Through the Darkest Dungeon

Der Zweite Weltkrieg zählt mit zu den dunkelsten Kapiteln unserer jüngsten Geschichte. Daher ist es kaum verwunderlich, dass dieser in so gut wie jedem Medien- und Kunstbereich, sei es Film, Theater, Kunstwerke oder Literatur, vertreten ist. Videospiele stellen dabei keine Ausnahme dar und schon zu alten C64-Zeiten rollten virtuelle Pixel-Panzer über die Bildschirme der Heimcomputer. Mit der Zeit und fortschreitender Technik wurden die Spiele entsprechend realitätsnäher und das Genre der Wargames im Strategiebereich oder der Weltkriegs-Shooter mit Vertretern wie Call of Duty oder Battlefield waren geboren. Im Laufe der Jahre gab es allerdings immer wieder Ermüdungserscheinungen hinsichtlich solcher Spiele, die heutzutage jedoch langsam wieder ihre Renaissance erleben, wenn auch in etwas anderer Form. So findet mittlerweile ein immer ernsterer Umgang mit der Thematik statt, wie zum Beispiel das Spiel Through The Darkest of Times beweist, welches sich mit dem innerdeutschen Widerstand gegen die Nazis beschäftigt. Warsaw vom polnischen Entwicklerstudio Pixelated Milk schlägt in eine ähnliche, wenn auch spielerisch andere Kerbe. Denn anstatt den deutschen Widerstand zu unterstützen, schlagen wir uns zum Ende des Zweiten Weltkrieges auf die Seite der polnischen Widerstandskämpfer und versuchen die deutschen Besatzer zu vertreiben. Dabei hat sich der Titel spielerisch wiederum ein ganz anderes Vorbild genommen: Sowohl von der Spielmechanik als auch von der Optik her erinnert Warsaw an das düstere Rogue-like Darkest Dungeon. Ob die Ähnlichkeiten nur oberflächlich sind und ob der Kampf gegen die deutsche Wehrmacht langfristig motivieren kann, das wollen wir im Folgenden näher beleuchten.


Mit eurer Truppe geht es den Nazis an den Kragen.

© Crunching Koalas

Warsaw spielt kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges. Die russischen Streitkräfte sind auf dem Vormarsch in Richtung Deutschland und die Nationalsozialisten herrschen über das besetzte Polen. Doch innerhalb des Landes regt sich immer mehr Widerstand und die Zivilbevölkerung nimmt den Kampf gegen die feindlichen Besatzer auf. Eure Aufgabe ist es, eine solche Widerstandszelle aufzubauen und dafür zu sorgen, dass Polen wieder frei wird. Doch bis dieses hehre Ziel einmal erreicht ist, vergeht noch eine ganze Weile und ihr müsst eure anfangs recht kleine Gruppe immer weiter zu einer schlagkräftigen Truppe ausbauen, während ihr euch nebenbei mit den Tücken des Krieges umherschlagt. Denn Krieg bedeutet nicht nur, feindliche Soldaten über den Haufen zu schießen, sondern auch mit sozialen und psychischen Problemen fertig zu werden und vor allem zu überleben. Hierbei hebt sich Warsaw etwas von seinem geistigen Vorbild Darkest Dungeon ab, denn das Spiel erzählt mithilfe verschiedener und teils zufälliger Events immer wieder kleine Geschichten, in denen ihr bestimmte Entscheidungen treffen könnt und sollt. Diese fallen jetzt nicht sonderlich originell aus, halten sich aber nahe an den typischen Alltagsproblemen und -situationen, wie man sie in einem vom Krieg erfassten Land erwarten würde: Streifzüge nach Nahrungsmitteln, Zivilisten, die eure Hilfe brauchen oder aber eure Truppe muss blitzschnell eine Entscheidung treffen, wenn ein Mörsereinschlag kurz bevorsteht. Dabei haben die kleinen Ereignisse auch immer positive wie negative Konsequenzen. In dem eben genannten Beispiel mit dem Mörsereinschlag wollte ich zum Beispiel meine Truppe in Deckung gehen lassen, anstatt schnellst möglichst zu türmen. Das Ergebnis war, dass meine Sanitäterin unter einer Schuttlawine begraben wurde und das Zeitliche gesegnet hat – na schönen Dank! Aber so ist Krieg nun einmal und Warsaw führt euch das häufig vor Augen.


Wie bereits erwähnt, orientiert sich der Titel spielerisch an dem Rogue-like Darkest Dungeon. Genau wie in dem mittelalterlichen Fantasy-Horror-Mix steuert ihr eine Truppe an Helden bzw. Widerstandskämpfern durch ein Stadtgebiet und erfüllt dort ein bestimmtes Missionsziel. Das kann zum Beispiel das Ausschalten aller Feinde sein oder ihr müsst einen bestimmten Punkt erreichen. Dabei bewegt ihr euch über eine recht simple Übersichtskarte und versucht Gegnern entweder auszuweichen, ihnen in den Rücken zu fallen oder Vorräte und kleinen Events aufzuspüren. Erschwerend kommt dabei hinzu, dass euch dabei nur eine bestimmte Anzahl an Schritten zur Verfügung steht, ehe die Mission automatisch scheitert. Herumtrödeln sowie unnötiges Erforschen will daher gut überlegt sein. Wie auch schon die Handlung an sich, sind auch die einzelnen Missionen in Warsaw nicht wirklich abwechslungsreich und anspruchsvoll, doch das macht das Spiel dafür mit den eigentlichen Kämpfen wett, denn diese haben es in sich. Euer Trupp kann aus mehreren Kämpfern bestehen, die allesamt unterschiedliche Stärken und Schwächen haben. So gibt es da Jadwiga, die ihre Verbündeten heilen kann und mit ihrer Pistole auf nahgelegene Gegner feuert. Andere Widerständler verfügen zum Beispiel über eher schweres Geschütz, können mit einem Gewehr präziser schießen oder sind in der Lage, Barrikaden zu errichten, hinter denen ihr Deckung nehmen könnt. Die einzelnen Scharmützel unterteilen sich in unterschiedliche Runden, wobei jede Runde endet, wenn die jeweiligen Teilnehmer, Verbündete wie auch Feinde, keine Aktionen mehr übrig haben. Fallen die Lebenspunkte eurer Charaktere dabei auf null, haucht der- oder diejenige das virtuelle Leben aus und ihr müsst anderweitig Ersatz finden. Die Kämpfe gestalten sich dabei gerade zu Beginn ziemlich knackig, wenn bereits ein einzelner Fehlschuss oder der kritische Treffer eines Gegners das Leben eines Widerständlers kosten kann. Dabei stellt sich eure Truppe auf der einen und die Gegner auf der anderen Seite auf. Je nach Position des jeweiligen Kämpfers und der Reichweite eurer Waffen und Fertigkeiten könnt ihr dabei unterschiedliche Positionen auf dem Schlachtfeld angreifen oder anvisieren, was ein gewisses Mikro-Management und eine sorgfältige Planung erfordert. Denn anders als in Spielen wie Darkest Dungeon stehen euch und euren Gegnern zwei Reihen zur Verfügung, auf die sich die jeweiligen Kampfteilnehmer aufteilen können. Das ermöglicht einige taktische Spielereien und Besonderheiten, denn wer selbst in der oberen Reihe steht und in die untere der Gegner feuert, fügt dem Feind mehr Schaden zu, sofern der Schuss natürlich sitzt. Doch ewig hinauszögern solltet ihr die einzelnen Kämpfe auch nicht, denn jede Fertigkeit eurer Charaktere verbraucht eine bestimmte Art von Munition. Geht diese zuneige, bleibt euch im schlimmsten Fall nur noch ein schwacher Nahkampfangriff und das kann gegen schwergepanzerte Feinde schnell das Ende bedeuten. Das Kampfsystem wird mit all den Fähigkeiten und einsetzbaren Gegenständen noch ein ganzes Stück komplexer und es braucht eine Weile, bis man sich eingearbeitet hat. Doch wenn man die einzelnen Finessen raus hat, lassen sich die einzelnen Charaktere vielseitig einsetzen.


Ihr müsst immer wieder Entscheidungen treffen, teils mit drastischen Konsequenzen.

© Crunching Koalas

Mit der Zeit nutzen sich die einzelnen Scharmützel jedoch ziemlich ab und auch wenn der Schwierigkeitsgrad stets anspruchsvoll und herausfordernd bleibt, wünscht man sich letztendlich doch etwas mehr Abwechslung, wenn schon die Missionen nicht sonderlich ansprechend sind. Zwischen den einzelnen Missionen kehrt ihr immer wieder in euren Unterschlupf zurück, in dem ihr euch auf euren nächsten Einsatz vorbereiten könnte, indem ihr eure Truppen verwaltet und aufrüstet. Zudem erfahrt ihr hier auch, wie stark euer Einfluss mit der Zeit wächst und ob ihr die Unterstützung der Bevölkerung noch in eurem Rücken habt oder nicht. Das Problem an diesem System war in diesem Fall recht simpel: Mir war es mitunter schlicht egal, ob meine Widerstandszelle erfolgreich war oder nicht. Das liegt mitunter auch daran, dass die Erzählung recht trocken vonstattengeht und auch wenn sich die Entwickler bemühen, eine gewisse Dramatik aufzubauen, diese bei mir einfach nicht zünden wollte. So quälte ich mich von einer Mission zur nächsten, bis mir entweder das Glück nicht weiter hold war oder ich einen strategischen Fehler bei einem der Kämpfe begangen hatte und ein Großteil meiner Truppe ausgelöscht wurde und ich von Neuem beginnen durfte. Gerade anfangs ist also eine gute Portion Geduld vonnöten, ehe man sich komplett mit den einzelnen Spielmechaniken vertraut gemacht hat und somit immer effektiver im eigenen Vorgehen wird.


Optisch erinnert Warsaw ziemlich an Darkest Dungeon und im ersten Moment war ich mir nicht sicher, ob das Spiel nicht von denselben Entwicklern stammt. Der Look wirkt trotz der comichaften Darstellung ziemlich düster und die bedrohliche Atmosphäre des besetzten Polens wird gut eingefangen. Die Animationen laufen während der einzelnen Kämpfe in einzelnen Standbildern ab, die jedoch eindrücklich verdeutlichen, was gerade passiert. Zudem kam es zu keinerlei nennenswerten Rucklern oder Performance-Problemen. Was wiederum weniger gut gelungen ist, ist die Steuerung. Man merkt Warsaw an allen Ecken und Enden an, dass es für den PC und vor allem für die Bedienung mit der Maus konzipiert wurde. In der Nintendo Switch-Version muss man erst durch die ganzen Fertigkeiten und Menüs mühsam durchscrollen, ehe man am gewünschten Punkt ist. Zudem ist gerade die Auswahl, wo ihr eure Truppen während eines Kampfes hinbewegen oder eine Fertigkeit ausführen wollt alles andere als präzise und so kam es bereits einige Male vor, dass ich an einem einzigen Zug vergleichsweise lang gesessen bin. Hier muss man einiges an Geduld mitbringen.

Unser Fazit

6

Überzeugend

Meinung von Florian McHugh

Wie doch der erste Blick täuschen kann. Als ich Warsaw das erste Mal auf Screenshots gesehen habe, dachte ich glatt dass ich es hier mit einem Darkest Dungeon-Verschnitt zu tun bekomme, der im Zweiten Weltkrieg angesiedelt ist. Und je länger man den Titel spielt, desto mehr bekommt man auch das Gefühl, dass eben das auch das Ziel war. Das Problem an der ganzen Geschichte ist, dass dieses Vorhaben nicht ganz aufgeht. Zwar bietet Warsaw einige sehr interessante Gameplay-Mechaniken, die jedoch allesamt nicht bis zum Ende ausgereift sind. Dazu kommt noch der Umstand, dass mich die Geschichte wenig berührt hat – so sehr, dass mir meine einzelnen Charaktere mitunter herzlich egal waren und ich ihnen im Todesfall keine Träne nachweinen wollte. Dazu kommt noch der anfangs ziemlich frustrierende Schwierigkeitsgrad, der selbst für ein Rogue-like recht gnadenlos ausfällt und mitunter ziemlich vom Zufall abhängig sein kann. Außerdem wäre da noch die Steuerung, die eindeutig für eine Maus ausgelegt ist und auf der Nintendo Switch eher umständlich ausfällt. Trotz allem macht Warsaw Spaß, wenn man sich einmal mit den grundlegenden Mechaniken vertraut machen konnte. Fans von Spielen wie Darkest Dungeon, die den Titel rauf und runter gespielt haben, sodass es ihnen nach mehr dürstet, und die etwas mit dem Szenario etwas anfangen können, sollten einen Blick wagen.

Die durchschnittliche Leserwertung

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