Forever Entertainment

Durch all diese Mechaniken – die geistige Gesundheit, Verletzungen, die korrekte Nahrungsaufnahme – ist viel Mikromanaging vonnöten, um für längere Zeit im Dschungel zu überleben. Zu Beginn war ich durchaus überfordert, da beispielsweise erst durch Erfahrung ersichtlich ist, wie man Fische und Tiere fängt, welche Pflanzen Lebensmittel beherbergen und wie man bestimmten Verletzungen Herr wird. Seitens des Spiels werden nur wenige Grundlagen erklärt. Ein Tag vergeht schnell und euer Nährstoff-Haushalt sinkt rapide. So stellte sich zunächst die ein oder andere frustrierende Situation ein und der digitale Tod erfolgte diverse Male. Bereits nach wenigen Stunden Spielzeit konnte ich mich deutlich sicherer durch den Dschungel bewegen und für einen volleren Magen sorgen, dennoch begegnen einen regelmäßig neue Herausforderungen. Hat man sich einmal in die komplexen Mechaniken eingearbeitet, bereitet das Spielen jedoch zunehmend Spaß. So kann man sich dem Entdecken und Bauen widmen, sobald der Nährstoffhaushalt und die Vorräte halbwegs gefüllt sind. Das Spiel ermöglicht das Erstellen zahlreicher Gegenstände, die einen das Überleben erleichtern. Manche sind notwendig, andere optional. Von der Axt über das Lagerfeuer bis hin zu Wänden und Decken für die eigene Basis sind viele Rezepte dabei, die nach und nach freigeschaltet werden oder auch selbst durch ausprobieren gebaut werden können. Für den Story-Modus lohnt sich der Bau einer eigenen Basis nicht, da man sich viel von Ort zu Ort bewegt. Möchte man sich jedoch der Herausforderung annehmen, im Überlebens-Modus so lange wie möglich zu überstehen, sind die eigenen vier Wände von Vorteil. Für das Speichern des Spiels ist stets der Bau einer kleinen Unterkunft notwendig; ich persönlich empfand dies als stressig, da man besonders im Story-Modus ständig woanders ist und die Anspannung wächst, wenn man etwas Neues entdeckt hat und erst etwas errichten muss, um abzuspeichern.


Der Story-Modus erfordert mehr oder weniger die Erforschung des gesamtes Gebietes in Green Hell. Bei der Orientierung hilft euch eure Smart Watch, die über einen Kompass verfügt und euch eure aktuellen Koordinaten anzeigt, die ihr mit der Karte abgleichen könnt, die ihr recht früh in der Geschichte findet. Zu Beginn habe ich das weitläufige Gebiet eher planlos abgesucht, doch später wusste ich die Smart Watch zum Erreichen eines Story-Fortschritts wirklich zu schätzen. Auch wichtig für unser Vorankommen ist unser Notizbuch. Hierin finden wir Crafting-Rezepte sowie unser aktuelles Ziel. Auch können wir über ein Funkgerät mit Mia kommunizieren; in englischer Sprache, die jedoch mit deutschen Untertiteln versehen wird. Die Gespräche mit Mia helfen wenig beim Vorankommen in der Story, sie lockern das Geschehen jedoch auf und geben den Charakteren eine persönliche Note, die zunehmend an Substanz gewinnt. Die Geschichte nimmt erst im späteren Verlauf an Fahrt auf und enthält unter anderem Gesellschaftskritik, die man interessanterweise auch auf die Corona-Krise beziehen kann. Leider setzte zwischenzeitlich große Frustration bei mir ein, als ein Bug das Weiterspielen verhinderte. Der Story-Fortschritt in dem Spiel wird vor allem dadurch erreicht, dass ich bestimmte Orte erreiche und eine neue Dialog-Option mit Mia getriggert wird. Leider wurde ebendiese Dialog-Option einmal nicht getriggert, sodass ich die Story einfach nicht weiterverfolgen konnte. Ich bin noch einer Weile durch die Gegend gelaufen, nirgendwo wurden mir neue Gesprächsoption eingeblendet. Ein neuer Spielstand war von Nöten, der mir glücklicherweise keine Steine mehr in den Weg legte und das Durchspielen der gelungenen Geschichte somit ermöglichte.


Die Landschaften in Green Hell sind vielseitig und detailliert gestaltet, kommen auf der Nintendo Switch aber nur mäßig zur Geltung.

© Forever Entertainment

Green Hell wartet mit einer großen begehbaren Fläche auf, die grundsätzlich wunderschön inszeniert ist. Die Pflanzen, Tiere und Gewässer wirken authentisch und die Gefahren stets präsent, das gilt auch für die Geräuschkulisse. Leider kann das Spiel auf der Nintendo Switch nicht den Vergleich mit dem PC standhalten. Denn Green Hell ist mitnichten grafisch anspruchslos. Die Texturen auf der Nintendo Switch flimmern deutlich und ploppen unentwegt in der Ferne auf, wodurch kein klares und ruhiges Bild zustande kommt. Beim Tag-Nacht-Wechsel verändern sich die Lichtverhältnisse manchmal schlagartig statt natürlich und langsam. Kleinere Frame-Drops können den Spielspaß außerdem trügen. Zwar ist der Titel definitiv auf der Nintendo Switch spielbar, da alles in naher Umgebung sehr gut sichtbar ist, doch weitere Optimierungen hätten womöglich Abhilfe geschaffen. Wem die Grafik eines Spiels besonders wichtig ist, sollte nicht zu der Nintendo Switch-Fassung greifen. Mir persönlich ist das Gameplay wichtiger als die Grafik, dennoch konnte ich die optischen Einschränkungen während des Spieles nicht komplett ausblenden.


Das Navigieren durch den eigenen Rucksack und Kombinieren von Gegenständen hierin gehören zu den Kernelementen des Spiels. Leider frustrierte mich die Steuerung durch den Rucksack während der ersten Stunden. Es wird offensichtlich, dass das Spiel für die Bedienung per Maus und Tastatur ausgelegt ist. Manchmal wird sogar ein Cursor eingeblendet, der per Stick umständlich zu steuern ist. So dauerte es oft etliche Sekunden, bis ich kleinere Objekte in meinem Rucksack damit anwählen konnte. Während des Craftens läuft die Zeit im Spiel weiter, sodass gerade für Einsteiger ein gewisser Zeitdruck beim Kombinieren der Gegenstände entsteht, was die Nerven durchaus strapazieren kann. Es dauerte einige Stunden, bis ich mich in die Steuerung soweit eingefunden habe, dass ich routiniert meinen geplanten Dingen nachgehen konnte. Das Bewegen des Charakters durch die Welt hat hingegen von Beginn an keine Probleme bereitet, sodass ein angenehmer Grad an Immersion gelingt, sofern man nicht gerade in den Tiefen des Rucksacks versunken ist.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Laura Strack

Im Grunde ist Green Hell ein grundsolides Survival-Spiel. Doch die Portierung auf die Nintendo Switch macht dem Spaß häufig einen Strich durch die Rechnung. Sie wirkt aufgrund der mäßigen optischen Umsetzung, der teils fummeligen Steuerung und kleineren Bugs einfach nicht ausgereift. Sieht man von den negativen Punkten ab, erwarten einen fordernde Survival-Mechaniken, die anspruchsvollen Spielern gefallen und Überlebens-Anfänger frustrieren können. Mit der steilen Lernkurve wächst auch der Spaß, da sich viele Wege eröffnen, die Welt und ihre Möglichkeiten zu entdecken. Die Story kommt mit einer Hintergrundgeschichte daher, in der sowohl die tropische Welt von Green Hell als auch unser Spielecharakter Tiefe erhalten. Wer ganz ohne Druck spielen möchte, wird sich im Überlebens-Modus heimisch fühlen und für kurze Herausforderungen mit einem bestimmten Ziel gibt es auch einen eigenen Spiele-Modus. Fühlt man sich in der gefährlichen Welt von Green Hell heimisch, können potenziell unfassbar viele Stunden in das Spiel gesteckt werden. Leider vermag die Nintendo Switch-Version des Spiels nicht sein volles Potenzial zu entfalten, sodass all die positiven Aspekte einen faden Beigeschmack beibehalten.
Mein persönliches Highlight: Die fordernden Überlebens-Mechaniken.

Die durchschnittliche Leserwertung

0 User haben bereits bewertet

Kommentare 7

  • Uriniert

    Turmheld

    Schade eigentlich, dass die Umsetzung nicht ganz so gut gelungen ist.

    Die Steuerung müsste ich mir wohl noch mal etwas genauer ansehen, fand die auf dem PC schon so anstrengend, dass ich das Spiel wieder zurückgegeben habe.


    Vielleicht gebe ich dem Titel irgendwann noch mal eine Chance, wenn ich wieder mehr bock auf Survival habe.:)


    Danke für den Test:ddd:

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Willkommen im Dschungel, wir haben Spaß und Spiele...aber das hier lassen wir lieber aus, selbst wenn es im November regnet.

  • Solaris

    Ghost of ntower

    Besonders tückisch wird es bestimmt wenn die braune und die gelbe Leiste sich füllen und kein freies Dixie Klo verfügbar ist. Das kann sicher auch zum vorzeitigen Pixeltod, durch das Platzen von Blase und Dickdarm führen. ^^

  • Phantomilars

    Weltraummönch

    Solaris

    Oder es erscheint sodann die titelgebende grüne Leiste aus der Gedärmhölle <X

  • Domme

    Turmritter

    naja , vllt. wird es der technische Part ja nochmal gepatcht. Ist ja gerade ein wenig in Mode :dk:

  • Muki

    Turmbaron

    Immer schade das bei der Beleuchtung und schatten so extrem gespart werden muss. Macht doch die ganes in 720p und dann lieber mit richtigen Schatten.

  • lunatic1988

    Wurstkönig

    Ich hab schon beim Release-Trailer die enormen, grafischen Abstriche bemerkt und der Test bestätigt das ja nochmal. Wenn der Rucksack dazu noch fummelig zu bedienen ist wars das für mich auch schon. Bin zwar eh nie der riesen Fan von Survival-Games gewesen aber sowas braucht man absolut nicht. kA wieso das unbedingt auf die Switch musste, nötig wärs nicht gewesen ^^ Brauche keine Ultragrafik aber gerade bei Spielen wie Green Hell oder the Forest macht diese ja den größten Teil der Atmo aus.